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Vigilante Ordinäre

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Ich konnte das schon vorhersehen als Kickass rauskam. Normale-Leute-die-Superhelden-werden-Filme ist jetzt ’n neues Genre.

Kickass, Defendor, Super. IMDb und Wikipedia mögen das noch nicht akzeptieren, aber es wird so sehr zu einem Genre geworden wie Dark Melodic Symphony Metal – dafür braucht man keine besonders große Menge an Werken.

Es reicht erstmal, genau erklären zu können, was dieses Genre ausmacht. Also. Erstens sind alltägliche Sachen normal wie bei uns. Nicht in der Zukunft, nicht unrealistisch verzerrt oder so. leute auf der Straße sind eben normale Leute.

Zweitens leiden die Protagonisten nicht an Genre Blindness. In dieser Welt gibt es comics, sie sind oft sogar mit Namen bekannt, und die Charaktere beziehen sich auf diese und versuchen aus ihnen zu lernen. Gleichzeitig sind sie aber von ihrem Genrewissen „Reality Blind“, das heisst sie sind allzu oft zu motiviert und zuversichtlich, um einzusehen wann eine Konfrontation zu viel für sie ist.

Drittens wird spätestens im letzten Drittel des Filmes die Realität zunehmend durch comic-eigenschaften ersetzt. Leute überleben mehr als sie sollten, Angriffe haben extremere Auswirkungen, selbstgebaute Geräte funktionieren, die in der Realität nichts tun könnten.

Hinzu kommt in allen bisherigen Vertretern des Genres – ich halte das aber für kein notwendiges Kriterium – dass es einen einzelnen wirklichen Bösen gibt. Einen Anführer einer Kriminellen Gruppe, besonders gerne Drogendealer und Menschenhändler.

Während seine Untergebenen den gewöhnlichen Thug-Klischees folgen, denen schon die beiden Typen aus 101 Dalmatiner unterworfen sind (Beschränkt, meckern sich gegenseitig wegen  Ausführung der  Aufgaben an, bleiben stehen wenn Bewegung ihnen den Kragen gerettet hätte, keine Identität, sehen kriminell aus) darf ihr Anführer unerwartet oder ungewöhnlich sein und hat unter Umständen eine überraschende Meinung über oder Umgehensweise mit dem Protagonisten.

Ich möchte diese Gelegenheit nutzen um kurz ein paar Worte über Batman und Green Arrow zu verlieren und wieso das nicht hierzu gehört, falls diese Kriterienliste bisher noch nicht genügen. Die Welt in der beide Leben ist Dark und Gritty. Gotham ist keine echte Stadt sondern eine 1960s Kriminalroman-Stadt, in der Nachts praktisch keine normalen Leute existieren, nur noch unschuldige Fußgänger-Opfer und Täter. Green Arrow’s Star City gehts ähnlich.

Die Kontrahenten der beiden sind – selbst wenn die ersten beiden Dark Knight-Filme bisher diese Wahrheit nicht angebrochen haben – un- bis übernatürlich. Ra’s al Ghul ist ein fucking unsterblicher supertyp. Poison Ivy, Killer Croc und Bane sind mehr Monster als Mensch. Dr. Freezes Krankheit bricht jedes Natur- und Biologiegesetz der Realität.
Green Arrow kämpft gegen Leute mit kybernetischen Implantaten, ist an der Seite von Green Lantern der sich fucking Kram ausdenken kann und dann hält der das in Händen und wurde einmal vom Tod zurückgebracht.

Und das ist vielleicht das wichtigste für mein Argument: Das sind keine normalen Leute. Ich hab das schon mal vor ner Weile geschrieben, aber: Jeder kann wie Batman sein. Man muss nur dabei sein, wie die eigenen Eltern getötet werden, eine der mächtigsten Firmen der Welt erben, von Tibetanischen Ninjamönchen aufgezogen werden und sich dann mit Geheimtechnologie ausrüsten die nichtmal die Armee kennt.

Das ist nicht das, worum’s bei „normale Leute die Superhelden werden“ geht.

Jetzt ein paar Worte über die eigentlichen Filme. Ich finde, Kickass (2010) sticht ein wenig aus dem Genre heraus. Hauptsächlich, weil es eigentlich ein tatsächliches Comicbuch war bevor daraus ein Film wurde. Das ändert die Voraussetzungen. Kickass funktioniert einfach ein bisschen anders als die anderen beiden. Es ist ein bisschen mehr wie Scott Pilgrim (guter Film, auch Comicbasiert) und man merkt dass er interesse daran hat, nicht einfach so aufzuhören.

Defendor (2009) und Super (2010) sind da anders. Sie existierten nicht zuerst in einem Medium, das einen in der ersten Episode begeistern musste. Sie lassen sich unter anderem länger Zeit, bevor richtige Action stattfinden muss, das Pacing ist auf 90 Minuten zugeschnitten. Man spürt einfach dass es eigentlich kein Actionfilm ist sondern eigentlich vor allem eine Personen-Erkundung.

Auch dadurch, dass die beiden auf keine Basis aufbauen, können sie Leute als Protagonist wählen, die an sich langweilig sind und nicht leicht als Identifikationsfigur funktionieren. Beide sind älter als die Zielgruppe, unterschicht, ungebildet bis beschränkt, und mit ihren Motiven, Superheld zu werden, kann man nicht leicht mitfühlen. Solche Leute würde man eher bei The Machinist (2004) erwarten.

Weil man als Zuschauer aber nicht denkt „Hey, das bin ja ich mit ’ner Maske“ – wie bei Indiana Jones oder jeder Rolle, die Vin Diesel jemals angenommen hat – ist aber auch gleichzeitig mehr Raum offen. Indiana Jones kann nicht einfach sterben. Er ist immun. Das selbe gilt für Kickass. Würde man sie einfach so abtöten, wären die Zuschauer entsetzt – ausserdem wäre ja der Film vorbei.

Bei Normale-Leute-werden-Superhelden-Filmen besteht diese Gefahr konstant. Wenn man nicht die sympathischste Person, das Zentrum des Mitgefühls ist, kann der Film an beliebiger Stelle entscheiden dass man jetzt stirbt und die übrigen Charaktere weitermachen müssen.

Diese Filme sind eine abgeschlossene Geschichte. Zu beiden kann es einfach keinen Nachfolger geben (ausser man raped den ersten Teil blutig *hust Disneysequels*) weil am Ende alles abgeschlossen ist. Alle Bilder, die von diesen Figuren zu machen wären, sind gezeigt worden.

Es ist nichtmal notwendigerweise mein Lieblingsgenre. Ich glaube ich fühle mich nur damit verbunden, weil ich schon beim ersten davon wusste: Das wird weitere Filme nach sich ziehen.  Und ich musste etwas dazu sagen weil ansonsten kaum jemand davon spricht. Und es eben doch einiges zu erzählen gibt.

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Written by vetaro

3. Januar 2012 um 8:50 am

Veröffentlicht in Filme

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Eine Antwort

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  1. Danke für die 2 Tipps Defender und Super

    dennym

    10. Januar 2012 at 1:47 am


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