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Feed-Trilogie: Nach der Zombieapokalypse sind wir alle dümmer.

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Es geht mal wieder um Zombiebücher. Die Empfehlung kommt zuerst, dann sprechen wir über den Inhalt.

Die Bücher Feed, Deadline und Blackout von Mira Grant handeln von Amerika, 20 Jahre nach der Zombie-Apokalypse. Es ist  die Romero-Sorte mit Rennen, Taktik und Blutkreislauf, die also höchst infektiv sind und die Welt rundum in Hochsicherheits-Gebiete verwandelt haben. Bevor wir auf den Inhalt zu sprechen kommen, beginne ich mit der Bewertung: Die Bücher sind lesbar, brechen aber alle Qualitätsstandards die mir wichtig sind. Ich halte sie für sehr schlecht auf einem „wenn man drüber nachdenkt“-Niveau, nicht auf einer „Ich musste nur zwei Seiten lesen um zu verstehen dass sie schlecht sind“-Ebene.

Und sie sind beeindruckend schlecht. Im folgenden werde ich die komplette Buchreihe spoilern und erklären wo die Probleme liegen.

Feed:  Es geht um drei Journalisten, die einen Präsidentschaftskandidaten auf seiner Kampagne begleiten. Auf der Makroebene passiert nicht mehr. Das Buch endet lange vor der Wahl und es gibt keinerlei große öffentliche Entwicklungen. Sie folgen einfach dem Mann, während er Wahlzirkus macht.

Gefühlt die Hälfte des Buches wird beschrieben, wie die Protagonistin Georgia (Harter-Knochen-Journalistin), ihr Bruder Shawn (Action-Reporter) und ihre Technikerin (Witzig/Slut) an jeder Tür die sie durchqueren Bluttests abgeben müssen, welche Geräte dafür benutzt werden, wie die Leute beim Testen mit einem umgehen, wie am nächsten Durchgang ein weiterer Bluttest stattfindet. An keiner Stelle kürzt das Buch diese Vorgänge ab oder spart sich Abläufe, die es schon gab.  (Die Technikerin ist übrigens mit Abstand der beste Charakter in der ganzen Trilogie. Sie kommt kaum vor und stirbt auf halbem Wege sinnlos.)

Ein anderer Anteil, der mir sehr groß vorkommt, ist wie die Protagonistin über ihre Arbeitsmoral spricht, wie ernst sie den Beruf nimmt, wie sehr jeder sie als der harte Knochen erkennt der sie ist, der nur Fakten berichtet,  wie sehr jeder weiß dass sie eine der Besten ist und dass die Quoten ihres Blogs hochschießen.

An einer Stelle im Buch sind sie sogar die #1 besuchte Website, obwohl fünfzig Seiten vorher behauptet wird dass nur Pornos und Musikdownloads mehr Klicks kriegen. Was ich übrigens bezweifeln möchte, weil „Porno“ ein ziemlich weitverstreuter Bereich ist und sich Männer ausser wenn es etwas witziges ist generell gesagt keine Links weitergeben, es gibt keinen #1 Porno auf der Welt. Und weil Chart-Musik bereits heutzutage nicht mehr auf Internetseiten stattfindet sondern auf iTunes oder so, und iTunes ist keine Internetseite.

Das mit der besten Journalistin überhaupt, die ernste und wenig Voreingenommene Berichterstattung führt, ist überraschenderweise keine  vom Buch gedeckte Behauptung. Am Ende jedes Abschnitts folgt ein Absatz aus ihrem Blog (manchmal auch aus denen von Freunden), und 100% dieser Auszüge erzählen vom generellen Journalist-sein, von Journalismus-ethik,  davon wie gefährlich ihr Beruf ist und so weiter. Kein Einziger Artikel spricht über aktuelle Ereignisse, Fakten oder sonst etwas interessantes oder etwas, das bei einem echten Blog leser bringen würde. Vielleicht existieren diese richtigen Einträge, aber als Leser des Buches erfährt man nie etwas von ihnen. Ebenso, wie man niemals Leser-Reaktionen kennenlernt. Den Protagonisten scheinen die Meinungen ihrer Leser genauso egal zu sein wie der Autorin, denn ob die Artikel jemals etwas bewegen oder anstoßen wird nicht erwähnt oder diskutiert. Einzig die Einschaltquoten interessieren. Wenn überhaupt von Lesern die Rede ist, dann als ein amorphe masse, die in den foren moderiert werden muss damit sie ruhe geben. Dass Journalismus viel mit den Lesern zu tun hat, ist hier erkennbar egal.

