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Oblivion IV

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Einmal noch. Ich kann einfach nicht anders, ich muss einfach mit Oblivion abschließen. Hier kommen meine finalen Worte zu diesem wahrhaft zweitklassigen Spiel, und ein paar zu einem deutlich besseren Spiel.(Oblivion Teil I, Teil II und Teil III )

Sorry Kostja, es liegt mir einfach zu sehr auf der Seele. Ich habe jetzt alle Gilden- und Story-Missionen in Oblivion beendet (und damit bei sechs Spielen 100% der Achievement-Punkte gesammelt, ich Held), und nachdem ich mich bereits über das Leveling, Gespräche, Kämpfe, Magie, Atmosphäre, den Mangel an Persönlichkeit bei NPCs und der Spielfigur und die blödheit der Quests ausgelassen habe, kommen jetzt die finalen Schläge.

1. Stellt euch vor, man schriebe alle Quests die es in Oblivion gibt auf eine große Liste.

Und dann radierte man alle Quests wieder weg, deren Inhalt es ist, mit jemandem zu sprechen, jemanden zu töten oder etwas zu beschaffen, ohne dass dabei etwas besonderes passiert, irgend ein Twist vorkommt oder man davon emotional mitgerissen würde.

Die Liste würde keine 10 Zeilen füllen.

2. Mir wurde ausdrücklich empfohlen, die Diebes- und Assassinengilde zu spielen. Hab‘ ich gemacht.

Ein sehr großer Anteil der Quests in der Assassinengilde besteht aus: „Ey, da ist so ein Typ. Geh mal da hin und leg‘ den um.“ Und dann geht man da hin, kämpft mit der Person, gewinnt, fertig.

Eine Quest sticht besonders dadurch hervor, dass man im Haus eines Opfers auf eine bestimmte Uhrzeit wartet, zu der die Person immer an einem bestimmten Platz sitzt. Und dann löst man den Halter seines Kronleuchters, der den Mann erschlägt. Das ist eine interessante Idee. Blöderweise ist diese Quest ziemlich allein auf weiter Flur.

Und die Handlung? Nun, unwissend tötet man zuletzt die Anführer der Assassinengilde, wodurch man schon alleine weil man sie besiegt hat deutlich aufsteigt – natürlich wird man in der Mördergilde nicht dafür bestraft, jemanden umgebracht zu haben. Und dann trifft man sich mit einigen hochrangigen Mitgliedern der Gilde und teleportiert sich in ihr Heiligtum, wo man die Schutzheilige der Meuchelmörder trifft, von der man zum Gildenoberhaupt ernannt wird.

Das wäre deutlich cooler gewesen, wenn ich nicht während dieser Quest unheimlich wütend gewesen wäre über einen völlig anderen Sachverhalt:

Als mir gesagt wird „Wir teleportieren uns jetzt da hin“ dachte ich: Cool, endlich mal aufregende Grafikeffekte, Warptunnel oder wenigstens blinkende Lichter. Und dann sagt man „Okay, los geht’s“ – und bekommt sofort einen Ladebildschirm zu sehen. Bei der Ankunft stehen einfach alle vor Ort da. Das war dermaßen billig und faul gemacht, dass ich mich echt verarscht fühlte. Ich meine, selbst Final Fantasy 1 hätte an der Situation irgendeinen Effekt eingefügt!

Die Diebesgilde? Der Höhepunkt ist hier sicherlich die letzte Mission, in der man in den Turm in der Mitte der Hauptstadt eindringt und eine der Elder Scrolls stiehlt. Hier ist tatsächlich viel Schleichen und Dungeon-durchqueren angesagt.

Viele der anderen Quests sind ebenso von der „Geh‘ mal durch diesen Dungeon“-Sorte, sie haben meist wenig mit Schleichen, Schlösserknacken und Taschendiebstahl zu tun. Bis auf die letze Quest sind fast alle anderen hier sehr un-überraschende, gleichförmige Aufgaben. Sie sind generisch.

