Hu

Weil neues eben Scheisse ist.

with 6 comments

„Jede Technik, die man bis zum fünfzehnten Lebensjahr kennenlernt, ist völlig normal und gehört zum Lauf der Welt einfach dazu.
Jede Technik, die zwischen dem 15. und dem 35. Lebensjahr aufkommt, ist eine spannende Bereicherung.
Jede Technik, die später aufkommt, ist ein verdammungswürdiges Werk des Teufels, das uns alle in den Abgrund reissen wird.“

(Frei nach Douglas Adams)

Ich habe gerade einen Text gefunden, der mein Leben kiloweise bereichert. Kathrin Passig, die zusammenfasst, mit welchen Standart-Methoden neue Technologien kritisiert werden – und zwar alle Technologien.

Der Text ist lang, aber man sollte ihn sich unbedingt antun. Die Kritik-Stufen kann ich aber mal eben zusammenfassen. Im Lauf von etwa zehn Jahren geht die Öffentlichkeit etwa diese Schritte für jedes neue stück Technik durch:

1. Das ist unnötig
2. Das will doch keiner
3. Das will doch kaum einer – und die Wenigen die’s wollen, tun damit Schlechtes
4. Das ist bald wieder vorbei
5. Das wird eh keine Auswirkungen haben
5,a Das ist doch nur eine Spielerei
5.b Damit lässt sich kein Geld verdienen
6. Naja, es funktioniert, aber
7. Schwächeren Leuten tut das nicht gut
8. Das öffentlich zu benutzen gehört sich nicht
9. Wegen dem Ding können wir jetzt schlechter Lesen/Denken/Schreiben

Aufgabe: Sucht euch eine relativ neue Technik raus und überlegt mal, was euch dazu an Kritik einfällt. Das ist richtig unterhaltsam.

Ein ganz aktuelles Beispiel hier im Blog: J2k, der zu meinem Twitblog die Argumente 1 und 4 heranzieht: „…das meistüberschätzte Kommunikationsmedium des 21. Jahrhunderts, und wird […] auch recht schnell wieder verschwinden.“

Ich werde mich jedenfalls bemühen, mir diese Reihenfolge einzuprägen. Einerseits, damit ich selber diesen Fallen ausweichen kann.
Und andererseits damit ich, wann immer mal wieder eines dieser Argumente (die sich übrigens, wie die Geschichte zeigt, nur zu gerne faszinierend schnell als falsch heraus stellen) hervorgezogen wird, den Leuten sagen kann, dass sie in eine alte, Gesellschaftliche Falle getappt sind. Denn ich bin ein grässlicher Klugscheisser 😀

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Written by vetaro

4. Dezember 2009 um 4:11 am

6 Antworten

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  1. Sehr interessant. Ich frag mich immer, warum besonders älter Leute (meine Eltern zum Beispiel) meist kinderleicht zu bedienenten Dingen grundsätzlich ablehnend gegenüber stehen. Internet, Sms schreiben & so. So möchte ich nie nie nie werden.

    Lorghi

    4. Dezember 2009 at 11:57 am

  2. Steht im Artikel, musst du nur lesen.

    vetaro

    4. Dezember 2009 at 1:59 pm

  3. 😀 Das Fazit ist am schönsten xD genau deshalb wollte ich heute oder morgen einen Artikel über Kultur schreiben hrhr damit ich allen leuten die Kultur als argument verwenden damit verbal eins aufn deckel klatschen kann^^

    thoughttankandthetelescreen

    4. Dezember 2009 at 2:48 pm

  4. Bitte entschuldige den Doppel-post^^ aber der Text ist doch ein wenig einseitig, muss ich sagen. Es gibt sicherlich auch sehr gute Gegenbeispiele, z.B. dafür dass Sachen, von denen man sagt „das ist unnötig“ tatsächlich unnötig sind. Ich habe beispielsweise noch nicht davon gehört, dass der Dildo, den man an den Ipod anschließen kann, um keine Batterien zu brauchen, erfolgreich war. Natürlich lassen sich die genannten Argumente leicht ins lächerliche ziehen, wenn man nur Technologien, die sich durchgesetzt haben, nennt. Bei vielen Dingen, die sich nicht durchgesetzt haben, waren einige der Argumente sicherlich einer der Hauptgründe.
    Womit ich natürlich nicht bestreiten will, dass die Aussagen des Textes auf andere Dinge (wie halt das Internet) bezogen durchaus richtig sein können.
    Trotzdem ist nicht jedes der genannten Ergebnisse gleich falsch, sonst bräuchte man ja bloß was erfinden und wäre damit irgendwann steinreich, egal was man erfindet.

    thoughttankandthetelescreen

    4. Dezember 2009 at 3:27 pm

  5. Es geht ja auch gar nicht um die Falschheit. Sondern darum, dass – auch bei Sachen die sich nicht durchgesetzt haben – immer in einer bestimmten Reihenfolge diskutiert wird.

    Zum Beispiel als die Waschmaschine erfunden wurde (und sie erstmal jahrzehntelang erfolglos war) hätte ja niemand gesagt „sowas zu benutzen gehört sich nicht“ oder „handwerklich ungeübten Menschen wird das nur weiter zur unfähigkeit verhelfen“.
    Das sind zu fortgeschrittene Punkte, die Leute fangen immer erst mit den früheren Kritikpunkten an.

    vetaro

    4. Dezember 2009 at 6:04 pm

  6. […] ich bin deswegen nicht aufgeregt, und wenn da nicht noch irgendwelche Features hinzu kommen, sehe ich nicht so recht, inwiefern dieses Gerät in Jedermanns Tasche gehören oder den Journalismus retten […]

    Kurzblog 2 « Hu

    31. Januar 2010 at 10:05 pm


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