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Vorsicht, zerbrechlich: Mit MMORPGs umgehen

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Zeit, mal wieder als Fanboy von irgendwas beschimpft zu werden!

Wer das letzte Jahrzehnt auch nur teilweise Interesse an MMORPGs gehabt hat, kennt das Muster.

[Hier Spiel einfügen] wird es echt schaffen. Sobald das da ist bin ich weg, dann heissts tschüss WoW. Dieses scheißspiel das echt nie gefixed wird, wo die Entwickler sich mal lieber um [Endgame/PvP/Balancing/Content] kümmern sollten statt um [quality of life change]. Bei [hier Spiel einfügen] haben sie’s gecheckt, da wird das voll den Fokus drauf legen. Und die Community wird erstmal erste Sahne.

Hier ein kurzer Überblick aus dem Gedächtnis über vergangene Spiele, die exakt diese Beschreibung erhalten haben und ihr jetziger Zustand: Vanguard (Komplett beendet), Age of Conan (Free to Play), Pirates of the Burning Sea (Free to Play), Hellgate London (terrible free to play), Rift (Existiert, wird für 5€ verscherbelt) , Aion (Free to Play), Final Fantasy 14 (Unspielbar) Warhammer Online (Free to Play), Star Wars: The Old Republic (Free to Play), All Points Bulletin (Beendet, dann Free to Play), Tabula Rasa (Komplett beendet) Herr der Ringe Online (Free to Play) Tera (bereits Entlassungen, scheitert auch bald).

Ich hoffe, diese Liste aus dem Gedächtnis genügt. Ich habe hier keine Spiele genannt wie Secret World, dem keine Sau ernsthafte Stehkraft zuspricht oder Star Wars Galaxies, das erstens prä-Warcraft war und zweitens an komplett anderen Sachen zerbrach. Was ich zeigen wollte ist: Leute, ihr behauptet seit 10 Jahren, erfüllt von psychologisch erklärbaren Effekten, dass der Messias kommt. Eure Vorhersage-Fähigkeit ist für’n Arsch.

Könnte die Internet-öffentlichkeit jetzt also bitte mal langsam folgende Maßnahmen gegen PR einführen, die seit fast einer dekade installiert sein sollten:

1. Alles, was nicht erwähnt wird, ist vermutlich nicht im Spiel drin. Red‘ es dir nicht ein.
2. Vorsicht bei ungenauen Formulierungen. „Download for Free now!“ heisst PAY US FOR EVERYTHNG ELSE!
3. Die Bilder zeigen immer den absoluten Idealfall. Wenn dort bereits geruckelt und schlecht animiert wird, tut’s das bei dir erst recht.
4. Vorgerenderte trailer können 100% in die Tonne gekloppt werden. Immer.
5. Der erste Contentpatch zählt niemals. Erst ab dem zweiten können Zeitabstände und Qualität gemessen werden.
6. Das Spiel kommt immer unfertig raus. Keine Ausnahmen.
7. Wurde über Endgame gesprochen? Nein? Dann gibt es höchstens Filler, wenn überhaupt.

Wer diese Punkte aufmerksam beobachtet, sollte in der Lage sein, sich vor dem massiven rosa-Sonnnenbrille-Effekt zu schützen. Die Vorteile? Du freust dich nicht Monate- bis Jahrelang auf etwas, das nur in deiner Fantasie existiert und dich dann brutal zurückstoßen wird. Und, auch sehr wichtig: Du wirst kein unerträglicher Fanatiker der exakt das selbe Verhalten an den Tag legt wie ein Missioar.

Reden wir ein wenig über die Vergangenheit und bereits erlebte Fälle. Zum Beispiel dieses Video. Wir haben bereits in diesem, einem der ersten Gameplay-Einblicke die’s gab, vorhergesehen: SWTOR hat ausschließlich „Ich sag‘ jetzt was gutes/böses“ optionen und ausser ein paar entscheidenden sind die anderen allesamt egal. Die Athmosphäre eines Spieles mag ja toll sein, funktioniert aber nicht wenn das Spiel einen andauernd davon ablenkt. So ähnlich wie ein Horrorfilm dir keine Angst macht, wenn du konstant beschäftigt bist damit, dich über die Dummheit der Protagonisten zu ärgern. Es war bereits aus diesem einen Video ersichtlich, dass Star Wars 0 Neuerungen zu bieten hätte und nur ihr Mass Effect Dialogsystem mitbringen würde, das schon seit Teil 1 keinen hinterm Ofen hervorlocken konnte.

Oder dieses Video von Age of Conan. Es ist auch wichtig, auf das zu hören, was der Mann sagt. „It actually has a story. I mean, an MMORPG with a story, that’s something. This reminds me of Dragon Age Origins.“ Ja. Blöd nur, dass es nie einen Blick auf irgend eine Gegend danach gab, denn das Spiel existiert praktisch als diese ersten 20 Minuten, die einen im Glauben lassen sollten, das wäre das Niveau. Es ist der Höhepunkt. Voiceacting endet nach diesen Quests, über die Story sollte man sich keine Illusionen machen und die ohnehin schlechten Aufgaben endeten mitten im Leveling sodass man einen Großteil seiner Stufen per Farming gewinnen musste.