3. Ein paar Props kriegt das Spiel dann aber doch: Für die Erweiterung Shivering Isles.

Alle Quests auf der Insel des Wahnsinnsgottes sind spannend und etwas besonderes. Ob man in einem Ritual-Kampf zwischen zwei Seiten die Taktiken der Fraktionen beeinflussen kann, also Hinterhalte, Frontalangriffe und dergleichen beeinflusst, ob man eine Gruppe Abenteurer mit einem Fallensystem in den Wahnsinn treibt, oder ob man eine Insektenhöhle durchquert und dabei mithilfe der Insekten ihre Türen öffnet – Es gibt immer etwas neues, was man nicht schon längst gesehen und gemacht hat.

Obwohl mir die Insel nicht besonders Wahnsinnig vorkommt (ich hatte irgendwie den Eindruck, sie wäre zuerst als etwas völlig anderes geplant worden und man hätte dann einfach „gehört dem Wahnsinnsgott“ draufgeschrieben): Die Inhalte dort sind von deutlich höherer Qualität.

Habe ich ausserdem erwähnt, dass sich dort eine große Menge Leute mit einer Persönlichkeit herumtreiben? Ja, viele der NPCs machen den Eindruck, echte Individuen zu sein. Sie verbringen ihren Tag zwar trotzdem weitestgehend mit Stehen Sitzen Liegen, aber in Gesprächen stellt sich heraus, dass sie Einstellungen und Meinungen zum Leben haben.

Wenn man Oblivion um zwei Drittel kleiner gemacht hätte und dafür nur derartig unterhaltsame Quests eingefügt hätte, wäre ich mit dem Spiel sehr viel zufriedener gewesen.

4. Nochmal, Leveling. Auch hierdrüber komme ich einfach nicht weg. Es erscheint auf den ersten Blick sinnvoll, dass Fähigkeiten besser werden, wenn man sie einsetzt. In der Praxis sieht das aber so aus:

Um ein guter Akrobat zu werden, muss man das gesamte Spiel hindurch springen. Wenn man das etwas beschleunigen will, stellt man sich unter eine niedrige Decke und springt dort 20 000 mal. Ja, so oft muss man springen, um das maximallevel zu erreichen. So wie im folgenden Video ab Minute 1:

Schon von dem Video gelangweilt? Schön, denn der Mann hat 2 Level geschafft, es gibt noch 98 weitere.

5. Diese unsägliche Polizei.  Ich habe immernoch den Eindruck, dass 1/3 der Mühe, die in Oblivion gesteckt wurde, mit dem Polizeisystem zusammenhängt. Überall gibt es Wächter. Wenn sie einen sehen, wie man etwas ungesetzliches macht, kommen sie an und schmeißen einen in’s Gefängnis (wenn man sich nicht wehrt oder freikauft). Das system ist sehr ausgefeilt und ausführlich. Das Problem ist nur: Es ist auch unheimlich nervig, weil es nur begrenzt logischen Regeln folgt.

Wenn man zum Beispiel 1 Meter hinter dem Rücken eines Wächters steht, im Schleich-Modus, und eine Vase stielt, ist das Super-Okay, kein Problem.

Wenn man sich jetzt aber in einem unbewohnten, leeren Haus befindet, im zweiten Kellergeschoss, und man steht aufrecht, während man die gleiche Vase einsteckt, dann kommt die Polizei und sperrt einen weg.

Ich mein ja nur! Ich finde das System unfertig, nervig und nervenaufreibend – abgesehen mal davon, dass man es mit billigsten Exploits ausnutzen kann. z.B.: Im Gefängnis nehmen einem die Wächter alle gestohlenen Sachen ab. Wenn man die Sachen aber auf den Boden fallen lässt bevor man gefangen wird, kann man nach dem Absitzen der Zeit an den Ort zurückkehren und sorglos sein Diebesgut wieder mitnehmen.

Dieses Bild hat keinerlei Bezug zu irgendwas.

6. Achievements. Einer der letzten Punkte. Sie sind natürlich kein Haupt-Kriterium. Aber sie machen schon etwas aus. Die Achievements für Oblivion sind unglaublich lieblos: Einfach die Haupthandlung und alle Gildenquests beenden, fertig.

