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Wie How I Met You Mother endete

with one comment

Nach gefühlten zwei Jahren Wartezeit seit der vorigen ist die letzte Staffel von HIMYM jetzt vorbei und wir können darüber reden. Natürlich: Spoilerwarnung.

Hier in kurzer zusammenfassung alles, was in der letzten staffel wichtiges passiert. Spoilerboost HOOOOOO!

Folge 9.1 bis 9.21: Sinnloser Filler-Content in dem absolut nichts passiert.

Folge 9.22: Rumgeweine, dass Barney und Robin nicht heiraten wollen. Letzte 5 Minuten: Heirat

Folge 9×23: Ted sieht Your Mother irgendwo. Barney und Robin werden geschieden. Gruppe bricht auseinander, Robin geht weg. Marshall wird befördert. Marshall und Lily ziehen weg. Barney kriegt ein Kind mit einer namenlosen Frau die nie gezeigt wird. Barney macht eine 180° Wendung durch und wird verantwortungsvoller Vater. Your Mother stirbt. Ted lebt 6 Jahre lang alleine. Seine Kinder erklären, dass er eigentlich die ganze Zeit mit Robin zusammen sein wollte, Ted kommt mir ihr zusammen, Serie zuende.

Ich hoffe, das Problem ist erkennbar.  Versteht mich nicht falsch: Ich habe 10 Jahre HIMYM hinter mir. Es ist nicht so eine Jahrzehnt-definierende reihe wie Harry Potter, aber ein gewisses Lebensgefühl hängt damit durchaus zusammen. Sie hatte viele gute Folgen und einige Momente, die über die Grenzen der Serie hinaus gingen. Ich hatte ein gewisses Interesse daran, dass es ein zufriedenstellendes Ende gäbe. Dies ist es nicht.

Die Idee ist immerhin gut: Jedem Zuschauer ist im Verlauf der Serie klar, dass Robin und Ted ziemlich gut zusammenpassen. Es mit dieser Erkenntnis für die Beiden enden zu lassen, ist ein gutes Konzept. Aber warum diese Ausführung?. Die gesamte letzte Staffel ist nicht besonders witzig oder interessant, es geschieht nichts relevantes und endet in einer völlig normalen TV-Hochzeit ohne besonderheiten, die kaum zehn minuten später wieder geschieden wird!

Und dann folgt eine Doppelfolge, die ca. zwei Jahrzehnte durchhechelt, in einem Mordstempo. Your Mother ist ein dermaßen unwichtiger Charakter, dass sie kaum 3 Minuten im Bild ist und ihre Beziehung niemals onscreen stattfindet. Das mag ja der Sinn der Übung gewesen sein, es fällt aber als Zuschauer schwer, das zu bemerken, weil man zu diesem Zeitpunkt völlig im Schock ist wegen über-Information, plötzlichen Entwicklungen, Zeitsprüngen denen man nicht folgen kann weil die Charaktere nicht altern und konstant über etwas rumweinen, zu dem man noch keine emotionale Meinung aufbauen konnte. Und die gesamte Staffel geschieht vor Sets, die billiger aussehen als alles je zuvor. Teilweise glaubt man nichtmal, dass man da auf einen normalen Raum blicken soll. Und der Leuchtturm erstmal.

In diesem Zusammenhang möchte ich kurz auf das Ende von Scrubs zu sprechen kommen, einer weiteren zehn-jahre-Serie, die das ganze deutlich besser durchgezogen hat. Nicht nur wird das Ende der Serie am Anfang der letzten Staffel deutlich angekündigt, so dass man sich als Zuschauer emotional darauf einstellen kann. Die letzte Folge handelt von Abschieden und dem Aufwachsen der Charaktere und gibt einem Zeit sich darauf einzustellen, und dann folgt ein sehr gut funktionierender Abschluss für die Serie, der Reflektion, Nachdenklichkeit, richtige Trauer und eine Sicht in die Zukunft erlaubt. Eine repräsentative Umfrage unter 3 Freunden hat ergeben, dass es auch bei mehrfachem Schauen problemlos zu Tränen kommen kann. An dieser Stelle musste ich zehn Minuten das Schreiben unterbrechen, weil genau das geschah.

