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The Conjuring: Basierend auf einer wahren Geschichte die sich jemand ausgedacht hat

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The Conjuring ist ein Film, den viele Leute höchst gruselig finden. Meine persönlichen Kriterien für Horrorfilme sind:   1. Is it scary?  2. Ist es interessant? 3. Sind die Menschen scheissedämlich? 4. Gibt es bullshit-Jumpscares? Im Nachhinein möchte ich sagen: Schon ganz gruselig, recht interessant, kein bisschen dämlich, mehrere bullshit-Jumpscares.

Für Leute, die gar keine Spoiler wollen: Schaut ihn ruhig, haltet die Hand am Lautstärkeregler wenn sich Jumpscares ankündigen, lest hier nicht weiter. Für die anderen kommt jetzt der Abschnitt mit milden Spoilern.

Der Film startet mit einem sehr langsamen Anfang, in dem alle Spuks auch eingebildet sein könnten. 37 Minuten dauert es, bis dem Zuschauer eindeutige Beweise geliefert werden, woraufhin der Film endlich in den zweiten Gang springt und losgeht. Es gibt eine Reihe kleinerer fakeout-Jumpscares (also laute Geräusche, obwohl gar kein wirklicher schockmoment ist) und eine Handvoll K-Fee-Bullshit-Jumpscares.

Kurze Unterbrechung zur Begriffsklärung für die Jüngeren unter uns: Die verlinkte Werbung für K-Fee definiert für mich den „Bullshit-Jumpscare“. Dieser setzt sich für mich zusammen aus:

  • Normale Filmlautstärke ist so gering, dass man lauter machen muss, um zu verstehen was geschieht, oder sogar zweifelt, ob man überhaupt etwas hören sollte, weil es so leise ist.
  • Extrem übertriebene Lautstärke im Moment des Jumpscares
  • Unnötig misshandelt aussehendes Schockgesicht, das unangenehm nahe an der Kamera erscheint
  • …und so lange gezeigt wird, dass man den Blick abwenden möchte.

Generell halte ich Jumpscares schon für die niedrigste Form des Horrors, weil man nach dem ersten mal nur noch angst vor dem lauten Geräusch hat, und dieser Film missbraucht sie mehrfach, aber nicht exzessiv.

This shit right here.

Die große Stärke des Films sind die Menschen, die den gesamten Film über durch ihren gesunden Menschenverstand und angemessene Maßnahmen überzeugen. Geist im Haus? Ruf nen Austreiber, der Multimediale Beweise erzeugt, dass etwas faul ist. Geist bestätigt? Wir rufen die Polizei, die dann tatsächlich kommt und tatsächlich was macht. Geist wird richtig gefährlich? Wir ziehen erstmal aus. Kleine Abzüge gibt es für das andauernde betreten dunkler Räume ohne Licht einzuschalten oder mitzubringen, und für die paar Male „ich gehe in den gruseligen gefährlichen Bereich, ohne irgendwem bescheid zu sagen, falls was passiert“. Generell jedoch eine Top-Leistung von den Menschen.

Bonuspunkte gibts für „Der Film endet nicht mit einem unnötigen Jumpscare um einen Teil 2 zu erzwingen“. Minuspunkte gibt es für „Basierend auf einer wahren Geschichte“, eine Behauptung die seit 15 Jahren nicht mehr funktioniert und von der auch jeder weiss, dass sie nicht funktioniert.

Zuletzt noch ein paar ernste Spoiler für Leute, die den Film schon gesehen haben: Im Verlauf des Films fand ich den Geist eigentlich interessanter als in der Nachbetrachtung. Eines meiner Kriterien für guten Horror ist „Interessant“, und das kann natürlich auf viele Weisen erreicht werden. Ich finde es hilfreich, wenn die gruselige Sache noch nicht oft durchgekaut ist, nicht in klassische Schubladen passt oder auf ganz neue, unerwartete Weisen funktioniert, es kann aber auch reichen, wenn man in interessantem Tempo neues darüber erfährt, was es kann, will und ist, ohne dass man jemals zur völligen Klarheit kommt. Besonders langweilig finde ich klassische „Slasher“-Gegner wie Leatherface oder Jason, die einfach nur „Typ wo böse ist und kann gut kämpfen“ sind. Und selbst in sonst interessanteren Filmen: Der Moment, in dem man dem Bösen ins Gesicht schaut und ihn konfrontiert ist der, wo der eigentliche Horror endet und einfach nur ein Ende erzeugt wird, weil die Filmmacher sich denken „wir brauchen eben ein richtiges Film-Ende, Mann! So werden Filme halt gemacht!

