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Professor Layton und die tiefgehende Fehleranalyse

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Ich habe in den letzten Monaten absolut alle Layton-Teile durchgespielt. Daher haben sie es verdient, dass ich ihnen einen sehr ausgiebigen Blick widme und auf alles eingehe, was sich in der Zeit so angestaut hat.

Sind es gute Rätselspiele?

Ja, halt irgendwie schon? „Ist es gut?“ ist wie immer die am wenigsten interessante Frage für mich. Die Rätsel sind oft gut – vor allem, wenn ab dem dritten Teil die Menge an Rätseln, die einfach nur 1:1 Mathe-Schulaufgaben sind, geringer wird. Der erste und zweite Teil sind voll mit den Dingern, danach kriegen sie sich aber langsam ein (auch wenn es mit dem Scheiß nie ganz aufhört). Jeder Teil hatte außerdem bisher ein Rätsel, das z.B. die korrekte Lösung einfach mehrfach in Folge als Falsch behandelte, bis es beim oft 3. Mal dann plötzlich ging, oder ein Rätsel, wo (vermutlich in der Übersetzung) entscheidende Informationen verdeckt werden (beim folgenden Bild ist z.B. der Hinweis, dass niemand zwei Kleidungsstücke mit der gleichen Farbe trägt, echt nicht offensichtlich), wodurch die Lösung im ersten Versuch zu finden praktisch unmöglich wird.

Oft genug fordern die Spiele auch, dass man nicht so logisch über seine Logikrätsel nachdenkt, denn wenn man zu viel gesunden Menschenverstand anlegt, überschreitet man das Niveau des Spiels und kommt auf die falsche Lösung. Oft genug habe ich dann einfach nur per brute force alle Optionen durchgenudelt.

Die zusätzlichen Minispiele würden mir noch besser gefallen, wenn man den Zugang zu ihnen nicht durch das Lösen von anderen Rätseln freischalten müsste. Weil das bedeutet, dass man sich alle Minispiele sparen kann, bis man in der Welt 100% der Rätsel geschafft hat und damit die Minispiele komplett freigeschaltet hat  – ansonsten kann man sie nämlich eh nicht komplett zu Ende bringen. Manche von ihnen aktivieren sogar Vorteile, wenn sie komplett fertig sind (z.B. erleichtern sie das Finden von neuen hint coins) – aber da man sie erst fertigstellen kann, wenn man eh schon nahezu alles, was es im Spiel gibt, geschafft hat, verlieren diese Belohnungen völlig an Bedeutung. Ich hätte mich über einen „hier sind noch ungelöste Rätsel“-Radar, den man früh im Spiel freischalten kann, sehr gefreut. Gibts aber eh nicht.

Die 3DS-Teile haben übrigens eine viel bessere Grafik, und rein von der Präsentation finde ich diese sehr angenehm. Sie werden ab da schön genug, dass sie dieses separate Lob hier verdient haben.


Mysteriös ist ja noch ’ne Konservative Beschreibung

Wenn meine Meinung zu allen Layton-Spielen in einen einzigen Satz zusammengefasst werden sollte, dann mit diesem Zitat von Matt Dillahunty über ein komplett anderes Thema: „You can’t explain a mystery by appealing to a greater mystery.“ Wenn man nicht weiß, wie etwas funktioniert, ist das eine Frage. Wenn einem dann aber erklärt wird, dass ein Alien-Zauberer gekommen ist und es gemacht hat, stellen sich eine Menge viel ernsterer Fragen. So geht es mir mit den Layton-Teilen. Sie sprechen natürlich gezielt an, dass man miträtselt, dass man sich fragt, was eigentlich abgeht und wo das hin führt. Dass man den Bösen entlarvt, bevor es das Spiel tut. Das Problem ist, dass die Lösung normalerweise dermaßen aus dem Arsch gezogen und crazy ist, dass es vollkommen unmöglich ist, als kritisch denkender Mensch darauf zu kommen. Und der Böse ist üblicherweise ein Typ, den man noch nie gesehen hat, der erst am Ende in Aktion tritt – anstatt einer von den vielen Verdächtigen aus der Handlung. Die Spiele schalten also absichtlich meine kritischen Gedanken an – ich behaupte mal, dass ich nirgendwo so berechtigt bin, die Logik und Rätselei zu hinterfragen wie in einem Logik-und-Rätselspiel – und bieten dann komplettes Chaos, dass man nicht durch klares Nachdenken durchdringen kann.

