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Kompletteinführung: Guitar Hero – Greatest Hits

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Kauf dir doch lieber ne echte Gitarre, Peter Moore!

Es folgen: 1700 Wörter über Guitar Hero: Smash Hits. Um schonmal jeglichen Grund für Spannung vorweg zu nehmen: Ich bin dafür.

Es gibt viele Gründe, das neue Guitar Hero: Smash Hits nicht zu mögen. Sie sind, fast allesamt, sehr persönliche Gründe.

Man könnte sich darüber ärgern, dass das Spiel nur aus Liedern besteht, die bereits in Guitar Hero 1 bis 3 (inklusive Erweiterungen) auftauchten. Man kann darauf hinweisen, dass das typisches Ausmelken einer Franchise ist. Man kann sich darüber ärgern, dass ein Drittel der Lieder schon Lange für Rock Band-Spieler zum Download verfügbar sind – und man somit möglicherweise Lieder zweimal kaufen würde, wenn man sie bereits bei RB gespielt hat.

Man kann sich auch darüber beschweren, dass die Notenfolgen geändert wurden. Zum Beispiel Barracuda von Heart – das Bestand im Original zum Großteil aus grünen Noten. Hier wurden nun noch rote Noten eingefügt. Dies nur als eines der Auffälligen Beispiele. Man kann sich auch darüber ärgern, dass einige Lieder nicht so klingen, wie man sie seit Langer Zeit im Autoradio hört. Manche Lieder sind von der Lautstärke her etwas anders gemixt, andere haben eine klarere Gesangsspur usw.

Man kann sich auch darüber aufregen, dass das Spiel nicht hält, was der Name verspricht. In Deutschland heisst das Spiel nämlich Guitar Hero: Greatest Hits – weil man uns Deutsche nämlich für Volldeppen hält, die das Wort „Smash“ nicht kennen. Genauso, wie man uns auch für zu blöd hält, das wort „Pick“, also Plektron zu kennen, weshalb der Film „Pick of Destiny“ in Deutschland zu „Kings of Rock“ umbenannt wurde.

Nochmal zurück zu den Greatest Hits. Was stellt man sich darunter vor? Natürlich: Die geilsten Lieder die’s gibt. Stimmt aber nicht, darum geht’s nicht. Es geht um die geilsten Lieder, die bisher bei Guitar Hero vorkamen!

Und, natürlich, man kann auch einfach das ganze Genre für blöd und kindisch halten und es nicht true finden und meinen dass man sich gefälligst mal ein Leben anschaffen sollte.

Aber das lassen wir alles mal beiseite. Schauen wir uns das Spiel mal an, ohne irgendwelche Erwartungen, negative Einstellung und latente Aggressivität.

Als Vorbereitung auf diesen Blogeintrag habe ich eine Liste mit Sachen geschrieben, die mir an Guitar Hero: World Tour nicht gefielen und die man besser machen könnte. Und die vergleichen wir jetzt mal mit Greatest Smash Hits.

Kritik: World Tour fühlte sich überhaupt nicht nach einer Welttournee an. Die Orte an denen man spielte waren zwar in „Deutschland“, „Texas“ und „Tokio“, hatten damit aber dermaßen wenig zu tun, dass man die angeblichen Länder auch zufällig hätte austauschen können, ohne dass sich jemand beschwert hätte.

Vergleich: Smash Hits behauptet nicht, Worldtourig zu sein. Komischerweise ist es das aber. Man spielt im Amazonasbecken, im Grand Canyon, am Nordpol und sogar in Atlantis – und die Orte sehen tatsächlich danach aus und sind alle ansprechend. Zwei Spiele später als erwartet kommt also endlich Welttournee-Stimmung auf.

Kritik: Sänger und Schlagzeuger fühlten sich bei World Tour verarscht. Wer zuvor Rock Band gespielt hatte, dem fiel deutlich auf, dass die Stimmen-Erkennung nicht so gut hinhaute, dass die Schlagzeuge schläge registrierten, die man gar nicht gemacht hatte – oder welche mal nicht zählten – und vor allem fühlten sich beide oftmals unterfordert und unbeschäftigt.

Vergleich: Smash Hits ist technisch deutlich verbessert – das Schlagzeug verarscht einen endlich nicht mehr, man muss nicht mehr besonders vorsichtig oder brutal spielen, nur um normal spielen zu können. In Phasen, in denen eben kein Text oder kein Schlagzeug vorkommen, gibt es nun für beide ausgedehnte Improvisations-Strecken anstatt langer Phasen, in denen man einfach nichts machen durfte.

