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Die Zukunft der Musikspiele

with one comment

Dieser Beitrag steckte lange Zeit in einer Schublade, aber jetzt ist E3, und anscheinend wird über Rock Band 3 gesprochen. Deshalb hier meine qualifizierten Meinungen, wie sich das „Bunte Tasten auf Plastikgitarren drücken“-Genre entwickeln sollte. Und wird.

Wenn Musikspiele in die nächste Generation starten – falls nicht vorher ein Meteorit einschlägt oder das Öl ausgeht und wir kein Plastik mehr herstellen können –  kann ich mir einige Sachen vorstellen, die man verändern müsste.

Das Ziel ist eigentlich: Mehr realismus. Die Instrumente müssen  endlich mal echten Instrumenten mehr ähneln.

Ich habe ja schonmal angedeutet dass man das so weit treiben kann, dass Spieler irgendwann merken „moment mal, wenn ich den Bildschirm nicht hätte, könnte ich genausogut auf ’ner echten Gitarre spielen!“ – das könnte im blödesten Fall den Untergang bewirken, ich gehe aber eher davon aus, dass sich das Spiel dann darauf verlagern würde, Leuten die übelsten Skilllzz auf echten Instrumenten beizubringen.

Um soetwas zu ermöglichen bräuchte man einfach das Konzept „Drück den leuten echte Instrumente in die Hand und entwickle eine Technik, wie das Spiel genau erkennen kann, welchen Ton man gerade spielt“ – das macht es meinen Spekulationen aber zu leicht*. Gehen wir noch einen Schritt zurück in der Entwicklung. Wir können ruhig noch mit Instrument-Controllern arbeiten – die sollten dann aber auch echt mitlerweile mal verbessert werden.

Hier sind ein paar mögliche Veränderungen für Gitarren:

– Mehr Frets. Unter den fünf bunten Tasten brauchen wir weitere Sets von Tasten. Diese können die gleiche Farb-Reihenfolge (Grün, Rot, Gelb, Blau, Orange) haben, aber z.B. in einem helleren oder dunkleren Farbton designt sein, sodass sie auf dem Bildschirm in den gleichen Spalten angezeigt werden können.

– Notwendige Verzerrung. Wenn man bisher lange noten verzerrt, macht das entweder nichts oder bringt einem eine gerade so Nennenswerte menge an Bonus-Energie.  Wenn im Original-Lied verzerrt wird, könnte man das von mir aus aber gerne auch vom Spieler fordern, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, welche der Töne in Liedern eigentlich verzerrt sind. Ähnlich wie Guitar Hero Schlagzeugern ermöglicht, hart gespielte Noten auch hart zu spielen.

– Saiten. Bisher leugnen Musikspiele die Existenz von Saiten einfach vollkommen. Hierdurch ließe sich auch die Sache mit den Frets erleichtern. Es müssen natürlich keine wirklich klingenden Saiten sein, sondern nur widerstandsfähige Bänder.

Durch deren Kontakt mit Sensoren am Hals kann das Gerät erkennen, welche Saite man wo ran drückt. Beim Anschlagen der Saiten könnte dann entweder ein Plektron benutzt werden, das ebenso einen Sensor enthält, oder die Vibration wird am  unteren Ansatzpunkt der Saiten (also beim „Tonabnehmer“) detektiert.

Da dies natürlich unheimlich viele zusätzliche Kombinationen ermöglicht, ließe sich das alte Farbsystem (nichtmal mit verschiedenen helligkeiten) wohl wirklich nicht mehr aufrecht erhalten. An dieser stelle müsste dann die Realität einschlagen und echte Noten in die Spiele einführen. Vom C bis zum E# oder wie auch immer die heissen, ich kann keine Noten lesen. Wenn die Entwickler dann klug sind, geben sie einem die Möglichkeit, zwischen Buchstaben und Farb-Noten zu wählen.

– Oh, und könnten wir bitte (selbst wenn nur in der „Collectors Edition“) mehr Gitarren bekommen, die irgendwie ernster aussehen? Ohne bunte knöpfe? Wir spielen das nämlich ohnehin, ohne die Farben auf dem Gerät anzusehen. Danke.

Auch Schlagzeuge brauchen noch etwas feinschliff (aber weit weniger als Instrumente).

– Ein Hihat-Pedal. Aktuell gibts für Schlagzeuger höchstens einen Double-Bass, aber ansonsten wird der linke Fuß schändlich ignoriert.

– Die Möglichkeit, in Lieder Freestyle zu spielen. Einfach das jeweilige Schlagzeug zum entsprechenden Lied herausfiltern und einem die Möglichkeit geben, beliebig zu schlagzeugern.

– Entweder sollten zukünftige Schlagzeuge in der Lage sein, als E-Drum verwendet zu werden, oder echte E-Drums als Schlagzeuge.

– Unterstützung durch NATAL? Nur optional – vielleicht Bonuspunkte, wenn man die Stöcke aneinander schlägt, in der Hand rotieren lässt oder posiert?  Abgesehen davon, dass die tatsächliche Hand-Performance als Charakter-Animation übertragen werden könnte.

Ausserdem habe ich noch ein paar weitere Vorschläge, was Musikspielen sicherlich nicht schaden würde.

– Weitere Instrumente. Nicht unbedingt „Saxophone Hero“, aber ein Keyboard könnte man doch schon in Betracht ziehen. Das Problem mit den vielen Tasten wäre hier wieder mithilfe der verschiedenen Helligkeiten zu lösen.
Hier allerdings auch wieder meine Warnung, dass die Spieler irgendwann merken könnten „moment mal, da kann ich doch genausogut ein Keyboard benutzen, was *echte töne* macht!“ und weggehen.