Überhaupt hat die Autorin an nur sehr wenigen Dingen in diesem Buch Interesse. Zombies existieren als Hintergrundrauschen, aber abgesehen vom Konsequenzlosen Intro und einer einzelnen Szene treffen die Journalisten niemals auf welche. Das ganze Buch ist viel zu sehr davon eingenommen, das transparenteste „Amerika in den 2010er Jahren ist ein Überwachungsstaat der von Angst geplagt ist, ich zeige es euch anhand dieser Geschichte“ jemals zu sein. Es ist nichtmal subtil, mindestens vier mal spricht die Protagonistin die Worte „Die da oben wollen, dass ihr in Angst lebt um euch zu kontrollieren“ aus. Sie spricht überhaupt eine Menge Dinge vielfach aus. Wiederholung von Dingen hilft der Autorin, die nötige Seitenzahl zu füllen glaube ich, denn es wird gerne und viel wiederholt.

Das größte Scheitern von Georgia sehe ich im Ende des Buchs. Ziemlich früh steht fest, dass die ganze Wahlkampagne von Sabotage und Mordanschlägen mit Zombievirus-Spritzen angegriffen wird, und richtung Ende stellen sie fest, dass der Gegenkandidat (der ein transparenter John McCain Evilguy von der ersten Sekunde an ist) der Böse ist. Sie haben sogar Wanzen-Aufnahmen auf denen er sagt, dass er die Technikerin getötet hat und dass seine Leute jetzt endlich die anderen umbringen sollen, auf welchem Wege auch immer.

Anstatt jetzt sinnvoll mit der Situation umzugehen und einen Beitrag vorzufertigen, in dem alle Fakten, Aufnahmen und Beweise zusammen stehen, unter der Überschrift „Evil John McCain ist ein Terrorist der uns alle getötet hat“, der automatisch geposted wird wenn sie nicht alle 18 Stunden am Computer aktiv werden, stürzen sie sich in eine sechs wochen lange RechercheDie keinerlei plotrelevante Ergebnisse oder bessere Beweise bietet. Würden sie alle zusammen spontan getötet, wäre all ihr Wissen fort. Und das Risiko besteht.

Als sie dem guten Präsidentschaftskandidaten bescheid sagen, wählen sie natürlich ein high-society-Bankett, auf dem er überhaupt nicht in der Stimmung ist. Die Protagonistin macht wilde Anschuldigungen und lässt sich endlos unterbrechen, anstatt zu sagen „WIR HABEN EINE WANZENAUFNAHME AUF DER ER SAGT DASS ER UNSERE TECHNIKERIN GETÖTET HAT UND IN DER NÄCHSTEN STUNDE UNS ZU TÖTEN GEDENKT“. Sie werden weggeschickt. Auf dem Weg zurück zu ihrem Unterschlupf werden ihre Autos gesprengt und die Protagonistin mit Zombiespritze infiziert.

Es ist reines Glück, dass sie noch dazu kommt, einen Artikel zu veröffentlichen. In ihm kommt kein einziges mal die Information vor, dass Evil McCain sie gerade ermordet hat und ihre Unterkünfte in die Luft gejagt hat, sondern nur generelles „Es geht um unsere Zukunft, das hier ist total wichtig erhebt euch“-Blabla. Dass diese Frau tatsächlich fähig ist, kaufe ich ihr nicht ab. Ihr Bruder, der langweiligste der Charaktere, überlebt.

Stimmung nach dem ersten Buch: 2/10 would not buy again.

Deadline: Der neue Protagonist ist der Bruder Shaun.  Unter dem Strich ist das eine Verbesserung, weil er nicht konstant davon redet, wie super er ist. Statt dessen hat er das gesamte Buch hindurch akustische Haluzinationen von seiner Schwester, die niemals etwas interessantes zu sagen hat. Er verbringt einen Großteil des Buches damit, zu betonen dass er Haluzinationen hat und wer davon weiss dass er sie hat und wer nicht. Ausserdem spricht er laut mit ihr, obwohl etabliert ist, dass er auch einfach etwas denken kann, damit sie davon erfährt. Wie immer in den Büchern werden Leute vor allem dadurch Charakterisiert, dass mir gesagt wird, sie wären eine bestimmte sorte person. Möglichst direkte, ins Gesicht gehauene Personalisierung. Praktisch niemals entsteht eine art „Gefühl“ für einen charakter. Shaun hat eine ganze Reihe  Zwangshandlungen, die ihn an seine Schwester erinnern, und jedes mal sagt das Buch, dass es eine Zwangshandlung ist, weil er dabei an seine Schwester denkt. Falls man es seit dem letzten mal vergessen hat.

