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28 Days/Weeks Later

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Ausserdem: Dummheit in Horrorfilmen.

Ich hab gerade 28 Days, dann 28 Weeks later gesehen. Beide Filme handeln davon wie England zombifiziert wird und ausstirbt und Leute fliehen und so.

Beide Filme sind, von der Filmtechnik, Musik, Dialogen und so in Ordnung.
Was mich ein bisschen stört, vorallem an Days, ist dass es eigentlich kein Zombiefilm sein müsste.

Genau genommen behaupte ich, dass der Film besser wäre, wenn er keine Zombies* hätte. Wenn der über tröpfcheninfektion verbreitete Virus, anstatt Leute zu gewalttätigen, hirnlosen monstren zu machen, einfach töten würde.

Zu Beginn des Filmes ist nämlich praktisch schon eh jeder tot. Die „Action“ besteht daraus, dass die meiste Zeit durch Schnitte und Shakycam und Beleuchtung fast völlig unkenntliche Jagden entstehen und Zombies sterben und so. Sie ist in keiner hinsicht geil, kommt nur knapp 10 Minuten im Film überhaupt vor, und hat auch an keiner stelle Relevanz für irgendwas.

Man könnte diese stellen mit wenig mühe heraus schneiden, und der Film würde trotzdem funktionieren.
Der Grund dafür:  Seltenst erwähnen die Charaktere auch nur mal, dass sie in der Zombie-Apokalypse sind. Die meiste Zeit über sind sie damit beschäftigt, rumzuheulen, sich zu küssen, aus dem Raum zu rennen weil sie sich geküsst haben, usw. Abgesehen davon dass Zombies in dem Film existieren, ist das ein Laberfilm.

Die Viecher sind nichtmal für die Auflösung der Handlung besonders relevant, wäre der virus nur tödlich, hätte kein bisschen an der großen Handlung geändert werden müssen.

Der Film wäre ohne Zombies besser, weil er dadurch für Zielgruppe Spannungs-Drama-Persönlichkeitsfilme geöffnet würde – diese Leute gucken 28 Days aber wahrscheinlich nicht, weil es da Zombies gibt.
Und die Zombiefilmgucker sind extrem angenervt von den ganzen Pussies in dem Film, mit denen man nicht mitfühlt, weil sie so scheissedämlich sind (siehe unten).

Die beste Stelle im ganzen Film ist übrigens, wenn der Protagonist am Anfang aufwacht und alle anderen sind tot. Er eiert Hilflos durch die Straßen und weiß von nichts irgendwas. Das ganze wäre spannender, wenn man nicht vorher im Intro in druckbuchstaben hätte erklärt bekommen, woher der Zombievirus kommt.

Die Fortsetzung, 28 Weeks Later, muss irgendwie mit dem Problem zurecht kommen, dass der Erste Film endet mit „nach 5 Wochen sind alle Infizierten verhungert“.

Er tut das mit folgender extrem weit hergeholten Erklärung: eine einzige Frau, die zufällig genetisch gegen die Infektion abgesichert ist**, wird in einen Brückenkopf der Armee reingelassen.
Zufällig
ist ihr Mann in der Basis, und zufällig hat er als Hausmeister den Sicherheitsschlüssel.
Zufällig ist er Emotional in der Stimmung, um seine Frau freizulassen. Da sie Träger der Infektion ist, beginnt damit die Zombie-Apokalypse Teil 2.

Das ist eine ziemlich weit hergeholte Erklärung.  Und jetzt ist es Zeit für den zweiten Abschnitt meiner Beschwerden über die Filme: Die Dummheit.


Teenie-Horrorfilme basieren oft darauf, dass verschiedene Charaktere mehr oder weniger liebenswürdig sind. Viele sind so angelegt, dass man sich freut, wenn diese blöden Ärsche endlich abgeschlachtet werden. 28 Days ist nicht so gedacht. Die Charaktere sollen liebenswürdig sein und zum Mitfühlen anregen. Das Problem ist: Nach spätestens einer Stunde habe ich gehofft, dass sie endlich an ihrer eigenen Dummheit sterben.

Das ganze fängt aber schon im Intro an: Einige Tierschützer dringen in ein Schimpansen-Tierversuchslabor ein um diese zu befreien. Ein Wissenschaftler warnt sie: „Nein, die sind mit einem Hyper-Tollwutvirus infiziert!“

Was würden clevere Tierschützer machen?  Nach der Warnung wenigstens vorsichtig sein. Die Affen in einen Transportkäfig bringen, damit sie sie in den Regenwald aussetzen können oder so.