Es gibt unglaublich viele Achievements, die man statt dessen hätte einbauen können. Von „Freunde dich mit 50 Leuten an“ über „Sammle 1 000 000 Goldstücke“ und „Besiege die Monster-Krabbe“ bis hin zu „Lies alle Bücher über die Städte von Cyrodill“. Noch liebloser sind nur noch die Achievements für Terminator: Salvation.

7. Es gibt keine Sprung-Animation. Wenn man springt, verwandelt sich der Charakter in ein Standbild, das hoch- und dann wieder runter fällt. Ich meine, echt mal: Wie kann man denn sowas vergessen?!
Die Entwickler haben ja offensichtlich ein Animationsteam, und wahrscheinlich auch Spieltester. Fanden sie es nicht wichtig genug? Gingen sie davon aus, dass eh alle in der 1st-Person-Perspektive spielen würden, weil die Animation der Spielfigur sowieso superlächerlich aussieht?

Wie geht das bitte?! Es ist eine fucking Sprung-Animation. Das ist natürlich echt ein Witz, dass ich mich über soetwas beschwere, aber es steht für mich als Symbol für all die anderen Dinge die Oblivion ausmachen: Zu großen Teilen undurchdacht und hingeschlabbert, trocken und unbequem.

8. Und jetzt kommt’s… Ich hab‘ vor ein paar Tagen Fallout 3 – äh, kostenlos bekommen. Und was soll ich sagen? Es hat so unglaublich viele Schwächen von Oblivion vermieden, dass man kaum glauben würde, dass die gleichen Entwickler daran arbeiten. Hier in kurzform:

– Man hat Gesprächs-Optionen. Man kann sich freundlich oder blöd unterhalten, Leute überreden und manchmal kreative Lösungen für Probleme finden. Damit erhält die Spielfigur auch eine Persönlichkeit.

– Es gibt multipath-Lösungen. Man kann entweder jemanden überreden, sich in seinen Computer hacken, durch den Hintereingang rein und seine Unterlagen durchsuchen oder ihm den Haustürschlüssel aus der Tasche stehlen, um an gewünschte Informationen zu kommen.

– NPCs haben eine merkbare Persönlichkeit – und zwar alle. Man hat nicht da Gefühl, dass da schon wieder der Herr „Random Civilian A“ vorbeikommt. Statt dessen ist da drüben Jessie, die superernste Kantinencheffin, und neben ihr steht Greg, der deutlich entspannter zu sein scheint. Ich glaube, weil er irgendwelche Entspannungsdrogen nimmt.

– Man erhält Erfahrungspunkte und kann beim Levelup seine Fähigkeiten verbessern. Nie mehr 20 000 Sprünge gegen die Decke, um besser Springen zu lernen. Es mag weniger logisch erscheinen, dass man Energiewaffen-Experte werden kann, ohne je eine in der Hand gehalten zu haben – aber das System funktioniert besser.

–  Über die Achievements scheint mehr als 1 Azubi länger als 2 Minuten nachgedacht zu haben.

– In einer postapokalyptischen Welt gibt es keine überall anwesende Polizei/Stasi, was eine angenehme Abwechslung ist. Wenn man sich ungebührlich verhält, wird man einfach gelyncht.

Übrigens hatte ich nach dem Intro und aufgrund der stilisierten Zeichnungen erwartet, dass das Spiel mehr im 60er-Jahre-Stil gehalten ist. Ich fürchtete, dass das hauptsächlich dazu gedacht wäre (vorallem das Intro-Video), Bioshock-Fans anzuziehen. Denn, abgesehen von ein paar Liedern und den Zeichnungen ist davon praktisch nichts im Spiel zu finden.
Nagut, könnte man meinen, aber selbst Fallout 1 fing schon in dem Stil an, die Behauptung ist also leider recht haltlos. Die Macher scheinen mit dieser Art von Intro sogar so zufrieden zu sein, dass es praktisch in 12 Jahren keine entscheidende Veränderung durchlebt hat.