– Harmonien gibts schon seit Beatles: Rock Band, das wird ohnehin auch in weitere Spiele eingefügt.

– Setlists. Nicht nur, dass man eine Riehe Lieder auswählen kann, die soforthintereinander gespielt werden. Sondern dass man am Tag vorher planen kann, was man seinen Gästen am nächsten Tag präsentieren will, ohne dass man dazwischen seine 400 Songs umfassende Bibliothek durchsuchen muss. Das heisst: Abspeicherbare Setlists. Bitte.

– Eine noch coolere Tour für Rock Band. Obwohl Teil 2 wirklich nett ist, ist es halt letztendlich doch eine große „Wähle Songs zum Spielen aus“-Maschinerie. Ich würde gerne meine immerhin mühevoll personalisierten Charaktere sehen, wie sie im Spiel wichtige Band-Erlebnisse haben.

Möglicherweise könnten wir sogar (unrelevanten) Einfluss haben – ob man patzig ist, Möbel zerstört und sich besäuft oder rüberkommt wie eine Christian-Rockband. Interviews, Autogramme geben, durch kahle Gänge auf die Bühne gelaufen kommen. Tage in Tourbussen verbringen etc. – all solche sachen könnte man doch mal darstellen.

Wenn man sich mehr sachen hinzukaufen könnte, wäre schön. Zum Beispiel könnte man (achtung!) in Liedern Erfahrung sammeln, und mit denen Neue Animationen kaufen.
Man könnte sich gezielt aussuchen, was der Charakter während songs alles kann und wie er sich gibt (Aktuell bietet RB2 beim Erstellen 4 Stile an, die man danach nie mehr ändern kann).  Das sollten auch Sachen sein, die man selbst als Profi-Spieler erst nach Wochen hat.

Und dann noch etwas: Achievements. Es wäre echt nett, wenn RB 3 sich an Rock Band 2 orientieren könnte, denn die haben das sooo richtig gemacht!

Ich muss es einfach mal sagen: Ich finde es unheimlich beschissen, wenn ich in einem Spiel niemals 1000 Punkte haben kann, weil ich kein Hyperroboter bin. Ich finde, es hat einfach absolut keinen Sinn, ein Achievement einzubauen, das keine Hundert Leute auf der Welt jemals erleben werden.

Rock Band 2 hat seine Achievements unfassbar richtig gemacht: Sie sind allesamt erreichbar und oft clever, die schwersten benötigen aber entweder sehr viel Hingabe und Zeit oder eben größere logistische Leistungen (Endlose Setliste ohne pausieren durchspielen, ihr wisst schon).

Das Geile daran ist eben, dass Rock Band 2 nicht fordert, dass man jeden Song im Spiel auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad mit 5 Sternen schaffen kann. Man muss sie nur überhaupt schaffen, und das ist beiweitem keine Zumutung. Es ist alles für normale Menschen, die dieses Spiel gut beherrschen, schaffbar!

Abgesehen von Dead Space ist Rock Band 2 das Spiel, auf dessen 1000-Achievement-Punkte ich am stolzesten bin. Und ich wäre froh, wenn dieser Kurs fortgesetzt würde und es auch in Teil 3 wieder möglich wäre, daran zu kommen.

Das ist eine ernste Sorge, denn alle anderen Teile von Rock Band sind mit jeweils mindestens einem Achievement ausgestattet, das absolut Unmöglich ist. Das ist bei Lego RB echt am albernsten – 950 Achievement-Punkte kann man im „Super-Leicht“-Modus erlangen, aber die letzte Aufgabe ist, das folgende Solo mit 100 % zu schaffen.

The Beatles und … ächz…. Green Day Rock Band fordern ähnliches – jeweils für den Schlagzeuger. Kommentar eines der besten RB-Schlagzeuger zum Thema Green Day: „I won’t get this achievement. You won’t get this achievement. Even Tré Cool himself wouldn’t get this. Maybe, if I had three friends that were as good as me, and each one took care of one Pad, we might have a chance, but I doubt it.“

Und dann ist da noch die Aufgabe, jeden möglichen Song bei The Beatles mit drei Mikrofonen 100% richtig zu singen. Abgesehen davon, dass ich mit Mühe für eine Weile zwei Mikrofone zur Verfügung hatte: Woher soll ich denn bitte drei Leute in meiner Nähe finden, die so bescheuert sind wie ich und auf der höchsten Schwierigkeit 100% singen können?!

Ja genau, die Sänger müssen alle im gleichen Raum sein, man kann nicht online kooperativ singen.  Damit hätten wir ein letztes Feature, das Rock Band 3 braucht: Harmonie-Gesang online. Und damit schließe ich. Guten Abend, meine Damen und herren.

EDIT: Sehr sehr viele meiner Vermutungen (besonders über Gitarren) sind bestätigt worden. Dieser IGN-Artikel weiß mehr als irgendwer sonst aktuell. Ich bin gehyped. Ich dachte ich wäre immun, aber ich habe einfach nur nie etwas derartig geiles gesehen. Hier noch ein Video.

_____________________________

* So ein Programm gibt es meines wissens nach schon, das ist aber kein Spiel, Visuell nicht besonders ansprechend und wohl auch noch nicht perfekt.

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Written by vetaro

15. Juni 2010 um 10:56 pm

Eine Antwort

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  1. […] der selben E3-Konferenz wie Guitar Hero 6 wurde immerhin Rock Band 3 announced. Stellt euch mal vor, die beiden Entwickler hätten ihre Stände einander […]


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