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Die Kabelverschwörung

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Erschreckend wenige Leute wissen davon. Ich bin ja sehr gegen Verschwörungstheorien, aber hierbei, glaube ich, habe ich wirklich etwas in der Hand.

„Ich habe ganze Zimmer voller kleiner Bammeldinger, und ich will keine mehr. Von der Hälfte der kleinen Bammeldinger, die ich habe, weiß ihc nicht mal, zu welchem Dingsmuns sie passen. Wichtiger ist, daß ich von der Hälfte der Dingsbumse, die ich besitze, nicht weiß, wo ihr kleines Bammelding abgeblieben ist. Das ärgerlichste daran ist, dass irre viel der kleinen Bammeldinger, auch das, das heute morgen angekommen ist, kleine Bammeldinger sind, die mit 120 Volt Wechselstrom laufen – der amerikanischen Spannung, was heißt, dasß ich die hier in „Foreign“ (Ländercode FN) nicht beuntzen kann, aber aufheben muß für den Fall, daß ich jemals mit dem Dingsbumß, in das sie passen – vorrausgesetzt ich weiß, welches Dingsbums es ist, in das sie passen -, in die USA reise.“
– Douglas Adams, „Kleine Bammeldinger“, aus dem Nachruf-Buch Lachs im Zweifel.

Der Herr Adams regte sich vorallem über internationale Probleme auf. Auch wenn man sein Land nicht verlässt, sammeln sich bei einem Elektronik-Benutzer in kürzester Zeit ein Haufen Dinge an, die man nur dazu gekauft hat, dass irgendwelche Geräte den Arsch hoch kriegen.

Hier nur ein Paar Beispiele: Als ich mir meine Xbox 360 kaufte, hatte ich nur einen normalen Monitor. In der Xbox-Packung selber sind schon eine Menge wahnsinniger Kabel drin, die sind aber alle für Fernseher geeignet. Darauf war ich vorbereitet, darum hatte ich den Mann bei Gamestop darum gebeten, mir auch so ein Kabel zu geben, mit dem man es an ’nen PC anschliessen kann. Kein Problem, 22 €, bitteschön.

Jetzt stellte sich heraus, dass ich zwar Bildschirm und Xbox verbunden bekam. Allerdings gab es noch einen dritten Kabel-Ausgang, nämlich für den Sound. Dieser bestand aus zwei stecker-Endungen, die man wahrscheinlich in den Lautsprecher- und in den Mikrofon-Eingang des PCs stecken sollte oder so. Das ist eine relativ unnütze vorstellung, weil die da gar nichts zu suchen haben, abgesehen davon, dass die Kabel so kurz waren, dass ich den Monitor neben den PC auf den Boden hätte stellen müssen, um das zu bewerkstelligen (oder ich hätte mir zwei Verlängerungskabel gekauft, of course).

Also ging ich zurück und sagte dem Mann: Sie haben nicht richtig nachgedacht. Schauense mal, hier sind zwei Stecker dran. Ich hab aber normale Boxen, keinen Lautsprecher-Bildschirm. Meine Boxen haben nur einen Stecker.

Kein Problem, verkauft mir der Mann ein Bammelding, mit dem man die beiden Stecker zu einem einzelnen Stecker verwandelt.

Komm ich nach Hause und stelle fest: Moment mal, das Xbox-Ding hat einen Stecker. Und meine Boxen haben auch einen Stecker. Zwei Penisse, aber keine Öffnungen, mit denen die beiden Interagieren könnten.

Also ging ich mir, letztendlich, noch ein Ding kaufen, praktisch eine Doppel-Vagina, in die die beiden Penisse sich fröhlich hineinsinken ließen. Und dann ging’s.

Zählen wir mal nach: Wie viele Dinger habe ich gekauft, damit die scheisse geht? Drei. Wie viel Geld hab ich ausgegeben? 40 €.

Wenn ein neuer Gameboy rauskommt, hat er eine neue, kreativ geformte Öffnung für das Batterie-Kabel, damit man sich ein neues Ladekabel kaufen muss.

Und wenn man eine Kamera hat, gibt es auch Kabel, die nur mit genau dieser Kamera funktionieren.

Und, der Klassiker, das ist vielen Leuten sogar bekannt: Xerox sind eine Firma für Druckerpatronen. Sie verkaufen auch Drucker, aber damit machen sie keinen Gewinn. Wer schonmal in der Druckerpatronenabteilung des Örtlichen Technikfachhandels war, wird feststellen, dass es 50 000 Millionen Sorten Druckerpatronen gibt: Genau eine Sorte für jeden Drucker den’s gibt! (Siehe hierzu auch You Know What’s Bullshit #8)

Die Kabelverschwörung ist, davon gehe ich mit bester Hoffnung mal aus, keine abgesprochene Sache, sondern ein stilles Einverständnis unter allen genügend großen Produzenten: Jeder macht sein eigenes Ding. So viele Arten von Anschlüssen wie möglich. Denn (es ist ja sehr schön, einen Vater zu haben, der bei Saturn Techniker ist, so wurde mir von ihm versichert): Die Firma Saturn macht ihren Umsatz ausschliesslich über Zubehör. Hardware und Software wird zum niedrigsten Preis der ihnen möglich ist, weggegeben.

