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Videospiel-Enttäuschungen: Pokemon, Mario, Final Fantasy

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Auf diesem Blog gibt es keine Jahres-Abschlüsse. Die Themen hier sind nur ein paar Titel der letzten wenigen Monate, weil sie schon im nächsten Jahr wieder vergessen sein werden.

Pokemon Sun & Moon

Weil Autofahren eh nicht so gut ist, bauen wir in Pokemonland die Ausfahrten einfach immer zu.

Weil Autofahren eh nicht so gut ist, bauen wir in Pokemonland die Ausfahrten einfach immer zu.

Ich habe schon vor Jahren erklärt, was das Problem mit den Pokémon-Spielen ist – lauter Beschwerden, die irgendwie niemand nachvollziehen kann. Praktisch alles, was ich in diesem verlinkten Beitrag geschrieben habe, ist auch für die neue Generation gültig. SunMoon hat verbesserungen gebracht, die den richtigen Hardcores das Leben einfacher macht, zum Beispiel kann man EVs jetzt sehr mühelos trainieren und muss kein 100% perfektes IV Pokemon mehr finden.

Allerdings bleibt das Problem bestehen, dass die signifikanten Aspekte dieses Spiels komplett obskur sind und nur für Leute, die alles googlen, nachvollziehbar sind. Zum Beispiel wird das Spiel komplett trivialisiert, indem man alle seine Pokemon sofort durch identische Pokemon aus dem Ausland austauscht, die 150% Erfahrungspunkte bekommen. Es ist einerseits meine Schuld, dass ich diese Methode ausgenutzt habe – aber andererseits ist es auch die Schuld des Spiels, dass es sie eingeführt hat. Wenn ein Spiel eine komplett ungebalancte Waffe hat, nutzt man die halt.

Und das ist nur das Gameplay. Die Singleplayer-Erfahrung von SunMoon ist ehrlich gesagt die schlimmste seit, äh… vielleicht immer? Und das aus Gründen, die komplett vermeidbar waren. Zum Beispiel hat man sich entschieden, VMs zu entfernen, was natürlich eine schon seit Jahren nötige Entscheidung war. Gleichzeitig hat man sich aber auch entschieden, das Gameplay von VMs zu entfernen. Ihr Sinn war ja eigentlich schon immer der Adventure-Aspekt: „Hey, jetzt kann ich ja dort durch, wo mir vorhin das Dingens im Weg gestanden hat!“ In SunMoon lässt sich die Erfahrung besser so beschreiben: „PASS AUF! Wenn du weitergehst, kannst du gleich zum ersten mal unebenen Boden sehen, über den man nicht einfach gehen kann. Lass mich dir ein Ride-Pokemon schenken, das dich sofort mühelos darüber trägt, damit du kein Hindernis hast!“ – Das gesamte Spiel ist 100% linear, mit konstanten NPCs, die nahezu wortwörtlich sagen „achtung, du läufst grade fünf schritte zu weit nach links, du musst zuerst hier den Plot machen bevor du weiter darfst!“ und wortwörtlich Straßenblockaden, die andauernd und explizit für dich aufgestellt werden. Und wenn man dann mal ein Lapras erhält, mit dem man surfen kann…  gibt es ausschließlich kleine Tümpel, damit man sich nicht verläuft.

Und Story? Das Spiel startet mit einem Video, in dem sofort offensichtlich klargemacht wird, dass „Team Weiß“ (das ist nicht ihr Name, aber das sind sie offensichtlich) die bösen sind. Das Spiel selber tut dann aber für 30 Stunden so, als ob es eine riesige Überraschung wäre, dass sie böse sind.  Hinzu kommt, dass SunMoon einfach VIEL ZU VIEL TEXT HAT. Meine Fresse, ich hab schon Mario&Luigi-Spiele gespielt, in denen weniger Dialog war. Manchmal hab ich mir gedacht, „Ich sollte mal wieder Golden Sun anmachen, wenigstens gibts dann nicht so lange bedeutungslose Dialoge!“ Wenn Sie diesen Witz verstanden haben, sind Sie meine Kern-Zielgruppe. Herzlichen Glückwunsch. Wenn man die vierte Insel des Spiels erreicht, sagen einem die NPCs „Hier wohnt praktisch niemand, das ist eine komplett andere Art von Insel als die Anderen“ und für einen Moment dachte ich, jetzt würde das Spiel für eine Weile einen anderen Ton anschlagen – eine unbewohnte Insel voller wilder Pokemon, ohne Heilmöglichkeiten, durch das man sich richtig durchschlagen muss vielleicht. Nope. Überall stehen Pokemon-Trainer und wohnen Leute, die Blabla-zu-Gameplay-Dichte ist vielleicht noch brutaler als sonst während des Titels.