Die Charaktere verfolgen in diesem Band weiter die Verschwörung, die natürlich die Weltherrschaft an sich reissen will. Hauptsächlich tun sie das, indem sie nichts leisten. Zwei mal reden sie mit einer underground-Wissenschaftlerin, die die einzige Person ist, die irgendwas zu irgendwas beiträgt. Ansonsten sind sie vollkommen reaktiv und kriegen auch bis zum Ende nichts besonderes gebacken.

Falls sich jemand fragt, was denn mit dem Präsidentschaftskandidaten ist: Er ist jetzt Präsident. Dies hat exakt 0 Auswirkungen auf die Handlung. Er kommt nichtmal in einem indirekten Zitat zu Wort und leistet auch sonst anscheinend niemals irgendetwas.

Teilweise sind die Charaktere dermaßen inaktiv, dass sie zur Mitte hin eine komplett sinnlose Konfrontation mit dem Seuchenschutz einleiten. Dass diese Behörde mit allem irgendwie unter einer Decke steckt, war den Charakteren schon vor dem ersten Buch klar, bevor sie auch nur wussten, dass jemand etwas böses vor hat. Als sie Beweise dafür finden, dass die Behörde irgendwas vertuscht hat, gehen sie damit in eines ihrer Zentren. Als sie den Chef mit den den Beweisen konfrontieren, werden Protagonist und eine Freundin kommentarlos in einen Zombie-Ausbruch geschmissen, aus dem sie knapp entkommen. Aus irgend einem Grund verbuchen sie dies als Erfolg, obwohl der Zuständige in der Behörde nicht einmal ein einziges Wort zu dem Thema von sich gegeben hat.

Sehr früh im Buch, geradezu in der Eröffnung, erfährt das Team folgendes: Menschen mit Reservoirkrankheiten, also Leute die nur in einem bestimmten Körperteil Zombie-Infiziert sind und ungefährliche Symptome wie Lichtempfindlichkeit haben, sterben erkennbar viel früher und an unnatürlichen Umständen, als statistisch normal wäre.

Etwas später stellen sie sogar fest, dass diese Menschen eine Überlebenschance haben, wenn sie von Zombies gebissen wurden (dies ist eine Geheiminfo). Und aus irgend einem Grund sagen die Protagonisten niemals „Oh, das heisst die Regierung tötet diese Leute, um zu vertuschen dass sie viel länger leben würden als alle anderen!“ – in einem Buch, in dem jedes Detail bis zur Langeweile wiederholt ausgesprochen wird, gehe ich davon aus, dass dies bedeutet, dass sie das noch nicht verstanden haben.

Obwohl sehr früh etabliert wird, dass Klonen von Menschen jetzt möglich ist und durchgeführt wird, scheint niemand  in Betracht zu ziehen, dass Leute die sie treffen Klone sein könnten. Direkt an der Stelle dachte ich: „Es würde mich nicht wundern, wenn sowohl die Informantin als auch/oder die knallharte Journalistin aus dem ersten Band klone wären.“

Als am Ende eine zweite Zombie-Infektionswelle durch das Land zieht, die sich mit dem Wind bewegt, schlussfolgert der Protagonist sofort, dass Insekten jetzt Infektionsträger sind. Er hat anscheinend recht. Dass diese Insekten von der Verschwörung losgelassen wurden, zieht aber niemand in betracht, obwohl das  sehr, sehr wahrscheinlich ist. Und warum es unbedingt Insekten sein müssen (anstatt, nur zum Beispiel, Sporen) wird auch nicht erwähnt. Der Charakter verwandelt sich also in einer einzigen szene von „Jesus der alles weiss weil die Autorin es weiss“ zu „unfähig, das offensichtlichste überhaupt auch nur in Betracht zu ziehen“.

