Hu

Cube (1997)

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Habe gerade Cube gesehen.  (Update)

Dieser Teil des Beitrags beinhaltet keine Spoiler über die ersten 5 Minuten des Filmes hinaus.

Der Film spielt in Würfeln. Menschen finden sich ohne Erklärung in großen Würfelräumen wieder. An jeder Fläche gibt es eine Öffnung, die in einen weiteren Würfel führt. Und manche Räume haben Todesfallen.

Direkt zu beginn werden einige Fallen ausgelöst, und ihre Effekte hätten, wäre ich drei Jahre jünger, sicherlich meinen Seelenfrieden gestört, später verzichtet der Film jedoch auf ausdrückliches Zeigen von Gore, schwache Gemüter brauchen also nicht dauerhaft im Sessel rumrutschen.

Dieser Teil des Beitrags beinhaltet Spoiler darüber, was nicht im Film vorkommt.

Der Film ist ein sehr guter „denkt mal drüber nach“-Film. Er erinnert mich an Mathrock, der auch anscheinend nur für Leute Sinn ergibt, die die Auflösung kennen. Cube ist aber kein Film wie Shutter Island oder 12 Monkeys, die beim zweiten Schauen viel mehr Sinn ergeben und bei denen man sich denkt „Ach, deshalb ist das gerade geschehen!“

Das „denkt mal drüber nach“ führt einen vor allem zu dieser Frage: Warum? Warum, in allen Variationen der Fragestellung. Der Film bietet keine Antwort.

Es treten keine Wissenschaftler in Laborkitteln auf, die herablassend lächeln und sagen „wir wollten nur mal sehen, ob sie es heraus schaffen“.
Es wird nicht zu irgendwelchen Mr. Burns in ihren Büros geschnitten, die die Ellenbogen auf den Tisch lehnen, die Fingerspitzen aneinander legen und „Sehr gut, sie verhalten sich genau nach Plan, A-Hahahaha!“ sagen.
Nicht einmal irgendwelche Militärs, die mögliche Überlebende in ein Supergeheimprojekt stecken wollen.

Der Film zeigt all das nicht. Es würde mich nicht wundern, wenn der Film ein sehr geringes Budget für Bühnenbilder hatte (wahrscheinlich braucht man nur einen Würfel, und dann zwei halbe, den jeweils nächsten Würfel zur Seite und nach Unten zu zeigen). Und das, denke ich, ist seine Stärke.

Es gibt keine Midichlorianer und keine tiefe Philosophie. Niemand erklärt, wie soetwas funktionieren kann, wie oder wo es gebaut ist und, vor allem, warum. Zu welchem Zweck. Weshalb ausgerechnet diese Personen gewählt wurden. Weshalb jemand solche Todesfallen bauen sollte, anstatt die Leute einfach so zu töten.
Es erinnert ein wenig an das Universum. Alles ist da, alles mögliche passiert und tut Sachen nach einem Prinzip, das man irgendwann verstehen kann. Aber das war’s.

Persönlich denke ich aktuell folgendes:
Wer das letztendlich gemacht hat und die Leute in den Kubus wirft, hat eine bösartig-interessierte Einstellung zum Thema. Ein herablassendes und sarkastisches Menschenbild ist wohl zwingend notwendig. Die Täter müssen ausserdem hochinformiert und (abgesehen von einem gigantischen, technisch kaum erklärbaren Kubus) unheimlich gut ausgerüstet sein, um die richtigen Leute zu entführen, aus völlig unterschiedlichen Orten zusammen zu bringen und dann da rein zu stecken.

Der Aufwand ist natürlich gewaltig. Das heisst, entweder muss es der nutzen ebenso sein, oder der Aufwand ist aus der Sicht der Durchführenden nicht so groß. Das heisst, dass die Initiatoren sehr reich sein müssen und einfach persönlichen Spaß daraus ziehen, oder dass die Kuben ein sehr großer Test sind und jene, die heraus gelangen, für irgendwas wichtig sind. Das wiederum ist aber unwahrscheinlich, da den Durchführenden ja offensichtlich bewusst ist, wer für die Kuben geeignet ist. Diese Leute haben wahrscheinlich (unbewusst) tests bestanden, durch die sie erst hinein gelangt sind.

Das führt mich zu meiner Schlussfolgerung. Ich glaube, es soll keinen Sinn haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass das ganze ein großes, wirklich wirklich großes Getriebe ist, das zum puren Selbstzweck existiert. Möglicherweise sind die Leute darin nur das Sahnehäubchen. Vielleicht sind die Kuben der Wald, und die Menschen sind dazu da, um die Bäume umfallen zu hören. Vielleicht soll einfach jemand anwesend sein, der dieses Gewaltige etwas erlebt. Und mehr nicht.

Aber das sind nur Ideen. Es gibt keine Antworten. Und das ist sehr schön.

