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Deu sex: Hu, mann. Revolution!

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Alles, was ich über Human Revolution sagen kann. Hier isses. Bitteschön.

Mein „Problem“ ist, dass dieses Spiel sehr gut ist. Erinnert ihr euch, dass ich Vampire Bloodlines extrem gut finde, weil es ’n Rollenspiel ist, mit einem sehr angenehmen und ausführlichen Upgradesystem, Multipath-lösungen (Entweder kämpfen, überreden, geheimgang finden, durchschleichen oder sonstiges) und wo man mittels des Dialogsystems eine eigene Persönlichkeit gewinnt und sehr große Unterschiede bewirkt, abhängig davon wie man mit den Leuten redet?

Deus Ex hat all das. Mit dem Unterschied, dass ich in der gesamten Zeit nur einen Bug gefunden habe. Ich kann also leider keine besonders witzigen oder ungewöhnlichen Sachen aufzeigen. All die Behauptungen darüber, was in dem Spiel gutes geht, sind wahr und jedes andere Spiel das jetzt noch rauskommt wird es sehr schwer haben, Spiel des Jahres zu werden. Aber ich versuche es mit ein paar Details.

1. Kennt ihr das auch, in Science Fiction und Fantasy, wenn die Handlung einführt dass es eine bestimmte Technik oder Möglichkeit gibt – und dadurch eigentlich der gesamte Plot zerstört wird? Zum Beispiel bei der Matrix. Wenn Neo wegfliegen kann, warum lässt der dann überhaupt die Gefahr zu dass er von den Smiths überrannt wird? Oder wie der zwei mal im selben film den antiklimatischen „ich fliege vorbei und rette dich vor dem Tod“ abzieht. Die gesamte Spannung der Story wird praktisch dadurch zerstört, dass ein Teammitglied so gut wie Gott ist und man sich immerzu fragt: Wieso lassen wir nicht den einfach alles machen.

Oder bei Equilibrium. Die Menschen werden durch die Anti-Gefühlsspritzen offensichtlich nicht dumm. Vielleicht werden sie sogar etwas analytischer und klüger. Wieso merkt keiner von denen, dass „Hitler war böse weil Gefühle“ völliger schwachsinn ist?

Oder Terminator: Warum nur einen Typen senden? Warum nicht einfach jeweils 2 Jahre früher einen in die Vergangenheit senden. Oder jedes Jahr. Offensichtlich können sie es sich leisten, insgesamt irgendwie fünf Typen im Verlauf der Filme zurückzuschicken. Und überhaupt, wieso haben die Guten keinen Hilfsterminator geschickt, als der erste kam. Ihr habt Zeitreise zur verfügung, Leude.

Oder jeder beliebige mächtige Superheld (Green Lantern oder Superman oder Flash z.B.) – die Stories kämpfen praktisch endlos damit, eine Ausrede zu finden, wieso die Typen nicht einfach alles weg-magicen. Wenn man so schnell wie das licht ist, kann man auch einfach alle Straftaten in wenigstens einer Stadt gleichzeitig abhalten.

Die einzige Antwort, die auf diese Fragen gegeben wird, lautet: „Ja, wenn das nicht so wäre hätten wir aber nicht diesen Film machen können“, Aber das ist keine gute Antwort.
Wenn man bereits als Zuschauer (der ja weniger über das ganze nachdenkt als die Schreiber) sieht: „Moment mal, das funktioniert ja eigentlich gar nicht“, dann sollte man was mit seinem Konzept machen anstatt einfach zu sagen „ah, just roll with it“.

Okay, worauf will ich hinaus? Deus Ex hat dieses Problem nicht. Es bricht meine Immersion nicht. Es fängt an damit, dass es dieses „Ja, wenn die X können, warum machen die das dann nicht einfach andauernd?“-Problem nicht gibt. Die Menschenverbesserungen sind einfach noch so teuer, dass man im Spiel vielleicht fünf Leute hat, die stark augmentiert sind. Und die nutzen das definitiv andauernd.

