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Mehr Gedanken zu Silent Hill (2)

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Habe gerade Homecoming komplett durchgespielt. 1000 von 1000 Achievement-Punkte. Alle Enden. Fertig. Und ich glaube, ich muss nochmal erklären, warum das Spiel nicht super-super ist. Anhand von Silent Hill 2, einem der besten Spiele aller Zeiten (exklusive Zukunft).

Zuvor hatte ich das Thema ja nur angeschnitten. Ich habe Silent Hill 2 nie gespielt – ich habe nur Marko Korn dabei zugesehen. Und mich weiter informiert. Der folgende Text sollte nur gelesen werden, wenn man entweder Silent Hill 2 schon selber gespielt hat, oder sonstwie schon weiß, wie es ausgeht, weil ich euch sonst alles für immer verderbe. Also, hier kommt’s:

Die Hauptfigur von Silent Hill 2, James, fährt nach Silent Hill, weil er einen Brief von seiner Frau erhalten hat, die ihn an ihrem alten Lieblingsplatz in der Stadt treffen möchte. Leider ist die Frau seit vier Jahren tot.

Als Spieler weiss man zu Beginn noch nichts über James – aber alles was im Spiel geschieht, ist dazu gedacht, eine bestimmte Erkenntnis über ihn zu ermöglichen.

Die Wahrheit ist, dass James Frau nicht seit vier Jahren tot ist. Sie hatte vier Jahre lang eine schwere Krankheit. Sie war Bettlägerig und brauchte ständige Aufmerksamkeit – konnte aber nichts zurückgeben. James kümmerte sich um sie, fühlte sich aber mehr und mehr von ihr eingeengt.

Seine Frau hatte wilde Stimmungsschwankungen, wurde Aggressiv und weinerlich, und machte ihm Vorwürfe. James konnte sich nur noch in Fantasien über andere Frauen ergehen – verheiratet, mit einer todkranken Frau, konnte er natürlich nicht einfach eine Neue haben.

Und eines Tages kam James zurück in ihr Zimmer, nahm ein Kissen, und erstickte sie. Einfach aus Eigennützigkeit, um wieder sein altes Leben zurück zu haben. Er verdrängt die Tat, rationalisiert sie, und behauptet, seine Frau wäre schon seit vier Jahren tot. Und sehr bald danach schreibt ihm Silent Hill diesen Brief, um ihn in die Stadt zu locken, und ihm die Wahrheit zu zeigen.

James trifft mehrere Leute in der Stadt – unter anderem eine Frau, die ähnlich wie er von der Stadt hergelockt wurde, und von ihr mit eigenen Dämonen gejagt wird, um sie dazu zu bringen, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen.

Ein kleines Mädchen, das entschlossen zu sein scheint, dass James böse ist – und, dass James Frau nicht seit vier Jahren tot ist. Sie scheint völlig unbesorgt zu sein: Sie ist so unschuldig, wie man als kleines Mädchen wohl sein kann, in der Stadt gibt es keine Monster für sie.

Ausserdem trifft er Maria, die aussieht wie seine Frau Mary – in Sexy. Wie er sie sich immer vorgestellt hat. Sie scheint ihn auch verführen zu wollen, und durchlebt Stimmungsschwankungen über Wut und Trauer, wie James tote Frau.

Und einen unbeherrschten Jungen – er hat Leute getötet, weil sie ihn schräg angeschaut haben. Wie James ist er ein Mörder, wie James will er es nicht wahr haben. Zuletzt streiten sich die beiden – und James muss ihn erschießen.

Die Stadt lenkt James: Wege sind versperrt, Türen für immer verschlossen. Oftmals muss er rätsel lösen – die, wenn man die Wahrheit kennt, einen sehr hohen Symbolwert haben und James klar machen sollen, was die Wahrheit ist. Er wird durch die Stadt geleitet – zum Beispiel in das Krankenhaus, und eben an den See, Orte von Relevanz für die beiden.

Und natürlich bekämpft James Monster.
Solche, die seine Gefühle des Gefangenseins darstellen – wie das Monster in der Zwangsjacke.

Und Monster, die seine unerfüllten sexuellen Wünsche zeigen – wie die kaum bekleideten Krankenhaus-Schwestern, die seine Sexuellen Gedanken darstellen – einige Zeit verbrachten die Beidem im Krankenhaus, wahrscheinlich dachte er also auch an die dortigen Schwestern.

Dieses Bild stammt aus dem Silent Hill-Film, das ist aber egal.