Ist die Beweislage vielleicht noch nicht klar genug?

Im Besitz des Erfinders der Adapterkabel

Im Besitz des Erfinders der Adapterkabel

– Es gibt Adapter. Das sind Bammeldinger, die man benötigt, damit man zwei weitere Bammeldinger mit seinen Geräten verbinden kann. Meine Laienhafte, möglicherweise falsche Interpretation davon sieht folgendermaßen aus: Wenn es einen Adapter gibt, der USB zu VGA machen kann, oder von mir aus zu DVMI oder CVJM. Dann bedeutet das, dass man eigentlich von Anfang an für all das nur ein Kabel hätte benutzen müssen.

Wenn die Information, die am einen Ende ins Kabel rein kommt, aus dem anderen auch wieder raus kann, ohne dass es dabei irgendwelche Probleme gibt, dann muss das doch eigentlich die Schlussfolgerung sein, oder? Hätte man einfach beiden Geräten den selben anschluss gegeben, wäre das Problem doch nicht vorhanden?

– Noch etwas: Apple. Apple ist einer der dreistesten Teilnehmer am Kabelkrieg. Das war vielen Leuten lange nicht so bewusst, weil es nur wenige, aber dafür intensive Apple-Kunden gab. Aber dann kam der iPod. Und die Leute stellten fragen wie: Warum brauche ich ein spezielles Kabel, um meinen Pod an meinen PC anzuschließen? Kennt ihr kein USB?!

Und dann stellten sie fest, dass es nettes zubehör gibt. Zum Beispiel eine Ladestation. Oder Lautsprecher. Ausschließlich kombinierbar mit dem iPod natürlich, bzw. mit anderen Apple-Produkten.

Unser Saturn hat eine eigene Wand, nur für Zubehör, das von Apple stammt. Teuerster Kram (40 € für ne Tasche, in die man seinen Laptop stecken kann, zum Beispiel). Und eine Menge Kabel, damit man seine Apfel-Produkte mit Fenster-Produkten benutzen kann. Weil Apfel nämlich praktisch grundsätzlich Anschlüsse benutzt, die es nur bei ihnen gibt. Mit Qualitätsunterschieden hat das nichts zu tun: Die wollen nur, dass man ihre Kabel kauft.

Ein letzter Beleg. Wer mir dann immernoch nicht glaubt, dem ist nicht zu helfen. Handwerker.

Schonmal nen Handwerker gesehen? Vielleicht den eigenen Vater? Handwerker brauchen, essenziell: Ein Ding, mit dem sie hauen können. Ein Ding, mit dem sie drehen können. Und ein Ding, mit dem sie Greifen können. Und etwa 2461 Dinge, mit denen sie Sicherstellen können, dass ihre Werkzeuge auch mit dem zu bearbeitenden Interagieren können.

Dazu haben Handwerker sehr gerne ein besonderes Accessoire: Koffer. Koffer, in denen sich ausschließlich Dinge befinden, die sie vorne an ihren Bohrer schrauben können.

Es gibt so viele Arten von Formen, die ein Schraubenkopf haben kann, dass sich ein ganzes Vokabular dazu gebildet hat. Christian Ulmen hat dazu auch mal was gemacht.

Jede Firma produziert eigene Produkte. Rein theoretisch gesehen gibt es vielleicht drei Sorten von Schrauben, die man hauptsächlich bräuchte: Großer Kopf, mittlerer Kopf, kleiner Kopf. Welche Form das untere Ende der Schraube hat, kann dabei ja völlig egal sein.

Oder Muttern. Man braucht keine Acht-, Sechzehn- oder N-Eckigen Muttern. Eine Anzahl an Seiten reicht, man kann auch auf andere Weise die unterschiedlichen sorten erkennbar machen.

Aber, und hiermit komme ich zum Ende: Das hier ist kein Problem, das bald gelöst wird. Wenn man sich über Probleme bei Spielen beschwert, machen die Hersteller bessere spiele (so im großen und ganzen und generell gesehen). Weil sie sonst weniger Geld kriegen. Hierbei geht das nicht: Würden sie die Sachen besser machen, würden sie weniger Geld kriegen.

Tut mir leid Herr Adams, in dieser Hinsicht konnten sie die Welt leider nicht verbessern.

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Written by vetaro

23. Juli 2009 um 5:41 pm

Eine Antwort

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  1. Ja stimmt. Die Kabelverschwörung .. e

    Heinrich_der_starke

    23. Juli 2009 at 6:28 pm


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