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Ms. Marvel ist die Heldin, die ich brauche

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Ms. Marvel ist für mich die einzige relevante Superheldin von großen Publishern. Das hat eine Handvoll Gründe.

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Zuerst einmal: Hier kann man sie lesen. Ab Seite 5 sollte klar sein, warum sie mir gut passt. Ihre erste Story geht bis Band 11, mit Band 19 ist ihre Handlung dann „vollständig“. Der folgende Aufsatz ist kein Spoiler, bringt aber ohne das Wissen über die ersten elf Comics vermutlich wenig.

1. Es fällt mir sehr leicht, mich mit Kamala zu identifizieren. Sie hat die doppelte Aussenseiterrolle, einerseits einen Background zu haben, den wenige Leute in ihrer Umgebung teilen, andererseits mit Interessen ausgestattet zu sein, die einen nicht automatisch populär machen. Ihre Freunde teilen jeweils nur eine dieser Eigenschaften – die Nerds verstehen nicht wirklich die Pakistani-Moslem-Sitation, die Moslems haben kein Interesse an Videospielen und Fanfiction. An manchen Stellen ist deutlich spürbar, wie einsam sie sich noch fühlt, das trifft mich schon sehr.

Es fällt mir bis heute schwer, zu Verstehen, was an Spiderman toll sein soll. Vielleicht, wenn man New Yorker ist, okay. Aber die privaten Probleme, die er hat, berühren mich einfach auf keiner Ebene (er wird für den Bösen gehalten, weil die Zeitung ihn als Böse darstellt. Er ist Journalist und unfähig, seinen eigenen Standpunkt zu präsentieren???) und seine Gegner sind in den meisten Fällen einfach popelig. Würde man jemanden wie Flash mit Spidermans Job beauftragen, hätte der den Scheiß in ein paar Stunden geklärt. Weil ihn die Leserschaft mag, ist er ein Mainlist-Held, obwohl er besser für Kleinkriminalität geeignet wäre.

Kamala macht genau den Job, in den Spiderman gehören würde: Sie ist in New Jersey und hilft den Leuten, um die sich sonst keiner schert, eben ihrer Nachbarschaft. Ihre Kräfte sind nicht geeignet, um es mit irgendwelchen Ultra-Typen aufzunehmen, aber im lokalen Rahmen ist sie gut angebracht. NJ wird mir als Underdog-Herkunftsort zunehmend sympathisch, schließlich könnte sie dort auch Danny Sexbang treffen.

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2. Seit ich Brandon Sanderson’s Buch „Steelheart“ kenne, ist meine Sicht auf Superhelden sowieso anders. (Kurze Unterbrechung der Comicbesprechung für eine Buchbesprechung: „Steelheart“ ist sehr gut. Es spielt in einer modernen Welt, in der Superkräfte existieren, und in der alle Leute, die sie haben, komplett Scheiße sind. Nur wenige Jahre nach ihrem Aufkommen befindet sich die Menschheit in einem Postapokalyptischen Zustand, wo Warlords über die Städte herrschen. Die Protagonisten sind eine kleine Gruppe von normalen Menschen, die Guerilla-Style Widerstand leisten und zu jeder Zeit kluge Entscheidungen treffen, gute Pläne haben und nicht abfucken.) Unter anderem teilt ein Charakter in Steelheart die Superhelden nach eigenen Kategorien ein und bringt Ordnung in die Vielzahl an Kräften. Kamala verfügt dem Steelheart-System Zufolge zum Beispiel über keine Prime Invincibility, also keinen Effekt, der sie effektiv Unsterblich macht (wie „nimmt einfach keinen Schaden“, Extreme Regeneration, „Ist nicht aus festem Material“ etc.). Das hält alle Konflikte immer auf einem gewissen ernstnehmbaren, überschaubaren Niveau.