Die Story ist die erste Hälfte lang eine komplett trantütige Angelegenheit, in der praktisch gar nichts passiert, dann auf einmal werden Portale zu anderen Dimensionen geöffnet, aus denen die Ultra Beasts uns angreifen. Die man dann im Postgame fangen kann – was interessant klingt, bis man feststellt, dass man von den meisten von ihnen zwei, manchmal sogar VIER fangen muss, und dass man für das Fangen kostenlose Pokebälle bekommt, die 4x stärker sind als normale, die also so effektiv sind, dass es sich nicht mal lohnt, die Ultra Beasts zuvor zu schwächen. Ultra Beasts werden also vom spiel selber komplett entwertet – obwohl sie wie die hardcoresten Monster überhaupt aussehen und alle gute Werte haben. Stellt euch mal vor, RotBlau hätte einem nach den Credits einfach sofort vier mal Mewtwo in die Hand gedrückt, genau das ist hier die Erfahrung.

Das viel beworbene Feature, dass die Arenen durch „Island Challenges“ ersetzt wurden, bedeutet übersetzt, dass man jetzt „Minigames“ lösen muss, die so unfassbar trivial sind, dass ich nicht mal eine herablassende Metapher dafür habe. Zum Beispiel der Feuertrial. Und dann, anstatt von Arenakämpfen, muss man üblicherweise die erste Evolutionsstufe eines Pokemons besiegen, dann die zweite, dann die dritte. Cooles feature, guys, hat sich ja richtig gelohnt.

Nachdem Pokemon XY eine neue Grafik-Engine mitbrachte, bringt diese Generation schon wieder eine neue mit sich – was zwar nett von den Machern ist, mich aber fragen lässt, wozu. Wenn man dann gleichzeitig nicht die Mühe aufwendet, um zum Beispiel mehr als 10 Overworld-Modelle für Pokemon herzustellen. Überall in Städten trifft man auf Starmie, Flegmon, Spinda und Machomei, weil die Entwickler anscheinend keine Zeit mehr hatten, um andere Modelle herzustellen. Und dass jetzt alle Charaktere verschiedene Emotionen auf dem Gesicht haben ist ja schön, wird aber dadurch ins lächerliche gezogen, dass das für den Spielercharakter irgendwie nicht mehr möglich war. Oft genug zoomt die Kamera dann auch noch ins closeup auf sie zu. Während irgendwas schlimmes passiert, reagieren die anderen GESCHOCKT und BESORGT, dann wird Spielercharakter in Nahaufnahme gezeigt, und sie hat einfach nur ein etwas hirnloses mildes Lächeln auf den Lippen.

Unterm Strich? Ich mag die Alola-Varianten von klassischen Pokemon. Ich mag, wie dieses Spiel aussieht. Aber ich glaube es hilft der Reihe im Ganzen nicht, das sie immer nur neuen Scheiß hinzuerfindet, ohne die alten Probleme zu lösen. Praktisch niemand spielt Pokemon kompetitiv, weil es (ohne durchspiel-Zeit gerechnet, erst ab dem Postgame) so 60+ Stunden dauert, damit man auf einem fairen gleichen Level ist wie die Anderen – damit man dann vielleicht mal fünf Matches gegen irgendwen spielt bevor man keine lust mehr hat. Und die Leute, die es kompetitiv spielen, nutzen externe Cheatgeräte, die ihnen einfach perfekt zusammengestellte Pokemon herstellen.

