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Sonicblog: Unleashed – nicht mehr hirnlos, nur schlecht

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Habe jetzt Sonic Unleashed durchgespielt. Wenn die Entwickler in dieser Geschwindigkeit ihre Spiele weiter verbessern, haben wir in 10 Jahren ein akzeptables Spiel.

Über das Spiel an sich gibt es genug Kritiken, Sonic Unleashed ist ja immerhin nicht neu. Sucht euch irgendeines hiervon raus das euch gefällt. Ich fasse nur mal kurz die entscheidenden Änderungen zusammen:

* Sonic steuert sich hauptsächlich zweidimensional. Manchmal altmodisch von der Seite, manchmal mit einem Schulterblick – sodass man sich nur um Links/Rechts Kümmern muss. Das ist eine Verbesserung gegenüber allen vorherigen 3D-Sonicspielen, in denen man sich komplett frei bewegen konnte.

* Were-Sonic läuft durch die Gegend und haut niedliche Albträume zu brei. Das lässt sich sehr, sehr flüssig steuern. Als Were-Sonic bin ich kein einziges mal wegen blöder Steuerung irgendwo runtergefallen oder ärgerte mich über seine Bewegungen.

* Die Furry-Charakterliste ist ordentlich zusammengestrichen. Knuckles, Silver, Cream, Shadow, Rouge und die anderen ca. 32 Charaktere aus Sonic Heroes kommen nicht einmal mehr vor. Etwa vier Minuten im Spiel trifft man auf Tails und Amy, die anderen sind anscheinend einfach alle dem genozid zum Opfer gefallen.

Das schlechteste Sonic-Spiel jemals ist wohl Sonic Adventure. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, wie dieses Spiel jemals veröffentlicht werden konnte. Die Macher müssen verblendet oder verzweifelt gewesen sein, denn eigentlich jeder Aspekt des Spieles war grausig.

Unter anderem verbrachte man etwa 1/8 der Zeit damit, als Sonic in Leveln rumzurennen, und das war dann meistens Scheisse.

Ein drittel des Spieles war man dafür in Stadt-Leveln unterwegs und durfte mit der Steuerung kämpfen: Sonic beschleunigt nämlich sehr stark, kann aber schlecht wenden. Man kennt das aus Zelda, in Eis-Rätseln: Man rennt einfach so lange, bis man gegen eine Wand läuft, und dann darf man sich umdrehen und in die nächste Richtung gen Wand.

Und das hat sich auch nicht verändert: Ein Drittel des Spieles ist man in der Stadt und rennt meistens gegen Wände. Das zweite Drittel ist man Werehog und haut Gegner kaputt. Darüber kann man sich beschweren, ich mache es aber einfach mal nicht, weil dieser Teil des Spiels nämlich funktioniert und in Ordnung ist. Der Fehler liegt dann nämlich doch wieder im letzten Drittel: Den Sonic-Leveln.

Werehog-Level bringen einen dazu, beim Spielen immerzu "Bäätz, Bäätz" zu sagen.

Was Team Sonic nämlich immernoch nicht gerafft hat ist folgendes: Man stößt andauernd an die Grenzen des vorgegebenen Raumes.

Es gibt immer genau eine ideale Lösung, um Situationen zu durchgehen. Manchmal kann man den Pfad wählen, aber wehe man sieht nicht genau vorher, was die Entwickler im Folgenden von einem erwartet haben.

Ein geniales Beispiel ist das Eis-Level. Man beachte einfach mal, woran der Spieler hier ab 2:50 stirbt.

Die häufigste Todesursache für mich im gesamten Spiel ist wohl „Ich war zu schnell, und dann kam eine Kurve, und dann flog Sonic aus der Bahn und mitten in den 2D-Hintergrund in einen endlosen Abgrund“. Stellen wo man das Gefühl hat, so sollte Sonic einfach nicht sterben, das ist irgendwie sinnlos und Scheisse. Man fühlt sich von dem Spiel betrogen: Man scheitert nicht etwa an der Herausforderung an sich, sondern am schlecht designten Level.

Das Spiel ist übrigens zugepflastert mit Quicktime-Events. Drücke jetzt schnell A B X RB LB!  Und jetzt X! Und jetzt A! Die epischste Tat im Spiel, praktisch das letzte, was man vor dem Abspann macht, besteht darin, 60 mal die Y-Taste zu drücken. Ja, ich fühlte mich auch wie ein wahrer Held.

Ich hasse Sonics neuen Sidekick. Ich kann verstehen, dass man Level mit Sonic als Werehog haben möchte, weil die Zielgruppe das geil findet. Ist okay. Aber: Weshalb muss man Tails, der ja anscheinend total in Ordnung ist, vom Sidekick zum Mega-Nebencharakter machen und statt dessen das hier an seine Stelle pflanzen?

