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Meine persönliche Terrorangst

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Ich gehöre zu den Leuten, denen bekannt ist, dass „Terror“ ein völlig Matschiger begriff ist, der schon seit mindestens 150 Jahren von der jeweiligen Regierung gebraucht wird, um irgendwas zu bedeuten. Ich bin mir im Klaren, dass Blitze eine größere Gefahr für mein Leben darstellen. Aber es gibt da diese eine Sache, die mir Sorgen macht.

Ich bin mir meiner Sorge schon seit Jahren bewusst und habe nie etwas drüber geschrieben, weil ich befürchtete, damit jemanden auf Ideen zu bringen. Aber ganz ehrlich, dieser Spiele-und-Medien-Blog hat 50 Besucher am Tag und ein Dauerbrenner ist der aktuell 7 Jahre alte Beitrag, in dem ich mich beömmele, dass viele Christen glauben, bei Analsex würde man seine Jungfräulichkeit nicht verlieren. Die Gefahr, dass meine Leser mit „Gefährdern“ überschneidungen haben, halte ich für gering.

Wenigstens bis vor ein paar Jahren waren wir in der Phase, in der „Terrorismus“ jene Akte beschrieb, bei denen der akute Schaden und die konkreten Tode durch eine Tat nur zweitrangig waren. Erstranging war die Zielsetzung, den Rest der Bevölkerung in Unruhe zu versetzen, dass ihnen das ja auch jederzeit passieren könnte. Verübt von Gruppen, die nicht etwa ein Problem mit dem Kapitalismus haben, oder ein Exempel statuieren wollen, sondern die generell alles an uns ablehnen. (Aktuell hat sich der Begriff mal wieder weiter-entwickelt, aber darum soll es diesmal nicht gehen. Die besprochene Sorte Leute gibt es ja weiterhin.)

Und deshalb fürchten wir seit Jahren Bomben in Flughäfen und Bahnhöfen, Amok- und Selbstmordtäter in Einkaufszentren und bei Sport- und Großereignissen. Was für die Leute, die davor Angst haben, schon ziemlich schlimm ist. Aber jetzt kommt meine persönliche Vision, die Sache, vor der ich Angst habe.

Dass eines Tages einer von denen auf die Idee kommt, in der Kröselstraße 37 beim Nachbarschafts-Grillen zuzuschlagen.

Falls dir nicht sofort klar ist, wo ich da das Problem sehe, wirst du jetzt sagen „Ja gut, aber was wird da schon passieren, da sind ja 1000 mal weniger Leute als beim Oktoberfest oder beim Berlin-Marathon, da haben die Terroristen ja nicht so viel von.“ Abgesehen davon, dass von jenem Moment an das Weltbild der Angst habenden Bevölkerung zersplittert. Wer sich aktuell Sorgen um Bomben macht, bleibt halt so sehr es geht von Flughäfen, Großveranstaltungen und riesigen Einkaufszentren fort. Aber wenn auch nur ein mal in irgend einem Wohnhaus was passiert, gibt es keine gefühlten Sicherheiten mehr. Man kann einfach nicht alle Wohnhäuser des Landes sichern gegen jemanden, der auch ’ne Bombe dabei hat.

Ich war dieses Wochenende auf einer Aktion zum Weltkindertag. 5000 – 10 000 Leute waren da gleichzeitig anwesend. Und vermutlich ein Dutzend Polizisten, die Hälfte von ihnen wegen der nahen Synagoge, die sowieso immer bewacht wird. Wir leben offensichtlich in einer Welt, wo es noch keine Sorgen gibt, dass auf dieser Veranstaltung jemand Amok laufen könnte. Das wäre dann natürlich vorbei. Praktisch alles an Entspannung wäre dann vorbei. Ich erinnere mich, wie es eine Woche nach 9/11 war, als wir nicht wussten, ob das jetzt alles ist oder damit vielleicht nur ein Auftakt geplant ist und man als nächstes in allen möglichen anderen Ländern mal zuschlagen könnte. Mir war schon damals klar, dass die akute Gefahr für mich, in der nicht mal zehntgrößten Stadt Deutschlands, gering wäre.

Aber um die akute Gefahr geht’s ja nicht. Ich bezweifle, dass Terroristen egal welcher Sorte annehmen, dass sie ihren Gegner auf diese Weise vernichten können – so wenig, wie ein Kopftuchverbot Unrecht gegen Frauen beenden kann. Aber sie können einem Land massiv vor das metaphorische Schienbein treten und sie dermaßen erhitzen, dass es sich selbst das Leben unerträglich macht. Und weniges wäre so gut dazu geeignet, das in völligen Overdrive zu tragen, wie so eine Aktion.

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Written by vetaro

20. September 2016 um 4:25 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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