Das Ende einer solchen Serie ist das Ende einer Ära. Wir haben ein Jahrzehnt lang eine Bindung zu den Figuren der Serie aufgebaut, und nicht nur die Charaktere müssen ein Ende miteinander finden, sondern auch wir eines mit ihnen. Sie gehen hiernach weg und wir werden sie nicht mehr sehen. Im Gegensatz zu einem Umziehenden Freund ist dies garantiert das letzte Mal. Wir werden nicht noch einmal bei ihnen anrufen können, um mit ihnen zu sprechen. (Nein, Scrubs S9 existiert nicht)

Anscheinend hat das niemand bei der Produktion von How I Met Your Mother bedacht. Man hat seit über einer Staffel bereits viel, viel an der Erwartungshaltung gearbeitet, dass die Hochzeit der Kernpunkt der Serie sein würde, das entscheidende Ereignis. Und dann finden 21 Folgen statt, die keinen anderen Effekt haben, als den Zuschauer zu nerven und sagen zu lassen „get on with it already!“. In diesem emotionalen Zustand kommt man zur Hochzeit.

Und dann geschieht dort überhaupt nichts, sie wird innerhalb weniger Minuten abgehandelt, Ted sieht Your Mother halt auf der Party und spricht später am Bahngleis mit ihr. Es ist ein normales Gespräch, weniger clever geschrieben als jeder Wortwechsel mit Barney.  Und dann wird man bombardiert, zugeschmissen mit erzwungenen und konsequenzlosen Trauer- und Abschiedsszenen (an einer Stelle verabschieden sich die Charaktere umständlich und ausführlich von Ted. Ted geht dann doch nicht). Charaktere sind weinerlich, anscheinend im glauben, dass Zuschauer dann auch traurig sind. Aber so funktionieren Gefühle nicht. Zu dem Zeitpunkt sind noch 30 Minuten Folge übrig, und uns wird auch kein Raum gelassen, um etwas zu fühlen. Nichtmal Spaß, denn an Witzen mangelt es auch.

Letztendlich verstehe ich keine Entscheidung in dieser Staffel. Sie hätte ganz einfach mit der Hochzeit anfangen können und dann, in 20 Folgen, die nachfolgenden Jahrzehnte besprechen können. Zeitsprünge wären weniger drastisch gewesen, man hätte Charaktere milde umschminken, Kleidung oder Haare ändern lassen können, und einzelnen Ereignissen Raum geben können. Man hätte sehen können, warum die Beziehung mit Your Mother auch gut war, warum es traurig war, wie sie starb (anstatt dies in einem so kurzen Satz und cut zu zeigen, dass ein Zuschauer verpassen kann, was mit ihr geschehen ist, wenn er sagt „könntest du kurz eine volle Flasche mitbringen?“) . Dann hätten Zuschauer eine Pause  nach dieser melancholisch endenden Folge gehabt um sich wieder zu fassen, ähnlich wie Scott Pilgrims Comicserie ein schlechtes Ende antäuschte, nach dem überraschend noch ein bis dahin geheimer Band veröffentlicht wurde. Und dann können Zuschauer in der letzten Folge zu erfahren, dass Ted und Robin doch eigentlich zusammen kommen könnten, dass er sich dazu durchringt, dass es funktioniert und dass die Gruppe weiterhin Freunde für immer sind, mit einem metaphorischen Blick in den Horizont. Wir hätten einen richtigen Abschluss. Anstatt diesem Wrack, dem man ansehen kann, dass zu viele Leute zu viel Einfluss hatten.

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Written by vetaro

2. April 2014 um 2:31 am

Veröffentlicht in Filme

Eine Antwort

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  1. Es ist wohl gut, dass ich es so erfahren habe. Hänge 1, 2 Staffeln hinterher. Dann kann ich ja so tun, als gäbe es nur 8 und die Folgen allmählich schauen. (kein TV mehr, aber keine große Sache)

    Thomas Hanke

    2. April 2014 at 8:24 pm


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