Hu

Vermischte Empfehlungen

with 2 comments

In den letzten Jahren habe ich eine Menge Dinge gefunden, die mir sehr gut gefallen, zu denen ich aber nicht genug zu sagen hatte, um einen ganzen Beitrag zu füllen. Daher hier jetzt ein vermischter Post mit Empfehlungen, nicht nach Qualität geordnet. Alles nur Sachen, hinter denen ich wirklich und schon lange stehe.

Radiolab

Radiolab ist, wenn man mal ohne persönlichen Geschmack daran geht, vermutlich der beste Podcast der existiert. Er ist gemacht für Leute, die gerne Dinge wissen. Jede Folge ist eine 40~60 Minuten lange Reportage über praktisch jedes beliebige Thema. Entgegen dem Titel experimentieren die nicht mit ihren Methoden, Radiolab weiß sehr genau, wie ihr Format funktioniert und ihre Art zu schneiden ist ziemlich einzigartig. Die beiden Dinge, die mir an ihnen am meisten auffallen, sind dass sie oft Themen behandeln, von deren Existenz ich vorher nicht wusste, und dass ihre Berichte oft nicht dort aufhören, wo sie in anderen Medien aufhören würden. Radiolab gehen oft den nächsten Schritt, finden die Lösung für eine Story, wo andere sagen würden „Tja, wir werden’s vielleicht niemals wissen“.

Es ist schwer, eine individuelle Radiolab-Folge zu empfehlen, weil sie absichtlich unspezifische Titel nehmen und die kurzen Textbeschreibungen oft wenig mit dem Inhalt zu tun haben, um nicht zu spoilern – und weil es eigentlich keine Highlights gibt, da die vielen hundert Episoden die es gibt nahezu alle auf maximalem Niveau sind. Daher sind die beiden Beispiel-Episoden hier fast arbiträr gewählt.

Vorbildliche Folgen:

The Rhino Hunter handelt von den Leuten, die für viel Geld das Recht kaufen, z.B. in Afrika ein Rhino zu erschießen, und warum simple Tierschützerische Wut darüber irgendwie unangemessen ist.

Birthstory handelt von einem schwulen israelischen Paar, die eine Leihmutter engagieren. Und von den Leihmüttern. Und von den Ländern, in denen dies passiert, und die zunehmend diese Praxis verbieten, als ihnen klar wird, von wem der Service genutzt wird. Klassische „Die Story geht weiter, wo andere aufhören würden“-Geschichte.

Reply all

Reply all bezeichnet sich als „Show about the Internet“, was auch wahr ist: Die Macher leben erkennbar genau wie ich im Internet und oft ist der Hook etwas, was nur wegen des Internets möglich geworden ist. Wenn einem das zusagt – was ich mal stark hoffe, wenn ihr hier von Reply all erfahrt – ist der Podcast praktisch auf Augenhöhe mit Radiolab. Netterweise lassen sie immer das „dies ist die Werbung“-Hintergrundlied laufen, während Werbung läuft, so dass man sie besonders leicht überspringen kann.

Making Friends beschreibt praktisch einen neuen Geisteszustand, der nicht direkt Gespaltene Persönlichkeit und nicht Shizophrenie ist, sondern das absichtliche Erschaffen von autonomen mentalen Begleitern, und der so wenig erforscht ist, dass vor Reply all praktisch noch niemand wirklich davon berichtet hat. Tulpamancy ist vermutlich so nahe dran an Magie, wie wir in der echten Welt je kommen werden.

Dead is Paul ist eine reine Spaß-Folge, die (falls du dies nicht im Jahr 2016 liest, wirst du dies vermutlich bestätigen können) schnell altern wird – sie erklärt die mitlerweile doppel-ironische Aufregung über Harambe und Marina Joyce, indem sie diese beiden Tweets erläutert. Der Spaß, den sie dabei selber entwickeln, hat mich auch mitgerissen.

Übermedien

Es sollte nicht überraschen, dass ich ein Projekt, bei dem Stefan Niggemeier an der Spitze steht, unterstütze. Übermedien hat das geschafft, was die anderen immer probieren, nämlich mich zu einem Zahlenden (2€) Leser zu machen. Ich mag‘ meine Nachrichten gerne korrekt anstatt schnell, und gerne meta anstatt akut. Bei Übermedien wird oft mit einer gewissen zeitlichen Distanz geschrieben, so dass genug Zeit war, die Fakten zu ordnen und die Lage einzuordnen. Außerdem haben sie das beste Bezahlmodel, was ich bisher gesehen habe: Ein Großteil der Artikel ist komplett kostenlos, nicht frei verfügbar sind üblicherweise die Hintergrundstücke und nicht so dringende Artikel. Weil ich es für unnötig halte, zu erklären was an Stefan Niggemeier gut ist, hier ein paar Artikel von nicht ihm:

Musik nur, wenn sie mau ist Dies ist der Artikel, der mich zum Abo überredet hat – endlich verstehen, warum im Radio nur so ein Scheiß läuft, der in niemandem eine Regung hervorruft, das isses mir wert.

Perfekte Busen für alte Frauen mit Problemen Michalis Pantelouris ist vermutlich der Mann, der mich beim Abo hält. Zwar komme ich für die Infos, aber wenige Leute schreiben so unterhaltsam wie er. Seine Offenheit, sich in dieser Rubrik immer wieder überraschen zu lassen, ist auch nennenswert.

