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Wie sehr The Magicians (TV) suckt

with 4 comments

Als vor einem halben Jahr klar wurde, dass es eine Serien-Version von The Magicians geben würde, einer Buchreihe die mir in den letzten Jahren immer lieber geworden ist, war ich besorgt. Dann erfuhr ich, dass sie vom Syfy-Channel produziert wurde und lies alle Hoffnung fahren. Ich war im Recht.

Nur noch mal als kurze Zusammenfassung ohne spezifische Spoiler, was an The Magicians (Buch) gut ist: Es ist eine Story für Leute, die Harry Potter kennen und jetzt älter geworden sind. Die viele Gedanken zur Zaubererwelt haben und eine konsistentere Variante des Wizarding-Settings schätzen würden, in dem die Charaktere selber wissen, was Harry Potter und Narnia ist und daher nicht die selben Fehler machen. Nach kaum der Hälfte des ersten Buches verlässt es komplett die bekannten Gleise von Harry Potter und geht einfach woanders hin. In diesem Setting ist Magie nicht wohlmeinend und erfüllt die Wünsche der Zauberer, sie ist kompliziert und anstrengend und funktioniert, weil man mit viel Aufwand an der Realität herumfuhrwerkt. Hinzu kommt, dass der Protagonist des Buches definitiv nicht der Held ist. Es ist geradezu so, als ob das Buch zufällig einem der Charaktere folgt, und dabei eben bei Quentin landete. Er ist kein besonders cooler Typ, sogar ziemlich scheiße drauf, und nicht Auserwählt. Wenn im zweiten Buch klar wird, was anderen Charakteren für hardcore shit passiert ist, während Quentin beschäftigt war, ist das für mich großartig.

Die drei Bücher heißen The MagiciansThe Magician King und The Magician’s Land und sind, nach Aussage von Lev Grossman, abgeschlossen.

(Lev Grossman über die Zeichnung: „This is actually what Quentin looks like“. Ich über das Foto: This is not what a 17-year-old looks like.

Die TV-Version von The Magicians handelt vom praktisch auserwählten Quentin Coldwater, an dem alles hängt und dessen Schauspieler 29 Jahre alt ist. Magie geht ziemlich mühelos und ohne Erklärung, ein Haufen Zeug, den man im Verlauf des Buches mit angenehmem Tempo erfährt, wird in der ersten Folge einfach alles dem Zuschauer vor die Füße gekippt. Um die Zuschauer nicht zu vergraulen, ist Hochintelligent zu sein keine Bedingung mehr, um Zauberer zu werden.

Durch andauerndes Foreshadowing und „Mysteriöse Charaktere tauchen auf, um irgendwas kryptisches zu sagen, was dem Zuschauer nicht erklärt wird“ vergeht der Eindruck, dass The Magicians bescheid weiß, was Harry Potter ist und das Genre weiter entwickeln will…  und wird ersetzt durch das Gefühl, dass hier irgend eine dahergelaufene Serie von Harry Potter stehlen will, während sie visuell so beeindruckend aussieht wie True Blood.

Der einzige Charakter, der auch nur annähernd seinem Buch-Vorbild ähnlich aussieht, ist Elliot. Alle anderen sind dermaßen 12 Jahre älter als die Originale und stilistisch verändert, dass es weh tut. Penny, der ausdrücklich ein Punk war (z.B. hier links im Bild), ist jetzt muskelbepackt und hat indische Wurzeln. Mayakovsky, der russischste Russe den ich kenne, wird von einem Iren gespielt.

Da die Serie nicht schon überladen genug war, entschied man sich ausserdem dazu, Julias Plot (der den Großteil des zweiten Magicians-Buches ausmacht) einfach gleichzeitig zu erzählen. Julias Story hat eigentlich besonders viel impact dadurch, dass sie erst so spät erzählt wird, aber das ist ja egal. Ausserdem gibt’s in jeder Folge noch ein bisschen grundlosen Sex im Schweben oder beinahe-rape oder Leute ziehen sich einfach mal so aus, damit die Zuschauer das ganze sexy finden können.

Das vielleicht größte Problem ist ein Meta-Problem: Die Serie ist erkennbar darauf ausgelegt, mit Filler-Scheiß einen möglichst langsamen Fortschritt zu erzeugen, damit man alles so lange wie möglich ausdehnen kann. Während entscheidende Teile der Erzählung ausgelassen werden, werden ganze Folgen mit irgend einem Zeug gefüllt, das die Handlung stagnieren lässt. Zu dem Zeitpunkt, an dem sich die Handlung aktuell befindet, ist im Buch noch gar nichts passiert, man hat aber schon 11 Stunden Serie schauen müssen (in denen auch nichts passiert ist). Daran ist am deutlichsten für mich, dass keiner der Verantwortlichen eine gute Vision für diese Umsetzung hat.