Was tun die Tierschützer im Film? Sie öffnen die Käfigtür – und eine Frau setzt sich mit dem Kopf direkt vor den Ausgang. Natürlich wird sie von em Schimpansen angesprungen und getötet, und damit ist der Virus los und die Apokalypse beginnt.

Nur: Was hatten diese Leute vor? Haben sie angenommen, die garantiert verstörten Tiere würden sich – selbst ohne Tollwut – an der Hand nehmen und in einen Laster führen lassen, damit sie in die Tropen entkommen können? Oder wollten sie die Tiere nur frei lassen und dann einfach mal sehen wie die in der Innenstadt zurecht kommen.

Und auf dem Niveau geht es eigentlich den gesamten Film über weiter. Die meiste Zeit über hat kaum jemand eine Waffe dabei, selten mal einen Holzschläger. Ich weiss, in England kommt man nicht so leicht an Schusswaffen wie in Amerika, aber… vorschlag: Gartengeräte? Wie wärs mit schützender Kleidung, Masken die einen vor Spuck-Infektion schützen?

Früh im Film kommt jemand vor, der Riot Armor der Polizei trägt, mit großem Schild und Schlagstock. Witzigerweise zieht er die nach einer Benutzung aus und das Zeug wird nie wieder erwähnt.

Mehrmals gehen Charaktere sorglos in dunkle Räume hinein, bleiben in der Mitte stehen, und sind dann überrascht wenn sie von einem Zombie angesprungen werden. Man stellt sich *vor* die Tür, macht Lärm und tötet alles, was rauskommt, Leute.

Der Punkt, an dem ich echt alles verloren sah war, als die Charaktere einkaufen gingen. In einem Supermarkt, mit weitestgehend noch völlig okayen Waren. Jeder einen Einkaufswagen, und dann wird laut scheppernd Kram eingepackt.

Niemand bewacht den Eingang, keiner ist bewaffnet, keiner macht sich sorgen um Lärm und Licht. Und das beste: Nichts schlimmes passiert.
Dadurch wird die gesamte Szene: Komplett Sinnlos.

Das schlimme ist halt: Das sind offensichtlichste Maßnahmen gesunden Menschenverstandes, und diese blödköppe kriegen es einfach nicht hin.

Der Film meint das aber nicht so. Man soll nicht den Eindruck erhalten, dsas die Figuren dumm sind. Und ich verlange ja wohl echt nicht zuviel.

Bonus: Der Film, in dem die mit Abstand scheissedämlichsten Figuren überhaupt vorkommen ist … (Markieren, um die Antwort zu lesen, falls jemand es vorher erraten möchte ->)         The Happening

In diesem (übrigens auch ansonsten grottenschlechten) Film sind die Leute auf diesem Niveau dumm: „Hey, das kleine glitzernde Band an der schwarzen Kugel wird immer kürzer. Könnte es sein dass das eine Bombe ist?“ „Nein, kein Problem, behalt’s ruhig in der Hand.“

Die Leute nehmen, noch dreissig minuten nachdem im Fernsehen angekündigt wurde, dass der Giftstoff rein natürlich ist, immernoch an, dass es Terroristen waren.

Und wenn sie feststellen, dass größere Menschenmengen mehr in Gefahr sind als kleinere, ist ihre erste Reaktion: Nein! Wir trennen uns jetzt nicht!***

Niemand versucht während des gesamten Filmes, sich vor den tödlichen Sporen z.B. mit einem Tuch vor dem Mund zu schützen.

Und dann ist da noch die Szene, in der die Charaktere versuchen…
vor dem Wind wegzulaufen.

Vor dem Wind. Wegzulaufen.****

Ich kenne eigentlich nur zwei Filme des Weltuntergangs-Genres, in denen sich die Charaktere sinnvoll, logisch und nachvollziehbar verhalten: I am Legend und Zombieland. Beide sind Glanzlichter, Legend ist sogar eine Sternstunde, was das Thema angeht, unabhängig davon, was man sonst von dem Film halten mag.

______________

* Es sind „Infizierte“, ich weiß. Das ändert aber nichts daran, dass es effektiv Zombies sind.