Ein klassisches Beispiel dafür ist „Event Horizon“, der in der ersten Hälfte 9/10 Punkte auf der „Interessant“-Skala erhält (und, übrigens, Dead Space ziemlich direkt inspiriert hat). Es geschehen alle möglichen Dinge, die Kräfte des gruseligen Dings scheinen ganz viele Möglichkeiten zu haben, und es ist weder klar, ob man es mit einer Entität, einem Phänomen oder etwas ganz anderem zu tun hat. Es ist nicht klar, ob es so schrecklich ist, weil es nicht auf menschen eingestellt ist, ob es etwas will oder einfach nur böse ist.  Und in der zweiten Hälfte wird dann klar, dass es einfach irgend ein Spacedämon ist, der in einer Konfrontation am Ende in die Luft gejagt wird. Event Horizon ist ein Film, den man am besten einfach in der Mitte ausmacht und aufhört, weil er dort viel besser ist als am Ende.

Das schlimmste, was hier passieren kann, ist dass irgendwer stirbt.

The Conjuring geht es da recht ähnlich, doch der Moment der Langeweile tritt für mich erst ein, als die Tochter an den Haaren durch den Raum gezerrt wird. Bis dahin ist es eigentlich ganz okay, und sogar die Erklärungen der Geister-Austreiber, was Dämonen können und wollen und in welchen Phasen sie arbeiten haben mich nicht besonders gestört, weil konstant neues eingeführt wurde und nicht klar war, wohin sich die Situation entwickeln würde, und was noch alles geschehen könnte.

Im Rückblick, nachdem ausdrücklich erklärt wurde, was es mit dem Geist auf sich hat, erscheint mit alles aber viel langweiliger. Beim Schreiben einer Horror-Geschichte hat man als Autor alles was möglich ist zur Verfügung. Aber The Conjuring handelt von einem Dämon, der in einem einzigen Haus spukt, bevorzugt zu einer speziellen Uhrzeit, mit Interesse an einer einzigen Frau, um eine spezielle Person zu töten. Während die Familie aus finanziellen Gründen (und sinnvoll erklärt) nicht einfach so ausziehen kann, ist es doch sehr deutlich: Würden sie einfach weggehen, wäre alles in Ordnung. Der Dämon kann nicht dort fort, und selbst wenn er am Ende des Filmes erfolgreich gewesen wäre, würde das Leben für alle anderen Menschen die es so gibt nicht schlimmer. Er kann nicht eskalieren oder weggehen. Die Welt ist durch ihn nicht in Gefahr, und alle Männer im Film gehen zurecht mit einer gewissen Selbstsicherheit durch die Handlung, weil sie vom Dämon praktisch nicht beachtet werden.

Im Rückblick wird mir dadurch klar, wie eigentlich unschlimm das Ganze ist. Klar, für die Familie selbst unschön. Aber es ist ein Dämon. Er hält sich offensichtlich an klar definierte Regeln, christliche Zuschauer wissen bereits, in welchem Rahmen sie sich bewegen, seine Existenz und die (bereits am Anfang des Films etablierte und nie als unsicher gezeigte!) Effektivität von Exorzismen bestätigt auch noch, dass Gott im Sinne der Bibel existiert und der Gute ist, was ja wohl eine Mega-Beruhigung ist. Ich finde es schön, The Conjuring gesehen zu haben, und während er lief, war er auch recht scary, aber der intensivste Horror seit langem war er nicht, und einen bleibenden Beunruhigungs-Effekt hat er auf mich auch nicht.

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Written by vetaro

6. Juli 2014 um 11:25 pm

Veröffentlicht in Filme

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