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Divergent

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In Kürze kommt hier die Verfilmung von Veronica Roths Buch Divergent ins Kino. Falls ihr euch jetzt schon fragt, ob ihr dazu eine Meinung haben wollt, kann ich helfen, weil ich die Bücher zufällig vor zwei Jahren gelesen habe.

Hier die Prämisse des Buches in so kurz wie es geht: Chicago ist vermutlich die einzige noch existierende Stadt, und auch sie liegt halb in Ruinen. Die Gesellschaft ist in fünf Gruppen geteilt, deren Vertreter je eine Tugend repräsentieren, ein System das Frieden und Kooperation unterstützen soll. Es gibt die Gruppen der Mutigen, der Weisen, der Selbstlosen, der Ehrlichen und der Freundlichen. Als Übergangsritus müssen junge Menschen entscheiden, ob sie in ihrer angeborenen Gruppe bleiben wollen oder zu einer anderen wollen, danach werden alle Tests und Trainings unterzogen, um den Standards ihrer Gruppe angepasst zu werden. Und die Protagonistin ist mitten drin in alledem, stellt aber fest, dass sie nicht nur in eine Gruppe sehr gut rein passen würde, was ein schreckliches Geheimnis ist.

Divergent fährt natürlich stark auf der Hunger-Games-Welle, das ist ein unübersehbarer Vergleich, bereits wenn man die Cover sieht: Riesiges flammendes Kreis-Logo? Rechteckiger, metallischer Font? Und beim Konzept gibt es einige Überschneidungen, denn es geht um eine irgendwie-zukünftige-aber-ein-wenig-Postapokalyptische Gesellschaft, in der junge Menschen, ein wenig älter als die Leser-Zielgruppe, mit der Verantwortung betraut werden, die offensichtlich schwächelnden Gesellschaftlichen ritualistisch zu rechtfertigen, wobei die starke, ernste Protagonistin im Kampf realisiert, dass sie nicht nur irgend ein Mädchen ist sondern das Potenzial hat, eine Revolution in Bewegung zu bringen und an der Seite ihres romantischen, aber nicht zu schnulzigen Partners usw. usw. Aber das soll keine Beschwerde sein, man muss es halt nur wissen.

Das Buch zeichnet sich für mich dadurch aus, dass es einen sehr interessanten Anfang hat, in dem viel abgeht, bis die Protagonistin anfängt, für ihren neuen Clan zu trainieren. Dann vergehen gefühlt 70% des Buches mit langweiligem Kampftraining und Sozialproblemen zwischen Teenagern, bis man am Ende ein ziemlich massives Ende kriegt, das eine heftige Eskalation darstellt. Wenn man den Mittelteil durch-eilt, wird das Buch vermutlich um einiges besser.

Ein wenig über die Prämisse: Als Vertreter dieser Gruppen trägt man gleichfarbige Kleidung (die Form scheint im Buch egal zu sein) und muss sich der Tugend, der man folgt, angemessen verhalten. Die ehrlichen sagen immer die Wahrheit, die Selbstlosen denken immer zuerst an Familie und Fremde, die Mutigen springen konstant von Zügen und leben um einen gigantischen Abgrund herum. Es gibt jedoch keine Regel, dass man den Idealen der anderen Häuser folgen muss. Anscheinend muss das öffentlich gesagt werden, sonst würde das Buch ja nicht existieren: Es ist kein besonders effektives oder auch nur sinnvolles System, um Krieg zu verhindern, wenn jeder nur eine Tugend repräsentiert. Wenn du klug bist, hält dich das nicht davon ab, ein Arschloch zu sein, und wenn du mutig bist,  kannst du trotzdem Leute abknallen. Sogar die Regelung „Diese fünf Dinge sind unsere Leitlinien, haltet euch dran sonst kommt die Polizei“, wäre bereits erfolgversprechender gewesen, und das ja wohl ist die popeligste Rechtslage jemals.

Und der Film? Nun, dem Cinema Snob zufolge: Ganz okay. Nostalgia Chick zufolge: Ganz safe und bekannt. Gute Schauspieler, hat keine schrecklichen Fehler, wird niemandes Leben verändern. Und genau wie das Buch ist der Mittelteil langweilig.

Spoiler-Bereich für die beiden anderen Teile der Trilogie:

In Insurgent und Allegiant wird die Story weiter- und zum Ende gebracht. Insurgent ist für mich der interessanteste Teil: Nach dem ziemlich intensiven Ende des ersten Buches beruhigt sich die Handlung nicht etwa, sondern bleibt auf dem gleichen, dramatischen Niveau. Die Charaktere reisen viel und sehen die Basen aller anderen Fraktionen, es geht weniger um die privaten Probleme der Protagonistin und mehr um die Politik der einzelnen Fraktionen, die konstant zu neuen Schlachten ausbrechen könnte. Die Protagonistin und ihr Freund kommen auch dazu, zu zeigen warum sie die Hauptfiguren sind und kriegen regelmäßig was gebacken. Hier wird auch deutlich klar, wie die Story verlaufen wäre, wenn die Protagonistin sich einer der anderen Gruppen angeschlossen hätte. Es ist der beste Teil, weil das Gimmick der Reihe hier in vollem Schwung ist.

Allegiant hingegen ist der Tiefpunkt der Serie und eigentlich muss er nicht mal gelesen werden. Die große Enthüllung am Ende des zweiten Teils klärt auch auf, dass man die Stadt auch verlassen kann, und alle wichtigen Charaktere tun das, während die Konflikte dort noch am brodeln sind. Das gesamte Buch findet dann in einem kleinen, langweiligen Außenbereich statt, in dem sich die Charaktere mit vollkommen anderen Problemen rumschlagen, die nichts mit den bisherigen Konflikten zu tun haben und die ganze Zeit über nichts tun. Der Plan der „Bösen“ ist völlig wirr und absurd, und die eigentlichen Probleme aus Buch 1 und 2 werden offscreen und ohne Erklärung gelöst. Allegiant ist völlig unnötig und bringt außer dem Epilog nichts von Interesse zu der Story.

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Written by vetaro

23. März 2014 um 4:06 pm

Veröffentlicht in Filme

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