Wenn jemand in unserer echten Welt behauptet, Gedankenlesen oder Geisterwanderung wäre möglich, stellt sich mir immer die Frage: Ja gut,  und wenn das so stimmt, warum haben Firmen dann nicht längst Schutzleute dagegen aufgestellt dass in ihre Tresore eingebrochen wird weil irgendwer die Codes per Gedankenlesen erfahren könnte? In Deus Ex gibt es Sicherheitsleute und -Vorkehrungen gegen Augmentierte.

Auch sonst wurde ich beinahe nie aus der suspension of disbelief gerissen. Auf Tischen und in Räumen steht so viel Kram, dass ich ohne Probleme glaube, dass da echte Menschen leben (ihr wisst schon, verglichen mit Halo 1). Abgesehen von den Leuten namens „Zivilist(in)“ auf der Straße hat jeder Typ, der irgendwo an der Rezeption sitzt und sogar der Hausmeister eine Persönlichkeit, und sie sagen Dinge die mich keinen Moment zweifeln lassen, dass sie auch bevor ich da war existierten und tatsächlich irgendwas machen wenn ich nicht hinsehe.

Es  gibt nur eine Sache, die  wohl meine persönliche Schwäche ist. Nämlich: Wenn wir in der Zukunft sind, warum benutzen die Leute dann einfarbige Bildschirme? Gelber Text auf Gelbem Hintergrund? Vielen Dank für das Interface das ich nur lesen kann wenn ich mich extrem vorbeuge und die Augen halb zudrücke!

Das ist mir auch (bereits im ersten Raum) von Deus Ex passiert. Nachher schrauben sie das allerdings zurück, und richtige Computer haben offensichtlich ein benutzerfreundlicheres Design. In Mass Effect sind die alle so.

Auch trifft man eigentlich nie auf etwas, wo man denkt „kuck mal, eine Textur“ oder „Aha, hier haben sie die neue sowieso-Tech eingebaut“. Half Life 2 ist ja wohl immernoch der beste Shooter seitdem er rausgekommen ist, aber es hatte halt unheimlich viele Momente wo man merkte „jetzt gehe ich mit der neuen Sachen-Bewegen-Technik um“ anstatt auf die Spielwelt konzentriert zu sein. Heutzutage, wo diese engine.. nun, normal und cool ist, blowt das die minds nicht mehr so sehr.

Wenn ich bei Filmen wie denen vom Anfang dieses Punktes einwerfe dass das Gimmick praktisch den Film zerstört, kommen dann immer Apologetiker und sagen „darum  geht es in dem film aber gar nicht und das ginge ja auch gar nicht anders mwäw mwäh“.
Und jetzt habe ich endlich mal ein Beispiel für ein Werk dass es einfach so nebenbei schafft, dass darin nicht riesige konzept-logiklücken stecken. Und überhaupt: Natürlich geht es darum.  Das ist das Thema des Films, du Blödmann.

2. Die Übermenschlichkeit wird subtil hochgespielt. In den ersten 10 Minuten des Spiels ist man noch ein unverbesserter normaler Mensch. Und es ist sehr schön, wie das Spiel ohne es zu sagen betont, wo die Unterschiede liegen. Wird man auch nur ein mal getroffen, ist man sofort im tiefroten HP-Bereich und regenerierung ist sehr langsam. Als die Kommunikation ausfällt, wird man über Funk angesprochen. Eine sehr gute Anwendung von „show, don’t tell“. Auch nach der Augmentierung ist man übrigens kein Master Chief, was die Lebenspunkte angeht, es wird aber besser.

3. Man redet ungeniert in der dritten Person über mich während ich daneben stehe. NPCs führen oft gespräche, leider ist ihnen dabei aber egal ob ich unauffällig abhöre oder mich zwischen sie stelle und auf und ab hüpfe. Es hätte mir sehr gefallen wenn sie diese kleine Option, dass Leute wenn man sich zu sehr annähert  aufhören zu reden, eingebaut hätte.

Dieses Intro gibt mir jedes mal einen Transhumanigasm. Keine Spoiler.