Kritik: World Tour war mal wieder voll mit Liedern von Bands, die teilweise nur Nischenhaft bekannt waren und anderen Liedern, die irgendwie Lückenfüller zu sein schienen. Ungefähr 20 der Lieder sind nicht besonders mitreißend und werden großteils ziemlich unbekannt und unbeliebt sein.

Vergleich: Deutliche Besserung. Immerhin hatte man diesmal die Auswahl zwischen ca. 250 Songs. Die Anzahl an trägen Songs und Balladen ist gesunken – es wird, was angenehm ist, deutlich mehr reingehauen. Immernoch sind einige Lieder dabei, die weder mich noch meine beiden Mitspieler mitgezogen haben, aber sie sind bekannt und werden sicher bei anderen Spielern gut ankommen. Mehr dazu weiter unten.

[Youtube=http://www.youtube.com/watch?v=ng2iA7j1wC0]
Das schwerste Lied, dass ich aktuell mit der Gitarre auf Profi (Rechts im Bild) schaffe . Spannend ab 5:20

Kritik: Als Band wurde jeder Fortschritt für die einzelnen Aufstellungen gespeichert. Das heisst, wenn einer der Spieler zwischendurch mal lieber singen als Bassieren wollte, durfte man feststellen, dass die gesamte Band dann von vorne anfangen darf.

Vergleich: Bei Smash Hits werden endlich keine so idiotischen unterscheidungen mehr gemacht. Man kann während des Bandspiels alle Instrumente und alle Schwierigkeitsgrade auswählen, ohne dadurch einen Nachteil zu erhalten.

Kritik: Rock Band hat ein „Big Rock“-Ending in dem alle Spieler wild auf die Instrumente hauen durften und dafür Punkte bekamen. Ausserdem bekam man während des Liedes angezeigt, wie viele Sterne man verdient hatte. Das hatte Guitar Hero nicht.

Vergleich: Die Sterne werden angezeigt, so coole Endings gibts immernoch nicht.

Kritik: Ausserdem gibt es bei Guitar Hero nach den fünf Sternen auch noch goldene Sterne. Die erhält man, wenn man ausnahmslos alle Noten in einem Lied getroffen hat. Rock Band-Spieler können dies auch erreichen, jedoch muss man, um die fünf goldenen Sterne zu kriegen, nur eine weitere Punktegrenze durchbrechen. Die ist auch sehr nahe an 100% Perfomance dran, der Unterschied ist aber deutlich zu spüren, wenn man bei der letzten Note daneben haut.

Vergleich: Nix da, elitäres 100%-System bleibt.

Kritik: Bei World Tour musste man immer mehrere Lieder in Folge spielen, um voran zu kommen. Zuerst sind es nur drei, doch die letzten Auftritte sind fünf bis acht LIeder in einer Reihe. Das kann manchmal echt nervtötend und ermüdend sein.

Vergleich: Alle Lieder können einzeln angewählt werden, Playlisten kann man auf wunsch immernoch erstellen. Back to the Roots in bestform.

Kritik: Bei Guitar Hero 4 wurde man bei jedem neuen Auftritt mit zufälligen Computerfiguren zusammengeworfen. Viele von denen sahen nicht nur „verrückt“ oder „abgefahren“ aus. Sie waren geradezu hässlich und scheisse. Rock Band 2 bietet dazu die Möglichkeit, seine Band mit selbsterstellten Charakteren aufzufüllen, die die gesamte Zeit bei einem bleiben.

Vergleich: Das Rock Band-Feature wird immerrnoch nicht geboten. Aber immerhin sehen die NPCs normaler aus. Man würde jedenfalls nicht die Straßenseite wechseln, wenn man sie im echten leben träfe.

Kritik: Die Animationen könnte man immernoch verbessern, besonders die Gesichter der Charaktere in GH 4. Abgesehen vom Sänger hatten alle Spielfiguren keine Muskeln im Gesicht. Ausserdem konnte man die Animationen des Drummers noch deutlich verbessern.

Vergleich: Die Drummer sehen zumindest allgemein besser aus. Das war’s aber auch schon. Wer aber das Spiel spielt und dabei auf die Gesichter achten kann, macht eh irgendwas falsch.

Das Spiel beinhaltet ausserdem  die definitiv besten und schwersten Lieder der Vorgänger.  Bark at the Moon,  Psychobilly Freakout, Freebird, Raining Blood, Play With Me und, natürlich, Through the Fire and Flames. Das letzte Kapitel des Spieles ist zweifellos eines der härtesten in der Guitar Hero-Geschichte.