Vielleicht muss ich das kurz erklären: Chip wird ohne sinnvolle Erklärung ins Spiel geworfen. Er und Sonic bleiben beisammen, weil die Story das halt so will und man das mit Freunden halt so macht. Chip hat absolut keine Relevanz für Irgendetwas im gesamten Spiel! Es geht sogar so weit, dass er nur in den Stadt-Leveln blöd hinter Sonic her flappert und nicht einmal etwas zu den Gesprächen beizutragen hat.

Man hätte ihn mühelos durch Tails ersetzen können, und es wäre sinnvoll gewesen! Der arme taucht nämlich echt kaum auf, und soweit ich weiß erfreut er sich immernoch hoher beliebtheit. Habe ich schon erwähnt, dass Chip keinerlei Persönlichkeit hat? Er kommt aus der „Seelenlose und egale Maskottchen-Sidekicks„-Fabrik, aus der auch Scooby Doo, Jar-Jar Binks und der Papagei der drei Fragezeichen stammen.

Alle hassen dich, Chip!

Die einzige Relevanz zeigt sich darin, dass Chip die Chaos Emeralds wieder mit Energie aufladen kann und zuletzt die Ruinen, in denen das geschah, zu einem Megazord (sic!, siehe Unten) zusammenschließt. Das heisst aber nicht, dass er wichtig wäre: Hätte man ihn einfach entfernt, wäre das ganze wahrscheinlich noch plausibler geworden, denn ein egales Langweilmaskottchen als Hüter der Superkräfte ist halt irgendwie nicht so sinnvoll.

Ich habe das Spiel nach 10 Minuten auf Japanisch gestellt und die Untertitel ausgeschaltet. Nur so ließ sich Chip noch ertragen, der endlos scheisse laberte, die keinen interessiert. Wenn man nur noch „Bla bla Jakite ono hejano gakiro“ hört, kommt man damit klar.

Hab‘ ich schon erwähnt, dass die Handlung aus „Eggman befreit eine superböse Monster-Energie und Sonic sammelt die Kraft der Chaos Emeralds, mit denen er das Monster zuletzt besiegt“ besteht? Und diese faszinierende Handlung wird einem in endlosen Videosequenzen und Dialogen klargemacht, weil sie so schwer zu überblicken ist.

Willkommen in Klischeehausen. Natürlich wohnen Afrikaner in Lehmhütten!

Übrigens sieht Sonic relativ zu den anderen Spielen wieder cooler aus. Der Grund: Alle Menschen, von denen gibt es im Spiel immerhin 100, sehen aus wie Parodien ihrer selbst. Da strahlt der Igel richtig hervor.

Aus irgend einem Grund hielten es die Macher des Spieles desweiteren für eine sinnvolle Idee, die Länder der echten Welt mit denen im Spiel zu verwirren. So liegt zum Beispiel „Spagonia“, eine Art Frankreich-Italien-Europaland, irgendwo zwischen Russland und China.
„Shamar“, das Ägypten-Islamland (ist ja eh alles das gleiche) ist mitten in nordamerika, und „Empire City“, das für New York steht, liegt irgendwo in Venezuela oder Brasilien.
Oh, und das China-Äquivalent wurde übrigens der Einfachheit halber auf einen neu erfundenen Kontinent gestopft.

Das wäre ja alles gar nicht so verwirrend, wenn man wenigstens konsequenterweise den kompletten Planeten entstellt hätte oder es irgend einem System folgen würde. Aber der Nordpol und Afrika sind korrekt eingeordnet, und man kann die beiden größten Landmassen immernoch deutlich als Eurasien-Afrika und Amerika erkennen!

Um das Spiel zu genießen sollte man vielleicht ähnlich wie mit Transformers 1 verfahren: Man besucht einen Freund, der das Spiel durchgespielt hat, und der lässt einen einfach alle wichtigen Sonic-Level der Reihe nach durchspielen (ausser den Eislevel, der ist scheisse).

Frage: Wie wird Sonic zum Werehog? Nun. Dr. Eggman hat da eine Maschine, mit der er Sonic in diesen Zustand bringt. Ist ja auch ’ne gute Idee: Geben wir unserem einzigen Gegenspieler doch mal halbtäglich die Kraft von 10 starken Männern. Weiter wird auf das Problem nicht eingegangen, und gelöst wird es erstrecht nicht. Wegen Teil 2 und so.

Ein letztes noch: Der Endkampf ist lahm. Man steuert auf einmal eben diesen blöden Tempel-Megazord, der von dem blöden Maskottchen zusammengesetzt wird. Aber anstatt dass jetzt richtig die fetzen fliegen, gibt’s Action in Zeitlupe. Und damit möchte ich diese Besprechung auch beenden: Sonic Unleashed ist immernoch schlecht, aber wenigstens nicht mehr auf Übelkeits-erregende Weise.

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Written by vetaro

30. November 2009 um 11:34 pm

Veröffentlicht in Spiele

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Eine Antwort

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  1. Gegen das Eislevel spielt sich Mirror’s Edge ja von ganz allein… Oo“

    Achja: Alle hassen dich, Chip! 😀

    Kostja

    1. Dezember 2009 at 11:19 pm


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