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Bioshock 2 – Ich Overkille

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Und jetzt: 1279 Worte über Bioshock 2. Eigentlich wollte ich meine Spekulationen während des Spielens hier aufschreiben, um zu dokumentieren, wie mich das Spiel überrascht. Ich hab‘ mich aber dagegen entschieden.

(Die Bilder musste ich wieder mit meiner Kamera machen, daher sehen sie oft blauer und roter aus als in echt. Und auch der Bloom-Faktor ist incht original so im Spiel.)

Die Folgenden Voraussagungen machte ich direkt nach den einführenden Kapiteln. Wer das Spiel bereits angefangen hat, braucht keine Angst vor Spoilern zu haben. Dies sind nur meine reinen Vermutungen zu der Zeit, zu der ich selber nichts wusste:

– Professor Lambs und meine Tochter ist garantiert kein normales Mädchen. Wenn sie früher eine Little Sister war, ist sie jetzt eine Big Sister, oder sogar eine Very Big Sister (?).

– Sinclair, dein  Funk-Unterstützer während des Spiels, ist diesmal offensichtlich ein Gauner. Ich wette, dass er mich nicht hintergeht. Oder zumindest nicht schlimm. Vielleicht will er selber  ein Ziel erreichen, das aber nicht meinem Widerstrebt.

– Wenn ich nicht meine Tochter am Ende des Spiels besiegen muss, glaube ich nicht, dass es wieder einen Hulk als Endgegner gibt. Das wäre zu… sequenziell. Zu erwartet.

– Irgendwas steckt bestimmt hinter diesem religionsartigen Hyper-Kommunismus, den  Professor Lamb da aufgezogen hat. Die verfolgt doch noch andere Ziele als einfach nur das Gegenteil von Ryans Idealen.

– Es gibt doch bestimmt noch irgend eine geile Geschichte, woher die Big Sisters kommen. Irgendwas, das über „Eine aufgewachsene Little Sister wird umprogrammiert und in ’ne Rüstung gestopft“ hinaus geht.

Und, nun. Hier ist die Auflösung. Der folgende Bereich in Blau ist ein Spoiler. Einfach danach weiter lesen.

– Eleanor ist erwachsen und schlüpft in die Rüstung einer Big Sister. Sie ist auf deiner Seite und unterstützt dich in den letzten Kapiteln

– Sinclair hintergeht dich nicht.

– Professor Lamb macht einem das Leben schwer und beschimpft einen konstant, hat aber sonst nichts zu bieten.

– Es steckt nichts hinter dem religionsartigen Hyper-Kommunismus. Die Leute glauben einfach nur, dass Individualität schlecht ist, das ist alles. Es gibt keinerlei Auflösung oder Erleuchtung in der Hinsicht.

– Es gibt keine geile Geschichte über die Big Sisters. Es sind einfach nur gealterte Little Sisters in cooler Rüstung.

– Es gibt keinen großen Endgegner wie in Teil 1, statt dessen eine ziemliche Schlacht am Ende.

Aber lassen wir mal die Handlung Handlung sein. Ich möchte lieber ein wenig erzählen. Wenn man bei Metacritic zwei bestimmte aktuelle Schießspiele anschaut, und dabei den neuen Teil mit dem ersten vergleicht, kommt man auf folgendes Ergebnis:

Mass Effect 2: +5 Punkte  (Vorgänger 91%, jetzt 96%)
Bioshock 2: – 8 Punkte (Vorgänger 96%, jetzt 88%)

…Und das finde ich unfair. Die Leute sind offensichtlich mit irgendwie verfälschten Erwartungen an die Spiele heran gegangen. Denn Beide Fortsetzungen bieten vor allem „Mehr des Gleichen“. Sie sind nicht in entscheidenden Bereichen viel besser geworden, vor allem aber auch nicht viel schlechter. Ich finde, Bioshock 2 verdient immernoch eine Bewertung im Bereich 95, und Mass Effect 2 eine im Bereich 90.

Und ich habe keine Ahnung, was es an Bioshock dermaßen auszusetzen geben soll. Das Spiel ist voller kleiner, nicht entscheidender Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger. Selbst wenn man die Story, die einen diesmal nicht völlig umhaut, für wichtig hält, rechtfertigt das doch keine Acht Punkte abzug! Hinzu kommt, dass Bioshock 2 in allen anderen Bereichen echt zulegt.

Mir gefallen die neuen Level besser. Es gibt nicht mehr so einen unverhältnismäßig beängstigenden Bereich wie das Krankenhaus in Bioshock 1, oder so einen nervig-Langweiligen wie den Unterhaltungsbezirk.

Mein neuer Liebling ist die Siren Alley, die sehr freiläufig ist, und dadurch, dass man auf Straßen zwischen Gebäuden wandern kann, den Eindruck von noch mehr Freiheit verleiht. Das Erkunden und Plündern ist mindestens genauso gut wie im Vorgänger, wenn nicht stellenweise besser. Rapture unter Wasser stehend zu sehen ist wirklich gut.

Und: Mir persönlich gefällt es sehr, ein Big Daddy zu sein. Man spürt, dass man sehr schwer ist. Man spürt das Gewicht, mit dem man sich bewegt, und die Masse, die man hat. Wo der Charakter aus Teil 1 eine typische klassik-Maschinenpistole hatte, trägt man als Big Daddy eine Gatling Gun. Armbrust? Ach was, wir nehmen ’nen Harpunenwerfer!

