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Gedanken zu: X-Men: Days of Future Past

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Dies ist kein Review. Wenn du dich fragst, ob du den Film sehen solltest: Falls du andere Filme aus der Reihe gesehen und gut gefunden hast? Klar. Es ist ein normaler Vertreter dieser Reihe. Falls du noch keinen Anderen gesehen hast, aber möchtest: Schau besser X-Men 2 oder First Class. Dieser Eintrag ist für Leute, die den Film schon kennen.

1. Die Terminator-2-Anspielungen gefallen mir. Der Blick in die Zukunft beginnt mit Schädelhaufen, über die Roboterbeine laufen. Ein Sentinel hat kurz einen Schwertarm während der Actionszene am Anfang. Ein Zeitreisender, der nackt angekommen ist, verlangt von Schlägertypen Autoschlüssel.

2. Ich verstehe, dass die Zukunft eine andere Zukunft als die von X-Men 3 ist. Aber es wäre trotzdem schön gewesen, wenigstens eine sekundenlange Andeutung zu hören, was geschehen ist, dass Xavier, der fucking in Tausend Teile zerfetzt wurde, hier lebt? Denn die Post-Credits-Szene von X-Men 3 ist hier definitiv nicht anwendbar, weil der Mann völlig anders aussieht als Xavier. Denn X-Men-3-artige Ereignisse sind offensichtlich passiert, Wolverine ist schließlich überrascht, dass Phoenix wieder da ist.

3. Es gibt einen kurzen Moment in Cerebro, bei dem die Beleuchtung sich verändert und Rot blitzend auf die Gesichter im Bild strahlt. Ich hoffe ich bin nicht der einzige, der sofort an Wonka denken musste. Ich habe mich zu meiner Begleitung gebeugt und sagte „There’s no earthly way of knowing!

4. Magnetos Plan ist völlig wirr und sinnlos. Natürlich: Es ist das, was er immer macht. Aber er passt überhaupt nicht zum vorhandenen Problem. Der einzige Vorteil davon, ein gigantisches Sportstadium zu versetzen, ist dass es für die Actionszene hilfreich ist, wenn nicht die ganze Zeit Polizei von allen Seiten unterbricht. Was das aus Magnetos Sicht soll, weiß ich nicht. Und natürlich muss er alles langsam machen, genüsslich gloaten und seinen Plan darlegen, denn das ist eben was man als Böser tut!  Was genau er sich davon verspricht, den Präsidenten zu töten, ist auch unklar.

Wenn man den Chef eines Landes tötet, sollte man vielleicht auch die organisierte Armee haben, um infolge dessen zu sagen „Und jetzt tanzt ihr hier alle nach meiner Pfeife“. Hätte er mit seinem Mordversuch Erfolg gehabt, was wäre geschehen? Landesweites Chaos (Kennedy-artig), niemand wäre als Ansprechpartner für Magneto da gewesen, er wäre das Arschloch #1, und abgesehen davon, dass er ein Fünf-Stern-Fahndungsziel wird (um mal mit GTA-Formulierungen zu arbeiten), hat er nicht viel gewonnen. Beim Höhepunkt von X-Men 3 hatte er immerhin noch ein klares Ziel, das sich mit seiner Methode erreichen lässt. Das hier ist einfach nur bescheuert.

5. Ich denke wir können uns einigen, dass Quicksilver super ist. Toller Name übrigens. Weil er schnell ist und sein Haar silbern ist. 2/10 Punkten für die Benennung. Die Momente, in denen er scheint, sind sehr feierbar. Meiner Meinung nach ist gotta go fast die übermächtigste Kraft, die man im Kampf gegen Menschen haben kann, vermutlich direkt nach Gedankenkontrolle. Und genau aus dem Grund verlässt Quicksilver auch kommentarlos den Film, sobald seine Szene vorbei ist. Einmal sieht man ihn noch, wie er den Höhepunkt im Fernsehen ansieht, aber warum er nicht mehr mitkommt oder zumindest eingreift, als er sieht dass er nötig ist, wird nicht mal angedeutet. Dass er nicht an beiden „Mystique ist beinahe erfolgreich“-Szenen teilnimmt ist verständlich, weil er nämlich 100% der Probleme gelöst hätte, bevor irgendwer irgendwas tun könnte. Niemand im Film ist geeignet, ihn zu kontern, weshalb es problematisch genug war, ihn überhaupt einzuführen. Vielleicht gab es ja eine Szene, in der er sagt „Jetzt hab‘ ich keine Lust mehr, ich wollte nur ein Superkrimineller sein, Leuten helfen ist doof“, die irgendwann auf der DVD zu Tage gelangt.

