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Butterfly Effect

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Eigentlich ein ziemlich guter Film, aber überhaupt nichts für leute wie mich, die nicht abschalten. Dieser Beitrag enthält keine inhaltlichen Spoiler des Filmes, zeigt aber, dass er teilweise dumm ist.

Ich hasse es, wenn leute sagen, man solle mal den kopf abschalten und den Film genießen – besonders wenn es um nicht so kluge Filme geht, in denen Blödheiten begangen werden, die den Film nicht bereichern.

Aber noch schlimmer ist es bei Filmen, die tatsächlich ziemlich Klug sind. Butterfly Effect ist so einer. Er reitet ganz offensichtlich im Windschatten von Donnie Darko, und das Filmkonzept (Junge hat Blackouts, stellt als Erwachsener fest, dass er kurz in der Zeit zurück kann um dort Dinge zu ändern) ist an sich auch ziemlich gut.

Der Typ sieht voll aus wie Jack Black, find ich.

Aber ich habe ein zweigeteiltes Problem damit. Zuerst ein Oberflächliches: Der Film zeigt keinen Butterfly Effect, wie er von der Chaostheorie vorgeschlagen wird. Diesen Effekt kennt man aus dem Science Fiction-Klischee „du zertrittst eine Ameise in der Vergangenheit, und als du zurückkehrst, ist Hitler noch an der Macht“.

Im Film passieren aber einzig völlig logische Sachen. Jemand verletzt sich in der Vergangenheit die Hand, also hat er in der Gegenwart eine Narbe. Zwar verändern ein paar mal kleine Events eine ganze Persönlichkeitsentwicklung – aber es bleibt bei völlig kausaler Logik.

Sie sind Freunde.

Und andererseits? Nun, der Protagonist ist scheißedämlich. Nein, er ist nicht Forrest Gump – der Autor der Geschichte zerrt nur an seinen Puppenfäden, damit er andauernd idiotische Fehler begeht.

Wie man sich schon denken kann, bewirken die Ausflüge in die Vergangenheit regelmäßig extreme Probleme in der Gegenwart, Persönlichkeiten und Lebensgeschichten werden stark verändert.

Viele dieser Dinge sind aber nicht Schmetterlings-Probleme, sondern hätten verhindert werden können, hätte sich der Protagonist anders benommen und keinen dummen Fehler in der Vergangenheit gemacht.

Über etwa vier fünftel des Filmes nahm ich an, dass der Protagonist nur in die Phasen zurückkehren kann, während derer er als Kind blackouts hatte – und dass er das jeweils nur einmal kann. Am Ende des Filmes stellt sich aber heraus, dass es überhaupt kein Problem ist, die gleiche Szene zweimal zu betreten.

Das ist der selbe Typ, der im Bild oben einen Arm gegen den Hals gedrückt bekommt.

Und an der stelle fällt alles auseinander: Warum ist der Typ, nachdem er die Geschichte verändert hat aber etwas schiefgelaufen ist, nicht sofort wieder da rein und hat nur dieses Detail korrigiert? Der Grund ist: Er muss scheißedämlich sein.

An anderen Stellen trifft er Entscheidungen, bei denen man die Fäden, an denen der Puppenspieler ihn zieht, einfach zu deutlich sieht. Nach der ersten Zeit-Veränderung wäre alles in Ordnung, wenn er nicht diese idiotische Sache im Park gemacht hätte. Alle eigentlichen Probleme des Films basieren auf diesem Fehler – anstatt, was cleverer gewesen wäre, auf Problemen, die er durch die Zeitreisen hervorgerufen hat.

Als er zur Briefkasten-Szene  in die Vergangenheit zurückkehrt, dreht er völlig am Rad. Was er da tut, kann man nicht mal mehr mit „Affekthandlung“ entschuldigen – Das ist einfach nur „der macht das jetzt mal, weil das so gut in die Handlung passt“.