Und dann ist da natürlich noch Pyramid Head. Dieser Herr ist ein Fleischer, mit einem zwei Meter langen und viel zu schweren Schwert, und einem Kopf in der Form einer langgezogenen, aggressiven Pyramide. Der Pyramid Head folgt James. Er ist sein ganz persönlicher Feind, nur für ihn. Er tötet mehrfach Maria, die eine bedeutende Ähnlichkeit mit James‘ verstorbener hat. Und er wird mehrfach gesichtet, wie er äußerst sexuelle Handlungen an den weiblichen Monstern vollführt.

Pyramid Head ist die Methode von Silent Hill, um James mit einem ganzen Zaun ins Gesicht zu schlagen und zu brüllen: Du bist ein Mörder! Gib es zu! Gib es zu Gottverdammt!

James rennt nur vor dem Monster fort. Als er den Jungen tötet, werden es zwei Pyramid Heads – James hat zwei Morde auf dem Gewissen. Erst als er der Wahrheit ins Gesicht blickt, kann er sich auch den Pyramidenköpfen stellen, und sie töten.

Abhänging davon, was James tut, verändert sich der Ausgang der Handlung. Es gibt keine Optionen, in Gesprächen offensichtlich freundlich oder Böse zu sein. Wenn James auf Maria trifft, muss er eine ganze Weile mit ihr gemeinsam gehen. Das Spiel beachtet, ob der Spieler auf Maria wartet und darauf achtet dass ihr nicht geschieht, oder ob er von ihr weg rennt, oder sie sogar schlägt.

Das Spiel beachtet, ob man den Brief von Mary liesst, also „an sie denkt“. Es beachtet, ob man sich schnell heilt, wenn man verletzt ist. Es hat ein Auge darauf, ob man Monstern ausweicht und vor ihnen flieht, oder ob man sich ihnen stellt und sie zu Boden metzelt.

Und abgesehen davon was geschieht, endet das Spiel. Im besten Fall darf James seine Frau ein letztes mal sprechen, um sich bei ihr zu entschuldigen, und von ihr einen Brief zu erhalten, in dem sie ihm verzeiht. Danach verlässt er die Stadt, und wahrscheinlich adoptiert er das kleine Mädchen.  In einer anderen Version – sollte James sich nicht schnell geheilt haben, also „leiden“ wollen – fährt er mit seinem Auto in den See, und ertränkt sich, um im Tode bei seiner Frau zu sein.

Er kann sich sogar mit dem Mary-Double zusammen tun, und mit ihr den Ort verlassen. Es scheint allerdings ein schein-Ende zu sein: Das hier sieht eher danach aus, als würden sich die Ereignisse nur noch wiederholen.

Es gibt noch weitere. Es bieten sich so viele verschiedene Möglichkeiten an, wie James mit der Erkenntnis umgehen kann. Psychiatrisch auch vorstellbare Reaktionen.

Und dann steckt da halt noch diese Erkenntnis in dem Spiel: Silent Hill hat ein Bewusstsein. Jeder Besucher der Stadt wird von ihr mit ganz persönlichen Mitteln bearbeitet. Die Stadt hat – auf ihre eigene, höllische Weise – das Ziel, Menschen aus der Verdrängung zu reissen. Es ist eine Entität.

 

All das, alles was ich jetzt gesagt habe, findet in Homecoming nicht statt. Silent Hill hat kein Bewusstsein. Es plant nichts. Keiner der Gegner (ausser Endbossen) hat irgendeine Relevanz.

Es scheint in diesem Spiel so, als ob Silent Hill manchmal auch einfach nur eine Böse Stadt mit Monstern ist, in die der Alex halt zufällig reinrennt, aber besonderes interesse an ihm hat sie nicht.

Und Pyramid Head. Es ist ja so: Der Typ ist der coolste charakter in Silent Hill. Er ist einfach geil. Ich kann es verstehen, dass man ihn überall mal drin haben. Aber: „Silent Hill ist so cool weil da ist Pyramid Head“ klingt unheimlich unreflektiert, hört man aber trotzdem oft. Der Pyramid Head hat ausserhalb von Silent Hill 2 einfach nichts zu suchen.

Ich kann es akzeptieren, wenn er mal vorbei läuft. Denn offensichtlich existieren die Monster ja weiter, und er muss ja nicht sein Leben lang in einer dunklen Ecke stehen. Aber wenn er einfach nur auftaucht, um irgendwen abzuschlachten, wenn er zu irgendeiner Monstrosität wird, vor der man halt weglaufen muss – dann ist er sinnlos angebracht. Das ist so, als würde man etwas kaufen, um etwas gekauft zu haben. Es ist nicht befriedigend. Pyramid Head darf gerne weiter Cameos haben, aber muss man ihn unbedingt als Holzhammer-Charakter einbauen? Er ist kein hirnloser Schnetzler, wie im Film zum Spiel (Der sich übrigens viel Mühe gegeben hat, aber sehr diskutabel ist).