AlienTube

Warum nicht mal ’ne Browser-Extension empfehlen? AlienTube leistet das unfassbare und macht Youtube-Kommentare okay. Indem es sie durch Reddit ersetzt. Vermutlich die beste mögliche Art, um an Meinungen und weiteren Gedanken zu einem Video zu kommen, die nicht dieses unerträgliche Höllenloch sind.

Alientube (Chrome)

Alientube (Firefox)

Alientube (Opera)

Folding Ideas

Folding Ideas schaue ich seit der ersten Folge, und ehrlich gesagt gibt es kaum einen Channel, der so genau meine innere Einstellung wiedergibt. Dan Olson erklärte ganz am Anfang, dass seine Absicht ist, videos zu machen, die kompromisslos auf seinem Niveau sind, ohne irgendwas zu vereinfachen, ohne es für die Massen zu popularisieren. Er weiß viel Zeug, er denkt gerne nach und er mag Filme und Spiele. Und er neigt zu Melancholie. Also genau die Sorte Person, die ich mir gerne anhören möchte.

300 ist meine Lieblingsfolge, in der er erklärt, warum dieser Zack-Snyder-Film awesome ist, was Objektivierung ausmacht und warum es okay ist, mal ’nen Film zu haben, in dem alle Leute Klischees sind. In der Folge davor erklärt er, warum der Protagonist der Transformers-Filme seine männlichen Zuschauer repräsentiert und eine schreckliche Person ist, auch ein großer Spaß.

End of Evangelion And The Audience-Author-Membrane ist mein zweiter Liebling, in dem er erklärt, wie Neon Genesis Evangelion es geschafft hat, zwei unterschiedliche Enden zu haben, weil den Zuschauern das erste nicht gefiel, woraufhin der Autor ein zweites Ende machte, das ein kompletter, Kinofilmgroßer Trollmove ist, in dem er seine Hyperfans beschimpft und ihre Spielzeuge zertritt. Nebenbei erklärt er mal kurz, warum nur noch in richtigen Indie-Bereichen Zeug produziert wird, das wirklich überraschend und groundbreaking ist.

Da Olson nicht dem ekeligen Youtube-Trend folgt, zig separate channels zu haben, sind auch weniger wichtige Uploads in seinen Videos zu finden. Für Einsteiger empfehle ich, nur die Episoden zu schauen, die „Folding Ideas“ oder „Minisode“ im Titel haben, um ’ne klare Idee zu bekommen, was sein Hauptwerk ist. In „richtigen“ Folgen spricht er durch seine Puppe, in anderen als er selbst.

Redlettermedia

RLM sind so grundlegend für mein Internet-Leben, dass ich sie regelmäßig zu erwähnen vergesse. Es wäre so, wie darauf hinzuweisen, dass ich XKCD lese (übrigens in meinem RSS-Feed seit 507) – eine Selbstverständlichkeit, etwas das zu erwähnen sich nicht lohnt weil es eh jedem bekannt ist. Meine erste Facharbeit war praktisch von RLM inspiriert (sie verglich Don Carlos mit Star Wars, weil ähnliches Charaktersetup, aber in modernen Geschichten ist Tragik halt nicht mehr üblich). Mein BA-Abschlussarbeit ist praktisch von RLM inspiriert. Redlettermedia sind in der Königsklasse von Youtube, sie machen die höchste Qualität und das mit ziemlich hohem Output. Wenn ich sie sehe, muss ich mich zurückhalten, um meinen Freunden nicht 5 Highlight-Momente aus jeder einzelnen Folge zu verlinken. Was machen die eigentlich? Meta-Content halt.

Half in the Bag: Jack and Jill hier realisieren die beiden im Verlauf ihres eigenen Reviews, dass Adam Sandler praktisch ein Trickbetrüger ist und rekreieren am Ende von Teil 2 die Erfahrung, wie es ist diesen Film zu schauen.

Half in the Bag: Movie 43 vermutlich habe ich kaum ein Video so oft zitiert wie dieses. Das Video eskaliert so großartig, dass nicht mal Mike sich am Ende noch zurückhalten kann.

Best of the Worst mit Max Landis Diese Episode macht alles richtig – die Filme, die sie anschauen, sind Meisterwerke, und Max Landis ist als Typ einfach super. Der Breakdown, den das ganze Team hat, als sie Double Down diskutieren, ist unvergleichlich.

 

Advertisements

Written by vetaro

14. September 2016 um 5:19 am

Veröffentlicht in Uncategorized

2 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Danke für die Tipps, ich bin gespannt.
    Mit übermedien hab ich ja gerade ein massives Problem, auch wenn ich die Artikel dort echt gut finde, und wie du richtig schriebst gerade die von Michalis wirklich überragend sind. Aber bis mein Abonnement tatsächlich ausläuft, liefern sie mir bestimmt noch genug Gründe, es doch wieder zu reanimieren, deshalb mach ich mir da nicht zu viel Sorgen.

    Muriel

    14. September 2016 at 8:17 am

  2. […] unterfordert, dass ich recht schnell einfach vor langeweile umdrehe und wieder nach hause gehe. Mit einem Podcast und Pokemon halte ich es stundenlang aus. Das Team-System, in das von Seiten der Entwickler […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: