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Ein Warcraft-Film: Eher so ’ne mittelgute Idee

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Es gibt ein grundsätzliches Problem mit dem Warcraft-Film, wenn ihr mich fragt, und das besteht nicht darin, was er ist. Sondern was er hätte sein können.

Ich spreche hier nicht so viel darüber, weil es nicht so viel zu sagen gibt und das Thema alle nicht-Kenner denke ich eher abschreckt, aber seit zehn Jahren habe ich WoW-Erfahrung, und seit die Cataclysm-Erweiterung Ende 2010 raus kam, bin ich durchgehend aktiver Spieler. Ich stehe dem Spiel nicht begeistert gegenüber und sehe mich nicht als Fan. Große Teile des Spiels sind trivial, und die Teile, die mir wirklich spaß machen können (die schwersten Raids), tun das nur mit einer wirklich guten und sozial angenehmen Gruppe, was eine schwer replizierbare Umgebung ist – ich könnte es also nur mit sehr spezifischen einschränkungen empfehlen. Aber da ich nun mal zwanghaft Wissen absorbiere und viel Zeit und Mühe übrig habe, bin ich eben per Definition ein Hardcore-Spieler.

Mir ist die Handlung der Warcraft-Serie eigentlich recht egal – aber ich weiß halt darüber im Detail bescheid. Ich halte eigentlich Geschichten, in denen es um den Kampf zwischen König Dingens und dem Bösen Oberlord Bumskirchen geht, für extrem uninteressant, und bis vor recht kurzer Zeit ging es in Warcraft praktisch nur darum. Seit vielleicht drei Jahren (von insgesamt zwanzig) sind die Macher auf die Idee gekommen, auch mal Fragen zu beantworten wie „was machen eigentlich Pandamenschen oder Weltraum-Magie-Ziegen den ganzen Tag? Haben die Hobbies? Wie sehen deren Freundeskreise aus?“ – eben das Zeug, was ich eigentlich gerne wissen würde.

Standard Trailerfoto weil is ja eigentlich egal.

Als vor ungefähr vier Jahren die Rede vom Warcraft-Film also akut wurde, aber nichts über den Inhalt bekannt wurde, hatte ich eine Idee, was sie vermutlich machen würden, und dass das ganz gut sein könnte. Diese Idee war inspiriert von meiner Voreingenommenheit für persönliche Geschichten, die vor dem Hintergrund einer viel größeren Welt passieren. Hier ist der Film, den ich damals erwartet habe, mit ersetzbaren Details um es leichter vorstellbar zu machen:

Es geht um zwei Spielercharakter-Proxies mit interessanten Klassen, vielleicht einen Druiden und einen Hexer. Die beiden haben einen persönlichen Konflikt mit einem Antagonisten, der ihnen irgendwas getan hat, wofür sie eine nennenswerte, aber nicht gigantische Reise auf sich nehmen müssen. Auf dem Weg machen sie Kontakt mit einer Vertreterin der Horde, die eine nicht-grobschlächtige Rolle einnimmt, also z.B. Paladin oder Jäger, und recht schnell über den Fraktions-Konflikt hinwegsieht. Während diese persönliche Handlung passiert, zieht die Makro-Welt aber gerade in einen bekannten Krieg, also z.B. nach Northrend, gegen Cho’gall oder Ragnaros 2, und man sieht große, viel mächtigere Leute, die dorthin auf dem Weg sind oder davon reden. Dies ist aber kein Problem der Charaktere, die sich nicht auf diesem Niveau bewegen. Während die Hauptcharaktere ein Mensch und eine milde-exotische Rasse sind (z.B. Nachtelf), sieht man aber bei Nebencharakteren, dass es noch viel exotischere Leute wie Draenei oder Tauren gibt, und dass die Welt viel größer ist und für andere Leute, die andere Aufgaben zu erledigen haben, viel mehr auf dem Spiel steht. Die Handlung ist abgeschlossen, die Charaktere wachsen aber daran und können bei Bedarf auch nächstes mal dabei sein und auf einer größeren Skala agieren.

Das war damals meine Vision. Ich hielt das, und halte das auch noch heute, für eine naheliegende und gute Idee mit vielfachen Vorteilen: Sie ermöglicht, das Budget sehr frei anzupassen, weil die Scale von Szenen und Plotpunkten sehr frei entscheidbar ist, und in potenziellen Nachfolgern kann man einfach eine größere Geschichte erzählen wenn man will. Sie würde im „heutigen“, oder zumindest noch in frischer Erinnerung existierenden Warcraft spielen, unter Bedingungen, an die sich die meisten Spieler gerne erinnern und mit Einblicken darein, wie sich das Spiel, wenn man perfekte Bedingungen erlebt, anfühlen kann. Sie könnte praktisch das Gefühl, WoW zu spielen, emulieren. Speziell diesen Eindruck von „Ey, da drüben läuft einer… der ist ja echt, mit dem kann man reden!“ Die Handlung könnte als zusätzlicher Kanon existieren, anstatt mit dem existierenden zu konfliktieren, weil keine bekannten Ereignisse nochmal neu erzählt werden müssen. Und vor allem hätte man sofort eine deutliche Distanzierung zu Standard-Fantasy-Kram wie Herr der Ringe oder Eragon, weil es eben in einer anderen Größenordnung spielt und sich durch das Hyper-Fantasy-Setting, das WoW spätestens ab Burning Crusade geworden ist, völlig anders anfühlen kann.

