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JesusBlog: Das Jesus Video

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Diesmal geht es um ein gutes Buch und einen schlechten Film. Beide haben unseren Lieblings-Heiland im Titel.

Während der Woche in Krakau – ein Land, das mir übrigens den Eindruck erweckt, einfach keinen Bock zu haben – habe ich mir das Hörspiel zu Das Jesus Video reingezogen.

Der Roman beeindruckte mich vor allem damit, dass er ziemlich gute Archaeology Fiction ist. Dort wird gezeigt, wie solche Leute mit minimalen Voraussetzungen mehr Erkenntnisse gewinnen als Sherlock Holmes.

Ausgraber in Jerusalem finden ein Skelett von einem Mann und einige Aufzeichnungen. Er hat Zahnfüllungen von Heute – die Daten ergeben aber ganz klar, dass er vor 2000 Jahren gestorben ist. Bei ihm sind einige Zettel, einer ist die Anleitung einer amerikanischen Sony-Kamera, die noch gar nicht Veröffentlicht ist. Sie selber lässt sich aber nicht finden.

Das ist alles, was die Leute wissen. Und mithilfe des gesunden Menschenverstandes und der Logik, die ich bei Eschbach zu lieben gelernt habe, deduziert man sehr schnell und schlüssig, dass der Mann in der Zeit gereist sein muss, um Jesus zu filmen. Denn was sonst sollte ein Amerikaner von Heute denn um diese Zeit wollen.

Die Geschichte ist richtig spannend, und jedes mal wenn die Leute neue Erkenntnisse erlangen, freut man sich mit ihnen. Vor allem hat der Autor es nicht nötig, irgendwelche Schummeleien durchzuführen – an keiner Stelle wird die Situation gerettet, weil jemand reinstürmt und ruft „Wir haben einen neuen Hinweis ausgegraben!“ – alles wird auf der Basis dieses Skelettes und der Unterlagen geschafft.

Ausserdem gibt es natürlich Konkurrenz um die Entdeckung. Nach vielen Positionswechseln findet man sich als Leser zuletzt auf der Seite der Underdogs wieder, die gegen einen reichen Finanztypi arbeiten. Gleichzeitig degeneriert der Geldmensch aber nicht zum einseitigen Bösewicht, was sehr angenehm ist.

Wie ich es vom Herrn Eschbach gewohnt bin, ist das Ende ziemlich würdig. Es ist absolut keine „Er wachte auf und alles war nur ein Traum“-Verarsche, sondern ausführlich, inspirierend, beeindruckend und sehr aufklärend. Ein würdiger Abschluss für eine Geschichte, die bereits im Titel so viel verspricht.

Das Buch gefällt mir so gut wie Ein König für Deutschland, und erneut behaupte ich, dass es auch Euch super gefallen wird. Es bekommt von mir: 5/5 Smiling Jesusses

Weil ich keinerlei Rückmeldung von irgendwem bekommen habe, gibts diesmal keinen getarnten Download-Link dazu. Das habter jetzt davon!

Ja. Und es gibt einen Film. Ich versuche mal, etwas positives darüber zu sagen: Er hat den gleichen Namen wie das Buch.

Was gibt es sonst noch zu sagen? Es ist ein Fernsehfilm für Pro 7. Muss ich mehr sagen?
Das ganze fängt schon damit an, dass die Hauptfigur, er heisst Steven Foxx, im Film zu Steffen Vogt wurde. Eigentlich jedes einzelne Detail des Buches wurde verdreht, verfälscht oder sinnlos geändert.

Als die Beweislage schon längst offensichtlich ist, lachen die Herren Wissenschaftler noch hochnäsig, als ihnen die Erklärung ‚Zeitreise‘ vorgeschlagen wird. Eigentlich alle Charaktere werden entfernt oder völlig entstellt.
Im Buch wird nach knapp der Hälfte der Vatikan aufmerksam – im Film geschieht das nach 20 Minuten. Und zwar völlig ohne Grund! Es gibt überhaupt keine Erklärung, warum die von der Angelegenheit wissen sollten (im Gegensatz zum Buch).

Und, natürlich: Die Archäologie und Wissenschaft, das alles wird nur als Hindernis gesehen, damit man endlich zur Verfolgungsjagd-Action kommen kann, der ganze Reiz des Erkenntnisprozesses ist völlig verloren. Eigentlich ist alles Verloren, sogar die Spannung, was denn jetzt mit diesem Jesus-Video sein soll.
Wenn man am Anfang und am Ende 5 Minuten rausschneidet, könnte der Film von irgendwas handeln, um ein Jesus-Video gehts jedenfalls nicht.

Alle klugen Schlüsse, die die Leute im Buch ziehen, finden hier einfach nicht statt. Teilweise machen die Figuren Idiotenfehler, welche man im Buch bereits vorausgesehen hatte und umging (einer dieser Fehler dauert 40 Minuten!) .  Das Buch verbringt vielleicht 8% vor dem Ende mit Helikoptern und Flucht vor Bewaffneten, der Film mindestens 60% – und die sind größtenteils sinnlos und unnötig!

Gleichzeitig ist es aber kein besonders guter Actionfilm, weil es halt eine langweilige Fernsehproduktion ist. In den ganzen 3 Stunden kommt eine Explosion vor, die nur für den Trailer gemacht wurde.

Und, hättet ihr’s gedacht, das Ende wurde geändert. Nicht ein bisschen oder so. Metaphorisch gesagt: Wenn das Roman-Ende der Kölner Dom ist, dann ist das Film-Ende ein zermatschter Fisch.

Bewertung: Ein enttäuschender Film, der Leute nur von dem großartigen Buch forttreibet und mit einer Länge von drei Stunden(!) unerträglich viel zu lang ist.  4/5  Sad Jesusses!

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Written by vetaro

15. Oktober 2010 um 11:57 pm

2 Antworten

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  1. i want teh fucking link :O

    kopfproll

    19. Oktober 2010 at 1:24 am

  2. oh, und was ich noch schreiben wollte:
    den film hab ich mal so halb gesehen,
    halb deshalb weil ich ihn so unfassbar scheisse fand.
    pro7 sollte es verboten werden, filme zu produzieren.
    und galileo. und überhaupt.

    kopfproll

    19. Oktober 2010 at 1:28 am


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