Ich habe hier mal eine Liste erstellt, in der zuerst das Rätsel, also das große Mysterium jedes Spiels steht, und dann die Auflösung des Rätsels am Ende des Spiels sowie all die Fragen, die erst durch die Auflösung entstehen aber nie auch nur im ansatz beantwortet werden. Auf diese Weise möchte ich dieses Phänomen ein wenig erläutern. Wer dringend nicht gespoilert werden will, ist hier eh an der falschen Stelle.

Professor Layton and the Curious Village

Rätsel: Der Baron eines Dorfes hat in seinem Testament vermerkt, dass der Finder des Goldenen Apfels, der im Dorf versteckt ist, sein Erbe haben darf. Das Dorf ist insgesamt irgendwie komisch, manchmal scheinen Leute wie ausgewechselt zu sein.

Lösung: Alle Leute im Dorf sind Roboter. Das gesamte Dorf, mit Ausnahme eines Mädchens und eines Ingenieurs, ist Fake und ein Test. Wer all die Rätsel und Herausforderungen des Dorfes löst, findet heraus, dass der „Apfel“ die Tochter des Barons ist und man das Recht erhalten hat, für sie zu sorgen. Es gibt auch einen Raum voller Gold. Wenn man es berührt, schalten sich aber alle Roboter im Dorf für immer ab. Daher lässt Layton es zurück, um die Roboter nicht zu „töten“.

Fragen: Wieso gibt es im Jahr (ungefähr) 1910 perfekte, unfassbar perfekte Roboter, die von einem Mann, der effektiv Sherlock Holmes und ein Universalgenie ist, nicht erkannt werden können? Die anscheinend essen und trinken können, keinen Strom benötigen, eine komplette Persönlichkeit und Lebenserfahrung simulieren können, aber denen selber nicht bewusst ist, dass sie keine biologischen Wesen sind?  Auf welche Weise sind alle Roboter in der Stadt mit dem Goldvorrat gekoppelt? Was für ein Mechanismus soll das sein? Wieso sollte ein Typ überhaupt auf eine solche Weise seine Tochter an den erstbesten Rätsellöser vergeben, das könnte ja sonst ein Arsch sein, der kein Interesse an ihr hat und sich nicht ordentlich um sie kümmert? (Wie sich herrausstellt, ist Layton exakt das. Die Serie bringt es als running-gag unter, dass Layton sich nicht für sie interessiert, sie in allen folgenden Teilen ohne Grund zurücklässt und sie andauernd alleine Zuhause sitzen muss. Dies wird nie aufgelöst oder als Problem dargestellt.)

Professor Layton and the Diabolical Box

Rätsel: Ein Zug, so heisst es, hält manchmal an einer nicht im Fahrplan vermerkten Haltestelle in einer geheimen Stadt. Diese ist mit Neon-artigen Lichtern erleuchtet und die Bewohner munkeln, im nahen Schloss haust ein Vampir.

Lösung: Das gesamte Dorf ist seit 50 Jahren tot und verlassen. Die Stadt ist eigentlich eine Ruine und niemand lebt mehr dort, alle Leute und der generelle Anblick sind Halluzinationen. Der einzige echte Bewohner ist der „Vampir“, der auch aufgrund der Halluzination an die Illusion glaubte, er wäre noch 20 Jahre alt.

Fragen: Wenn das gesamte Dorf halluziniert wurde, bedeutet das, dass die Charaktere auch in völlig verrotteten Betten geschlafen haben und konstant gefahr liefen, auf kaputten Treppen die sie nicht sehen können, in ihren Tod zu stürzen? Ein Minigame besteht daraus, allen Bewohnern Tee zu servieren – heißt das, dass Layton und Luke konstant Tee ins Leere gekippt haben? Wieso erinnern sich die Halluzinationen an Dinge, die ihnen passiert sind? Wieso haben die Charaktere überhaupt untereinande konsistente Halluzinationen? Und wie zur Hölle hat der Herr des Schlosses fünfzig Jahre alleine überlebt?

Professor Layton and the Lost Future

Rätsel: Ein Mann hat eine Zeitmaschine erfunden und eine Reihe Wissenschaftler und den Premierminister zehn Jahre in die Zukunft entführt. In dieser Zeit herrschen Mafiöse Zustände und der Professor Layton der Zukunft scheint der Auslöser des Verfalls der Gesellschaft zu sein.

Lösung: Es gibt keine Zeitmaschine. Die Maschine hat statt dessen den Professor per Aufzug in eine gigantische Kaverne unter London transportiert, in der die Stadt komplett nachgebaut und bevölkert wurde. Der Bösewicht hatte vor, die entführten Wissenschaftler zum Bau einer richtigen Zeitmaschine auf diese Weise zu motivieren, damit sie in ihre Zeit zurückkehren könnten. Sein Kollege missbraucht das Projekt, um einen gigantischen Killer-Roboter zu bauen, mit dem er ins echte London eindringt und Kanonen schießt, bevor er von Layton gestoppt wird. Motiviert war er von Rache an Wissenschaftlern und Politikern – der Premierminister selbst war früher beteiligt an einem Experiment, das Schaden angerichtet hat.

Fragen: Wieso ist niemandem bekannt, dass unter London eine Londongroße Kaverne existiert? Wer hat diese komplette Stadt gebaut? Ich meine, ein Dorf faken ist ja schon anstrengend, aber hier wurde komplett London nachgebaut. Wer sind all diese Leute, mit denen die Stadt bevölkert wurde, die alle glauben, sie würden 10 Jahre in der Zukunft leben, die aber nicht durch eine Zeitmaschine hergebracht wurden? Angenommen sie haben alle Gehirnwäschen durchgemacht: Wie kann man ca. 7 Millionen Menschen (source) entführen, ohne dass jemandem das auffällt – wo doch schon die Entführung von ein paar Wissenschaftlern großes Aufregen erzeugte. Warum fällt niemandem im Unteren London auf, dass der Himmel eine Höhle ist. Wenn man das Geld hat, um komplett London zu faken, wieso muss man dann Wissenschaftler dafür entführen. Ich nehme an, die Geldsummen sind groß genug, dass man auch einen Widerspenstigen Forscher überzeugen kann, für einen zu arbeiten. Wieso ist niemandem in England bekannt, dass der Premierminister vor vielleicht zehn Jahren ein führender Zeitreiseforscher oder überhaupt wissenschaftler war? Warum erinnert sich Layton nicht an ihn oder den Bösewicht, die beide um nur eine Ecke mit ihm befreundet waren? Warum spricht niemand an, dass der abstrus gigantische killer-Roboter bei seinem Aufstieg nach London und mit den vielen abgefeuerten Kanonensalven vermutlich zehntausende Tode verursacht hat, der größte terroristische Akt in der Geschichte Europas?

Professor Layton and the Spectre’s Call

Rätsel: Ein Dorf, unter dem angeblich ein sagenhafter archäologischer Fund wartet, wird Nachts von Nebel und einem Monster heimgesucht, welches Häuser zerstört. Durch Warnungen eines „Orakels“ können die gefährdeten Stadtteile immer am Abend zuvor evakuiert werden.

