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Review und Rückblick: Psychic Academy

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Unter den wenigen Mangas, die ich mag, bleibt Psychic Academy an der Spitze. Hier ist fast alles, was ich dazu zu sagen habe.

Irgendwann etwa 2000 kam Psychic Academy in Deutschland an (damals in einer dicken Sammlung namens Manga Power, die im Gegensatz zu Banzai! niemand las, was ich bis heute nicht verstehe). Irgendwann fünf Jahre später fing ich an, mich von Mangas zu distanzieren. Psychic Academy hat das überstanden, und ich möchte es trotzdem noch heute loben und empfehlen.

Das gute an dem Werk ist das Konzept: Ein paar Leute auf der Welt haben seit etwa einer Generation magische Kräfte. In Japan gibt es Tests dafür, wer positiv ist kann sich an einer dafür geeigneten Schule einschreiben lassen.

Der Protagonist ist von Anfang an mit seiner Freundin zusammen (was die Beziehung angenehm aufmischt), es geht relativ viel um die Funktionsweise der Magie und sogar darum, wie sich das auf das echte Leben auswirkt. Später dreht es sich ein wenig psychologisch um Missbrauch und auch um Ascension. Der Manga besteht zu etwa je 1/3 aus Kampf, Ecchi und Leben an der Akademie.

Das schlechte an Psychic Academy ist, dass der Autor dachte, was diese Story braucht, wäre Fanservice. Wer es googlet, muss fälschlich zu dem Schluss gelangen, dass es sich um Romance/Softporn handelt, und tatsächlich steckt Aki Katsu nicht nur hinter Escaflowne sondern auch hinter Hentai. Sein „Daddy * Virgin“ werde ich definitiv nicht googlen, und wer über eine Suchmaschine wegen dieser Worte hier gelandet ist sollte sich schämen. Psychic Academy zeigt natürlich niemals auch nur einen nackten Nippel und ist zu diesen Zwecken echt nicht geeignet.

Den Psychic Academy Anime braucht niemand sehen. Er ist megascheiße, Besteht fast nur aus Standbildern, kürzt alles interessante und bewegt sich in seinen 10-min-Folgen so langsam, dass die erste Folge praktisch nur einen Charakter einführt. 0/10 Niemandes Zeit wert.

10/10 für das Vorhersehen einer Frisur von Bill Kaulitz.

Der Manga ist nur 11 Bücher lang  (vergleich: Dragon Ball + Z 42 Bücher, One Piece aktuell 69 Bücher) und entwickelt sich tatsächlich mit gutem Pacing wo hin. Gerade wer am Konzept von X-Men oder Harry Potter interesse hat, kann hier echt Spaß haben ohne sich Monatelang zu binden. Ich empfehle, wenigstens Volume 1 zu lesen, danach wird es nur noch besser.

Hier sind ein paar Links zum gesamten Manga: Mirror  Mirror Mirror

Spoilerbreak. Wer Psychic Academy ganz gelesen hat, darf hier weiter lesen. Wenn nicht, verpasst ihr hier nichts mehr. Ich werde das Ende spoilern. 

Der erste Harry Potter kam 1997 raus, Psychic Academy begann 1999. Ich glaube eigentlich nicht, dass Katsu das Buch kannte, es ist aber schon bezeichnend, dass „Junge, dessen Familie den dunklen Lord besiegt hat und auf dem daher große Erwartungen liegen obwohl er glaubt, er seie gar nicht besonders, kommt an eine Magierschule, ist dort ohne es zu verstehen erfolgreich, bevor sich am Ende zeigt dass er tatsächlich voll über ist“ beide Geschichten beschreibt.  In beiden  Geschichten ist der eigentliche Kampf gegen den Überlord auch schon lange vorbei, und die Welt befindet sich in einem Ruhezustand obwohl sich alle noch erinnern, wie schlimm es damals war (Bei Potter mit Grindelwald sogar doppelt).

Dieses Mädchen kommt praktisch nie mehr vor, hat aber einen äußerst bossigen Auftritt.

Man sieht dem Manga übrigens seine late-90s-Qualität sehr an. Der Zeichner hat keine klare Vorstellung davon, wie Dinge Raum einnehmen oder räumlich in Relation zueinander stehen, manchmal nutzt er sinnlos die Kavaliersperspektive. Die Kämpfe werden ein bisschen weniger gut dadurch dass man nie richtig weiß, wer wo ist oder wie die jetzt ausgewichen sind, und dass der Zeichner keine Ahnung hat wie Brüste funktionieren ist eh klar.

Der Hase Buu ist übrigens nicht nur völlig sinnlos und Konsequenzlos, er trägt auch niemals irgendetwas zur Handlung bei, was man nicht einem Lehrer in den Mund hätte legen können. Er funktioniert als Maskottchen nicht besonders gut und leistet insgesamt nichts. Einfach ignorieren.

Ich konnte leider keine deutsche Version online finden, und die Übersetzung leidet nicht nur darunter, dass irgendwer „Myuu“ zu „Miau“ übersetzt hat, was völlig sinnlos ist und null mit ihren Eigenschaften zu tun hat, sondern auch daran dass der Übersetzer mal wieder nicht versteht, dass die Japaner manchmal in der dritten Person mit jemandem Sprechen. Sätz wie „Du solltest vorsichtiger sein“  werden so zu „Ai-chan sollte vorsichtiger sein“, was für ungeübte Leser nervig ist sein kann.

