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World War Z, Zombie Survival Guide: Beste Bücher überhaupt

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In einem Monat kommt der Film „World War Z“ ins Kino. Er wird voraussichtlich scheiße sein und jedermanns Meinung von dem Werk zerstören. Deshalb ist es meine Aufgabe, euch möglichst vorher auf das Buch World War Z aufmerksam zu machen, das von mir 11/10 Sternen erhält.

Mit den meisten Geschichten habe ich ein großes Problem: Sie interessieren sich zu sehr für kleine, persönliche Ereignisse, ewig wiederholte emotionale Höhepunkte und gehen auf ein bestimmtes Ereignis zu, nach dem sie enden. Irgendwelche Leute müssen irgendwo hin, jemand stirbt und muss zurückgelassen werden, sie kommen dort an, credits. Praktisch nie haben die Bücher interesse  daran, wie alles funktioniert, welche Ausrüstung und Methoden man braucht, welche realistischen Gefahren drohen. Ganz ehrlich? Ich bin sehr schwer emotional zu investieren und es interessiert mich kaum, wenn irgendwer seinen Freund im Arm hat und die ihren emotionalen „Was zählt ist die Mission“ Konflikt durchziehen.

Ich will die großen Ereignisse sehen, wir Gesellschaften beeinflusst werden, was nach den Events passiert. Nicht nur, wie man der spontanen Situation entkommt, sondern was das auf Dauer für alle bedeutet. Und sowohl World War Z als auch der Zombie Survival Guide vom selben Autor sind eine absolute Erfüllung meiner Wünsche.

Zombie Survival Guide ist ein Sachbuch, basierend auf der fiktionalen Prämisse dass Zombies existieren. Es definiert Zombies mit allgemein akzeptierten Eigenschaften  auf die sich die meisten Fans einigen können (Beissinfektion, Hypersinne aber nicht verstärkte Muskeln, keinerlei Kommunikation oder Intelligenz, Fressen ohne Sinn oder Bedarf, sterben nur durch Gehirnschaden und verenden auf Dauer nur an Verwesung, nicht an Hunger) und zieht aus dieser Prämisse alle weiteren Schlüsse. Abgesehen davon, dass die Prämisse also fiktiv ist, bemüht sich das Buch ansonsten, „echt“ zu sein.

Dazu gehört, welches Haus man haben sollte und wie man es vorbereiten und verteidigen kann, welche Schuss- und Nahkampfwaffen man braucht, wo man sich auf Dauer hin begeben sollte und, falls man zu Säuberungsaktionen übergeht, wie man Häuser sicher angreift und so weiter.

Das Buch klassifiziert auch Zombie-Angriffe in vier Kategorien. Class 1 (höchstens 20 Zombies, kleiner Bereich ist betroffen, Aussenwelt wird es kaum mitbekommen), Class 2 (bis zu 100, kann in Städten passieren, vielleicht greift Polizei ein), Class 3 (Nationale Krise, Militär greift ein, Aufruhr und Plünderei) und Class 4 (Globale Infektion, Menschen werden zur Minderheit, Apokalyptische Zustände).

World War Z (auf deutsch übrigens Operation Zombie: Wer länger lebt ist später tot, ein Titel bei dem mir speiübel wird) beschreibt aus dem Blickwinkel von beinahe 50 Menschen überall auf der Welt in den verschiedensten Situationen, wie die Welt tatsächlich einen Angriff erlebt, der bald von Class 2 auf 3 übergeht und dann einen wirklichen Weltkrieg entfacht. Das Buch bleibt vollkommen Konsistent mit den Regeln, die im Guide aufgestellt wurden und zieht, für mich glaubhaft bis in die letzte Konsequenz diese Story durch.

Das Entscheidende dabei ist, dass das Buch die von Roland Emmerich eingeführte „Cast of Thousands“-Methode benutzt. Es wird erzählt aus der Sichtweise einer Mutter, die einen frühen Kleinangriff übersteht, einem israelischen Spion der früh die Bedrohung erkennt, einem Soldaten der den spektakulär scheiternden ersten Gegenangriff miterlebt, Einem Kapitän der die Flucht der Bevölkerung auf die See schildert, einem General der das Management der Verpflegung, Beschäftigung und Sicherheit der Zivilbevölkerung verantwortet, einem blinden Hiroshima-Überlebenden, der in der Wildnis so erfolgreich übersteht wie kaum jemand, einem Südkoreaner der vom völligen Verschwinden der Nordkoreaner berichtet, einem Kapitän eines Nuklear-U-Boots das völlig neue Verwendung findet und so weiter.

