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Bei mir hätten Guidos Hausverbot

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Jetzt auf Arte Hu: Ein Blogeintrag über Filme über kollidierende Körper und meine Meinung, wie man das Genre der Nacktfilme verbessern könnte. (Achtung, dieser Beitrag enthält natürlich implizite Inhalte, ist aber safe for work.)

Bitte macht keinen Fehler. Tut nicht so, als ob es etwas besonderes, oder etwas besonders mutiges/ekeliges wäre, sich diesem Thema zu widmen. Ich behaupte mal folgendes: Jeder 13-jährige hat heutzutage so ein Machwerk schon gesehen. Und vor zehn Jahren hatte jeder damals 13-jährige es zumindest vor gehabt und im Rahmen seiner Möglichkeiten versucht, daran zu kommen. Und ich denke, der Anteil an Frauen, denen es ähnlich geht, ist auch deutlich höher als man denken würde.

Worum gehts also? Ich denke, ich habe hier keine neue Idee – es gibt einfach nur kaum jemand anderes, der über dieses Thema schreibt, weil wir eine ziemlich heuchlerische Gesellschaft sind (es schreibt ja auch niemand über Prostitution. Als ob sich niemand darauf einließe. Die Leute haben alle noch nie auch nur eine Prostituierte gesehen). Wahrscheinlich ist schon vielen dieser Gedanke gekommen – aber weil sich niemand äußert, passiert natürlich auch nichts.

Also: Ich glaube, dass Sexfilme einen grundsätzlichen Fehler machen. Ich erkläre ihn mal mit einer Metapher: Es ist, als würde man in ein Restaurant gehen, an der Tür hängt man die Jacke auf, wird zu seinem Platz geführt, und dann bekommt man einen speziellen Hut aufgesetzt, damit man bloß nichts von der hübschen Athmosphäre im Raum sehen oder hören kann, der Kopf wird in einer Schlaufe nach oben gehalten und man kann den Mund nicht mehr schließen. Und dann wird einem all das leckere Essen in den Rachen gefüllt, mit einem Trichter.

Hier Witz über Pussies.

Es ist die alte Leier: Pornos haben keine Handlung und sind Filmerisch minderwertig. Es gibt meistens keine Handlung, und wenn doch, dann stellt sie eine schlechte Entschuldigung dafür dar, warum bald plötzlich alle Leute auf dem Bildschirm in wildes gegrunze verfallen werden.

Alle Figuren auf dem Bildschirm können mit höchstens zwei Worten beschrieben werden, in den meisten Fällen werden die Frauen über ihre Haarfarbe definiert. Wenn es hoch kommt, tragen sie irgendeine Sorte von Outfit, aber das wars dann auch schon. Thema „Hallo, ich bin der Klempner und will hier ein Rohr verlegen.“ – „Gut, meine Freundin kommt grade aus der Dusche, deshalb ist sie auch so feucht.“

Warum? Gibt es einen Grund dafür? Ich schätze mal, dass die Produzenten davon ausgehen, dass es niemanden interessieren würde. Ich schätze aber auch, dass es eine ganze Menge Leute gibt, die sich doch dafür interessieren würden, die Teilnehmer vor der Action kennen zu lernen. Garantiert ist diese Zielgruppe größer als die für den Film „Omas von der Müllhalde“, der tatsächlich produziert wurde.

Ich stelle mir das so vor: Einige Japanische zeichenprodukte gehen schon ziemlich in die richtige Richtung, und auch typische VOX-Erotikfilme waren schon immer auf dem richtigen Weg, aber beide sind doch nicht das, woran ich denke.

Das Aussehen jeder beliebigen Pornodarstellerin

Es muss keine „Handlung“ in dem Sinne geben. Am Ende muss niemand etwas dazugelent haben oder sich als Charakter entwickelt haben. Es wäre einfach schön, wenn man die Teilnehmer – die von mir aus gerne „Charaktere“ sein dürfen – erstmal kennenlernt. Wenn man aufhören würde, Frauen zu objektivieren. Klingt jetzt so komisch feministisch.

Ich finde Frauen in der Realität halt im großen und ganzen nicht deshalb ansprechend, weil sie „blond, dickbusig und saftgeil“ sind, sondern weil sie irgendwelche Qualitäten haben, liebenswürdig sind, weil ich sie ernst nehmen kann.

Liebe P-Film-Regisseure: Verzweifelt nicht. Ich will gar nicht mal so viel. Ihr dürft euch sogar aus Klischees bedienen! Menschenscheue Bücherwürmer, Surferinnen, von mir aus sogar Nymphomaninnen. Solange man dasies Kennenlernt, während sie noch Kleidung am Leib tragen. Sogar letztere führen schließlich in der Realität noch durchaus Leben, die großteils mit Kleidung einfacher zu bewältigen sind als ohne. Gebt uns einfach Zeit, sie liebenswert zu finden, bevor wir sie fickenswert finden sollen. Ist doch überhaupt nicht schwer.

Es soll einfach ein wenig von dieser Faschingskostüm-Ebene abgehoben werden. Dass die Darsteller die allererste Schauspielerische Qualität entdecken: anfangen, ihre Rolle darzustellen, anstatt so zu tun, als ob.

Wir gehen jetzt eine Ebene tiefer und befassen uns mit den Männern. Hier wirds schlimm. Grundsätzlich schwanke ich bei solchen Filmen immer sehr auf der Grenze des Ekels, denn persönlich finde ich Guidos grässlich. Und Muskelmänner. Und sehr gerne sind männliche Pornoschauspieler Muskelbepackte Guidos.