Der ganze Romantik-Kram interessiert mich in Mangas mitlerweile kein bisschen, besonders weil man mitlerweile weiss, dass es nirgendwo hin führt. Als ich 11 war, war mir nicht klar, dass auch Japaner nicht in einer Geschichte irgendwann Sex haben können. Diese Trennung Porno/Normal fiel mir als Kind sehr auf den Zeiger. Gerade auch anders herum. Slash fiction versteht schon lange, dass pornos mit etablierten, geliebten Charakteren 15x besser funktionieren. Zum Ende vom Manga hin dreht die Action zum Glück sehr auf und die Titten sehr zurück, was ich äußerst befürworte.

Ich erinnere mich nicht daran, dass in diesem Band Orina beinahe erwürgt wird.

Im Manga kommt Ai sowohl Orina als auch Myuu und Faafa mehrfach nahe, und gerade bei der Letzten ist der einzige Grund, warum sie nicht Sex haben, dass der Writer es sich nicht leisten konnte, das in die Geschichte einzubauen. Die Olle ist offen und in dermaßen bereit, sich an ihn ran zu machen, dass einzig „Was war dieser Lärm, es kam von draußen!“ sie vom Sex abhält.

Das Love Triangle zwischen Ai und Orina / Myuu wird dadurch angenehmer, dass Myuu praktisch nie sexuelles Interesse an Ai hat, sondern einfach der Lancer in der Story ist (so wie Matt in Digimon 01) und sich der Bedeutung vieler ihrer nach Annäherung scheinenden Aktionen nicht richtig bewusst ist. Letztendlich existiert das ganze Problem fast nur in Orinas Kopf, denn Orina ist volle kanne Deredere und ausser ihrer japanischen Zurückhaltung praktisch ’n idealer Girlfriend, die vor Freundlichkeit und Umarmungen nur so strotzt. Ai hat nie vor, sie zu verlassen und Myu ist nichtmal bewusst, dass ein Problem vorhanden sein könnte. Es wäre schön gewesen, wenn der Mädchenkonflikt nur ein C-Plot gewesen wäre. Er nimmt leider viel Raum ein.

Für ein Werk, das für 12-Jährige geeignet ist, geht es übrigens überraschend tief in Missbrauch und psychologische Schäden hinein. Mehrere Charaktere in der Geschichte wurden von Wissenschaftlern als Kleinkinder unmenschlich untersucht, Myuu ist schuld am Tod ihrer Mutter und wird seitdem von Regen getriggert. Faafa zeigt geradezu Borderline-Symptome und ist äußerst emotional Instabil.

Sehr spät in der Handlung wird ein weiterer Typ namens Tokimitsu eingeführt, der auch von den selben Wissenschaftlern inakzeptabel behandelt wurde  und mit seinem Aura Drain ungewollt seine eigene Schwester getötet hat. Ich find‘ ihn sehr langweilig und auch unnötig, aber er hängt halt im sehr plötzlichen Höhepunkt der Story mit drin. Ohne ihn gäbe es keinen richtigen Antagonisten, was der Handlung gut getan hätte.

Ich verstehe nicht genau, warum die Handlung so dringend abbrechen musste, weil da noch einiges offen ist, aber zusammengefasst: Ai trennt von seiner Freundin, die Wissenschaftler drehen richtig ab und werden im Höhepunkt der Handlung gestürzt. Myuu stirbt – und erreicht einen höheren Daseinszustand. Zuletzt verlässt Ai mit seinem Bruder die Menschheit, um sich Myuu anzuschließen, und es wird impliziert, dass die weitere Entwicklung der Welt in seiner Hand liegt. Und dann ist die Story einfach vorbei.

Niemand kommentiert je den Umstand, dass Orina heilt, indem sie nackte mini-versionen von sich selbst beschwört, die ihre Brüste an die verwundete Stelle drücken, was meiner Meinung nach zumindest einen Nebensatz wert wäre.

Als jemand, der sich sehr für die Logistik von prämissen interessiert, für die Frage „wie wird diese Magie für die Dinge, die es in der echten welt auch gibt, eingesetzt?“, ist das Ende sehr unbefriedigend. Die schönsten stellen von Psychic Academy sind, wenn angesprochen wird, wie normale Menschen von den begabten denken, wie Orina Ärztin werden möchte und was für Anwendungen man für Kräfte wie Gravitation oder Teleport hat – abgesehen von „auf die Fresse“.

Die Japaner haben üblicherweise 0 Interesse an diesem spannendsten Teil jedes Settings und interessieren sich nur dafür, wie der nächste Überlord kaputtgehauen wird, was einer der Gründe ist, dass ich Mangas hinter mir gelassen habe. Weil Psychic Academy das nicht tut, kann ich es auch heute noch empfehlen. Und, weil Ai den geilsten Mantel überhaupt trägt.

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Written by vetaro

26. Februar 2013 um 3:55 am

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