Lösung: Es gibt zwei Monster. Ein großes, Seehund-Lapras-artiges Tier, das wohlmeinend ist und die Stadt beschützen möchte, und eine Horde Roboter, die die Stadt zerstören sollen, um die „goldenen Gärten“ zu finden. Die Kämpfe zwischen beiden Seiten erscheinen im Nebel wie ein einzelnes Monster. Das „Orakel“ hat einfach nur festgestellt, dass die vielen Flüsse im Dorf am Tag vor einem Angriff dort niedriger stehen, wo das Monster auftauchen wird. Die goldenen Gärten existieren und sind eine paradiesische Höhle, die unheilbare tödliche Krankheiten heilt, wenn man darin verweilt.

Fragen: Wieso sollte jemand, der einen archäologischen Fund sucht, danach suchen, indem er Häuser zerstört? Die Lösung wäre schließlich das Graben von Löchern, nicht das Zerschlagen von Wohnzimmern. Wie kann es sein, dass der Wasserstand eines Flusses nur an einer Stelle sinkt? Hallo, Physik??? Dies ist das erste Abenteuer von Layton – wieso spricht ihn  später niemand jemals darauf an, dass er eine Höhle gefunden hat, die unheilbare Krankheiten heilen kannWie ist es möglich, dass der Typ nicht der berühmteste Forscher der Welt ist.

Professor Layton and the Miracle Mask

Rätsel: Als Jugendlicher hatte Layton einen Freund, der viel mehr an Rätseln und Archäologie interessiert war als Layton selbst. Er ist aber bei einer Ausgrabung gestorben. Eine Stadt wird jetzt von einem „Maskierten Gentleman“ heimgesucht, der Karnevalsbesucher auf offener Straße in Stein verwandelt, in die Luft schweben und dort verschwinden lässt, der einen kompletten Jahrmarkt mit Riesenrad leerfegt und dann wieder füllt, ohne dass die verschwundenen davon etwas bemerkt hätten. Der Gentleman tut dies mithilfe einer „Maske des Chaos“, die Laytons Freund damals gefunden hatte, anscheinend ist er nur zu stoppen mit der passenden „Maske der Ordnung“.

Lösung: Es gibt keine Magie. Layton erklärt im Verlauf des Spiels immer wieder, dass alles Tricks sind: Die auf offener Straße zu Stein verwandelten Menschen waren Komparsen, die vorbereitete Statuen auf die Straße gestellt haben,während die anderen Anwesenden abgelenkt waren, und sich dann versteckten. Die schwebenden Opfer waren Menschen, die an große Ballons gebunden wurden und dann ein dunkles Tuch über sich warfen, um unsichtbar zu werden. Neben dem Jahrmarkt gibt es eine perfekte und leere Replik davon, in die Laytons Truppe mit einem Trick geführt wird ohne es zu merken. Die Masken haben keine Zauberkraft, sie aktivieren nur Zugang zu den Ruinen. Der Maskierte Gentleman ist (natürlich) der tote Freund von damals, der nur Gedächtnisschwund hatte und mit sehr, sehr, sehr schlechter Motivation entschieden hat, alle seine Freunde von damals zu tyrannisieren und zu ermorden.

Fragen: Wieso ist Layton auf einmal ein Skeptiker? Zu diesem Zeitpunkt hat er bereits mindestens eine Höhle, die alles heilen kann gefunden, ein Loch-Ness-Monster gesehen, zwei Killerroboter besiegt. Tatsächlich ist die Erklärung mit den Gasballons und den Tüchern viel weniger Glaubwürdig als die Behauptung, dass er einfach Levitation und Teleport kann. Wer die Schwebeszene gesehen hat, kann verstehen, wieso ich „Ballons, und die Leute werfen Decken über sich“ nicht in Betracht gezogen habe. Und wie zur fucking Hölle ist es möglich, einen Jahrmarkt – MIT RIESENRAD – zwei mal zu bauen, ohne das irgend jemand in der gesamten Stadt erfährt, dass dieser existiert, und zwar exakt neben dem ersten?

