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Konter-Hype: Mass Effect 2

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Mass Effect 2 gerade durchgespielt (jaja, die Facharbeit ist auch fertig). Es wurde und wird ja ziemlich abgefeiert, aktuell ist es auf Platz 4 der besten Xbox-Spiele bei Metacritic. Aber ich will euch mal was dazu sagen.

Es ist sehr schön, ein Spiel zu beenden, und innerhalb der letzten Stunde insgesamt 315 von 1000 Achievement-Punkten zu bekommen (inklusive „Niemand wird zurückgelassen“ und „Verliebt“). Übrigens hat das Spiel für mich exakt 40 Stunden Spielzeit bis zum 1. Durchspielen gehabt.

Es ist sehr schön, eine Space Opera in Spiel-Form zu haben. Mass Effect 2 ist tatsächlich ein sehr gutes Spiel, das all die bekannten Anforderungen erfüllt. Ich möchte es beiweitem nicht so zu Klump kritisieren wie Oblivion. Aber.

Ich hatte gedacht, die leute bei ME hätten vielleicht mal bei den Leuten von Dragon Age reingeschnuppert und was gelernt. Haben sie aber offensichtlich nicht.

* In Dragon Age fühlte ich mich als Dialogspieler schon wieder fast so ernstgenommen wie in Vampire: Bloodlines. Man hatte meist vier Antwortmöglichkeiten, die oft in unterschiedlichste Richtungen gingen.

In Mass Effect kann man grundsätzlich Dialoge ignorieren, indem man den Stick nach rechts oben gedrückt hält und X drückt bis der Dialog fort ist. Rechts oben ist nämlich praktisch immer die „Sag etwas freundliches“-Option, auch wenn sie beim ersten Blick unfreundlich aussieht.

(Warum die „Überspringen“-taste und die „Auswählen“ taste auf dem gleichen Button liegen, kann ich immer noch nicht richtig begreifen. Man wählt dadurch andauernd ungewollt eine Antwort aus! Entweder, die Entwickler wollen damit verhindern, dass man zu viel überspringt, oder sie wissen, dass viele Spieler keinen Bock auf die Dialoge haben und nur rechts oben und X drücken.)

Es gibt an keiner Stelle ein ernsthaftes Dilemma. Es gibt grundsätzlich nur die Wahl zwischen „Mach was nettes“ und „Mach was unfreundliches“.
Es stellt sich nie heraus, dass der Entführer in Wahrheit eine Familie zu ernähren hat und man ihn nicht einfach so töten kann.
Man kann nie durch eine überraschende Antwort aufdecken, dass jemand einen eigentlich bescheisst. Man kann niemals Dialogmäßig die Eier auf den Tisch legen und sich durch ein Gespräch schlängeln, wie das Bloodlines immerzu und Dragon Age wenigstens manchmal hatte.

Noch schlimmer übrigens: An einigen stellen kommt man nur dann positiv aus der Situation, wenn man vorher oft genug „Gut“ oder „Böse“ gewählt hat – ansonsten sind gewisse Gesprächsoptionen ausgegraut. Das ist nicht clever oder sonstwas – es bedeutet nur, dass man vorher einen Guide lesen muss, welche Missionen man lieber später macht, weil man sonst in ihnen verkacken wird.

* Und wisst ihr was? Es ist absolut egal, welchen Weg man einschlägt. Ehrlich.

Ob man nun die blaue „Ich bin gut und überzeuge euch mit meiner Güte“-Methode oder die rote „Ich bin böse und überzeuge euch mit meiner Bösartigkeit“-Methode wählt. Es gibt ein paar mal coole situationen, in denen man wie Han Solo zuerst schießt, bzw. wo man seine Lieblingscharaktere in den Arm nimmt und sie tröstet (Jaja, ist unmännlich, ihr eindimensional denkenden Männer).

Aber letztendlich ist es absolut egal, ob man dem Mann im Verhörraum ordentlich eine reinhaut oder ob man ihn nur ernsthaft verhört. Er gesteht eh. Es ist oftmals einfach ein witz, dass einem eine Wahl gegeben wird. Als Guter schaltet man einen großen Bildschirm aus, als Böser schießt man hinein.  Mir ist keine Situation bekannt, wo man ernsthaft einen Einfluss hätte. Egal ob man „Ich habe es, her mit der Belohnung“ oder „Hier ist ihr Foto wieder“ auswählt, man gibt das Ding eh ab.

Am Ende von Dragon Age gibt ungefähr 50 kleine Details, die durch die Taten des Spielers beeinflusst werden. Selbst Nebencharaktere, denen man geholfen hat, werden dort erwähnt.

Nichts davon gibt es bei Mass Effect. Was natürlich nur weiter unterstützt, dass man sich nicht ernsthaft darum schert, was die Leute einem zu sagen haben. Weil es eh egal ist.

Thane ist die coolste Sau.

* Die Teammitglieder sind nicht mehr so sympathisch. Das ist natürlich nur meine Meinung. Ich habe aber das gefühl, das ganze Team sei vollgestopft mit bösen, brutalen oder von Bösen angeheuerten Leuten.

Nur drei Charaktere fallen mir sofort ein, die mehr als drei Charakter-Eigenschaften haben bzw. die nicht ein eigener Stereotyp sind.