Ich glaube, ich kann an Kampf-Situationen Spaß haben, wenn sie entweder in einem festen Kontext verfahren, wo der Autor sich vorher das Framework ausgedacht hat und Kämpfe dann zu ihrer logischen Konsequenz führen muss (wie z.B. bei Sanderson’s „Mistborn“, aber auch in „Steelheart“), oder wenn es nicht so wichtig ist, weil die Auflösung auch nicht im Kräftemessen gefunden wird und der Kampf nicht das ist, worum es wirklich geht (wie bei Ms. Marvel).

Zwischen diesen beiden Möglichkeiten existiert der Großteil der großen Superhelden-Geschichten, in denen Lord Dingenskirchen mit einer nie vorher erwähnten Shmorgelkraft einen Riss in der Raum-Zeit geöffnet hat, wodurch die Realitäten kollidieren usw. usw. … Geschichten, in denen der Autor einfach jederzeit neue Regeln erfinden kann, wie sie ihm gerade passen, und in denen der Ausgang an diesen jederzeit erfindbaren Regeln hängt, sind für mich abstoßend. Ein sehr ähnlicher Fall: Meine alte Beschwerde, dass Harry Potter durch eine Fußnote im Zauberstabbesitzrecht geklärt wurde.

Leider läuft zwischen female Deadpool und Kamala nichts, für 3 Panel kann man es sich in dieser Weihnachtsstory aber einbilden.

3. In gewisser Weise nervt mich die Idee, dass Superhelden zum Schutz ihrer Angehörigen ihre Identität geheim halten, schon immer.  Ich denke, das sollte kein so unlösbares Problem sein und wird vor allem für unnötiges Drama missbraucht (z.B. könnte man wenigstens seinen nächsten Menschen bescheid sagen, damit die aufhören, einen für Situationen anzumotzen, in denen man eigentlich genau das richtige getan hat). Im Fall von Kamala wird damit aber sehr sinnvoll umgegangen: Sie ist Genreaware und weiß natürlich, warum sie sich maskiert, ist aber nicht perfekt. Das Thema, wie problematisch die Doppelidentität ist, bleibt bei ihr präsent, und sie scheint auch nicht die Sorte zu sein, die wie Superman auf ewig so weiterexistieren kann.

Als Vogel, und damit Experte, möchte ich hierzu sagen: That guy is so definately a bird.

4. Ein rein ästhetischer Punkt: Kamala sieht regelmäßig anders aus – je nachdem, wie viel Zeit sie hatte, sich vorzubereiten, sieht ihr Haar z.B. völlig anders aus, sie besitzt eine breite Reihe an Kleidungsstücken. Und jederzeit ist sie einfach schön. Schön gezeichnet, und einfach ansprechend designt. Und der Schal anstatt des Umhangs? Cool.

5. Offensichtlich sind alle Captain Marvels usw. natürlich namedrops für den Publisher vom gleichen Namen. Dass der erste Captain eigentlich „Mar-Vell“ heisst, geschenkt. Billigste Ausrede überhaupt, um den Helden nach dem Verlagshaus zu benennen. Zwischen damals und heute ist aber so viel passiert, dass es bei Kamala wieder sinnvoll und passend erscheint, ihr diesen Namen zuzugestehen. Mitlerweile ist der Name sozusagen verdient. Und wenn das Poster Child eures Verlags so aussieht, gerne.

Zusatz-Info: Kamalas Comic-Reihe ist übrigens nicht wirklich vollständig, sondern geht natürlich, wie immer bei Comicbüchern, noch weiter. Nach Band 19 findet aber das Secret Wars event statt, das alle Marvel-Geschichten mal wieder resettet und über das ich mich mit der Shmorgelkraft lustig gemacht habe, und die Hefte werden wieder ab 1 gezählt. Alles, was bisher draußen ist, deutet sehr darauf hin, dass man es sich aber sparen kann, dort weiterzulesen.

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Written by vetaro

14. Januar 2016 um 8:39 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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