Dabei müssen wir allerdings nochmal auf Guitar Hero 3 zu sprechen kommen. Das Spiel war in fast allen Hinsichten wirklich großartig – der einzige richtig ernste Kritikpunkt war, dass man, wenn man die letzten beiden Kapitel erreichte, plötzlich vor einer massiven Backsteinmauer stand.  Guitar Hero 3 war ab da einfach viel zu verfickt schwer. Wenn man auf Schwer vorher noch vier von fünf Sternen in Liedern erreichte, schaffte man dennoch keinen einzigen der Songs. (Hier nur ein Beispiel: Ab 1:20)

Das Problem ist bei Smash Hits nicht mehr so präsent – denn die Songs wurden ja schließlich überarbeitet. Das macht einen großen Unterschied und viele der Lieder spielbarer und weniger frustrierend. Dennoch sind einige der letzten Lieder echte Zähneausbeißer. Neuanfänger brauchen sich aber keine Sorgen zu machen: Diese Schwierigkeit wird erst auf Schwer spürbar.

Meine Lieblingslieder – obwohl es wirklich keine indiskutabel schlechten gibt, sind übrigens die folgenden:

Rage Against the Machine – Killing in the Name
AFI – Miss Murder (Erst ab 1:45)
Wolfmother – Woman
Twisted Sister – I wanna Rock
Judas Priest – Electric Eye
White Zombie –  Thunderkiss 65
Mötley Crüe –  Shout at the Devil

Was man immernoch kritisieren kann: Das Spiel ist immernoch so drängend. Ich hab das mal in meiner Einführung zu Mirror’s Edge erwähnt: Guitar Hero fühlt sich so gegeneinander an. Nach Konkurrenz. Nach „Den anderen zeigen, dass man besser ist“.

Davon wollen sie anscheinend auch nicht weg. Woran man dies sehr gut sehen kann – man kann es auch spüren, aber darüber lässt sich so schlecht schreiben – sind die Achievements.

Es gibt knapp 17 Achievements für Anfänger. 10 Davon bestehen aus sachen, die auch ein dressierter Affe könnte, wie zum Beispiel „Spiele irgend einen Song auf irgend einem Schwierigkeitsgrad“ oder „Verliere in einem Song, obwohl du Starpower zur verfügung hattest“. Vier bestehen daraus, die Karrieren zu beenden – das ist nur Zeitaufwand, nicht schwer.

Und dann gibt es 18 Achievements für Super-Profis. Insgesamt 470 der 1000 Achievement-Punkte im Spiel gibt es für Sachen wie „Schaffe alle Instrument-Karrieren auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad“, „Schaffe den First Blood-Abschnitt in Raining Blood Perfekt“ oder „Erhalte mindestens vier Sterne bei Through The Fire and Flames auf mindestens Schwer“. Das sind Sachen, für die muss man noch ein Level über „Profi“ sein, und die wird auch kein Spieler, der einfach nur gut in dem Spiel ist erhalten (wie zum Beispiel ich).

Hinzu kommt noch, dass 340 der Punkte nur zu erhalten sind, wenn man Online spielt (oder drei Freunde hat, die allesamt auch super-Profis sind). Einige der Super-Profi- und Online-Punkte überschneiden sich, aber das Ergebnis ist: Wenn man alle Instrumente bis zur Hälfte auf Profi spielen kann, und den rest auf Schwer, was meiner Meinung nach schon echt eine Leistung ist, kommt man allerhöchstens an 200 von 1000 Achievement-Punkten ran. Es geht mir hier nicht darum, mich über die Unfairheit zu beschweren, sondern um das Gefühl, dass man bei soetwas erhält. Das Spiel unterscheidet nur zwischen mega-Luschen und den vielleicht 200 Menschen auf der Welt, die Monatelang nur an diesem Spiel üben.

Entsprechend geht’s auch in der Community zu. Die GH-Foren sind voll mit Leuten,  die jenen WoWlern ähneln, die mit ihren T29-Rüstungen vor den Banken stehen. Sie sagen es nicht laut, aber sie gehen davon aus, von allen anderen Respekt zu erhalten, weil sie ja schließlich Skiller sind. Naja, wenigstens haben sie tatsächlich was geleistet.

Das Spiel selber, wenn man mal alle Sentimentalitäten weglässt, ist wirklich gut und es gibt wenig dagegen einzuwenden (ähhh, ausser all dem, was ich bis eben geschrieben habe). Aktuell kostet es 60 €, das ist es echt nicht wert, aber auf die Dauer sollte es nicht im Spieleschrank eines GH-Spielers fehlen. Vorallem, wenn man nicht alle Teile von Guitar Hero 1-3 besitzt.

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Written by vetaro

13. Juli 2009 um 2:09 am

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