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And Another Thing

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Als ich vor einem halben Jahr „And Another Thing“ las, das sechste Buch der ‚Per Anhalter durch die Galaxis‘-Reihe, fühlte ich mich sehr eigenartig. Ich traute mich nichtmal, wirklich etwas darüber zu schreiben. Ich glaube, es liegt jetzt lange genug zurück, dass ich es mir selbst erlauben kann.

Douglas Adams, der Autor der anderen fünf Bücher, mein dritt-liebster Autor und einer der Menschen, die mich und meine Moral am meisten geprägt haben, ist 2001 in einem Fitnesstudio an einem Herzinfarkt gestorben. Seine Rede „Gibt es einen künstlichen Gott?“ Ist immer noch einer der wichtigsten Texte in meinem Leben.

Ich weiß nichts über die Hintergründe, warum und wie Eoin Colfer dazu kam, dieses Buch zu schreiben. Aber es passt in meinen Traum, den ich als junger Jugendlicher hatte: ‚Warum muss ein Schriftsteller für immer Verloren sein wenn er stirbt, kann er nicht einen Nachfolger finden, jemanden, der seinen Stil erlernt und wenigstens seine angefangenen Geschichten zu Ende bringt.‘
Und genau das hat Herr Colfer getan. Manchmal, wenn die Buchseiten von den Tränen getrocknet sind, glaubt man, dass die Zeilen von Douglas sind.

Und es ist eine sehr morbide Erfahrung, etwa acht Jahre nach seinem Tod ein Buch zu öffnen, das dort weiter macht, wo das letzte Buch – sehr unvollendet – aufhörte. Es ist, als würden sich Queen wiedervereinigen – ausschließlich mit Leuten, die niemals in der Band gespielt haben – und sie würden gute Musik machen, die wie Queen klingt.

Es ist ein Buch über Thor, über die letzten Menschen überhaupt, über die irritierenden Familienverhältnisse von Arthur Dent, über esoterische Senioren-Wellness-Center und über den Mann, der alle anderen Leute im Universum beleidigen will.

Und es endet In-den-Sonnenuntergang-Reiterisch. Wie ein Abschluss. Nach diesem Buch ist die Trilogie um das doppelte überschritten, und endlich fertig. Es gibt keinen Grund mehr, weiter zu machen – und man kann nur hoffen, dass „Geld“ sich nicht als Grund herausstellen wird.

„And Another Thing“ ist zu den besten Zeiten fast so gut wie Douglas frühe Bücher. Aber eigentlich ist das egal. Es ist ein Kranz für ihn, gebunden und beschriftet.

Als Atheist gibt es nicht den Trost des Glaubens, dass Douglas an einem besseren Ort ist. Aber es gibt den Trost der Einschätzung, dass er wahrscheinlich nirgendwo ist, und das ist nichts, wovor man sich fürchten muss. Und trotzdem weine ich, wenn ich so an ihn denke.

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Written by vetaro

20. Februar 2010 um 1:02 pm

13 Antworten

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  1. Vielen Dank für diesen Blogpost. Ich liebe Douglas Adams auch sehr und habe von diesem Nachfolgebuch noch nichts gehört. Nach deinem Text werde ich es mir aber SOFORT bestellen.

    bachmichels

    20. Februar 2010 at 2:53 pm

  2. Bis jetzt war ich da ziemlich skeptisch, aber ich glaube, du hast mich jetzt überzeugt, dem Buch doch eine Chance zu geben. Solange es nicht da weiter macht, wo der meines Erachtens eher mittelmäßige letzte Band der Reihe aufgehört hat…

    Christian

    20. Februar 2010 at 4:46 pm

  3. Doch, tut es. Und es wirft auch nicht die von einigen Leuten als mittelmäßig empfundenen Einführungen aus dem letzten Buch über Bord (d.h. der Schicksalsvogel ist wieder dabei). Danach allerdings wendet sich das Buch wirklich seinen eigenen Themen zu, anstatt da zu stagnieren, wo die anderen waren.

    Und Bach, ich bin sehr froh, eine Auswirkung auf die Welt zu haben 😀

    vetaro

    20. Februar 2010 at 8:25 pm

  4. Sehr interessant. Bisher habe ich Colfers Büchern eher ambivalent gegenübergestanden und das hat mich davon abgehalten, diesem eine Chance zu geben (besonders, da DNA auch zu meinen drei liebsten Autoren gehört). Jetzt werde ich es mir mal besorgen.

    Danke.

    Thorn

    22. Februar 2010 at 10:36 am

  5. P.S. Deinetwegen habe ich „Is there an artificial god?“ noch mal gelesen, habe ich schon lange nicht mehr getan und ich stimme DNA immer noch zu, auch wenn ich christlich bin.

    Atheismus ist schön und gut – solange man das gute nicht mit dem schlechten ausschüttet.

    Thorn

    22. Februar 2010 at 12:15 pm

  6. Falls ich deine Aussage richtig verstehe, hast du mich sehr glücklich gemacht.

    Denn, als Argument- und Wissenschaftlichkeits-Fan wäre ein Gläubiger mir am liebsten mit folgendem Standpunkt: „Ja, ich sehe ein, dass du da eine ganze Menge sinnvolle Argumente und belege hast, und dass auf meiner Seite praktisch nichts steht, was objektiv belegbar ist. Ich möchte trotzdem auf meinem Standpunkt bleiben.“ 😀

    Ich hoffe, ich habe deinen Kommentar nicht falsch ausgedeutet und du meintest eigentlich was anderes 😀

    vetaro

    22. Februar 2010 at 7:07 pm

  7. Ich stimme dir zu, dass Religion als Erklärung wissenschaftlicher Phänomene nicht viel taugt. Das gibt sogar der Papst zu.

    Aber so wie DNA in dem Vortrag sagt, das Feng Shui (oder balinesicher Reisanbau oder auch Akupunktur) als Methode taugt, die gute Ergebnisse liefert, selbst wenn die Theorie dahinter auf mehr als tönernen Füßen steht, meine ich, dass christliche Religion als soziales Framework taugt, selbst wenn man den Gott dahinter nicht wissenschaftlich beweisen kann.

    Ich habe noch nie so eine Menge sozial engagierter, leidenschaftlicher und hilfsbereiter Leute gesehen, wie ich sie in unserer christlichen Gemeinde finde.

    So gesehen steht auf meiner Seite nichts objektiv belegbares, aber die Auswirkungen davon finde ich sehr positiv 🙂

    Thorn

    23. Februar 2010 at 9:17 am

  8. LOL

    Thorn

    23. Februar 2010 at 3:10 pm

  9. Wo wir uns gerade so gut verstehen, wer sind die anderen beiden Autoren, die die noch lieber sind als Douglas Adams?

    Ich vermute mal, der eine davon könnte Terry Pratchett sein 🙂

    Thorn

    23. Februar 2010 at 3:17 pm

  10. Ja, auf Platz 1. Auf Platz 2 ist Max Goldt, der vorallem deshalb weiter oben ist, weil er an quantität mehr bietet 😀

    vetaro

    23. Februar 2010 at 5:14 pm

  11. Klingt so als würde es sich lohnen, bei Gelegenheit doch noch mal was von Max Goldt zu lesen.

    Das sind ja gleich zwei Literaturempfehlungen in einer!

    Thorn

    23. Februar 2010 at 5:22 pm

  12. Du kannst ja Hier damit anfangen 😀

    vetaro

    23. Februar 2010 at 6:19 pm


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