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Das Spiel, das nur darauf wartet, gemacht zu werden

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Es brodelt ein Konzept in der Spielewelt, das nur darauf wartet, dass jemand es macht. Und ihr dürft mitraten, was es ist.

Zuerst holen wir mal ganz weit aus. Dampfmaschinenzeit ist, wenn die Bedingungen zur Erfindung von etwas einfach alle richtig stehen. Bestimmte neue Ideen sind in jedermanns kopf, neue Sachen sind machbar – und viele Leute kommen unabhängig voneinander darauf, dass man das doch zusammenbringen könnte und daraus ’ne Dampfmaschine machen könnte.

Reden wir zuerst von der Idee. Im Jahr 2003 spielte ich ein von deutschen erfundenes Browsergame, dessen Name vermutlich von einem zuvor angekündigten MMORPG inspiriert war und das die Erfahrung von D&D simulierte. In World of Dungeons übernahm man also einen Charakter, kümmerte sich um seine Attribute und Fähigkeiten, achtete auf sein Inventar und plante, wie man mit bestimmten Situationen und Dungeons umgehen würde. Und alle 7 Stunden ging man in einen Dungeon, der automatisch abgewickelt wurde.

Es gab keine Action oder Grafik, nur einen Report in dem jedermanns Aktionen zusammengefasst wurden und man nachvollziehen konnte, wie gut alles gelaufen war und die Belohnungen. In den Zeiten dazwischen kümmerte man sich darum, seine Gruppe zu füllen, die mit Glück vom ersten Level bis zum Ende des Spiels zusammen bleiben konnte, sich Foren zur Absprache teilte und so nahe an einen heutigen Raid herankommt wie es damals wohl gerade möglich war.

Das Spiel war praktisch Free to Play, bevor der Begriff existierte. Man konnte die drei DD-Klassen komplett durchspielen, für ein Abo über knapp 4 € gab es Zugang zu allen Support-, Tank-, Heil- und überhaupt fortgeschrittenen Klassen. Alle weiteren Vorteile scheinen so nebensächlich dass sie die Mühe kaum wert waren.

Und, vielleicht ist das noch nicht klar genug: Wir sprechen hier von 2003. Das Jahr, in dem Youtube erfunden wurde. Eine Zeit, als niemand Newgrounds kannte. Scrubs wurde in Deutschland noch nichtmal ausgestrahlt. Harry Potter war in den Filmen 12 Jahre alt. 99% aller anderen Browsergames handelten davon, Monatelang mithilfe von Ladebalken Siedlungen aufzubauen bis man von einem Leviathan-artigen anderen Spieler aufgefressen wurde und alles verlor. Bis heute ist es kein weithin bekanntes Konzept oder Spiel, obwohl es bestimmten Entwicklungen fast zehn Jahre voraus war und so unfassbar viele Dinge richtig gemacht hat.

Und dann gibt es da, heutzutage, dieses kleine Spiel namens League of Legends, dessen aktive Spielerzahl beim nächsten Report vermutlich über dem Rekord von World of Warcraft liegen wird. Ein Spiel, das faktisch nur ein großes und zwei kleine Spielfelder hat, auf denen man 100% seiner Spielzeit verbringt.

Aufgrund der begrenzten Grafik-Qualität und geschlossenen Welt sowie dem Fokus auf ein einziges Genre wird durchschnittlich etwas mehr als alle zwei Wochen ein neuer Spielercharakter eingeführt wird und andere Updates kommen in dem Tempo, von dem jedes MMO ever lügt, es seie so schnell.

Ein Spiel, das ehrlich Free to Play ist, in dem das einzige was man nur mit echtem Geld kaufen kann, neues Aussehen für die Charaktere ist – im Gegensatz zum verlogenen „Free“ to Play von HdRO oder SWTOR, das in Wahrheit „Wir machen dir das Leben so scheiße wie möglich und auf Level 15 stößt du an die Paywall. Oh und kauf unsere +50 Ausdauer Tomes plz“ ist.

League of Legends ist erfolgreich, weil es fucking echt kostenlos ist, eine niedrige Eintrittsbarriere hat obwohl man, wenn man die Erfahrung eines Kenners hat, mit einem Level 1 Account alles zu brei hauen könnte.
Weil es keinen frustrierenden Moment gibt in dem man realisiert „Oh. Ich kann das da niemals erreichen. Dazu hätte ich vor einem Jahr anfangen müssen und 20 € abdrücken sollen. Dann kann ichs ja auch einfach sein lassen“ sondern das motiviert , weiter zu Spielen um neue Charaktere freizuschalten.

Und weil es, da es genau weiss, was es sein will, seine Mühe in nur diesen Bereich stecken kann und 100% der Spieler sich darüber freuen.

Ich persönlich bin kein PvP-Mensch. Ich kann mich nicht dazu bringen, ein Spiel zu spielen, wo 50% der Beteiligten sich am Ende ärgern, selbst wenn nicht ich dazugehöre. Ich spiele gerne gegen Bots und siege überragend, und ich fühle mich auch nicht schlecht dabei, das zu sagen.

Wir kommen dem Kern der Sache näher. Vielleicht seht ihr schon in flammenden Lettern am Himmel stehen, worauf ich hinaus will.