6. Ein Gedanke, den ich schon bei First Class hatte: Mystiques zentrales Problem in der Vergangenheit ist, dass sie anders aussieht und sie deshalb niemand mögen kann. Ihr aggressives Verhalten, das sie infolge dessen an den Tag legt, macht sie natürlich entsprechend ungeeignet für Partnerschaft. Aber es fällt mir schwer zu glauben, dass man sie aufgrund ihres Aussehens alleine von der Bettkante stoßen würde. Mindestens 3/10 zufälligen Männern auf der Straße würden bestimmt mit ihr was anfangen können. Dass sie Kleidung unnötig findet, ist eher ein großer Pluspunkt. Ich glaube nicht, dass wirklich niemand vor Xavier sich dazu durchringen konnte, nett zu ihr zu sein.

Oh, und beim 7. Mal dass Mystique sich als Mystique heraus stellt, Lieber Film, musst du nicht mehr die ENTHÜLLUNG! OHMYGOSH! Musik spielen. Irgendwann isses uns klar.

7. Ich bin in der Lage, darüber hinweg zu sehen, dass ein Zeitreiseplot die Writer in Probleme versetzt. Warum musste Wolverine so einen engen Zeitrahmen kriegen? Hätte man ihm nicht noch ein Jahr geben können? Oder ihn früher schicken können, zu verhindern dass Mystique so deprimiert wird oder Xavier den Gegenmittel-Drogen verfällt? Nein, das ist okay: Wenn nur eine einzige Zeitreise in der Story geschieht, muss man das einfach als Prämisse akzeptieren.

8. Die Konsequenzen der Prämisse darf man aber durchaus in Frage stellen. Direkt am Anfang wird klar gemacht: Wenn Peter Dinklage stirbt, wird die Öffentlichkeit so besorgt, dass das Sentinel-Programm praktisch unstopbar und komplett durchgezogen wird. Und aus diesem Grund hängt der gesamte Erfolg des Plots daran, alle endgültig zu überzeugen, ihn nicht zu erschießen.

Das ist natürlich dumm. Abgesehen davon, dass die Exposition das so behauptet hat, gibt es keinen guten Grund, warum die Realität so funktionieren sollte. Was die X-Men faktisch tun, ist eine noch völlig uninformierte US-Öffentlichkeit im Live-Fernsehen damit konfrontieren, dass es blaue Löwenmenschen, nackte Monsterfrauen die sich verwandeln können, Metalbender und so weiter gibt, die offensichtlich gewalttätig sind. Hinzu kommt der Klimax, in dem Magneto die ausführlichste Supervillain-Rede hält, die es in diesem Setting für die Öffentlichkeit je gab, nachdem er seine Macht gezeigt hat. Und er hat minutenlang den Präsidenten plus zwanzig weitere Leute mit öffentlicher Erschießung bedroht.

Nach all diesen Ereignissen ist es, ehrlich gesagt, scheißegal ob Peter Dinklage erschossen wird oder nicht. Die beschriebenen Ereignisse würden einen 9/11-artigen Panikanfall im Land auslösen, in dessen Folge das Sentinel-Programm schneller durchgenickt würde als die 19%-Mehrwertsteuer während der WM in Deutschland. Niemand setzt sich in diesem Zustand hin und denkt „Puh, zum Glück ist dieser eine Waffenexporteur von dem wir noch nie gehört haben nicht getötet worden, dann ist ja alles in Ordnung.“  Dass die Konsequenzen dieses Handelns von den Charakteren nicht bedacht werden und weil die Writer sie nicht bemerken nicht geschehen, missfällt mir. Aber es gibt etwas, was mich noch mehr nervt.

9. Vor dem Ende des Filmes ist das einzige Problem, das die X-Men haben: Wir müssen Mystique davon überzeugen, nicht Peter Dinklage zu erschießen. Drei bis Vier mal im Film wird sie angesprochen, gebeten, in Diskussionen verwickelt, dass sie bitte aufhören soll. Xavier sagt ihr, wie wichtig es ist nicht zu töten, dass Rache sie nicht weiterbringt, dass Dinklage nicht die Verantwortung trägt. Appelle an ihre Emotionen, versuche, sie in die richtige Richtung zu drängen. Es gibt allerdings eine Sache, die niemand Mystique mitteilt. Sie geht ungefähr so: „Mädel, jetz pass ma gut auf! Ich komme aus der Zukunft. Die Apokalypse ist geschehen. Alle Leute sind tot. Dieser eine Kerl ist der Angelpunkt meiner Zukunft. Wenn du ihn nicht erschießt, passiert meine Zukunft nicht, wenn du ihn erschießt, passiert sie. Vielleicht habe ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt: KILLERROBOTER HABEN ALLE MUTANTEN AUF DER WELT GETÖTET! DU BIST NICHTMAL IN DER ZUKUNFT DRIN, WEIL DU SCHON SEIT ZEHN JAHREN VERFICKT NOCHMAL TOT BIST! HÖR AUF MIT DEINEM PERSÖNLICHEN RACHESCHEISS UND TÖTE IRGENDWEN ANDEREN, ABER NICHT DIESEN TYPEN MEINE FRESSE!“

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Written by vetaro

18. Juni 2014 um 9:34 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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