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Reflektionen und Kommentare zu: Matussek schlägt ein

with 2 comments

Eigentlich gibt es keine Werbung für meinen Blog. Ich verlinke in keinen Signaturen darauf und bin, soweit ich weiß, auch nicht in Blogrolls oder dergleichen. Dass mich gestern der Bildblog verlinkt hat, ist also ein wundervoller Ausnahmefall, der meine Statistik, mit der ich bisher ganz zufrieden war, so aussehen ließ:

Das ist ein High, an das ich natürlich nicht mehr ran kommen werde. Unter den aktuell 50+ Kommentaren war überraschenderweise niemand blödes, was ein seltener Ausnahmefall ist, wenn man über ein kontroverses Thema wie dieses spricht. Hier ein paar der Kommentare:

Elijah.lans schrieb:

Ehrlich, pointiert und m.E. absolut zurecht von Herrn Matusseks Form der “Diskursführung” empört! Daher auch von mir: Danke!
Nur ein Tipp: Nochmal Korrekturlesen vor dem Online-stellen hätte nicht geschadet 😉

OB schrieb:

Die Leseprobe zu “Sexualpädagogik der Vielfalt” auf den Verlagsseiten bei beltz.de ist offenbar das vollständige Buch. Kern der Übung ist wohl nicht zuletzt “Grenzen” der Vielfalt zu identifizieren. Was dann irgendwie ja ziemlich tagesaktuell ist.

Das ist nämlich der Unterschied zwischen richtigen Medien und Leuten wie mir: Die betreiben Recherche und lesen nach der Korrektur nochmal Korrektur. Ohne Blödheitsfehler wäre mein Artikel gar nicht authentisch vom Internetpöbel gewesen.

BaWo schrieb:

Bei den European-Artikeln habe ich auch ein wenig kommentiert, aber ich hatte nicht die Kraft/Lust/Zeit und da ich keinen Blog habe(bis jetzt) auch nicht die mediale Reichweite um etwas sinnvolles zu diesem Machwerk zu schreiben, bzw. etwas sinnvolles zu der Diskussion beizutragen. Also nochmal vielen Dank für diesen Kommentar. Das Blog kommt direkt in den Feedreader 🙂

Ich hoffe, die oben gesehene Statistik klärt: Wenn es nur genug auf der Seele brennt, dass man etwas tun muss und etwas mitzuteilen hat, gibt es Booster wie den Bildblog, die die Reichweite netterweise verschaffen, egal ob man ansonsten ein Blog über Zombiebücher und Onlinespiele ist (Falls das nicht dein Thema ist, BaWo: Schon mal sorry im Voraus). Weder sprachlich noch Formal genügen meine Beiträge den Standards der Diskussion, die Aussage dahinter war wohl der entscheidende Faktor.

Ich gehe davon aus, dass Niggi, bis es wieder inhaltliche Aussagen von Matussek gibt, diesen wirklich ignorieren wird, was auch erwachsener von ihm ist als meine Reaktion. Irgendwer musste eben unerwachsen genug sein und sich dem Bully stellen.

Martin schrieb:

” Wir leben in einer Gesellschaft, in der viele, viele Leute Dinge sagen und tun, die verletzen, verunsichern und zu einem inneren Leid bei Anderen führen – ohne dass diesen Leuten das Bewusst wird, weil sie nicht dafür sensibilisiert sind, dass sie gerade verletzend sind”

Irgendwie habe ich das Gefühl, das gerade das es ist, was Matussek so aufstößt. Das andauernde, überall und von allen Seiten tönende, nicht enden wollende Gegreine, wie furchtbar verletzt und vor den Kopf gestoßen man doch sei, weil andere Menschen doch einfach keine Rücksicht auf die enorme eigene
Empfindsamkeit nähmen. Weil sie einfach nicht dafür sensibilisiert sind. Klar. Hat ja auch niemand eventuell auch noch andere Prioritäten, als bei jeder Äußerung oder Handlung die Empfindsamkeiten jedes beliebigen Grüppchens zu bedenken.

Sowenig ich Matussek und besonders seinen Religionsmumpf schätze, das könnte ich zumindest nachvollziehen.

