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Oberflächliche Meinung: Borderlands

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Ich hab jetzt 15 Level Borderlands gespielt. Ich sag mal so: Wenn in dem Spiel Spaß steckt, steh‘ ich an der falschen Straßenecke. Der folgende Blogeintrag basiert also auf wenigen Spielstunden und ist natürlich völlig ungerechtfertigtes rumgemecker.

Ich fasse mal kurz zusammen: Ich habe jetzt knapp 500 Typen den Kopf weggeschossen, die übrigens alle gleich aussehen. Ausserdem 400 komischen Hunden, die alle gleich aussehen.

Im Solo-Modus zeichnet sich das Spiel dadurch aus, dass viele, viele gegnerische Angriffe anscheinend kaum bis gar nicht ausweichbar sind und ich fast auf jede Taktik verzichten kann.

Ich stellte mich grundsätzlich dann als erfolgreich heraus, wenn ich mit einer viel zu starken Waffe auf viel zu schwache Gegner traf, und verkackte jedes mal kläglich, wenn ich mich an einer „Herausforderung“ versuchte (z.B. wenn ich einen 1 Level über mir befindlichen Mini-Boss besiegen will, indem ich Deckung, Ausweichen, Heilpakete, alle meine Granaten und meinen Multi-Raketenwerfer einsetzen wollte).

Die Lösung für das Problem lautete dann jedes mal: Woanders hingehen, sich hochleveln, eine 20% bessere Waffe holen, und den Gegner im nächsten Anlauf zu klump schießen, ohne jegliche Taktik anzuwenden.

Solo erscheinen mir 3 von 4 Klassen unnötig. Einer ist ein Nahkämpfer, und soweit meine Logik mir das mitteilt (das Spiel erwähnt es nirgendwo) ist der Nahkampf-Schaden von den Schusswaffen unabhängig. Falls das stimmt, haben wir das alte Diablo-2-Problem der Magierklassen: Alles wird stärker, nur du nicht. Neue Waffe? Pah, wen interessierts, benutzt du doch eh nicht!

Das Skill-System ist ziemlich beschissen. Jede Klasse hat exakt 1 Fähigkeit, die sie alle ~3 Minuten für knapp zehn Sekunden anwenden kann. Die anderen 39 Skills die jedem zur auswahl stehen haben so tolle Boni wie „Erhöht Projektilschaden um 3%“ oder „Nachdem du ‚wen getötet hast, heilst du dich um 1%“.

Liebe Game-Designer: Skill-Systeme sind nur dann interessant, wenn sie spielrelevante Änderungen hervorrufen! Wenn die einzige Veränderung eine jetzt etwas größere Zahl ist, interessiert das keinen Arsch. Die Dinger dürfen dazwischen gesteckt werden, aber es gibt verschiedene Skill-Trees, um verschiedene Spielweisen zu ermöglichen. In der Theorie.  Auch sehr schön wäre, wenn ich vielleicht.. keine Ahnung… eine zweite Fähigkeit haben dürfte?


(„No Heaven“ ist der meiner Meinung nach beste Teil es Spiels. Und das Lied ist mir im Spiel noch nichtmal begegnet.)

Ausserdem Spawnen die Gegner scheisse. Sie erscheinen nämlich nacheinander, vielleicht in Intervallen oder so, aus z.B. kleinen Höhlen. Aus irgend einem  Grund ist das ganze aber so programmiert, dass man andauernd mitten im Kampf von der Seite oder von Hinten angefallen wird. Von Orten, die man vorher für Clear eingestuft hatte. Das ist kein Schock-Effekt, das ist einfach scheisse gemacht! Kein anderes Ego-Spiel das mir bekannt ist, hat so eine verkackte Spawn-Mechanik.

Übrigens ist Borderlands in der Hinsicht ein bisschen regressiv: Bei z.B. Half Life 2 (2004) werden Gegner geschickt z.B. in anderen Räumen gespawnt, sodass es natürlich aussieht, wenn sie irgendwo her kommen. Bei Borderlands kommen sie, wie gesagt, aus z.B. Erdlöchern. Sie materialisieren sie sich direkt davor. Sie kriechen auch nicht heraus oder sowas, sondern sind einfach sofort da. Das hab‘ ich zuletzt in Spielen gesehen, bei denen man die Pixel noch von Hand zählen konnte.