Netterweise sorgen viele Filme daher dafür, dass so wenig Mann wie möglich auf ihren Aufnahmen ist, bevorzugt sieht man nur noch Beine und ein anderes Körperteil (dieses ist abwechselnd sichtbar und nicht sichtbar). Aber das ist ja keine Lösung, das ist ja nur Wegsperren des Problems.

Meine Wünsche: 1. Besorgt euch Schauspieler, die aussehen wie echte Menschen 2. Lasst sie Schauspielern.

Im Idealfall hätte man zuletzt die männliche Hauptfigur lieb gewonnen und kann sie so ernst nehmen, dass man sich mit ihnen identifizieren kann, anstatt nur zu hoffen, dass man nicht mehr von ihnen sehen muss. Auch hier dürfen gerne Persönlichkeiten vorkommen (Neuerdings können sich nämlich auch Männer Eigenschaften leisten, nicht nur Triebe).

Diese beiden hier haben schon mehr Persönlichkeit als jeder typische Darsteller in solchen Filmen.

Beispiele für deren Rollen? Wie wäre es mit „Alles ausser Sportlern, reichen Leuten und Männern die davon ausgehen dass ihre pure Existenz jede Frau in die Knie zwingt“? Wie wäre es mit schüchternen Anfängern? Oder mit Leuten, die irgendwelche Qualitäten haben, aber nicht den ganzen Tag mit Geschlechts-Interaktion beschäftigt sind?

Zum Beispiel diese beiden Herren hier rechts. Wenn man den Fantasy-Kontext entfernt, hat man schon genau das zur Hand, was zumindest ich mir wünsche, und ich bin sicher, dass Leute, die Geld dafür bekommen noch deutlich bessere Ideen hätten.

Das ergebnis wäre dann, im Bestfall, dass die Charaktere sich dazu entscheiden, was voneinander zu wollen. Und zwar nicht auf die „Mich überkommt ein wahnsinniger Fickreiz, gib mir deinen Prügel!“-Weise. Das wäre klasse, ich habe nämlich einen Consent-Fetisch und stehe darauf, wenn die Beteiligten zeigen, dass sie wirklich wollen, was da geschieht.

Und jetzt erreichen wir den letzten Schritt: Was ich bisher beschrieben habe, gibt’s ja schon. Wie gesagt, VOX-Filme, und sicherlich auch ’ne Menge anderer Sachen. Was ich in der Hinsicht noch nicht gefunden habe sind aber Werke, die dann auch den expliziten Inhalt beibehalten. Meistens bedeutet Handlung nämlich, dass ein Soft-Film draus wird, wo man „überhaupt nix sieht“.

Das kann’s ja auch nicht sein: Es darf also dann irgendwann auch gerne zu tatsächlichen Nahaufnahmen mit allem drum und dran kommen. Hier können dann natürlich noch alle möglichen anderen Änderungen gemacht werden. Das hängt aber wirklich stark an meinem eigenen Geschmack, andere Leute mögen da anderer Meinung sein.

Ich finde zum Beispiel Dirty Talk nicht toll. Ich habe keinerlei Interesse an schimpfwort-Kaskaden. Vorallem da diese ja grundsätzlich darauf abzielen, zu betonen, wie „dreckig“ und „verboten“ die gezeigten Handlungen sind: Ich möchte aber nicht, während ich mich mit etwas befasse, ins Gesicht gesagt bekommen, dass das schlecht und verwerflich ist.  Mir geht dabei auch keiner ab.

Und das gestöhne. Ein bisschen mag es ja tatsächlich im Affekt geschehen. Aber ein Großteil ist garantiert schlecht geschauspielertes rumgeschreie. Gerne auch Gegrunze. Gefällt euch das? Also mir nicht.

Oh, und degradation. Kann man von mir aus auch sehr gerne raus lassen. Sachen wie Schlumpfen kann man supergerne einfach nicht-zeigen. Und eine ganze Menge anderer Sachen, bei denen die Frau praktisch an den Boden gepresst wird: Würd ich alles nicht vermissen.

So. Jetzt hab ich das endlich von der Seele. Ich hab‘ mich nach langer Überlegung dagegen entschieden, Links zu Beispielen einzufügen. Ihr wisst ja, wie sowas aussieht.

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Written by vetaro

20. September 2009 um 10:17 am

Veröffentlicht in Filme, Uncategorized

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6 Antworten

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  1. wunderbar geschrieben – ich befürworte alles. und insbesondere danke ich für das porno pingpong video und den begriff schlumpfen. ich lag untern tisch vor lachen und ich denke, ich werde es mir nicht nehmen lassen irgendwann mal ein foto von herrn ami zu machen wenn ich ihm in trauter zweisamkeit zuflüstere: schlumpf mich!

    danke:)

    amidelanuit

    20. September 2009 at 10:45 am

  2. Gute Idee, wir haben ja schon drüber gesprochen
    „Ich hab’ mich nach langer Überlegung dagegen entschieden, Links zu Beispielen einzufügen. Ihr wisst ja, wie sowas aussieht.“
    Warum liegt denn hier überall Stroh? xDDD

    Philippe

    20. September 2009 at 11:09 am

  3. du hast recht.

    stievo

    20. September 2009 at 6:30 pm


  4. Fällt mir da grade nochmal ein xD kennst du aber ja bestimmt schon x)

    Philippe

    21. September 2009 at 4:34 pm

  5. Also wenn schon, hätteste ja wenigstens das Original verlinken können.

    vetaro

    21. September 2009 at 5:26 pm

  6. […] Alter wie recht du hast B2. Bild vom Stadtwahrzeichen machen, ohne dass etwas drauf ist, was mit dem Anfangsbuchstaben der […]

    Werbelog: Challenges « Hu

    21. September 2009 at 5:30 pm


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