Das wichtige ist, dass die meisten Entwickler davor zurückschrecken, einen ausdrücklich anzulügen. Wenn etwas nicht klappt oder geändert werden muss, ist das oft ein ziemliches Unglück – aber behaupten, dass es 3 Raids geben wird, wenn gerade mal einer kommt? Das ist bisher noch nicht passiert.

Man muss also darauf achten, was nicht erwähnt wird, obwohl es irgendwie mal erwähnt werden sollte. Wenn zum Beispiel kein Wort darüber verloren wird, dass man nicht schon wieder das selbe spiel mit nem neuen Namen und schlechterer Grafik machen wollte, kann man davon ausgehen, dass man wieder ein Generation-2-EgalMMO zu erwarten hat (Aion z.B.).

Warum ist das alles so wichtig? Und warum rede ich speziell über MMORPGs anstatt über alle Spiele? Der Grund ist, wie man mitlerweile zur Genüge feststellen konnte, dass ein MMORPG eine Bindung darstellt. Es ist langsam Zeit, dass wir uns von der „Real =/= Virtuell“-Abgrenzung abtrennen. Von der Idee von „Cyberspace“. Man investiert echte Zeit in das Spiel, in der man echtes Geld erzeugt, das einen realen Tauschwert hat (auch, wenn dieser generell nur illegal zu erhalten ist: Er existiert). Man redet mit echten Menschen, bloß mit einem Medium („Etwas das vermittelt“). Die Personen die man Kennenlernt sind nicht weniger echt oder wichtig als jemand, mit dem du telefonierst oder den du nur im Fußballclub triffst.

Diese Spiele sind, auch wenn deine Mudder das immernoch glauben mag, nicht eine falsche Welt, in der du die Energie, die du in der echten Welt unterbringen solltest, verschwendest. Sie sind die selbe Realität, in die jeder alle seine Energie steckt.

Jeder Mensch bindet sich an Menschen und Dinge. Durch investierte Zeit und Gedanken, Geld und Körperkraft, indem man den Raum um sich damit füllt. Ich bin an meine Familie gebunden, an die Bücher neben mir, an die Bäume in meinem Garten und die Schränke die ich selber aufgebaut habe. Wenn mit diesen Objekten etwas passiert, fühle ich mich betroffen, sie sind wie eine Erweiterung meiner selbst. Wenn der Baum im Garten gefällt wird, misfällt es mir sehr. Wenn meine Bücher verbrennen, selbst die die ich seit Jahren nicht gelesen und gemocht habe, tut mir das weh. Und lasst bloß die Finger von meiner Mutter.

MMORPGs erzeugen, durch alles was du in sie steckst, eine Bindung. Diese wird deutlich stärker als z.B. die Bindung an Overlord 2 oder Guitar Hero. Es geht nicht nur darum, dass ihr geld spart wenn ihr euch keine Scheißspiele beschafft (das ist nur ein Vorteil) sondern dass ihr euch, wenn ihr euch darauf vorbereitet, dass Guild Wars 2 der neue König vonnen MMOs wird, ihr euch einen Freund ins Haus holt – abhängig davon, wie sehr ihr überzeugt seid, vielleicht euren besten Freund oder einen Verlobten.

Ihr macht die Limerenzphasen durch – die rosa Sonnenbrille und alles. Und dann kommt das Spiel. Und das hier passiert. Die Realität tritt ein und bei dir die Tür kaputt.

Die meisten MMORPGs, seien wir doch mal ehrlich, spielt man trotz ihrer vielen Eigenschaften, nicht wegen ihnen. Wäre da nicht dieser Effekt, würde man doch etwas Spielen, was tatsächlich gut ist – und nicht mithilfe dieser Wirkungs-verzerrenden „Drogen“ das weiterspielen interessant macht. Final Fantasy 13 verzieht kaum einer die ersten 20 Spielstunden, obwohl es danach „besser“ wird. Bei MMORPGs ist es standard, dass man bis zum Maximallevel keinerlei Herausforderung hat, ausser mit dem behinderten Spielsystem klarzukommen. Und dann muss man bullshit farmen, um zu dem Teil zu kommen, wo das Spiel schwer wird.

Habt das im Kopf. Wenn ihr euch auf soetwas einlasst ist es nicht „nur ein Spiel“. Es ist eine Beziehung, die einem weh tun kann oder in ein unausgewogenes Verhältnis bringen kann, in dem ihr mehr draufbezahlt als ihr herausbekommt.

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Written by vetaro

10. August 2012 um 3:39 pm

Veröffentlicht in Spiele

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