Professor Layton and the Azran Legacy

Rätsel: Layton findet eine seit Jahrtausenden im Eis eingeschlossene Frau, die eine uralte Kultur repräsentiert und (mit genug McGuffins) den Zugang zu ihrem Reich öffnen kann. Sowohl der Böse aus den letzten beiden Teilen als auch eine paramilitärische Organisation wollen auch den Zugang dazu haben.

Lösung: Die Zivilisation war Hochentwickelt, ist dann aber in einer wortwörtlichen Roboter-Apokalypse untergegangen. Ihre Ruinen zu aktivieren aktiviert in Wahrheit nur die Roboter, die wieder alle Menschen töten wollen. Layton und alle anderen stoppen dies mit einem absurden Selbstmord-Mechanismus, werden dann aber sofort alle wiederbelebt.  Der Böse der letzten 3 Spiele ist in Wahrheit Laytons verschollener großer Bruder, an den sich Layton ohne Grund bis jetzt nicht erinnern konnte. Der Chef der Paramilitärs ist Laytons Vater, der seine Söhne aus blöden Gründen verloren hat und grundlos nicht respektiert. Laytons Assistentin aus den letzten drei Teilen war eine Spionin für die Bösen, ist aber nach einem kurzen Heel-Turn sofort wieder auf seiner Seite und alles ist vergeben.

Fragen: Dieser Teil ist tatsächlich ziemlich kohärent und nicht völlig bekloppt, hier sind nur alle Charaktere dämlich und haben keine Motivation. Unter Anderem ist Layton schon lange vorher besorgt, dass Azran vielleicht nicht ganz so toll ist und man es vielleicht in ruhe lassen sollte… er macht aber natürlich trotzdem weiter, während er allen Anwesenden sagt, dass sie bitte aufhören sollen.

Wie viel Filler verträgt eine einzelne Person überhaupt?

In dieser gekürzten Version klingt es natürlich, als ob in Layton-Spielen immer viel passieren würde. Dem ist nicht so. Wenn man die relevanten Entwicklungen betrachtet, sieht man vielleicht 5 oder 10% eines Spiels. Der gesamte Rest sind Füll-Content und Kapriolen, die die Handlung auf keine Weise voran bringen. Zum Beispiel besteht Layton darauf, wo auch immer sie sind ein Hotelzimmer zu buchen, und in praktisch jedem Spiel verbringt man ganze Kapitel damit, hinter irgend jemandem her zu forschen, der sich als Red Herring herausstellt und, damit der Spieler auch an dessen Schuldigkeit glaubt, oft „kriminellaussieht. Wären die Layton-Spiele Bühnendramen, hätten sie zwei Akte (Einführung und Höhepunkt), und dazwischen ein Stunden dauerndes Überbrückungssegment.

Alle Leute sind Rätselfetischisten, Verkleidungen sind 100% perfekt

Eine ganze Reihe an Problemen habe ich in der Aufzählung der Spiele nicht angesprochen, weil sie alle Geschichten durchzieht. Meine Regel lautet schon immer: Die Prämisse darf alles mögliche sein, ich akzeptiere das. Aber die Konsequenzen daraus müssen logisch sein. Ich akzeptiere z.B., dass es einfach Leute gibt, die das Geld und die Ressourcen haben, um komplette Städte insgeheim aufzubauen oder hunderte von Komparsen anzuheuern, die niemals verraten, dass sie bezahlt wurden – und zwar in praktisch jedem einzelnen Spiel. Oder dass in dieser Welt alle Leute Rätselfetischisten sind, aber anscheinend niemand ausser Layton in der Lage ist, sie ordentlich zu lösen. Oder dass (ein trope, das in jedem Layton vorkommt), viele Leute sich 100% perfekt als andere Leute verkleiden können und irgendwer nettes in Wahrheit das gesamte Spiel über der Böse war, inklusive dass große Männer sich bloß mithilfe einer Gummimaske als viel kleinere Mädchen verkleiden können.