Hier nun als Bonus-Content die Ereignisse von Silent Hill:Homecoming . Man lernt sie in entgegengesetzter Reihenfolge kennen, dies ist also einfach nur ein Spoiler (ohne besondere Relevanz für den restlichen Beitrag). Hiermit möchte ich einfach die Verworrenheit des vorherigen Beitrages ausgleichen und Leuten, die verstehen wollen, wovon ich da gelabert habe, eine Chance geben.

1. Leute aus Silent Hill entscheiden sich, auf der anderen Seite des örtlichen Flusses eine eigene Stadt aufzubauen. Um die bösen Kräfte von Silent Hill zu besänftigen entscheiden sie sich, alle 50 Jahre ein Kind jeder Familie zu opfern.

2. Die Famile Shepherd, die seit der Gründung der neuen Stadt („Shepherd’s Glen – where Family comes first“), hat wie die meisten Familien zwei Kinder. Der Vater hat lange in der Armee gedient. Wie alle Familien wird er seinen Erstgeborenen, Alex, opfern müssen.

Um ihn und sich darauf vorzubereiten, ist er nicht-freundlich zu seinem Sohn. Er, Zitat er selbst, „behandelte sogar den Hund mit mehr Respekt“ und beschränkt sich darauf, seine Grundbedürftnisse wie Essen und Schlaf zu erfüllen. Seinen zweiten Sohn, Josh, behandelt er liebevoll und fürsorglich, wie es sich gehört.

3. An einem Abend, Josh ist gerade etwa 12, belauscht Alex, wie der Vater seinem jüngeren Sohn ein Familienerbstück vermacht. In der selben Nacht weckt er Josh auf und rudert mit ihm auf den See hinaus – wohl aus purem Protest. Die beiden haben auf dem See einen Streit über das Ring-Amulett, das Josh geschenkt bekam. Sie zerren wild an dem Amulett, Josh rutscht ab, schlägt sich am Rand des Bootes Ohnmächtig und fällt ins Wasser. Er ertrinkt.

4. Alex erzählt es seinem Vater in der selben Nacht. Sie fahren wieder auf den See und bergen Josh. Vater ist böse als je zuvor: Immerhin ist sein designiertes Opfer an die Mächte von Silent Hill – das er schon offiziell angekündigt hatte – nun praktisch ein Mörder. Und der Sohn, den er behalten wollte, ist tot.

5. Sobald wie möglich wird Alex in die Psychiatrie von Silent Hill versetzt. Hier beginnt das Spiel – und ich kann letztendlich nicht genau sagen, welche Teile des Spieles wirklich geschehen, und welche nicht – oder ob Alex überhaupt nie die Heilanstalt verlassen hat. Was in Silent Hill geschieht, passiert nunmal für jedermann ganz persönlich.

Zu den Spiel-Enden:

Es gibt fünf verschiedene Ende-Videos. Sie sind die Mühe an sich eigentlich nicht wert. Im besten Fall akzeptiert Alex den Tod seines Bruders, trifft draussen seine Begleiterin Elle, und die beiden gehen weg (wahrscheinlich, um ein funktionierendes Leben zu führen).

Im zweiten Fall findet sich Alex in der Psychiatrie wieder, und wird mit Elektroschocks bearbeitet. Dieses Ende deutet darauf hin, dass er das Gebäude nie verlassen hat, und alle Ereignisse des Spiels in seinem Kopf geschehen.

Im dritten Fall findet Alex sich in der heimischen Badewanne wieder – und sein Vater kommt, und ertränkt ihn. Dies ist das „wie die Stadt es gerne gehabt hätte“-Ende.

Dann gibt es das Alien-Ende – wie in allen Silent Hill-Teilen: Alex wird einfach von Aliens entführt. Allerdings nicht so cheesy wie in den anderen Teilen.

Und das schlimmste Ende ist das folgende: Alex wird von zwei Pyramid Heads zu einem weiteren Pyramid Head gemacht. Dieses Video gefällt mir qualitativ einfach am besten.

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Written by vetaro

15. November 2009 um 9:57 pm

Veröffentlicht in Spiele

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2 Antworten

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  1. […] Atlas zu folgen!” – Das ist ein einmaliges Erlebnis, ähnlich wie die Offenbarung in Silent Hill 2. Das wiederholt man nicht einfach […]

  2. […] jemand im Spiel Interesse an deinem Handeln haben wird. Denkt hier auch an das Positivbeispiel Silent Hill 2, wo alles mögliche Relevant ist, ohne dass einem das mitgeteilt […]


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