Das Buch endet übrigens damit, dass die Charaktere mal wieder nichts gebacken gekriegt haben. Obwohl sie erneut in Gefahr schweben, allesamt jederzeit tot zu sein, haben sie keine Sicherheitskopien für ihre Beiträge oder sonstige Verteiler für ihre Erkenntnisse vorbereitet. Diesmal, im Gegensatz zum Letzten mal, sind sie sogar im Besitz von extrem geheimen und Erschütternden Infos. In der theorie hätten sie 3-5 mal im ganzen Buch sterben können und alles wäre für immer verloren. Sie haben absolut keinen Sekundärplan.

Generell ist das Buch allerdings schon um einiges besser, weil der Vergleichswert dermaßen schlecht ist. Deadline ist tatsächlich lesbar und aushaltbar – und da die Ereignisse im vorigen Buch keinerlei relevanz haben, 90% der Charaktere tot oder kommentarlos rausgeschrieben sind und alles Wichtige so besprochen wird als hätte man das erste Bucht nicht gelesen (wiederholung wiederholung), gibt es auch keinerlei Anlass mehr, das erste Buch überhaupt zu sich zu nehmen.

Kurz vor dem Ende fand mein persönlicher Höhepunkt statt, als die Protagonisten in einem Auto tagelang durch Amerika fliehen und dabei durch einen Sturm ziehen, der alle Telefonverbindungen, Radios usw. lahmlegt. Auch nach dem Sturm  funktioniert nichts mehr und sie finden an keiner Rast- oder Polizeitstelle mehr Leute, es ist als ob sie die letzten Menschen überhaupt wären. Die Gelegenheit wäre perfekt gewesen, um in eine Silent Hill-artige Fog World überzugehen, aber die Wahrheit ist, dass einfach Ausgangssperren herscht, was natürlich die langweiligste Erklärung überhaupt ist. (Warum es keinen Radiosender gibt, auf dem endlos „Achtung, es ist Ausgangssperre wegen zombies in ganz amerika!“ gespielt wird,  wird nicht beantwortet. Vermutlich weil das diese beste Szene zerstören würde.

Zwischenbewertung: 4/10 Vielleicht passiert im letzten Buch ja mal was

Blackout: In diesem Buch passiert tatsächlich etwas. Georgia, die Schwester, wurde vom Seuchenschutz geklont. Die hälfte des Buches befindet sie sich in ihrem Zentrum in Zellen und Untersuchungskammern und existiert so vor sich hin – dennoch sind die Szenen mit ihr deutlich interessanter als alles andere. Georgia-Klon zieht logische Schlussfolgerungen aus ihren Situationen und denkt viel nach. Ihre Kapitel werfen auch fragen über Identität auf, sowie die Frage, wie man mit dem Klon eines geliebten Menschen umgeht wenn er auf einmal da ist – sollte man einfach so weitermachen wie zuvor? Sollte man immer im Hinterkopf haben, dass sie ein Klon ist, und sie „Georgia2“ nennen? Mit dem Thema geht das Buch geradezu erwachsen um.

Die anderen Journalisten laufen gleichzeitig in der freien Welt herum. In diesem Buch wird eine Tendenz aus den vorigen Büchern noch viel, viel klarer. Sie sind absolut inkompetent und leisten niemals irgendetwas, sind aber gleichzeitig überzeugt davon, dass sie sehr viel gebacken kriegen. Und weil die Autorin selber nicht bemerkt, dass die Charaktere nie irgendwas schaffen, ist es im Buch auch nicht so beschrieben.

Die Gruppe muss in das (wegen Zombie-Insekten geschlossene) Florida eindringen um dort einen Nebencharakter zu retten und Zombie-Insekten für Experimente fangen. Also müssen sie sich eine Geheimidentität besorgen, mit der sie da rein kommen. Zuerst fahren sie also zu den Eltern der Hauptfiguren. Der Versuch scheitert und der Seuchenschutz greift an. Sie entkommen nur knapp. Dann fahren sie ganz woanders hin zu einem Identitätsfälscher. Hier scheitern sie und der Seuchenschutz greift an. Sie entkommen nur knapp, der Fälscher und alle seine leute (alles coole charaktere!) sterben. Dann lassen sie es einfach bleiben, nach Florida zu gehen.