Ansonsten haben wir den Aggressiven Schläger, den professionellen Kopfgeldjäger, das einzelgängerische Wunderkind, die aufgeblasene Machthaberin und den zweiten Anführer. Toll, ich bin fasziniert. Das sind tiefgründige und neuartige Konzepte. -.-

* Der Unbekannte erscheint einfach aus dem Nichts, wird für dieses Spiel dein Chef und gibt dir Aufträge. Er hat praktisch keinerlei Persönlichkeits-Eigenschaften (ausser, dass er moralisch zweifelhafte Pläne hat), es wird während des Spiels absolut nichts über ihn bekannt und am Ende schwört man ihm natürlich ab. Damit man in Teil 3 wieder einen neuen Aufhänger haben kann. Ob Shepard im nächsten Teil endlich mal autonom handelt, oder ob er sich wieder einem Typen unterwirft dem er nicht traut, den er blöd findet und der anscheinend keinerlei Macht über ihn hat?

* Blue Suns und das Blood Pack. Zwei gruppen von Söldnern, die offensichtlich deshalb meine wahrscheinlich häufigsten Gegner im Spiel sind, weil die Spielmacher eine ausrede brauchten, warum überall irgendwelche Typen rumlungern, die dir den Arsch wegschießen wollen und gleichzeitig in Massen verfügbar sind. Und soweit ich weiß spielen die beiden im Vorgänger-Titel entweder die Rolle einer Randnotiz oder existieren gar nicht. Ist das nicht der gleiche trick wie mit dem Unbekannten, einfach was ausm Hut zusammengekratzt?

Achja, und sind die Spieler tatsächlich so blöd, dass man die Blue Suns alle blau anziehen muss, und das Blood Pack immer Rot?

* Charakterentwicklung ist immernoch ein Witz. Naja, wahrscheinlich wird sich das auch nie mehr ändern. Teammitglieder haben jetzt 4 Fähigkeiten, die sie bis zu Level 4 erhöhen können.
Bis zum Ende des Spiels hat man aber ohnehin genug gelevelt, dass man höchstens auf eine dieser Fähigkeiten verzichten muss, und meistens ist es die langweilige passivbonus-Fähigkeit (die nur bei wenigen Teammitgliedern ‚was taugt).

* Keiner im Spiel interessiert sich für mich. Vielleicht erwarte ich ja ein bisschen zu viel, aber die einzigen Leute, die im Spiel irgendwie ernsthaft anerkennen, dass ich mal das fucking Universum gerettet habe, sind Verkäufer, die mit mir Werbung machen wollen („Ich bin Commander Shepard und dies ist mein Lieblingsgeschäft auf der Citadel“) und ein Typ, der mich verkaufen will. Toll, vielen Dank.

* Dieser Punkt ist ein Spoiler. Markieren um ihn zu lesen. Okay, Hallo? Die Megabösen wollen alle Menschen entführen, um damit einen gigantischen Terminator zu bauen? (Spoiler-Link zu einem Bild davon) Und er hat deshalb die Form eines Menschen, weil für die Konstuktion Menschen gebraucht werden? Faszinieren-GÄHN!  Soll das ein Story-Twist sein? Die Große Enthüllung? Der Endboss ist ein riesen-Frankenstein, der so Groß ist dass man ihn nur bis zur Hüfte sieht, und um ihn zu besiegen, muss man auf die leuchtenden Behälter und dann auf seine Augen schießen?

Ich kann ja euer Bedürftnis verstehen, das Spiel damit enden zu lassen, dass man etwas wirklich großes zu Klump schießt, aber ich fand den Showdown in Teil 1 schon ganz gut, und da klappte es auch ohne so eine Witzfigur. Statt dessen durfte man endlich seinen Antagonisten besiegen!

Und Menschen werden in großen, Leichensack-Artigen Behältern betäubt aufbewahrt, die vorne dran transparent sind? Hab ich ja noch nie zuvor gesehen! Oh halt, hab‘ ich doch, und zwar das erste mal als ich 12 war und Beyond Good and Evil gespielt habe (Noch ein Spoiler-Link)! Achja. Und einen riesengegner den ich nur bis zur Hüfte sehen kann habe ich am Ende von BG&E auch besiegt!

* Okay, und jetzt noch zuletzt: Man darf gerne über Mass Effect 2 aufgeregt sein und sich freuen. Es ist aber nicht superviel besser als Teil 1. Tatsächlich hat es nur in einigen naja-Bereichen Verbesserungen angebracht, und zum allergrößten Teil ist es einfach nur mehr des Gleichen. Des gleichen Guten, ja, aber kommt mal wieder auf den Teppich ey.

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Written by vetaro

14. Februar 2010 um 2:17 pm

6 Antworten

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  1. Ich hätt jetzt erwartet das, sobald ich den Text lese Horden empörter ME2-Fanboys and -girls bereits ihr Entsetzen kund getan hätten.

    kopfproll

    14. Februar 2010 at 7:38 pm

  2. Hasse fein ge-gendert

    vetaro

    14. Februar 2010 at 10:27 pm

  3. Eine sehr persönliche Review. 🙂

    Yitu

    15. Februar 2010 at 11:19 am

  4. […] den bereits genannten Kritikpunkten an der Logik von Mass Effect 2 fällt mir nur noch ein kleiner an: Warum hat die Normandy knapp 30 […]

  5. ich persönlich bin ein riesiger mass effect 2 fan , aber bei den von dir angesprochenen kritikpunkten muss ich dir schon zustimmen ,hab mir selbst auch schon gedanken über diese probleme gemacht . hut ab vor deiner analyse ! (obwohl ich nicht den eindruck hatte,dass Tali gefühlslos sei 😀 )

    max

    21. Dezember 2010 at 5:23 pm

  6. […] kommt, dass Bioware es schon wieder gemacht haben. Hab ich’s nicht schon bei Mass Effect gesagt? Hab ich. Die Option 1 ist praktisch immer „irgendwas nettes sagen“. Was auch immer man […]


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