Aber spätestens, spätestens ab dem dritten Teil sollte Layton finde ich langsam mal anfangen, Dinge zu sagen wie „Moment, wir haben uns gerade erst kennengelernt und Sie scheinen mir auffällig plotrelevant, dürfte ich mal kurz an Ihrem Gesicht ziehen um sicherzustellen, dass sie nicht der Böse mit Gummimaske sind?“ JEDES verdammte mal sind alle Charaktere super überrascht, dass der Böse verkleidet war, und das obwohl es in einigen Fällen schon abstrus offensichtlich ist. In einem Fall hat der Verkleidete sogar andauernd einen ¬_¬ Blick drauf, obwohl er ein enthusiastischer, fröhlicher Mensch sein sollte. In anderen Fällen allerdings schauspielern sie ihre Rolle unfassbar perfekt, bis sie enttarnt werden.

Mindestens in drei Fällen vergisst der Professor außerdem entscheidende Ereignisse und Personen in seinem Leben, bloß weil es Plotrelevant ist. Sein erster Gegenspieler hat mit ihm studiert, aber er erkennt ihn nicht wieder, weil sein Haar jetzt nach oben anstatt zur Seite steht. Der Bösewicht im dritten Teil hat mit Laytons Freundin zusammengearbeitet und sich seit früher nicht verändert, aber Layton erinnert sich einfach nicht an ihn. Der Bösewicht im letzten Spiel ist literally sein eigener Bruder, der noch nie zuvor erwähnt wurde und den Layton anscheinend vergessen hat, obwohl es keinerlei Grund dazu gibt.

Extrem mächtige sowie extrem schlecht motivierte Bösewichte

Mal so ganz grundsätzlich: In keinem einzigen Spiel ist die Motivation der Bösen schlüssig. In keinem der Spiele ist die Methode, mit der die Bösen ihr Ziel erreichen wollen, auch nur ansatzweise dazu geeignet, es zu erreichen. In einem Fall wäre die Lösung gewesen „bezahlen sie einfach ein paar Wissenschaftler, um den Job zu machen“, aber statt dessen Baut der Typ eine komplette Kopie von London und bevölkert sie mit Millionen echter Leute, um die ca. 6 Wissenschaftler dort gefangen zu halten. In einem anderen Fall entscheidet einer, dass wohl Massenmord an einer gesamten Stadt voller Unbeteiligter die einzige logische Konsequenz ist, weil jemand mit seiner Freundin angebandelt hat, bloß weil er mal eben für 10+ Jahre verschwunden und vermutlich tot war. Solche Ereignisse dehnen nicht mehr die Glaubwürdigkeit, sie zerreissen die Glaubwürdigkeit in tausend Teile, verbrennen die Überreste mit einem Gasbrenner und streuen den Glaubwürdigkeits-Staub über verschiedenen Feldern aus.