4. Gespräche sind wirklich gut. Ich muss das wirklich betonen. Ich habe über Mass Effect, Oblivion, Dragon Age gemeckert, die allesamt Drecks-Dialogsysteme haben. Bloß weil das einzige spiel das es besser macht ein ziemlich unbekanntes Vampir-PCspiel war, weiß einfach keiner wie es besser geht und glaubt daher, dass Mass Effect in der Hinsicht geradezu die Erleuchtung ist.

Deus Ex macht es in zweierlei Hinsicht viel besser: Einerseits gibt es Gespräche, in denen man jemanden wirklich überzeugen muss. Das Interface zeigt einem anhand von minimalen Augen-Anzeichen und Hautspannung an ob man die Person am Überzeugen ist. Und man muss anhand dessen, was man über die Person weiß, entsprechend mit ihr umgehen. Es ist weit, weit weg vom „sag irgendwas nettes oder unfreundliches“ von Mass Effect. Seit 2004 hab ich mich nicht mehr so ernstgenommen gefühlt als Gesprächsspieler.

Und die zweite verbesserung ist: Sie übertreiben’s Quantitativ nicht mit dem Scheiß. Es gibt so wenige Überzeugungs-Gespräche im Spiel dass man für jedes einzelne ein Achievement einbauen konnte. Auf diese Weise wird man nicht vollkommen abgenervt von dem andauernden gelabere, wenn man doch eigentlich leute erschießen will.

5. Das Spiel ist sehr lang. Sowohl die einzelnen „Level“ (also Abschnitte wo man nicht mehr einfach in die Fußgängerzone zurück kann) als auch das Spiel an sich sind sehr lang. Beim ersten richtigen Level des Spiels dachte ich irgendwann „das muss doch auch ma irgendwann vorbei sein“. Das ist aber durchaus nicht schlimm und lässt das jeweilige Ende noch Relevanter wirken. Es hat viele, viele ganzen-Tag-spielen-Sessions gedauert um es durchzuspielen, und das halten bei mir nur wenige Spiele durch.

6. Ein bisschen Moral. Es fühlt sich unheimlich gut an, nicht wild irgendwelche Leute zu erschießen. Ich sag das doch schon lange: Was soll denn das für ’ne moralische Entscheidung sein, wenn es keinerlei Probleme bereitet, der Gute zu sein (Bioshock!). Man hat bei Human Revolution sowohl die wahl, einfach praktisch gar keine Gegner auszuschalten (ausser die paar Endbosse) als auch die, Gegner nur zu betäuben statt zu erschießen. Und der Unterschied ist kein lächerliches +1 Nett oder +1 Böse. Es hat ernsthafte Unterschiede, die man in Betracht ziehen sollte.

Einerseits, wie in Arkham Asylum: wenn ein Gegner einen betäuben Kumpel sieht, wird er ihn wieder zu Bewusstsein bringen. Andererseits: Um das Betäuben überhaupt zu schaffen muss man natürlich schleichen, sich überlegen wo man hingehen soll,  in welchem Moment man zuschlagen kann ohne dass jemand zuschaut wie man ihn ausschaltet und  in sicherheit zurückzieht und so weiter.

Und andererseits, wenn man jemanden statt von Hand mit dem Betäubungsgewehr trifft, gibt es ein sehr kurzes Zeitfenster, in dem er noch nicht ohnmächtig wird. Diese Zeit kann man nutzen um nachzuladen und sofort seinem Kumpel einen Kopfschuss zu verpassen. Das sind aber sehr seltene und sehr belohnende Situationen. Für gewöhnlich sind mehr als 2 Wachen anwesend und man kann sie nur im Schleich-Nahkampf überwältigen. Optional gibt es auch einen kurzrange-Taser, der Gegner sofort betäubt. Auch damit muss man natürlich aufpassen, weil seine Freunde ihn sonst sehen und wecken.

Irgendwann wird es auch zu einer moralischen Erwartung an mich selber, niemanden zu töten. Und ich hab das gesamte Spiel ohne einen Toten beendet. Nicht nur, weil ich da ein paar luschige Erfahrungspunkte mehr für kriege, sondern auch weil ich es einfach will. Und das ist ein sehr positives Zeichen für das Spiel. Dadurch dass ich eine echte Wahl bekommen habe (anstatt gar keiner oder einer gefälschten Wahl wie in Mass Effect) kann ich auch wirklich entscheiden.