Fallout ist nicht perfekt – es hat immernoch viele Fehler, die sehr ins Auge springen, und ich würde es auch nicht uneingeschränkt empfehlen (wie andere Spiele). Aber ich ziehe es Oblivion weit, weit vor.

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Written by vetaro

31. Oktober 2009 um 4:08 pm

4 Antworten

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  1. Lol, danke für diese messerscharfe Analyse von Oblivion! Ich muß Dir 100% zustimmen, denn Du sprichst mir aus der Seele. Ich habe Oblivion durchgespielt (als Hexenmeister) und so ziemlich jede dumme Quest gemacht, die möglich ist. Allerdings habe ich mich nicht dazu herablassen können, mich allen Gilden anzuschließen, das war mir einfach zu… krass.

    Die Karriere der Magiergilde bis zum Mega-Super-Großmeister habe ich durchgezogen, wie ich es auch schon in Morrowind getan hatte, dazu habe ich mit der Assassinen-Gilde begonnen, aber nach den ersten Aufträgen („gehen Sie hin und töten Sie“) auch gleich wieder die Lust verloren. Da ich zu diesem Zeitpunkt schon alle Nebenquests a la „sprechen Sie mit B und kommen Sie dann zurück“ und „bringen sie mir Gegenstand Y“ durch hatte, habe ich den Assassinen-Großmeister einen guten Mann sein lassen und die Hauptquest durchgezogen.

    Shivering Isles hat mir ebenfalls deutlich besser gefallen als Oblivion; ich hatte auch den Eindruck, daß sich jemand bei den Missionen mehr Gedanken gemacht hat, und einige Ideen war ja richtig wild. Insbesondere die Charaktere verdienten diesen Namen endlich mal und waren nicht nur „herumstehender Reptilienmann, blau“.

    Da ich, wie man meinem Blog unschwer entnehmen kann, Fallout 3 samt allen Add-Ons hoch- und runtergenudelt habe, täuscht Dich Dein Eindruck hier nicht. Ich war angenehm überrascht davon, wie unaufdringlich und harmonisch sich neue Quests einfach in das Leben einschleichen. Sie wirken überhaupt nicht so stumpfsinnig und „abzuarbeiten“ wie in Oblivion, sondern fügen sich absolut dezent in den Alltag ein, ohne immer einen dümmlichen Bruch darzustellen, bei dem man sich denkt: „Wow. Ich muß bei Sonnenuntergang neben diesem Haus stehen und dem Reptilienmann, grün, den Schlüssel abnehmen. Wie PACKEND.“ Sondern, wie Du sagtest, die Leute haben Charakter, manche sind einem sympathisch, andere sind Kotzbrocken, und die Aufgaben sind einfach nicht so generisch und fühlen sich echter an. Einige sind zwar auch eher grenzwertig und können nerven, aber es ist ein meilenweiter Sprung zu Oblivion.

    Ich habe mich auf jeden Fall noch mal sehr gut amüsiert mit Deinem Beitrag, besonders auch mit der „Diebstahl yes/no“-Strichmännchengrafik, und mich in unsentimentaler Rückschau an eines meiner ersten XBox 360-Spiele erinnert… Glückwunsch zu 1000 GS, die sind mit diesem Spiel wahrlich hart verdient!

    Capt. Cook

    31. Oktober 2009 at 6:31 pm

  2. Also ich find deine Kritik gut nicht so wie einige Vollidioten die das Spiel von vornherein blöd finden und das dumm machen Nein deine Kritik ist super und stimmt auch ich hab das Spiel auch nur weil ich es kostenlos bekommen hab. Ach Was ist das für eine Rüstung im ersten Bild?

    Teekaffeesack

    5. Juli 2010 at 3:17 pm

  3. Irgend ein Mod den ich nicht kenne :O

    vetaro

    5. Juli 2010 at 4:09 pm

  4. […] erinnert ihr euch noch: Nachdem ich Oblivion in eigentlich jeder Hinsicht die es gibt in den Boden diskutiert hatte, habe ich mir Fallout 3 […]


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