Unterm Strich aber: Butterfly Effect ist voll knorke. Im Gegensatz zum Donnie Darko oder Memento muss man ihn nicht gesehen haben, aber er bereichert sicher die Gedankenwelt.

Und dann habe ich noch eine Frage für Leute, die den film gesehen haben, und hier gibts auch vielleicht Spoiler: Eigentlich durchlebt der Junge seine Kindheit normal, mit Blackouts (in denen er sich aber auch wie ein normaler Junge verhalten hatte), und wird Erwachsen. Erst dann verändert er die Vergangenheit.

Die Blackouts im Kindergarten, als er seinen Vater Jason trifft und in der Küche scheinen davon aber ausgenommen zu sein. Schon als er sie zum ersten mal durchläuft, wird er hier zukunftsgesteuert. Er malt das Bild, er hält das Messer in der Hand, und er erzählt seinem Vater Sachen aus der Zukunft.

Wieso durchlebt er diese Ereignisse im ersten Durchlauf nicht „normal“? Warum ist das schon beeinflusst? Diese Veränderungen wurden doch erst viel später durchgeführt als alle anderen.

Und noch was: Warum malt er im Kindergarten das komische Bild? Ich sehe überhaupt keinen Grund dazu, warum er das machen sollte – das scheint irgendwie nur da drin zu sein weil es da drin ist.

Oder ist der Typ etwa auf einmal dermaßen Clever, dass er bedacht hat: „wenn ich das bild nicht male, komme ich nicht zum Psychiater, dann muss ich nicht Tagebuch führen, dann gibt es kein Tagebuch zu lesen, und ich muss zurück in meine normale Zukunft ohne Zeitreisen“?
Warum macht der sich über sowas gedanken, aber nicht über viel naheliegenderen Kram?!

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Written by vetaro

17. November 2010 um 11:58 pm

Veröffentlicht in Filme

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3 Antworten

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  1. lol, warum guckst du auch so alte filme? ich hab den vor einer ewigkeit geguckt und fand ihn eigentlich ganz gut.
    ich kenne wirklich nicht viele filme(mir fällt auch gerade keiner ein)die noch logisch sind wenn man sie so haarklein auseinander nimmt!
    vor allem nicht wenn es um zeitsprünge geht.
    wenn er am anfang keine blackouts gehabt hätte, wäre keine spannung im film aufgekommen. schließlich hast du dir ja um die blackouts auch gedanken gemacht oder? und wenn er alles richtig gemacht hätte wär der film nach 15 minuten zu ende gewesen.
    das ist das selbe prinzip wie wenn james bond gefasst wird und statt einer kugel in den kopf, den plan des bösewichts erklärt kriegt. naja, zumindest so ähnlich 😉

    Revas

    18. November 2010 at 3:53 pm

  2. „Was guckst du auch so alte filme?“ – Wieso, weil Filme von 2004 bekanntermaßen beschissene Logik haben?

    „wenn man sie so haarklein auseinander nimmt!“ – Das ist exakt das, wovon ich am anfang des Blogeintrags rede: Ich kann nicht anders!
    Ich setze mich auch nicht hin und überlege mir jetzt nen kleinscheißerischen Einwand: Während ich den film sehe, denke ich: „Meine Fresse, wieso sind die alle so dumm?“

    Ich rede hier ja nicht von tiefgreifenden Gedankenfehlern im Konzept – sondern von oberflächlichen, mühelos erkennbaren Fehlern! Bei Donnie Darko hatte ich an keiner Stelle das Gefühl, der Blödi sollte sich gefälligst anders verhalten.

    Das Bond-Problem ist ohnehin schlimm. Wir brauchen unbedingt mal wieder mehr kluge Bösewichte die keine Bond-Villains sind. Falls jemand einen Vorschlag hat, bitte her damit.

    vetaro

    18. November 2010 at 6:29 pm

  3. naja ich LIEBE diesen film denn naja er ist einfach so traurig undd och so verblüffent *_*

    Bluesky

    3. Juni 2011 at 2:18 pm


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