7. Wenn alle Bargeldlos bezahlen, warum liegen dann eigentlich überall Credit Chips rum, auf denen das äquivalent von 2,50 € drauf ist?

8. Nebenquests sind nicht irgendeine Scheiße. Was ich tue ist relevant. Ich helfe nicht irgend einem Typen weil man das halt als Spielercharacter macht, sondern werde gebeten, weiteres darüber herauszufinden, was im Intro des Spiels geschehen ist, was mit der eigenen Vergangenheit los ist, oder schreite in ernsthaften Notsituationen ein.

9. Man muss übrigens keine 1000 dingens sammeln. Hab ich in Assassin’s Creed 2 gemacht. Alle 1000 versteckten dingenskirchen gesammelt. Und was hab ich dafür bekommen? Einen Umhang, mit dem mich jede Stadtwache immer jagt, egal was ich mache. TOLL DANKE, DU ARSCH! – Gibts hier einfach nicht. Ist auch mal nett.

10. Hier ein paar Empfehlungen falls sich jemand entschieden hat, das Spiel zu spielen und dies vorher liest:
– Wenn du (im Gegensatz zu mir) nicht jedes einzelne Ding das du tun kannst tun musst, werde besser nicht hacker. Es gibt sehr, sehr viele Terminals die man hacken kann, und wenn du der Versuchung widerstehen kannst, nimm sie nicht alle mit. Irgendwann wird’s zu viel. Du kannst alle wichtigen Türen/PCs auch anders aufkriegen. Wenn du dir die Hack-Erfahrungspunkte ganz sparen willst aber es dringend nötige türen in deinem Weg kannst du auch eine Passwortliste im Netz finden.

– Verkaufe immer alles bevor du auf eine richtige Mission gehst (die erkennst du am „jetzt losfliegen ja/nein“). Dein Inventar wird während dessen dermaßen vollgestopft,  und dazwischen gibt es oft wirklich lange keine Möglichkeit die Sachen zu Geld zu machen. Merk dir genau wo die Händler in der Stadt sind, wenn du sie beim Erkunden findest. Bedenke aber auch dass Geld keine superwichtige Ressource ist, bis zum Ende gibt es keinen riesigen Moneysink auf den du hinsparen musst. Wenn du also mal ‚was liegen lassen musst, gräme dich nicht.

– Du kannst weitestgehend alles skillen was du willst. Sehr schlecht finde ich jedoch alle Schleichoptimierungen wie das Lärm-Feedback oder Lautlosigkeit, Netzhaut-Prothesen und die Lungenverstärkungen, selbst wenn man in diese Richtung spielen will.

– Sehr gut und für jeden Spielstil geeignet finde ich Hoch springen, Schweres heben, Fallschaden-Immunität, Smart Vision und die Sozialoptimierung. Du kannst nach den ersten paar Punkten eigentlich immer einen oder zwei Praxispunkte unverbraucht lassen, falls du entscheidest dass du jetzt mal ein Upgrade aktivieren willst.

11. Auf gar keinen Fall eine deutsche Version spielen. Ich bin echt kein so schlimmer „im original isses viel besser“-hipster, aber die deutsche Sprachausgabe passt mit dem Lipsynching so gut zusammen wie in Sonic Adventure. Ich komme darauf einzig klar, indem ich nur auf die Untertitel achte während sie reden. Der einzige Sprecher, der anscheinend zu sehen bekommen hat wie die Animationen im Spiel aussehen ist der von der Hauptfigur selber.

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Written by vetaro

24. September 2011 um 4:52 pm

Veröffentlicht in Spiele

2 Antworten

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  1. Die Lippensynchro ist wirklich eine Katastrophe, aber die Stimme von Doug Heffernan im Radio fand ich lustig 😉

    Revas

    27. September 2011 at 9:32 am

  2. Und seine Frau kommt in der deutschen Synchro auch mehrfach vor. Einmal im Klo von Sarif Industries, einmal als die schwarze Prostituierte in Detroit.

    vetaro

    27. September 2011 at 9:36 am


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