Gameplay und Story – eine perfekte Zweiheit

In manchen Spielen unterstützt das Gameplay ja die Natur der Handlung und ergänzt sich mit ihr wunderbar. Bei Layton konfliktieren diese beiden Aspekte konstant und stoßen andauernd mit der Schulter gegeneinander, um zu zeigen dass sie sich noch immer hassen. In der sehr sehr großen Mehrzahl haben die Rätsel absolut keinen Zusammenhang mit den Ereignissen der Handlung. Oft sagt jemand „Bevor ich ihnen helfe, lösen sie bitte mal das hier“ und dann kommt irgend ein abstruses Ding. MANCHMAL sagt jemand „Oh, ich liebe Regenschirme so sehr“ und dann sagt Layton „dazu fällt mir ein Rätsel ein!“ und dann gibt es z.B. ein Regenschirmrätsel. In sehr seltenen Fällen kommt es mal wirklich vor, dass die Charaktere z.B. vor einer Ruinentür stehen und darauf ein Rätsel lösen müssen, damit die Tür aufgeht (diese Momente sind die einzige Ausnahme zu allem, was ich hier sage). Mit anderen Worten unterbrechen Rätsel normalerweise den Flow der Handlung, man muss wieder sein Mindset wechseln und in Rätsellaune geraten, obwohl man grade in Handlungs-Laune war. Alle Spiele tun ihr bestes, um einen konstant davon abzuhalten, sich nur auf eines von beidem zu konzentrieren und einen ganzen Haufen Handlung oder Rätsel auf einmal zu lösen, ohne immer geistig hin und her wechseln zu müssen. Es gibt keine Möglichkeit, erstmal alles von der einen Sorte zu machen, um dann den Rest zu machen.

Und dann ist da auch noch das Problem, dass man in Layton nicht scheitern kann. Abgesehen von der Möglichkeit, dass man aktiv aufgibt bleibt Verlieren absolut bedeutungslos. Es mindert zwar die Punkte, die man am Ende des Rätsels bekommt, wenn man es zuvor falsch löst – das ist für die freischaltbaren Belohnungen aber egal, weil auch, würde man alle Rätsel schlecht lösen, noch genug Punkte übrig blieben. Hinzu kommen die besonders bitteren Momente, in denen entweder Charaktere fordern, dass man seine Fähigkeiten beweist, oder es tatsächlich um Leben und Tod geht, weil man jemanden retten muss: Jegliche Spannung wird dadurch zerstört, dass alle Fehler ignoriert werden und man es unendlich oft wieder versuchen kann. Es spricht einen niemals jemand darauf an, wenn man andauernd falsch löst. Diese komplette Inkonsequenz zwischen oft versuchter Spannung in der Handlung und absoluter alles-ist-egal-igkeit im Gameplay machten mich jedes mal fertig. In ein paar Titeln gibt es sogar während des Höhepunktes ein Popup, das sagt „Wenn du jetzt mit dem Plot weitermachst, gibt es den Höhepunkt und du stellst dich dem Bösen“ der gerade literally die Stadt mit einem Killerroboter angreift „also geh lieber nochmal rum und mach übriggebliebene Rätsel, wenn du möchtest.“


Konstruktives vs. Dekonstruktives Fandom

Wir unterbrechen jetzt kurz das Layton-Thema, um mein Handeln hier zu rechtfertigen.

Seit ein paar Jahren habe ich intensiveren Kontakt mit Leuten, die in Fandoms sind. Für jemanden, der seit aktuell sieben Jahren diesen Blog (und vorher andere) über vor allem Filme, Spiele und Bücher schreibt, halte ich mich für ziemlich ausserhalb dieses Feldes und nicht Mitglied von Fandoms. Ich sehe mich manchmal als Gast in Fandoms, aber ein großer Unterschied, der mir auch und vor allem in Gesprächen mit Layton-Fans aufgefallen ist, macht mich eigentlich immer zu einem Fremdkörper. Das folgende ist natürlich nur eine Hypothese. Ich nenne sie Konstruktives und Dekonstruktives Fandom.

Konstruktives-Fandom ist das klassische Format: Es ist praktisch immer Charakter-Orientiert. Wenn man begeistert ist von den Personen in einer Geschichte, von ihren Beziehungen zueinander, den Entwicklungen die sie durchmachen, wie sie sich fühlen und benehmen. Ich behaupte jetzt mal, genug Fans getroffen zu haben, um sagen zu können, dass ein sehr großer Teil von ihnen Charakter-Fans sind. Konstruktiv ist daran, dass sie mehr Zeug dazu erschaffen, egal ob Bilder, Verkleidungen, Geschichten oder sonstwas. Typisches Beispiel: Praktisch alles, wozu es viel Fanfiction gibt.