Hier die actual Handlung von Warcraft 1: Bitte besiege alle Leute da. Gut, nächste Mission [12x wiederholt] Glückwunsch, sie haben den Krieg gewonnen.

In der Realität sieht das Filmkonzept aber so aus:

Es geht um Menschen und Orks, und wie sie das erste Mal aufeinander treffen, sowie darum, dass Gul’dan eigentlich voll böse ist und der Krieg, der passieren wird, nicht so gut ist. Die Hauptfiguren sind Krieger, Krieger, Magier. Der Film ist big scope, es geht also um das Schicksal von Völkern.

Das hat, meiner Meinung nach, eine Reihe von Nachteilen. Zuerst einmal mein persönliches Problem: Es interessiert mich nicht, was irgend ein König tut, und den dritten Teil vom Herrn der Ringe mit seinen Riesenschlachten habe ich wie die meisten Leute nicht als den Stärksten in Erinnerung, es ist also bereits eine Überwindung, sich darauf einzulassen. Hinzu kommt ein Umstand, den Blizzard-Leute immer geflissentlich auslassen: Es mag ja sein, dass es eigentlich immer um „Orcs vs. Humans“ ging, aber: Nobody fucking cares. Menschen sind einfach nur die standard-Rasse, zu der man nichts von Interesse sagen muss… und Orcs sind eine der am wenigsten gespielten Rassen überhaupt. Praktisch nur Gnome und Goblins sind seltener. Da man jetzt diesen Pfad eingeschlagen hat, ist relativ offensichtlich, dass (sollte es weitere Filme geben, was zu diesem Zeitpunkt noch nicht garantiert ist) die nächsten Filme zu den Spielen Warcraft 2 und 3 gemacht werden und ein ähnliches Ausmaß haben müssen, also nicht auf eine kleinere Geschichte zurückfallen können. Und dadurch, dass es um offizielle, bekannte Charaktere geht, gibt es auch eigentlich nur zwei Möglichkeiten, mit ihnen umzugehen: Entweder, ihnen passiert genau das gleiche, was schon vorher bekannt war (was Spannung nimmt, wenn man bescheid weiß) oder es passiert etwas anderes (was Skandale bei allen hervorruft, die übe den Kanon-Konflikt verärgert sind)

Disclaimer: Dieser Screenshot ist mir extrem gut geglückt und das Spiel sieht praktisch niemals so schön aus oder hat so wenig Clippingfehler.

Ich halte meine Idee für nicht völlig plemplem. Und auch nicht für völlig ohne Vorbild: Star Wars hat das so gemacht, eine persönliche Geschichte in einem viel größeren Universum erzählt. Das Marvel Cinematic Universe hat so angefangen, mit persönlichen Geschichten über immer nur einen oder zwei Leute. Steven Universe operiert auch sehr clever mit dieser Methode. Das geplante Warcraft-Kinderbuch scheint so zu funktionieren. Erstmal auf dem Niveau von einem Typen anfangen, bevor man vom Schicksal der Welt erzählt.

Aber statt dessen haben wir nun den Warcraft-Film. Niemand den ich gut kenne, ist besonders enthusiastisch darüber, weil wir nicht fans von der Franchise an sich sind, was praktisch die Werbestrategie ist. Reviews sind eher so schlecht bis mittel, weil es eben standard-kram ist. Weil Warcraft 1 eben standard-kram war. Und, sollte es weitere Filme geben, werden sie nach aller Vorraussicht auch wieder sowas werden. Damit müssen wir jetzt leben. Aber es ist eben nicht so, als ob das zwingend notwendig gewesen wäre und es keine Alternativen gegeben hätte.

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Written by vetaro

30. Mai 2016 um 7:02 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

2 Antworten

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  1. Ich kann/will da inhaltlich nicht mitreden, weil ich das Spiel nicht kenne, und auch sonst nix, aber du hast das fabelhaft geschrieben. Danke!

    Muriel

    30. Mai 2016 at 8:17 pm

  2. Immer stolz, einen Muriel-Kommentar zu haben.

    vetaro

    31. Mai 2016 at 7:33 am


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