Ich laufe sehr langsam. Selbst im Sprint-Modus bin ich nicht beeindruckend schnell.

Im Kampf geht mir regelmäßig die Munition aus. Nein keine Sorge, ich ziele nicht so schlecht. Es ist nur so, dass ich selbst mit Munitions-Upgrade und voller Ladung manchmal in einen Kampf schreite, in dem ’ne Minute lang Gegner reinspawnen, und am ende hab‘ ich einfach 720 mal geschossen. Es liegt dann zwar überall Munition herum, aber ich würde gerne wenigstens mal einen normalen Encounter beenden können, ohne mich auch noch um’s looten kümmern zu müssen.

Wenn ich übrigens gegen Mini-Bosse kämpfe, die mich mühelos platt machen, werde ich für eine gefühlt 10% meines Geldes betragende Summe wiederbelebt, der Gegner hat wieder volle Lebenskraft und ich bekomme meine Munition nicht zurück.
Das ist eine super Spielmechanik, die dafür sorgt, dass ich teilweise nach 2 Versuchen in die nächste Stadt zurückkehren darf, um meine Munition wieder vollzumachen. Der Weg dahin ist natürlich doppelt lang, weil ich natürlich an einem Spawnpunkt nahe beim Endboss erschienen bin. Und wenn ich es weiter versucht hätte, diesen Typen endlich klein zu kriegen (anstatt die ganz oben beschriebene Taktik anzuwenden), wäre ich irgendwann ohne Geld und ohne Munition dagestanden. Toll, danke, Spiel.

Thema Looten: Nach so einem Kampf liegen vor einem knapp 50 drops. 30 sind Munition für Waffen die ich nie benutze (und die ich dank des Munition-Maximalwertes auch nicht aufheben kann), 10 sind Geld und 4 sind irgendwelche drecks-Waffen die keiner braucht.

Es gibt zwar angeblich eine „schnell-loot“-funktion, diese sieht aber so aus: Item anvisieren, E gedrückt halten, und dann saugt der charakter die um ihn liegenden Items der gleichen Sorte auf. „Um ihn“ bedeutet einen Radius von etwa 1 Meter. Und er sammelt auch nicht alle Items auf, nur Munition.

Während ich also die einzelnen Haufen durchsuche und andauernd „Das ist Munition von der du schon zuviel hast, das kannst du nicht aufheben“ gezeigt bekomme, denke ich: Leute, erinnert ihr euch an Dungeon Siege? Damals gab’s eine Taste, mit der der Charakter alle gedroppten Sachen von Hand aufsammeln geht. Und er vergaß auch nichts, was irgendwo in der Ecke lag.

Wenn Diablo 3 kommt: Könnten wir bitte eine Möglichkeit einbauen, mit der Plündern erleichtert oder sogar unnötig gemacht wird? Die Zeiten, wo man nach jedem Kampf Tab drückt, sich die Item-Namen anzeigen lässt und dann 50 mal klickt sind hoffentlich vorbei. Ich hätte auch nichts gegen die „Alle Items fliegen einfach zu mir heran“-Methode.

Falls das Spiel in Wahrheit unheimlich geil ist und ich es einfach nur mit 3 Freunden oder für weitere 20 Stunden spielen muss, möchte ich folgendes sagen: Fick dich, das Spiel hätte man auch für Solo-Spieler sinnvoll gestalten können, und es sollte von Anfang an Spaß machen. Und vor allem wenn’s um dermaßen bescheuerte Design-Fehler geht hab‘ ich keine Gnade.

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Written by vetaro

27. Mai 2010 um 10:30 am

Veröffentlicht in Spiele

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3 Antworten

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  1. Ich seh das ähnlich allerdings macht es tatsächlich Laune wenn man mit mehreren zusammen spielt, zumindest solange bis irgendwann alle meine online chars gelöscht waren.
    Vor allem dieser Zombie DLC ist spassig gewesen

    Darth_Mueller

    28. Mai 2010 at 10:18 am

  2. Geile Meinung zu dem Spiel! Du hast genau das in Worte gefasst, was ich über das Spiel gedacht habe. Hat mich zum Lachen gebracht 😀

    MfG
    Fabian

    testacc912FFabian

    25. Juni 2011 at 3:56 pm

  3. […] – Ich mag Borderlands nicht. Und ich muss glücklicherweise nichtmal das Spiel wieder installieren um meine Meinung zum Looten […]


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