Dekonstruktives Fandom ist, worin ich mich sehe. Die Orientierung liegt hier eher auf der Funktionialität. Wenn ich wirklich Freude an einer Geschichte finde, ist der Grund üblicherweise, dass das Setting auf eine Weise von unserer Realität anders ist, die gut funktioniert. Sie ist intern konsistent, clever gemacht; es gibt keine Widersprüche, wenn man die Prämisse akzeptiert. Typische Beispiele sind die Dinge, die ohnehin meine Lieblingswerke sind: World War Z (Buch), Steven Universe, Undertale, old World of Darkness. Das Wort Dekonstruktiv, das ist wichtig, sollte nicht mit Destruktiv verwechselt werden. Ich nehme Geschichten gerne auseinander und schaue mir sie im Detail an, ordne ihre Einzelteile und denke darüber nach. Das bedeutet, auch kritisch Dinge zu untersuchen, die man mag. Aufgrund neuer Wissenschaftlicher Erkenntnisse ist das jetzt möglich.

Natürlich sind das keine exklusiven Faszinationen. Man kann auch beides zusammen tun. Aber mir fällt schon auf, dass nur wenige Leute den Gründen folgen können, wegen derer ich an etwas begeistert bin, und oft auch umgekehrt ich nicht nachvollziehen kann, warum viele Fans etwas mögen. Ich kann von Charakteren begeistert sein, aber fast immer nur dann, wenn ich zuvor von der Funktionalität begeistert worden bin, wenn ich ihr Handeln nicht für behämmert halte.

Und jetzt kehren wir zurück zum Thema Layton: Layton-Fans mögen ihn. Und seinen kleinen Watson. Und die anderen Charaktere, die nach und nach eingeführt werden. Mir fällt es schwer, diese Punkte nachzuvollziehen. Ich spüre in den Dialogen die „aus dem Japanischen übersetzt“-heit und die andauernde Wiederholung von Informationen, damit man keine Fakten verpasst, auch wenn man mal nicht aufpasst, sehr deutlich… und dann das Problem mit dem kleinen Mysterium, das mit einem viel größeren erklärt wird. Ich kann die Charaktere nicht richtig für voll nehmen, weil ihr Handeln unsinnig ist. Weil sie nicht aus vergangenen Fehlern lernen. Weil regelmäßig der traurige dramatische Moment, der am Ende aller Layton-Teile kommt, einem Charakter passiert, der sich bis dahin absichtlich scheiße benommen hat und die Protagonisten verarscht oder einfach von sich weggedrängt hat, oft ohne guten Grund, sehr oft sogar mit einem extra schlechten Grund.

Ich bereue nicht, alle Layton-Spiele gespielt zu haben. Aber ähnlich wie bei „Feed“ wurde es irgendwann vor allem eine Übung in „Ich muss mir das jetzt ALLES ansehen, damit ich mir wirklich sicher sein kann, dass es nicht besser wird!“ Und es wird nicht besser. Der letzte Teil über die Aslanti ist mein Liebling, aber nur weil er im großen und Ganzen die große Handlung fallen lässt und statt dessen mehrere kleine Geschichten erzählt, die in sich alle schlüssig und ganz okay sind. Er ist sozusagen besser, weil sie dort den Bullshit der anderen Spiele einfach mal nicht gemacht haben – nicht unbedingt, weil er gute Dinge hinzugefügt haben.

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Written by vetaro

28. Juni 2016 um 11:17 am

Veröffentlicht in Uncategorized

3 Antworten

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  1. UUU Maurice

    Stiggy Bob Earl

    1. Juli 2016 at 12:30 pm

  2. O

    vetaro

    1. Juli 2016 at 3:19 pm

  3. […] ich letztens alle Layton-Spiele völlig zerstört habe, möchte ich jetzt auch Professor Layton vs Phoenix Wright besprechen, den vermutlich letzten […]


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