Als sie zur Basis zurückkehren wird ihnen mitgeteilt, dass es auch gar nicht so schlimm ist, weil nämlich irgendwelche anderen Leute offscreen bereits die Insekten gesammelt und den Nebencharakter gerettet haben. Die gesamte Unternehmung war vollkommen Sinn- und Erfolglos und der Konflikt wurde offscreen von irgendwem gelöst, das muss man sich mal durch den Kopf gehen lassen! Generell ist das ein langzeit-Muster. Die Charaktere gehen irgendwo hin, gewinnen keinerlei Erkenntnisse, jemand initiiert einen Zombie-Ausbruch vor Ort und alle müssen fliehen. Dies passiert in jedem Buch zwei bis drei mal, und ich frage mich ehrlich wieso der Seuchenschutz nach dem SECHSTEN GESCHEITERTEN MORDVERSUCH DIESER ART nicht mal die Methode ändert und z.B. einfach eine selbstschussanlage auf sie richtet. Die ganzen Actionszenen stinken massiv nach „Es gab nicht genug action, lass mal sinnlos jetzt irgendwelche Zombies hier reinsetzen damit was passiert“.

Oh, und das dritte Buch beinhaltet einen „Twist“. Er ist so unfassbar offensichtlich und platt, dass ich ihn nichtmal hinschreibe, statt dessen paraphrasiere ich hier ein paar Dinge, die im ersten Buch immer wieder wiederholt wurden. „Shaun hatte natürlich mengen an weiblicher Fanpost, die ich alle für ihn las und wegschmiss. Er war nie an soetwas interessiert.“ „Seit wir zurückdenken können, schlafen wir im selben oder in möglichst angrenzenden Zimmern. Wir wollten die Sicherheit haben,  sollten wir nachts angegriffen werden, uns gemeinsam schützen zu können.“  „Wir waren nie auf dem Partnermarkt, und haben es auch nicht vor.“  Als ich diese Dinge las, dachte ich „klinngt ziemlich offensichtlich, vermutlich ist es eine clevere anspielung, dass sie es nicht ausspricht.“ Nein.  Im dritten Buch sagt die protagonistin sogar „ich verstehe echt nicht, wieso niemand [den twist] bemerkt hat, es war doch total offensichtlich, die Leute sind so dumm“ und ich sagte zum Buch NEIN DU BIST DUMM.

Am Ende der Trilogie treffen sie endlich auf einen Mann, der so nett ist, einen vollständigen „Haha ich bin der böse und erzähle euch meinen ganzen Plan“-Monolog zu halten (davon gibt es in jedem Buch einen. Die Charaktere weisen selber darauf hin, wie offensichtlich und dumm das ist.). Ich glaube, die Autorin möchte hier einen weiteren „twist“ der Bücherreihe unterbringen. Der Twist lautet: Die Zombie-Insekten sind vom Seuchenschutz. Sie haben die Leute, die gegen Zombies immun sein könnten, absichtlich getötet um es zu vertuschen.

Weder den Charakteren noch der Autorin scheint aufgefallen zu sein, dass diese Informationen seit zwei kompletten Büchern sowohl den Charakteren als auch dem Leser weithin bekannt sind und dies keine Überraschung mehr ist. Alle behandeln dies, als wäre es eine massive Enthüllung, was es nicht ist. Sie haben aus irgend einem nie erklärten Grund diese Informationen auch nie veröffentlicht, obwohl das die ganze Zeit ihr Ziel war. Und dann, als der Mann fertig ist (der übrigens, ich übertreibe hier nicht, 35 mal „the man from the CDC“ genannt wird, weil die autorin anscheinend ihr budget für synonyme verbraucht hat und ihn nicht mehr anders bezeichnen konnte),  kommt natürlich ein Zombie-Ausbruch um sie herum zu stande WIE FUCKING IMMER.

Und an dieser stelle, die der Action-Höhepunkt der Serie sein soll, findet der Idiotie-Höhepunkt der Serie statt. Er toppt sogar die Dummheit aus dem 1. Band. Also: Die charaktere fliehen vor den Zombies durch einen Gang. Sie haben ein Mobiltelefon dabei, auf dem die Videoaufnahmen von dem „Ich bin so böse“ monolog sind, die sie beim fliehen uploaden um Sicherzustellen, dass sie gesichert sind, falls alle im Zombie-Ausbruch sterben.