Die Zeit der Kirmesspiele ist vorbei. Das teuerste Quests-und-PvP-und-Story-und-Raids-und-Crafting-und-Jeder-wills-spielen-Spiel wird in den selben Haufen der Egalheit fallen, in dem mitlerweile eh jedes dieser Dinger hockt. Warcraft ist nicht an sich besser als Star Wars, es hat nur den richtigen Zeitpunkt erlebt und, durch Jahre an Arbeit daran, einen so hohen Standard gesetzt dass andere es nicht mehr erreichen können.

Ein Spiel, das jedem Casual, Pokemon-Freund, Bad, Rollenspieler, Hardcore-Raider, PvPler, Leveler und Achievementhunter Raum gibt, ist einfach kein Konzept für neue Spiele. Es ist ja sogar ein beschissenes Konzept für Warcraft.
Denkt nur an „Wir haben das Interface verbessert.“ „Die Zeit hättet ihr mal lieber in bessere Raids stecken sollen!!!“ „Unsere Interfaceleute arbeiten aber nicht an Raids.“ „SPRICH NICHT SO HERABLASSEND MIT MIR DU IDIOT!*

Als es noch Spiele gab, die einfach Spiele waren, musste auch nicht jede mögliche Geschmacksrichtung getroffen werden. Und da müssen wir wieder hin.

Also. Und wir sind jetzt endlich an dem Punkt angelangt, zu dem wir seit fast 800 Worten kommen wollten.
Worauf nicht nur ich, sondern die ganze Spiele-Entwicklungswelt irgendwie zu warten scheint, ist ein Spiel, in dem es nur Raids gibt.

Keine offene Welt, Sammelquests, Solospiel, PvP, Grinding. Sondern ein Raid-MOBA. Ein Lobby-basiertes Spiel, bei dem zwischen Einloggen und der Action vielleicht eine Minute vergehen.

Auf Level 1 nutzt man den Raidfinder. Man landet mit 7+ Spielern in einem Dungeon, hat vielleicht vier bis zehn Fähigkeiten. Die ersten Raids haben nur offensichtliche herausforderungen wie „Steh nicht in dem Zeug“, „Hau den Typen nicht während Dornen aus ihm wachsen“ und „Wenn die kleinen Viecher dir folgen, spring über die Lava damit sie rein fallen“ die man persönlich schafft, für die man aber nicht auf die Gruppe angewiesen ist.

Wenn man es ernst meint, kann man sich dann eine feste Gruppe suchen. Mit Charakter-Rollen die sich gegenseitig ergänzen und einem Zeitplan, wann jeder für einen der Hardcore-Raids online ist. Für die Taktiken hier muss man sich vorher abgesprochen haben und im Voicechat sein, dafür dass dies nur ca. 3 mal die Woche geht, kommt man so auf höhere Level und kann die heftigen Belohnungen absahnen.

Wenn einem das Spiel gefällt und man zeigen will, dass man investiert ist, kann man echtes Geld bezahlen um cooler auszusehen oder sich neue Mini-Avatare für den Chat zuzulegen. Mehr Dungeons, Loot oder Werte gibt’s dafür aber nicht.

Weil die Spielbereiche begrenzt sind, die Grafik nicht mit Deus Ex konkurrieren muss und es nichts anderes zu tun gibt, kann man problemlos mit Mengen an Content rauskommen und das Spiel so erweitern – idealerweise so, dass es ausser den wirklichen Top-Spielern immer allen voraus ist, wie zu Burning Crusade-Zeiten.

Es kann Klassen geben, die pur für das Buffen da sind oder nach drei Hits sterben, weil sie nicht für Solospiel oder sonstwas gebalanced sein müssen. Das Setting ist vollkommen uneingeschränkt und kann wildes Theme-hopping wie Kingdom Hearts sein oder spezifisch wie Shadowrun.

Das Spiel, das nur darauf wartet, gemacht zu werden, versteht sein finanzielles Konzept so gut wie League of Legends. Und es spielt sich wie World of Dungeons. Ich weiß nicht wie lange es dauert, bis jemand das checkt, und ob diese Leute es so gut machen wie Riot es könnte. Aber es ist nur eine Frage der Zeit.

____________________________

* This actually happens. Regularly.

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Written by vetaro

12. August 2012 um 8:21 am

Veröffentlicht in Internet, Spiele

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4 Antworten

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  1. hast du eigentlich eine vorstellung davon wie sehr du mir aus der seele sprichst?

    Art

    12. August 2012 at 7:35 pm

  2. […] eine Messlatte dafür sein, wo alle neuen Spiele im Genre ab jetzt anfangen müssen. Denkt an das PvE-League of Legends, von dem ich träume. Neverwinter ist ein weiterer Eintrag in der langen Reihe an spielen, die es […]

  3. […] hatte eigentlich die Hoffnung, Wildstar könnte das Spiel sein, das nur darauf wartet, gemacht zu werden. Es hätte exakt das richtige Kampfsystem. Es hat offensichtlich fähige Encounter-Designer. Aber […]

  4. […] entwickelt, wäre es nur naheliegend. Es gibt noch viele andere Änderungen – aber einerseits habe ich sie schon vor ein paar Jahren vorhergesagt und stehe auch noch dazu. Andererseits ist der Rahmen hier schon mehr als […]


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