Leider gibt es zwei weitere Filme. Ich weiß es noch nicht, gehe aber davon aus, dass diese Filme Erklärungen bieten und Fragen beantworten. Das finde ich bereits im Vorhinein Schade. Eigentlich mag ich den aktuellen Zustand meines Nicht-Wissens. Ich werde diese Filme dennoch sehen und dann berichten.

Update (Volle Spoiler): Ich hatte vollkommen recht. Der zweite Film ist scheisse. Er ist voll mit unnötigem Technik-gebrabbel und vierten Dimensionen und erklärt sogar, wer das alles tut. Und die Antwort ist so langweilig, dass ich sie nichtmal hier hin schreiben werde.

Der dritte Film ist noch schlimmer – er spielt die meiste Zeit nicht mal in den Kuben drin, sondern in einem Büro wo Leute die Kuben überwachen.

Noch schlimmer: Mitten im Film kommt auf einmal ein Vorgesetzter in den Überwachungsraum der, damit auch die blödesten Zuschauer es kapieren, ein beängstigendes Glasauge hat und alle rumkommandiert.  Ich vergebe den Preis für den schlechtesten Charakter den ich kenne an diesen Typen. Er ist sogar noch schlimmer als der rappende Hund aus Titanic.

Ich war noch sehr jung, als die Matrix-Filme rauskamen. Zu der Zeit verstand ich nicht, wieso die nachfolger schlechte Filme wären. Jetzt und Heute verstehe ich es. Ich habe mir innerhalb eines Tages eine Quelle der Freude eröffnet – und sie mir willentlich zerschlagen. Es ist traurig.

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Written by vetaro

25. April 2010 um 4:32 pm

Veröffentlicht in Filme

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5 Antworten

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  1. Cube2 war wirklich großer Mist, da dieser von der Technik her komplett von Teil 1 abwich, CubeZero (also teil 3) fand ich wiederum genial, weil einem Teil 1 noch näher erklärt wurde, aber auch wieder massig mehr Fragen aufgeworfen hat.
    Weis nicht ob du Teil 3 bis zum ende geschaut hast, da in deinem Volle Spoiler abteil nix davon geschrieben wurde: Der jüngere Schachspezi ist der Behinderte in Teil 1, darum kennt der sich auch so gut aus.

    Ich glaube die ganze Anlage besteht nur für den Zweck der Sondierung von Menschen….wer es schafft ist würdig auf der Welt weiterzuleben…klar klingt langweilig, aber ist einfachste Lösung.

    Und der, ich nenn es mal SAW1-Ende Effekt, ist ja der, das die Leute hätten blos in dem Anfangscube sitzen bleiben müssen. Aber ihre Neugierde sollen sie hart bezahlen.

    Wenn dir aber solche Filme gefallen, dann kann ich nur „Eden Log“ empfehlen, musste den 2 3 mal schauen um überhaupt erstmal durchzublicken. Über den Film scheiden sich die Geister, ich finde ihn aber genial.

    grüße denny

    macdan

    25. April 2010 at 7:49 pm

  2. Ja ich habe die Filme gesehen. Ich hatte ursprünglich mehr details preisgegeben, die dann aber rausgenommen, weil ich sie zu blöd fand. Die stecken jetzt alle in diesem Kommentar.

    Auch das mit dem Jungen fand ich blöd. Der Junge aus dem ersten Film ist Autist. Es braucht meiner Meinung nach ein bisschen mehr erklärung, wie diese Leute einem gestig gesunden Jungen eine angeborene Krankheit einpflanzen können als einfach „Ja, die haben halt fortgeschrittene Wissenschaft“.

    Und das mit der Sondierung denke ich nicht. Wer an den Ausgang kommt, wird gefragt ob er an Gott glaubt oder nicht. Wer „Nein“ antwortet wird geröstet. Wenn die Maschinerie nicht von der christlichen hyperrechten betrieben wird, wäre das hinsichtlich Sondierung völlig sinnlos.

    Ausserdem werden da ja offensichlich Leute reingesteckt, die ihnen Unangenehm sind. Leute die irgendwas wissen (wie eben Entwickler der Maschine und Leute die daran arbeiten) und so.

    Es ist einfach so: „Die Regierung hat all das gemacht, und sie macht es, weil sie böse ist“ ist eine unheimlich beschissene Erklärung. Sie ist einfach uncool. Am Ende des dritten Filmes sagt der blöde Glasauge-Typ, dass er die Leute nicht einfach so töten kann, weil es Regeln gibt.

    Das ist einfach blöd. Das ist eine Ausrede, weil die Erklärung offensichtlich nicht von den ursprünglichen Autoren geplant war.

