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Halbdekadische Stagnation: Eklatant indiskutable denudation

with 4 comments

Ich habe gerade mal das  frisch veröffentliche MMORPG  „Karos Online“ ausprobiert. Ich bin beeindruckt.

Vor 5 Jahren erschien „Silkroad Online“, jenes kostenlose,  über  einen Itemshop finanzierte Spiel, das ich für das Flaggschiff des Genres halte.

Damals hatte das Spiel eine etwa 4 Jahre veraltete Grafik, klobiges Interface, kaum Optionen um daran etwas zu ändern,  und der Inhalt des Spieles bestand darin, Monster zu töten. Es war langweilig,  entbehrte jeder Handlung, hatte alle  3 Level mal eine Aufgabe,  die auf „töte 500 von diesen Monstern da“ hinaus lief und die Levelkurve verlief gefühlt exponential,  das heisst nach knapp 60 Leveln verbrachte man eine Woche mit einem Level.

Ich kenne Leute, die das Spielten. Das heisst, sie benutzten einen Bot. Ich bin nicht sicher ob irgendjemand  im oberen Bereich des spieles  von hand spielte. Sie „spielten“ das Spiel jedenfalls, indem sie das Programm anwarfen und dann weggingen. Am nächsten tag gaben sie dann damit an, wie weit sie wieder mit ihrem autopiloten gekommen wären.

Und heute kam Karos Online heraus, das mich, wie bereits gesagt, beeindruckt.

Denn das Genre „Kostenlose MMORPGs“ hat es geschafft, in 5 Jahren keinerlei Fortschritt zu erzielen.

Hätte jemand die Grafik beim Login-Screen durch „Silkroad Online“ ersetzt, hätte ich mich gefragt, warum ich schon wieder Silkroad spiele, obwohl ich Karos runtergeladen hatte.

Ich könnte auch einfach die Bilder durcheinander vorzeigen und niemand könnte die Spiele unterscheiden.

Die Grafik ist nicht besser geworden, das Interface ist klobig, es gibt keine Optionen um das zu ändern,  der gesamte Inhalt des Spieles ist das Töten von Monstern während man seiner exponentiell wachsenden XP-Leiste zuschaut, die Interaktion mit der Umgebung ist so klobig und verzögert wie  noch vor fünf Jahren, und sogar die selben User hängen in dem Spiel rum.

Bei der Charaktererstellung haben die Entwickler immer noch die Dreistigkeit, einem die wahl zu lassen, welches Gesicht und welche Frisur der Charakter haben soll – aus jeweils drei Optionen. Das Geschlecht und die Rasse sind nicht auswählbar.

Ich habe letztens einige Sachen in Foren dazu geschrieben, was WoW dazugelernt hat, und dass die kommende Erweiterung genau das sein kann, was ich schon lange von dem Spiel erwarte: All den scheiss-Content rauszuschmeißen und ihn durch den guten Content, den man mitlerweile entwickelt hat, ersetzen. WoW lernt dazu.

Aber die Macher von F2P-MMORPGs lernen nichtmal die simpelsten Sachen: Man startet das Spiel und ist umringt von Gegnern. Wenn man nicht bereits weiß, dass einem das spiel nichts zu bieten hat, wird man nun verwirrt rumlaufen und nach quests oder einer siedlung suchen.
Die gibt es bestimmt irgendwo, aber garantiert nicht dort, wo man sucht. Weil die Designer nämlich kotzeköppe sind, denen das nicht in den Sinn kommt, dass die Leute etwas suchen könnten.

Wenn man die ersten beiden Gegnersorten lange genug getötet hat ist man aufgelevelt und sucht neue Gegner. Die nächsten die man findet, stehen direkt neben den Level-1-Gegnern und sind auf Level 16.

Toll.

Bei Filmen gibt es das Exploitation-Genre. Wenn es irgendeinen Trend gibt, springen Exploitation-Filmer auf den Zug und machen einen Film dazu.

Wenn Sexfilme in sind,  wird Sexploitation gedreht. Wenn Nazifilme in sind, wird „Ilsa, She-Wolf of the SS“ gedreht.
Und wenn beides gleichzeitig in ist, wird halt „Porno Holocaust“ gedreht.

Und ich glaube, F2P-MMORPGs sind Exploitation. Sie basieren auf der prämisse, dass irgendwer schon so beschränkt oder dumm sein wird, sich diese Scheisse reinzuziehen und dann auch noch   dafür zu bezahlen, das man noch mehr davon konsumieren kann. Das ist doch nicht auszuhalten.

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Written by vetaro

10. April 2010 um 11:50 pm

Veröffentlicht in Internet, Spiele

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4 Antworten

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  1. Naja, vielleicht guckst du dich auch anderweitig noch ein wenig um, bevor von deinen Erfahrungen in genau einem Spiel gleich ein ganzes Modell abkanzelst.

    Sel

    12. April 2010 at 1:01 pm

  2. Ich bin eigentlich jemand, der jedes einzelne Spiel dieser Sorte testet. Ich will eine fundierte Meinung haben. Daher kann ich auch sagen, dass Silkroad ein gutes Beispiel für den 2005-Stand des Genres ist (das heisst, es ist besser als die meisten kompetitoren).

    Wenn du Beispiele für solche Spiele hast, die viel besser sind, dann immer her damit.

    vetaro

    12. April 2010 at 3:26 pm

  3. Ok und nichts für ungut :-). Ich spiele zB Runes of Magic, das ist auch free-to-play und über Itemshops finanziert – und sicher um Welten besser als dieses Karos Online. Es gibt auch Spiele, die zuerst abo-pflichtig waren und sich nun ebenfalls über Itemshop finanzieren, zB Dungeons & Dragons Online. Tendenziell werden es in den nächsten jahren wahrscheinlich sogar immer mehr werden und abo-pflichtige MMORPGs dann eher die Minderheit darstellen – und auch qualitativ werden die sich denke ich nicht mehr viel schenken.

    Sel

    15. April 2010 at 12:04 pm

  4. […] werden keine Level-80-Schwerter verkauft. Kostenlose Spieler sind also (spielerisch) erstmal nur dadurch im Nachteil, dass sie viel weniger […]


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