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Das ist nicht sexy

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Das ist Michelle Hunziker. Ich behaupte, sie ist kein bisschen sexy. Soll ich’s erklären?   Ich erklär es mal.

Ich bin leider kein ausgebildeter Kunst-Kenner oder Körpersprache-Meister. Mein Verständnis von diesem Prinzip ist rudimentär und eher allgemein.

Ich erlebe das schon seit sehr vielen Jahren, vermutlich seit mir bewusst ist, was sexuelle Attraktion sein soll. Als Anschauungs-Objekt sollen uns mal ein paar Titel-Frauen der TV-Spielfilm herhalten. Der Text und alles Andere auf den Covern sind egal.

Das sind beliebig gewählte Cover, die ich gerade eben fand. Jeder TV-Spielfilm-Kenner weiß, dass diese Cover repräsentativ sind.

Quizfrage: Welche von den drei Frauen ist diejenige, die ganz oben überm Beitrag zu sehen ist? Ihr dürft hochscrollen und vergleichen.

Wenn ihr die Antwort habt, markiert den folgenden Satz, um ihn zu lesen: Und, habt ihr das auch nur rausgefunden, weil die Namen daneben stehen?

Ja, wir wissen es, Modells werden nicht nur stundenlang frisiert und geschminkt, auf Fotos werden ihre Augen vergrößert, der Hals dünner und länger gemacht, das Haar wehender, jede noch mögliche Unreinheit wird entfernt und so weiter. Das ist uns bekannt.

Frauen wie die auf der TV Spielfilm stellen das dar, was man wohl als unser aktuelles, offizielles „Schönheitsideal“ bezeichnet, und wir wissen alle, dass niemand so aussieht, nichtmal die Frauen auf der TV Spielfilm selber.

Aber jetzt kommen wir zu meinem Punkt: Diese Frauen sind dermaßen von der Realität entfremdet, dass es mir absolut unmöglich ist, sie sexy zu finden.

Bei dieser Fernsehzeitschrift kommt da eigentlich alles zusammen.

  •  Zuerst einmal haben sie keinen Sinn auf dem Cover. Die meisten von diesen Frauen haben nichtmal mit Kino- oder Fernsehfilmen zu tun. Sie sind einfach nur Füllmaterial. Wenn überhaupt, gibt es mit ihnen ein Interview im Magazin, das niemanden interessiert und das keinerlei Inhalt hat.
  • Dann sind sie grundsätzlich in Posen zu sehen, die keinerlei Ausdruckskraft haben. Ja, sie lächeln. Aber sie kommunizieren nicht mit dem Leser. Sie sind in keiner Situation, sie interagieren mit nichts, sie existieren in einem leeren, blauen Raum und schauen einen begeistert und lüstern an. Es findet kein Informations-Austausch statt, abgesehen von „Hallo, Sex?“
  • Sie sind von realen und virtuellen Maßnahmen dermaßen entstellt, dass es Menschen wie mir unmöglich wird, sie voneinander zu unterscheiden. Möglicherweise ist das möglich, wenn man Modell-Profi ist, aber wer ist das schon, abgesehen von Leuten, die mit der Produktion solcher Bilder beschäftigt sind.
  • Es bietet sich ihnen keinerlei Gelegenheit, dem Cover-Ansehenden etwas mitteilen. Ihre Identität geht in diesem Prozess verloren. Alle verfügbaren Wege, sich auszudrücken, werden von dieser Methode zerstört.

Das heisst, sie sind austauschbar, haben nichts mitzuteilen, erfüllen keinen Zweck und haben keine Identität. Unterm Strich?

Es sind leere Hüllen. Den Bildern, die dafür geschaffen sind, ansprechend zu sein, fehlt es an eigentlich allem. Sie verlieren, in meinen Augen, ihre Menschlichkeit.

Es ist mir unmöglich, mich mit ihnen zu identifizieren, mir vorzustellen, sie würden vor mir stehen, oder mir sonst etwas über sie zu denken.

Wenn ich jemanden Sexy finden möchte, nehmen wir mal an, ich wollte im Badezimmer an sie denken, dann muss ich mir wenigstens denken können, wer das sein soll. Was die macht. Wieso die, so unwahrscheinlich es auch sein sollte, mich toll finden sollte. Aus dem gleichen Grund ist ein Flesh Light als solches für fast niemanden interessant. Wenn überhaupt, hat man doch nicht die Dose zum Reinlullern im Kopf.

 Und ich möchte behaupten, dass meine sexuelle Präferenz da keine exotische, Eigenbrödlerische Lage ist. Viele Leute verfallen an dieser stelle gerne in das gebrabbel vom Konsum und dem Diktat der Masse und dass man halt Geld machen will und das eben so ist.  Das ist aber nicht nur vollkommen unnütz und bringt uns nirgendwo weiter, sondern ich glaube auch, dass es falsch ist.