** Wie diese Frau 7 Monate ohne Nahrung (oder sagen wir mal: 20 Wochen, wenn diese vorher noch nicht verfault war), ohne ausrüstung, in einer unsagbar schlechten psychischen situation, umringt von Zombies, überlebt hat, wird niemals erklärt. Vor allem weil man sie zuvor als letztes eingeschlossen in einem Raum mit einem Zombie gesehen hatte.

*** Dies ist die einzige Situation, ever, in irgendeinem Film, in der „Wir teilen uns auf!“ eine sinnvolle Maßnahme gewesen wäre.

**** Die Hauptdarstellerin des Films ist ausserdem Zooey Deschanel, die im „Per Anhalter durch die Galaxis“-Film Trillian spielte. Jedes mal wenn ich ihre großartigen Augen sah erwartete ich, dass jetzt gleich ein Witz kommt. Im Happening kommen aber keine Witze.

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Written by vetaro

25. Juli 2010 um 9:39 pm

9 Antworten

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  1. Herrvoragender Artikel! GENAU das dachte ich gestern abend, als ich die Wiederholung von WEEKS sah.
    Und: „Carriers“ funktioniert genauso, diesesmal OHNE Zombies, aber nicht unbedingt besser. Es passt auch die angesprochene (nicht funktionierende) Figurenkonstellation: Charaktere die nerven und denen man gerne höchstpersönlich den Virus verpassen würde.

    stefanhensch

    25. Juli 2010 at 9:49 pm

  2. Zu Weeks noch eine Anmerkung: Wie BLÖD ist eigentlich das militär, dass sie *alle* zur Wiederbevölkerung hergeholten Zivilisten in einen Bunker sperrt, ohne bewaffnete Wachen, und dann das licht darin aus macht?

    Und dann hat der Raum einen unbewachten, nicht-abgeschlossenen Hintereingang! WTF! Das sieht man doch *sofort* kommen, und es dauert nur 30 sekunden, bis der erste infizierte in dem Raum drin ist und die in der Konsequenz praktisch alle tot sind.

    vetaro

    25. Juli 2010 at 9:56 pm

  3. Genau, wie die Szene mit den Scharfschützen die „selektiv“ Infizierte in der Masse erschießen sollen – lachhaft.

    Ein toller Film, der um einiges realistischer ist ist dieser: „Crazies: Fürchte Deinen Nächsten“. Das ist ein Remake vom Carpenter Film aus den 70igern. Im Endeffekt eine Mischung aus „Outbreak“ und „Zombieland“. Leider wieder mit Zombies (langweilt mich langsam), aber mit einer nahezu tödlich präzisen Vorgehensweise des Millitärs – so könnte ich es mir jedenfalls vorstellen.

    stefanhensch

    25. Juli 2010 at 10:18 pm

  4. Was mich bei 28 Days und Weaks am meisten stört, ist, dass die Zombies rennen können und – damit verbunden – die furchtbar hektischen Schnitte. Ich mag meine Zombiefilme am liebsten klassisch langsam.

    Zu der Sache mit der Dummheit: So was nervt mich auch ungemein. Es gibt ja generell zwei Arten von Zombiefilmen: die, in denen die Charaktere sofort wissen, dass sie es mit untoten, infektiösen Kreaturen zu tun haben (dummerweise eher bei Parodien der Fall); und jene, in denen die Figuren absolut dumm agieren, als ob es in ihrer fiktiven Welt keinen Zombiemythos gäbe. Die finde ich in den meisten Fällen unerträglich, da möchte man sich eigentlich 90 Minuten lang nur an den Kopf fassen…

    christian

    26. Juli 2010 at 5:34 pm

  5. […] Hensch hatte beim letzten mal The Crazies empfohlen (seinen Nachnahmen fand ich spannender als „Stefan“). Zuerst sah […]

    Crazies, the « Hu

    29. Juli 2010 at 3:36 pm

  6. […] wie „28 Days Later“ sind schon wieder auf dem weg zum „so schlecht dass es wieder gut ist“-Hügel. […]

  7. […] habe das mal bei 28 Days erwähnt, ich halte die erste Hälfte des Filmes für sehr gut. Der Film zeigt dort vorbildhaft, […]

  8. […] rein, Charaktere und Handlung sind gut, und jetzt kommt das beste: Die Menschen sind nicht scheissedämlich. sondern handeln methodisch und […]

  9. […] sich generell wünscht, dass die Leute nicht sterben. Oft sind sie aber so unfähig, dass der Film mehr Wut als Angst in mir […]

    Winsidious « Hu

    5. August 2012 at 5:23 pm


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