Und dann kommen sie an einen Schacht, durch den sie entgültig in Sicherheit fliehen können vor den Zombies. Im Schacht ist aber kein Internet-Empfang, sie könnten das Gerät also nicht mitnehmen. Und dann entscheidet sich ein Nebencharakter, zurückzubleiben und aufzupassen, wobei sie natürlich sterben wird. Alle streiten mit ihr dass sie das nicht tun kann, dann lassen sie es aber doch tun, geben ihr einen feuchten Abschied und fliehen, und sie sprengt sich mit einer Splittergranate in die Luft.

Mit diesem Action-Höhepunkt sind ein paar Dinge falsch. Ich versuche mal, sie alle aufzuzählen.

  • Hinter dem Durchgang sind sie in Sicherheit. Die Actionszene endet hier. Sie hätten den Upload einfach abbrechen können und auf der anderen Seite bei dem abgebrochenen File weitermachen können. Wenn ein Upload unterbrochen wird, werden ja nicht einfach alle schon geschafften Dateien gelöscht. Selbst, wenn es ein gigantisches File wäre (was schwachsinn wäre, weil es etwa 15 Kameras und Mikrofone sind, die dort ihre Daten drauf haben), könnte man die Überreste durchfiltern und daraus noch etwas sinnvolles machen. Es wäre nicht so schlimm, den Upload abzubrechen.
  • Der Upload ist sehr schnell. Am Anfang der „nein, du kannst dich nicht opfern!“ debatte sagen sie, dass er bei 90% ist, dann reden sie noch 2 Minuten lang. Bis es dringend wird, sollte der Vorgang schon längst beendet worden sein.
  • Das Mädchen das sich opfert, sprengt sich einfach so in die Luft. Ihr ist das Gerät geradezu egal. Sie zieht nichtmal in Betracht, dass das vielleicht dabei mit gesprengt werden könnte und der ganze Sinn ihrer Aktion damit zerstört wird.
  • Später rufen die Überlebenden in der Basis an. Dort hat noch niemand erfahren, dass die Daten geladen wurden, weil sie in einen Privatordner gestopft wurden. Wären alle Anwesenden abgekratzt, hätte einfach niemand den Kram jemals gefunden oder nur danach gesucht.

Und jetzt zum wichtigsten und zentralsten Punkt, dem einen, der es so richtig ruiniert.

  • Zombies interessieren sich nicht für Mobiltelefone. Sie hätten das Gerät einfach hinlegen oder an die Decke pappen können und weggehen können. Es ist keine Interaktion mit dem Gerät nötig um den Upload abzuschließen. Niemand muss es beschützen. Das Mädchen hat sich VOLLKOMMEN SINNLOS UND SOGAR KONTRAPRODUKTIV SELBST GETÖTET.

Die Autorin scheint keinen dieser Punkte bedacht zu haben. Niemand zweifelt daran, dass ihr Opfer nötig war, jeder hält sie für eine Heldin. Und das ist eigentlich das zentrale Problem der Feed-Trilogie. Die Autorin selber scheint sich nicht damit auszukennen, wie all die Dinge, über die sie schreibt, funktionieren. Sie weiß nicht, dass sogar wordpress ein „Veröffentliche diesen Beitrag in 2 Tagen“ feature hat, und deshalb existiert das Feature in ihren Büchern nicht, und deshalb sind die Leute auch nicht dumm, wenn sie es nicht benutzen. Sie bemerkt nicht, dass die Charaktere unfähig und dumm sind, und deswegen sagt jeder im Buch, dass sie kompetent und clever sind. Und das tut mir richtig in der seele weh.

Oh, und wie in jedem schlechten Zombiewerk endet die Geschichte natürlich mit dem letzten großen Kampf und wir erfahren kein bisschen darüber, was die Journalisten bewegt oder verändert haben oder wie die Welt jetzt aussieht nach ihren Enthüllungen. Dafür war in 3 dicken Büchern kein Platz mehr.

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Written by vetaro

24. September 2013 um 4:48 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

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2 Antworten

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  1. Ich kann so mit dir führen. Solche Bücher sind ein Leiden. Aber sehr unterhaltsam und treffend rezensiert.

    Muriel

    24. September 2013 at 8:27 pm

  2. […] bereue nicht, alle Layton-Spiele gespielt zu haben. Aber ähnlich wie bei „Feed“ wurde es irgendwann vor allem eine Übung in „Ich muss mir das jetzt ALLES ansehen, […]


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