Wir sind gerade dem Kern der Sache, so wie sie sich mir darstellt, sehr nahe: Auf der einen Seite sind Leute, die sich darüber ärgern, dass sie „bei jeder Äußerung die Empfindsamkeiten jedes beliebigen Grüppchens zu bedenken haben“. Auf der anderen Seite sind Leute, die (um mal US-Zahlen zu nennen, weil ich die kenne und der Effekt dort ausgeprägter ist) als Jugendliche eine 8.4 mal höhere Suizidversuchsrate haben und eine 6 mal höhere Depressionsrate. Diese Leute sind nicht traurig, weil schwulsein so etwas Bedrückendes ist, sondern weil es anscheinend viel zu anstrengend für die andere Seite ist, ein bisschen weniger scheiße zu ihnen zu sein.

Wir reden hier ja auch nicht davon, dass man konstant aufpassen soll, nicht „Zigeunersoße“ oder „Negerkuss“ zu sagen. Wir reden, am hohen Ende, von körperlicher Misshandlung, und am niedrigen Ende davon, dass man fremde Leute, von denen man nur eine Eigenschaft kennt, nicht als weniger wertvoll, defizitär oder gefährlich einstufen soll. Das sind keine Dinge, die man ausversehen im Vorbeigehen macht. „Ups, hab ich die Arschpiraten ausversehen als Minderwertig bezeichnet.“

Es ist halt ne Ungleichheit da. Wir sind hier nicht bei einem Thema wie der Evolutionsdebatte, wo, wenn eine Seite vollkommen gewinnen würde, die jeweils andere halt ertragen müsste, dass ihre Kinder was in der Schule lernen was ihnen nicht gefällt. Wenn beim Thema Homosexualität meine Seite „gewinnt“, müssen einige Leute ihre Meinung ändern und behutsamer sein. Wenn die andere Seite „gewinnt“, sterben Menschen. Sobald wir den ersten Mob haben, der einen Homophoben krankenhausreif schlägt weil sich die Homosexuellen jetzt zu selbstsicher fühlen, können wir die Verhältnismäßigkeit nochmal neu bewerten.

Ich verstehe, dass wir letztendlich fordern, dass sich ein nennenswerter Teil der Gesellschaft in seinen Überzeugungen neuorientieren muss (und es hört ja nicht bei Schwulen auf, wir könnten auch langsam mal aufhören, Rumänen insgesamt Kriminalität und Faulheit zu unterstellen oder Gehörlose für dumm zu halten). Das ist eine ziemlich große Hausnummer, und gerade von alten Leuten kann man das anscheinend nicht erwarten. Daher möchte ich auch sagen: Ihr müsst eure Homophobie nicht unbedingt heilen. Aber ich will das nicht in den U-Bahnen und im Fernsehen sehen müssen. Ich find es nämlich ein bisschen ekelig und ich hab gehört Gott findet das nicht gut.

Magnus schrieb: 

Herr Matussek hat diesen Post mittlerweile übrigens gelesen. Ich habe ihn ihm per FB-Nachricht geschickt und er hat sogar geantwortet (wobei er mich offensichtlich für den Autor hielt, sorry dafür; ich hab’s richtig gestellt). Ich werde seine private Nachricht natürlich nicht hier öffentlich machen, nur soviel: er findet den Text “süß” ;)

Rosi schrieb:

«Süß», wenn ich mich damit nicht zu weit aus dem Fenster lehne mangels Rahmentext, steht für mich an dieser Stelle als Synonym für: “nicht ernst zu nehmen, da nicht als bedrohlich empfunden”.

 Danke fürs Empfehlen. Es war natürlich nicht anders zu erwarten. Zwischen uns haben einfach die sexuellen Energien gebritzelt, Herr Matussek ist jetzt schwul und findet mich anziehend. Dem muss ich mich leider fügen. Wir ziehen Ende des Monats zusammen.
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Written by vetaro

27. Februar 2014 um 1:27 am

Veröffentlicht in Uncategorized

2 Antworten

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  1. […] Update: Reflektionen und Kommentare zu: Matussek schlägt ein […]

  2. Hui ich wurde erwähnt 😀 !!!

    Denny Mueller (@denym_)

    2. März 2014 at 7:23 pm


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