Jede Geschichte ist eine Handvoll Seiten lang und verrät so viel aus dem Bereich des jeweiligen Erzählers, dass man einen wirklich Globalen Überblick über die Ereignisse erhält. Fast jeder Zombiefilm beschränkt sich auf „Die Leute müssen irgendwo hin, action action bla bla, sie kommen an, ende“ – Wie es dann weiter geht, gerade in einem Zombieausbruch wo damit ja wirklich noch nicht alles geklärt ist, interessiert 28 days later, I Am Legend, Dead Space, Cockney vs. Zombies nicht. Dieses Buch tut genau das und erfüllt damit ein Bedürftnis in mir, das ich schon unglaublich Lange hatte.

Vor allem beweist World War Z für mich einen Punkt, den ich schon immer vertreten habe: Die Protagonisten müssen nicht scheißedämlich sein damit die Story funktioniert! Erinnert ihr euch noch an 28 Days Later? Diese Leute machen offensichtlich jedes einzelne Detail falsch. Sie lassen Ausrüstung zurück, machen mordslärm, treten in dunkle Räume und warten Minutenlang herum und sind dann überrascht dass sie angegriffen werden und so weiter. Die Typen haben von der ersten Minute an verdient, zu sterben.
Bei WWZ tut jeder sein bestes. Später beschreibt ein Soldat, wie sie Häuser leerräumen: „Oh, and you wanna talk about speed bumps, try urban combat. The strategy was always to surround the target area. We’d set up semipermanent defenses, recon with everything from satelites to sniffer dogs, do whatever we could to call Zack out, and go in after we were sure no more of them were coming.“

Die Geschichte funktioniert trotzdem, und sie ist sogar noch besser dadurch. Das hat auch nichts mit „Diese Filme sind halt für dumme massen gemacht“, auch dumme Massen kommen damit klar wenn die Menschen sich wie kompetente Leute benehmen anstatt wie Lernresistente Opfer.

Viele Menschen, die im Buch zu Wort kommen, erzählen auf 5 Seiten eine Geschichte, die man sonst zwei Stunden lang im Kino sähe. Obwohl das Buch praktisch keinen Gore hat und man natürlich weiß, dass die Erzähler überleben (da sie ja nach dem Krieg interviewt wurden), ist es konstant auf hohem Spannungs-Niveau.

Der Autor Max Brooks interessiert sich für genau die Dinge, die ich schon immer wissen wollte, für Fragen wie „ja und wie überlebt man dann Jahrelang? Wo holen die das Essen her? Wie ergeht es denen denn Moralisch? Was macht man mit all den Leuten in Jobs aus dem Tertiärsektor die ja alle jetzt nichts hilfreiches mehr können? Wo wird jeder hin fliehen und damit alles unsicher machen, wo sind die wirklich sicheren Gebiete? Wie entwickelt sich alles auf lange sicht?“ Israel ist übrigens das einzige Land, das sich lange vor einer dringenden Gefahr abschottet. Es kommt auf diesem Wege vermutlich besser als alle anderen Staaten durch das Jahrzehnt Weltkrieg.

Ich möchte jedem Leser, der meinen bisherigen Meinungen über Filme und Bücher auch nur ein bisschen zugestimmt hat uneingeschränkt raten, das Buch zu lesen. Oder das Audiobuch zu hören, das ziemlich gut gemacht ist. Egal auf welcher Sprache. Den Zombie Survival Guide kann man sich auch sehr gut geben, er ist aber nicht zwingend.

Ende Juni 2013 kommt der Film raus. Keine einzige Szene oder Person im Trailer kommt im Buch vor. Offensichtlich ist es ein Brad-Pitt-Film, der nur von ihm handelt. Die Chance, dass es kein beschissener Mist wird, existiert nur wenn der Trailer massiv lügt und nichts mit dem zu tun hat, was wirklich passiert. Zieht euch das Original vorher rein, damit ihr nicht davon beeinflusst seid. Bitte.

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Written by vetaro

26. Mai 2013 um 4:33 pm

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Eine Antwort

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  1. Bin über deinen sehr guten Matussek-Beitrag hier gelandet und habe nun im Nachhinein deine Rezension von World War Z gelesen. Du triffst den Nagel (oder den Zombie?) auf den Kopf. World War Z ist eines der wenigen Bücher, das ich zweimal gelesen habe (einmal vor dem Film, einmal danach), weil ich den Detailreichtum und das immense Wissen über die verschiedenen Nationen und Gesellschaften so schätze, die hier eingeflossen sind. Die viele Einzelberichte haben immer ihre eigenen Pointen und ergänzen sich doch wunderbar zu einem Gesamtbild.

    Gerd

    25. Februar 2014 at 9:50 pm


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