Es ist nicht, dass ich zu alt für Pokemon geworden bin. Diese Beschwerden habe ich seit zehn Jahren. Die Reihe selber hat nur einfach noch nicht gemerkt, dass sie schlecht ist.

Final Fantasy Egal

Hier abgebildet: Der Emo, der dingens, der dingens, der dingens, und der niedliche. Wie in jeder Boyband.

Hier abgebildet: Der Emo, der Dingens, der Dingens, der Dingens, und der Niedliche. Wie in jeder Boyband.

Dieses Jahr ist ein neues Final Fantasy herausgekommen, in dem Jungs mit Anime-Haar und egaler Persönlichkeit ein cooles open world-Erlebnis haben, das dann zu einem endlosen Korridor wird, und am Ende muss sich der Protagonist opfern, um den Bösen zu töten, der seine Freundin getötet hat. Sorry, hab ich gerade das spiel gespoilt? Dann schreibt doch mal n verficktes Spiel, das nicht die selbe Idiotenstory seit FF7 schon wieder erzählt!

Ganz ehrlich, hier ist was Final Fantasy machen müsste: Komplett das Grafikgewichse wegschmeißen (der Grund für den unheimlich langen Entwicklungszyklus hinter den FF-Spielen) und einen sehr gut aussehenden Titel in 2D machen. In Orientierung an Rayman Origins. Als nächstes versucht man dann ausnahmsweise mal nicht, das komplette Kampfsystem neu zu erfinden, und nutzt einfach nur interessante Rundenbasierte RPG-Kämpfe, die wie in den letzten Jahren endlos von der Konkurrenz bewiesen immernoch funktionieren können.
Und mit den eingesparten 15 Trilliarden Budget erlaubt man sich dann, eine Story zu erzählen, in der der Spieler durch seine Handlungen agency hat (das heisst, die Ereignisse ernsthaft beeinflussen kann), und besinnt sich vielleicht darauf, einfach mal wieder ein Spiel zu machen, das nicht endlos masturbativ versucht, den Aerith-Moment und den Sephiroth-Moment und den Squall-Moment zu wiederholen.

Pokemon Go

Nachdem ich eben über das aktuelle Pokemon so extrem gemeckert habe, möchte ich jetzt etwas möglichst differenziertes über Go sagen (Es kommt übrigens nur in diese Liste, weil ich erst seit Oktober ein Smartphone habe – in Wahrheit ist es natürlich seit dem Sommer draussen): Technisch gesehen, als Spiel an sich, ist es richtig schlecht. Es hat alle Schwächen der Mainline-Titel (z.B. dass 95% aller Pokemon kompletter Müll sind, weil sie ihre Werte aus der Mainline übernommen haben) ZUSÄTZLICH dazu, dass es keine legitimen Kämpfe hat, technische Schwierigkeiten auf vielen Leveln die bis heute nicht alle behoben sind, praktisch nur in Großstädten ordentlich spielbar ist, alle Leute die nicht seit Tag 1 an der Spitze mitspielen sich bis Level 30 in den Arenen gar nicht erst blicken lassen müssen, die Entwickler es mit Kommunikation mit den Usern nicht so haben und der Verkauf von externen Batterien vermutlich alleine durch dieses Spiel um mehrere hundert Prozent erhöht wurde weil es so brutal Strom verbraucht.

Aber auf der anderen Seite steht meine rein persönliche Erfahrung, einen Grund zu haben, das Haus zu verlassen und lange Strecken zurückzulegen. Ich habe an sich nichts gegen Spazierengehen, ich finde es nur langweilig und werde dabei so geistig unterfordert, dass ich recht schnell einfach vor langeweile umdrehe und wieder nach hause gehe. Mit einem Podcast und Pokemon halte ich es stundenlang aus. Das Team-System, in das von Seiten der Entwickler praktisch keinerlei Mühe gesteckt wurde, verbessert meine persönliche Erfahrung massiv – zum Beispiel habe ich zum Spaß ’ne Reihe anstecker für meinen Freundeskreis gemacht, obwohl es natürlich Unsinn ist, dass einige von meinen Freunden nicht Mystic sind, das offensichtlich bessere Team. Diese komplett von den Spielern erfundenen Persönlichkeiten für die Teams eröffnen Kontaktmöglichkeiten mit Spielern. Ich habe schon mitten in der Nacht leute getroffen, die mit mir Arenen übernommen haben. Ich freue mich, dass es mit der Silph Road ein Reddit gibt, das praktisch von Game-Wissenschaftlern geführt wird, die mit quantitativen Methoden analysieren, wie das Spiel funktioniert.

