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Undertale: I care immensely

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Dieser Beitrag wird ein wenig aus dem Muster fallen. Normalerweise verzichte ich darauf, hier mein Gesicht zu zeigen oder tief in die Kategorie „Was ich letztens mit meinen Freunden gemacht habe“ zu steigen, diesmal passiert das aber.

Und: Bisher habe ich meine Worte über Undertale sehr kurz gefasst. Einerseits, weil andere Leute bereits klügere Analysen dazu geschaffen haben und ich ihnen nicht viel hinzuzufügen hatte. Andererseits, weil es so unfassbar spoilbar ist. Selbst von den Fanreaktionen darauf zu wissen, verzerrt die Erfahrung auf eine Weise, die ich bei einem Witcher oder einem Dark Souls so nicht befürchte.

Es sind jetzt aber sechs Monate vergangen und ihr hattet genug Zeit. Dies ist die letzte Warnung. Wenn ihr nicht schon alles über Undertale wisst, haut ab, und zwar hier hin und lest weder weiter, noch youtubed ihr das bitte.

Ich habe Undertale im Verlauf von ungefähr einer Woche durchgezogen, inklusive aller drei großen Enden. Ich habe dabei intensiver einen Großteil meiner möglichen Gefühle gespürt als sonst im Leben. Ich habe laut gelacht. Ich war immer wieder richtig überrascht, sowohl von Handlungs-Ereignissen als auch davon, wenn das Spiel technisch seine eigenen Grenzen überschritt. Ich habe an der Ehrlichkeit von Leuten gezweifelt und die Fehler, die ich deshalb machte, sofort bereut. Ich habe für die Liebe zwischen anderen Leuten mitgefiebert. Ich habe Grusel erlebt. Ich war wütend und enttäuscht. Ich habe geweint. Während ich dies schrieb, habe ich wieder geweint. Obwohl ich mich mit keinem der Charaktere in einem „die ist ja genau wie ich“-Sinne identifizieren kann, sind mir alle extrem ans Herz gewachsen und ich kann alle ihre Konflikte und inneren Sorgen verstehen. Ich habe Schuld auf mich gezogen und fühle mich noch heute dafür verantwortlich, obwohl wir von Leuten reden, die nicht echt sind. Ich bin also schon seit Monaten weit über meine übliche analytische, distanzierte Haltung hinaus.

Die gesamte Erfahrung ist vermutlich sehr leicht kaputt zu machen, wenn man sich durch Vorwissen oder Erwartungen blenden lässt. Ich hatte dies nicht. Ich habe mich von einem Screenshot, auf dem die Optionen „Check“, „Pet“, „Pet“, „Pet“, „Pet“, und „Pet“ zur Verfügung standen, überzeugen lassen (shoutout an @pedrothedagger, der mich damit überzeugt hat) und das war alles was ich wusste. Ich kann verstehen, wenn jemand aufgrund von zu viel Vorwissen meine Erfahrung nicht nachempfinden konnte. Aber ich kann mir nicht vorstellen, wie ein fühlender Mensch ohne dieses Hindernis sich nicht von Undertale überzeugen lassen könnte.

Ich habe ehrlich gesagt, so unreasonable mir das auch jederzeit erscheint, zum Ende 2015 die Jahres-Toplisten von Spielejournalisten angeschaut und die Leute, die Witcher 3 und Fallout 4 an die Spitzen gestellt haben, ohne Undertale auch nur zu erwähnen intern als „Nicht kompetent oder komplett gekauft“ abgestempelt.

Nur um das Klarzustellen, Undertale ist nicht perfekt. Der Schwierigkeitsgrad, obwohl für mich persönlich exzellent geeignet, hat mehrere meiner Freunde dazu gezwungen, gegen Muffet oder Asgore Progress-Kämpfe zu führen oder jemand anderen spielen zu lassen, was die Erfahrung bestimmt geschmälert hat. Auch Muffet insbesondere halte ich für leider recht schlecht in den Rest der Handlung integriert – sie hat keinerlei Beziehung zu jemand anderem oder einen wirklichen Konflikt.

Das ändert aber nichts daran, dass das Spiel für mich um ein Vielfaches die 10/10-Anforderungen erfüllt (die meiner Meinung nach lauten: „es muss an sich einfach ein sehr gutes Spiel sein… und dann auch noch groundbreaking genug, dass nachfolgende Spielegenerationen entweder daraus lernen müssen, oder sich die Frage gefallen lassen müssen, warum sie daraus nicht gelernt haben“). Unter Anderem weil alle entscheidende Arbeit von einem einzelnen Menschen gemacht wurde passen alle Dinge zusammen: Musik, Gameplay, Handlung, Interface. Der Umstand, dass das Werk unter genauerer Betrachtung nicht Risse erhält, sondern Toby Fox’s Genie nur noch deutlicher wird (hier nur ein sehr aktuelles Beispiel), weil jeder einzelne Satz im Spiel in seine Gesamtvision passt, ist eine Leistung, die praktisch kein anderes Spiel schafft.

Und es ist einer der ganz, ganz seltenen Fälle, in denen man nicht ein Spiel spielt, um dann unterbrochen zu werden und ein Video mit Story gezeigt zu bekommen – sondern in dem die Story nicht extrahiert werden kann. Wenn man das Gameplay aus Life is Strange, Quantum Break oder Starcraft 2 entfernt und es zu einem „Movie Cut“ umschneidet, hat man einen Film. Wenn man das Gameplay aus Undertale entfernt, hat man nicht mal eine kohärente Erzählung.

Aber wieso schreibe ich jetzt eigentlich doch so viel, wenn ich mir doch im Klaren bin, dass all diese Gedanken schon von Anderen geäußert wurden? Ich glaube, ich muss diese Gefühle einfach aus mir heraus kriegen. Ich will irgendwie versuchen, auszudrücken, wie viel es mir bedeutet. Die letzten Monate lang habe ich mich darum bemüht. Die folgenden Bilder können vielleicht, zusammen mit den vorangegangenen Worten, anfangen auszudrücken, wie ich mich fühle. Diese Leute sind meine Freunde. Ich trete als Asgore auf.

 

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Written by vetaro

6. Mai 2016 um 1:48 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

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