    Und, wie gesagt: Das geile an Cube 1 war, finde ich, dass es nur in den Kuben spielt. Die Aussenwelt ist schwarz, bzw. ein helles Licht, das ist Alles. Das ganze nicht nur der Regierung in die Hand zu legen, sondern auch noch Einen Typen der der Böse in einem Disneyfilm sein könnte loszuschicken ist einfach eine Beleidigung der Intelligenz der Zuschauer. So.

    vetaro

    25. April 2010 at 8:09 pm

  3. Ja klar das Teil 1 der beste war ist eh klar, fande Teil 3 halt noch so gut weil er mit dem ersten Teil kooperiert hat, da hat man ein bisschen das Feeling von Lost. (Manerfährt endlich mehr, dies wirft aber die doppelte Menge an Fragen auf)

    Ob der junge Autist in Teil 1 war weis man nicht. Man geht davon aus, weil er sich wie ein Autist für unser Verständnis verhält (Fingerzappeln, lässt keinen an sich ran, extrem intelligent, introvertiert). Letztenendes ist er aber kein Autist sondern nur um Kopf „kaputt“.
    Tatache ist, das ein Neurochirurg am Gehirn herumfuchteln kann um einen Gewissen schaden herzustellen. War ja auch im Grunde bei Shutter Island so, blos wurde dort Schaden angerichtet um die Personen ruhig zu stellen. Laut meiner Freundin gibt es das tatsächlich.

    Ich denke auch das Teil 3 schon konzipiert war wo Teil 1 gedreht wurde, sonst hätte man wohl nie diesen Jungen reingesteckt der sich dort so verdächtig gut auskannte.

    Gut der Typ mit dem Glasauge war vllt etwas fehlgegriffen, aber er bringt zumindest die mystische Wirkung rein, indem man sich nicht ausmalen kann wer oder was nun dahintersteckt.
    Über den tieferen Sinn zu philosophieren ist eigentlich völlig nutzlos bei dem Film. Es kann die Regierung sein oder auch die Kirche (siehe Inquisition) oder irgend eine Privatperson die für seine eigenene Art Gerechtigkeit schaffen will. Da der Autor es wahrscheinlich nichteinmal weis, woher sollen wir es wissen. Teil 2 fällt da bisschen aus der Rolle, da es offensichtlich die Armee war.

    Naja das blöde bei solchen Filmen ist ja das es keine Lösung gibt und so sich viele zu verschiedenen Meinungen bilden. ParadeBeispiel: Donnie Darko

    Darum so far, Empfehlungen: Edenlog (Film), Grube und Pendel (E.A.Poe)

    macdan

    25. April 2010 at 10:13 pm

  4. Na also komm. Das einzige was in Cube 3 irgendwie mit Cube 1 verbunden ist, ist der Junge.

    Und der kennt sich in Teil 1 überhaupt nicht gut aus, der ist einfach inselbegabt und kann Faktorzerlegung von neunstelligen Zahlen. An keiner Stelle zeigt er, dass er versteht, warum er diese Zahlen zerlegt, oder was er mit den faktoren anfangen soll.

    Ehrlich, der ist in Teil 1 ein normaler Autist, er zeigt keine Anzeichen davon, eigentlich eine normale, aber Gehirn-Operierte Person zu sein.
    Und der Eingriff, der in Shutter Island zur Ruhigstellung verwendet wird, ist was ganz anderes als ein Eingriff, der eine von Geburt an auftretende Krankheit herbeiführen soll.

    Ich habe ausserdem überlegt, wie die so einfach offensichtlich die Buchstabencodes schnell durch Zahlen ersetzt haben. Aber ich schätze, dass der Kubus aus Teil 3 ein anderer als der aus Teil 1 ist (die Gänge zwischen den Räumen sind ja auch rund).

    Teil 3 ist einfach mit Mühe und Not an den ersten Film rangepappt worden. Ohne die letzten Minuten gäbe es keinerlei Verbindungen. Das ist einfach nur ein blöder Science-Fiktion-Film. (Ein positives Beispiel für zwei Filme, die an jeder Ecke aufeinander Bezug nehmen und sich ergänzen, sind übrigens Back to the Future 1 und 2.)

    Achja, und Donnie Darko finde ich eigentlich ziemlich klar. Also, es ist eine komplizierte Angelegenheit, aber das gilt auch für Atome. Und trotzdem sind sich die Fachmänner ziemlich einig darüber, wie alles funktioniert, in Hinsicht sowohl auf Atome als auch auf Donnie Darko. Und mir ist noch keine unorthodoxe Deutung von DD untergekommen, die sinnvoll im Film belegt ist :O

    vetaro

    25. April 2010 at 10:39 pm

  5. […] mich das Zweite noch viel, viel mehr daran. Ich hatte den Film ja vor über einem Jahr gesehen und drüber geschrieben. Alles, was ich über den ersten Cube sage, ist beinahe ohne Änderungen auf Portal übertragbar. […]

    Portal 2 « Hu

    19. Mai 2011 at 7:33 am


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