All die guten Seiten des Spiels sind eigentlich nicht die Schuld der Developer. Es ist ein objektiv betrachtet sehr schlechtes Spiel. Aber eben eines, wegen dem ich stundenlang Fahrrad fahre, mit Fremden ins Gespräch komme und die Stadt anblicke und denke „Hm, da hat jemand den Stromkasten im Auftrag der Stadt angesprayt. Vermutlich ist das ein Pokestop.“ – praktisch das, was Augmented Reality halt ausmacht.

Mario Run

Meine Meinung über Mario Run kann ich auch echt nicht auf einer Zehnerskala vermitteln: Ja, es ist technisch nett, es sieht gutaus, Nintendo kann sich die Einnahmen vermutlich nur mit einem Trichter in den Rachen einführen lassen weil es so viel Geld macht, und es ist vermutlich gut, dass es der einfachste Mario-Titel jemals ist, weil es von lauter Noobs überall in der Welt gespielt werden wird.

Aber sobald man hinter diese erste Ebene blickt, in allen Details, finde ich es richtig problematisch. Zuerst mal die Challenge-Münzen: Die Herausforderung liegt effektiv darin, jeden Level 3 mal auswendig zu lernen, weil der Spielausschnitt immer so winzig ist, dass man wissen muss, welchen Weg man gehen muss, bevor eine der Münzen überhaupt in Sicht ist. Der Skill-Aspekt macht höchstens 20% davon aus, die Münzen zu sammeln.

Die Toad-Rally ist eigentlich der beste Teil des Spiels. Ich finde es super, dass es wie wild Münzen regnet wenn man gut spielt und man für geile Styles belohnt wird – fünf Gegner in Folge ohne dazwischen zu landen wegspringen ist klasse. Das Problem ist, dass alle Rennmodi außer dem Luftschiff die Mühe nicht wert sind, weil man mit viel Glück in den anderen Karten vielleicht mal +8 Toads gewinnt – während man im Luftschiff konstant +15 von jeder Farbe kriegt. Alle anderen Maps kann man also komplett ignorieren. Und das Gegner-Levelup-System finde ich theoretisch gut, dadurch dass es aber ausschließlich im Multiplayer stattfindet, bedeutet das übersetzt „erstmal farmen, damit du ohne konstanten Nachteil auf dem gleichen Level wie deine Gegner spielen kannst“.

Und es ist eigentlich super, dass Münzen endlich einen Sinn haben. Leben sind ein völlig veraltetes System, das sinnigerweise in Mario Run nicht vorkommt. Statt dessen kauft man damit Deko-Objekte. Eigentlich klingt das sehr cool… aber der Umstand, dass sie alle komplett bedeutungslos sind und man mit ihnen auch keine cool aussehenden Orte arrangieren kann, sondern einfach nur (wie oben abgebildet) einfach alles mit irgend nem Kram vollstellt, macht sie dann wieder sinnlos. Hätten die Objekte irgendeine Funktion, wär’s ja wieder okay gewesen.

Bei Mario Run wurden viele sinnvolle Ideen verbunden, die für Mobile sehr viel Sinn ergeben. Aber wenn ich dann einfach die Nähte sehe, an denen die Level zusammengesetzt sind (absolut alle Level haben nämlich fünf Abschnitte, in jedem eine Challenge-Münze)… dann bricht meine Immersion. Bei einem Mario-Spiel. Das muss man erstmal schaffen.

 

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Written by vetaro

31. Dezember 2016 um 4:41 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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