Der Drill Charge ist mein Highlight-Move. Selten hat etwas derart den Begriff „Overkill“ verdient, wie wenn man mit einem gigantischen Bohrer bei knapp 200 km/h auf einen Gegner aufprallt.

Meine zweitliebste neu-Einführung: Der Harpunen-Werfer, der unter anderem Raketenspeere verschießen kann. Diese rammen durch den Gegner, nageln ihn an die Wand und explodieren dann. Das ist der Ninja-Robot-Vampir-Dinosaurier des Waffen-Arsenals: Alles, was man an extremen Sachen mit Waffen machen kann an einem einzigen Abzug befestigt.

Die Beschützer-Aufgaben mit Little Sisters sind ebenso gut: Hier kann man in aller Ruhe seine Fallennieten, Fallenspeere, Näherungsminen, automatischen und mobilen Geschütze vorbereiten – und dann eine Runde „Verteidige dich gegen den Ansturm“ spielen.

Wer das „Telekinese“-Plasmid mochte wird begeistert feststellen, dass er nun Gegner werfen lernen kann. Wer fliegende Geschütze mag, kann diese einfach Beschwören lernen. Und wer wie ich „Natural Camouflage“ mag, der kann jetzt mit dem „Scout“-Plasmid das tun, was bei Vampire Auspex-5 tut: Als Geist unsichtbar die Gegend erkunden. Das komplizierte Gen-Tonikum-System wurde vereinfacht, das Hacken ist zu einem sehr angenehmen Timing-Spiel geworden.

Es gibt einfach unheimlich viele Möglichkeiten, noch mehr als im Vorgänger. Selbst auf Schwer gibt es diesmal mehr Munition als man dringend braucht, man hat nicht mehr das Gefühl, endlos am Hungertuch zu nagen.

Um diese Lobhymne abzuschließen: Bioshock 2 hat sich auf allen möglichen Bereichen verbessert, mit denen es Berühmt geworden ist. Der Fortschritt ist da meiner Meinung nach deutlich größer als bei Mass Effect 2.

Ich (Blau = Spoiler, gell) finde es auch nicht schlimm, dass es keinen gigantischen Endgegner gibt. Tatsächlich finde ich es ziemlich genial, dass Bioshock gerade das präsentiert, was ich zwei Tage zuvor bei Mass Effect kritisierte: Dieses Zwanghafte „Ey, wir brauchen einen riesigen Endboss der wegen seiner Größe nur bis zur Hüfte zu sehen ist!“.

Das ist doch echt nicht zu fassen: Kaum beschwere ich mich, kommt ein Spiel, das mühelos beweist: Man muss nicht gequält irgend einen Endboss aufpumpen. Man kann es auch einfach sein lassen.

Ich finde es auch nicht schlimm, dass man diesmal keinen großen Wendepunkt hat, an dem die eigene Wahrnehmung des Spiels wie in Teil 1 plötzlich völlig umgekehrt wird und man denkt „Meine Fresse, das Spiel hat die letzten Stunden lang mich praktisch hypnotisiert und dazu gezwungen, den Befehlen von Atlas zu folgen!“ – Das ist ein einmaliges Erlebnis, ähnlich wie die Offenbarung in Silent Hill 2. Das wiederholt man nicht einfach so.

Was wäre denn, wenn man so einen überraschenden Twist ins Spiel eingefügt hätte? Dann hätten die Leute gesagt „Ja, toll, hätten wir euch auch sagen können, dass da vorm Ende noch ein Twist kommt. Immer nur Überraschungen, könnt ihr euch auch mal was anderes ausdenken?“ – denn die Konsumenten sind eine nie zufrieden stellbare Fress-Horde.


So, und bei all dem habe ich noch nicht einmal den Multiplayer-Modus eingerechnet. Selbst wenn dieser Modus schlechter wäre als Hour of Victory: Das würde doch keinen interessieren. Was es im Spiel gibt ist geil.

Und, wie ich aktuell nicht überprüfen kann: Im Multiplayer-Modus steckt anscheinend echt Mühe und er verdient mindestens ein „nicht schlecht“ – das sollte man dem Spiel gefälligst anrechnen, anstatt damit seinen Durchschnitt herab zu ziehen.

Also, liebes Internetz! – stellt das gefälligst mal Richtig. Mass Effect 2 hätte sich beiweitem eine Scheibe von Dragon Age abschneiden können. Und garantiert ist Bioshock 2 nicht mehr als 2% schlechter als Teil 1.

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Written by vetaro

16. Februar 2010 um 10:06 pm

2 Antworten

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  1. Muss dir vollkommen recht geben.

    atze

    29. März 2010 at 12:06 pm

  2. was soll ich sagen, das gameplay hat sich verbessert, das storytelling verschlechtert.
    da ich ein großer fan von „story“ bin, finde ich den 8 punkte-abzug im vergleich zum vorgänger gerechtfertigt. ich finde die story sollte noch viel mehr im vordergrund stehen. ich hätte auch nichts gegen ein bioshock point and click adventure.

    max

    13. Januar 2011 at 4:07 am


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