Ich glaube, die Menge an Leuten, die sich die TV Spielfilm kaufen, weil sie (aktiv oder unterbewusst) denken „Boah, geil“ ist eine unfassbar geringe Zielgruppe. Sogar die ‚BILD‘ erzählt zu ihren Titten-Frauen eine Pornöse geschichte, weil sie verstehen, dass Brüste als solche kaum einem Lustmolch beim Ausüben ihrer Molchigen Tätigkeiten viel weiterhelfen.

Ich möchte mit einem positiv-Beispiel schließen. Ich habe absichtlich ein Bild gewählt, das voll bekleidet ist.

Völlig unabhängig davon, ob ihr Typ dir gefällt. Was kann man über diese Frau aussagen?

Sie trägt ein Hemd mit einer Aufschrift. Der Text an sich ist nicht relevant, dass welcher vorhanden ist, ist das wichtige. Die Beschriftung der Bevölkerung ist sehr weit fortgeschritten. Hierdurch wird sie in der Realität gefestigt, das Gefühl, dass man ihr auf der Straße begegnen könnte, stellt sich ein.

Sowohl die Fliegerbrille als auch die Accessoires in beiden Händen deuten Okkultes und Steampunk an, die kleine Figur scheint aus einem Spiel zu sein. Die Brille weist ebenso auf nerdigkeit hin.

Sie kommt gerade durch eine offene Tür. Durch die Schiefe Bildlage wird deutlich, wie relevant sie ist, vermutlich sehen mehrere Anwesende zu ihr. Ihr Blick – nur ein wenig am Zuschauer vorbei – ist zu erkennen, dass sie sich der Wirkung bewusst ist, sie scheint interessiert.

Die kleine Figur hält sie vor sich, als wollte sie diese gerade anbieten,  während das Portemonnaie leicht schützend gehalten wird.  Sie scheint verletzlich, gleichzeitig aber auch kompetent und informiert, sicher hat sie etwas interessantes anzubieten, das ein Gespräch beginnt.

All diese Aussagen kann ich über die Frau machen, einzig anhand des Bildes. Versucht das mal mit einer der Frauen da oben.

Jetzt, wo ich es niedergeschrieben habe, fällt mir auf was ich hier gemacht habe. Red Letter Media hat das auch mal gemacht.

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Written by vetaro

11. Mai 2011 um 3:34 am

Veröffentlicht in Realität

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4 Antworten

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  1. Ist das hier ein Experiment, bei dem du ermitteln willst, wie viele mehr Klicks man kriegt, wenn man bei Facebook einen Beitrag verlinkt, dessen Anzeigebild eine Frau in BH ist?^^

    Philippe

    11. Mai 2011 at 9:04 am

  2. „Aus dem gleichen Grund ist ein Flesh Light für fast niemanden interessant. Weil niemand eine Dose zum reinlullern gut findet.“

    Denkst du das wirklich?
    Warum gibt es die dann?

    Ich habe einige Bekannte, die der Meinung sind, dass dieses Produkt eines der Besten Male-Sextoys ever ist.

    Abgesehen davon gefällt mir aber der Vergleich der Frauen als „leere Hüllen“ mit diesem Gerät sehr gut!

    Nadine

    11. Mai 2011 at 11:41 am

  3. Sehr gut!

    vetaro

    11. Mai 2011 at 3:26 pm

  4. hehe, ok, das tv-spielfilm keine ahnung von filmen hat wusste ich schon vorher. jetzt weiß ich auch noch dass ihr cover scheiße ist 🙂

    trotzdem finde ich die diskussion über dumme blondchen auf irgendwelchen covern nicht wirklich zeitgemäß.
    sowas gibts doch jetzt schon wirklich ewig und die meisten wären doch wirklich arbeitslos wenn es sowas nicht geben würde.

    ich finde es schrecklich was da im fernsehen heutzutage rumläuft.
    bin einer der wenigen männer der absolut nicht auf silikon-titten stehen. aber daran hat man sich mittlerweile wohl oder übel ja gewöhnt weil ja keine tussi die ins showbizz will noch ohne silikon auskommt. botox ist auch nicht mehr wegzudenken weil ja sonst alle auf dem roten teppich gegenseitig über ihre falten fallen würden.

    was ich allerdings momentan am aller schrecklichsten finde, ist das so viele meinen sie müssten die hälfte ihres hinterns in der oberlippe tragen. ich versteh das nicht. gibt es denn wirklich irgendjemand auf der welt der sowas schön findet???

    Revas

    12. Mai 2011 at 8:44 am


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