Es gibt einen einzigen guten Moment. Am Ende der ersten Folge wird durch einen Patzer ein Monster freigelassen. Die Szene ist sehr gut, hart und überzeugend. Sie ist praktisch 1:1 aus dem Buch übernommen. Beinahe so, als ob man das einfach mit dem Rest hätte auch machen sollen. Das Buch zieht aus diesem Ereignis übrigens den Schluss, dass (ähnlich wie bei Pratchett oder Warhammer) falsch angewandte Magie allen möglichen crazy shit anziehen kann und wir nur auf einer Welle aus Realität reiten, die jederzeit einreissen kann. Die Serie behandelt das Monster als die einzige Gefahr, die es in der Welt gibt. Bonus: Vergleich dieser Szene mit diesem Undertale-Spoiler.


 

Fazit: Meine Beschwerden mögen jetzt vor allem auf der Ebene „Das ist alles nicht so wie das Buch, daher schlecht“ gewesen sein – ich fühle mich fast wie die Leute, die gegen die Herr der Ringe-Verfilmung Beschwerden einlegten, weil Arwen anstatt Elrond die Springflut beschwört. Ein Großteil meiner Beschwerden fußt definitiv darauf, dass ich The Magicians (Serie) vielleicht 2/10 Punkte für Adaption geben würde und ich denke, dass sie die vielen Leute, die mit den Büchern nicht vertraut sind, abschrecken wird.

Aber auch als Einzelwerk leidet die Serie. Sie ist kaum von anderen Zeitgenössischen Serien mit mittlerem Budget zu unterscheiden. Charaktere, Beleuchtung, Einstellungen, Special Effects, mehrere Plots gleichzeit damit es nicht langweilig wird: Es sieht alles genauso aus wie alle anderen Serien.  Als Sexy Serie bringt sie nichts, weil Syfy nicht mal Brustansätze zeigt, als spannende Serie bringt sie aufgrund des schlechten Pacings nichts, und als Horror bringt sie nichts, weil sie den Ton nicht findet. Ich weiß nicht, wer mit der TV-Serie Spaß haben kann. Vielleicht die gesichtslosen Massen, denen alles egal ist.

 

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Written by vetaro

9. März 2016 um 1:27 am

Veröffentlicht in Uncategorized

4 Antworten

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  1. Danke jedenfalls für den Tipp. Ich hab das erste Buch angefangen, und noch gefällt’s mir.

    Muriel

    25. März 2016 at 11:39 am

  2. Hab jetzt die ersten zwei gelesen, und bin … ein bisschen unentschlossen.
    Also, ich finde, die Person, die das schreibt, kann das. Der Stil beeindruckt mich stellenweise enorm. Aber die Charaktere find ich fürchterlich. Die sind alle gleich (Das empfinde ich als objektiv vertretbare Kritik.) und (Das ist eher mein persönlicher Geschmack.) leider alle gleich nervig. Ich hasse sie alle und hoffe, dass jemand ihnen richtig weh tut. Das passiert manchmal, aber bei Weitem nicht genug.
    Und der Plot (der mir meistens fast egal ist) ist dummerweise auch ziemlich meh. Insbesondere die Auflösung des Monsters im ersten Buch hat mich dermaßen geärgert, dass ich das zweite garantiert nicht mehr gekauft hätte, wenn da nicht noch der Abschluss bei den Zentauren gewesen wäre, und dieser herrliche Satz, dass sie permanent ein bisschen besorgt schienen, dass Quentin umkippen könnte.
    Im zweiten Buch hab ich weniger gefunden, das mich so pointiert ärgert, aber dafür fand ich den Julia-Teil permanent leicht enervierend. Ich denke, dass es nicht reicht, um mir auch noch das dritte zu holen. Dafür gibts zu viele bessere Bücher, die mich mehr interessieren.
    Aber jedenfalls immer noch danke für den Tipp, da waren viele gute Sachen drin.

    Muriel

    9. August 2016 at 9:46 am

  3. Das ist natürllich schon gute Kritik – speziell bei Quentin würde ich sogar voll zustimmen. Im dritten Buch (Jahrzehnt später) sprechen ihn Leute darauf an, in der Art von „du warst damals ziemlich scheiße, erinnerst du dich?“ und er kann praktisch nur „Ja“ sagen. Ich kann auch bis heute nicht nachvollziehen, wieso er Penny so wenig mag – ich glaube es geht darum, dass Quentin ihn grundlos nicht mag, aber Penny tut halt praktisch nichts, um es zu verdienen.
    Der stärkste Moment ist für mich eigentlich Julias ganze Story, weil sie halt gleichzeitig mit Buch 1 passiert ist, und während Quentin coole Abenteuer hatte, musste sie sich *den Scheiß*, speziell das Ende davon, antun/lassen.

    Mir persönlich sind Charaktere meistens einfach sehr egal, weshalb mich das wohl nicht gestört hat. Aber deine Einschätzung ist sicher richtig, das dritte Buch ändert am Format nichts besonderes, wodurch deine Meinung super anders sein würde.

    vetaro

    10. August 2016 at 10:14 am

  4. Ich glaube, da bin ich zu undifferenziert. Quentin, Julia und Penny sind in meinen Augen alle derselbe larmoyante, bornierte Teenager, und dieser Typ macht mich aggressiv. Aber so hat halt jeder seine Vorlieben in den Geschichten. Und überall im Leben. Äh. Jo.

    Muriel

    11. August 2016 at 9:25 am


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