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Wie die neunte Klasse meine Kindheit beendete

with one comment

Wenige Leute können wohl einen klaren Punkt ausmachen, an dem sie aufhörten, so richtig Kinder zu sein. Für mich ist das ganz klar: Es war der Literatur-Unterricht.

Im Nachhinein ist mir mitgeteilt worden, dass „Literatur“ als Fach in der 9. Klasse spezifisch für unsere schule ist, denn sonst hat noch niemand davon gehört. In dem Unterricht haben wir allgemein gesagt alles mögliche gemacht, was am Deutschunterricht cool ist, ohne die Sachen, die wirklich blöd sind. Wir haben (unterhaltsame) Dramen gelesen, simples Storywriting kennen gelernt, einmal haben wir Kinderbücher gemacht, sowie Werbespots erfunden.

Das waren zumindest die Höhepunkte. An einigen Stellen war es auch wirklich nervig – da das Fach mit unserem Kurs eingeführt wurde, wusste niemand so recht, was man darin eigentlich machen sollte, und oft gab es lange, fruchtlose Diskussionen darüber.

Das hier ist übrigens ein Werbespot, bei dem ich mit der Kamera mithalf. Er gefällt mir sehr gut, der Editor hat nur vergessen, am Ende die Stelle einzufügen, in der klar wird, dass wir Wasser bewerben, das so toll ist, dass man jede Mühe auf sich nimmt, um es haben zu wollen. Oh, und die Idee für das Stück am Ende stammt auch von mir.

Eine Sache, die unsere Lehrerin uns aber beibrachte, bleibt bis heute in meinem Kopf. Es war mehr ein Kommentar am Rande, aber das sind oft die wichtigsten*.

Als wir selber Geschichten schrieben und diese am Ende bewerteten, sagte die Lehrerin, dass man ja gerne irgendewelche Monster mit meterlangen Zähnen in die Geschichten einbauen könne, aber dass das die Geschichte an sich nicht ausmachen sollte. Dass da noch irgend etwas anderes bei sein müsse, um daraus eine gute Geschichte zu machen. „Ihr könnt ja auf zwei Seiten von mir aus auch zwölf Monster reinpacken, aber das macht’s auch nicht besser, wenn die Handlung ist, dass jemand vor ihnen weg rennt und am Ende war’s das irgendwie einfach so.“

Das hat mir viel zu Denken gegeben, im Nachhinein. Viele, nein sagen wir beinahe alle Unterhaltungsprodukte für Kinder basieren auf dem Monster-Prinzip. Ob die Hauptfigur nun ein Hase oder ein Erdwurm mit Powerrüstung ist, ob der Feind ein Roboter-Erschaffender Weltherrschafts-Anwärter ist oder einfach ALLES an der Serie einfach absolut beknackt ist, Modernere Comics, Cartoons, Filme und Spiele kommen einfach nicht aus, ohne irgendwo ihre Version eines Monsters rein zu packen (ausser es ist für Mädchen. Mädchen kann man natürlich zumuten, dass es einfach nur um zwei Mädchen auf einem Mädcheninternat geht).

Bis ich ungefähr 14, 15 war, war ich über etwa sechs Jahre lang schwanger gewesen mit einer wirklich großen Geschichte in meinem Kopf. Sie war beeinflusst von eigentlich allem, was ich damals so aufsaugte, wurde aber letztlich ziemlich ähnlich wie X-Men (obwohl ich X-Men erst Jahre nachdem meine Geschichte diese Form annahm kennenlernte, was mich sehr aufregte).

Es gab vielleicht fünfzehn Charaktere, eine eigene Erklärung für Magie (die sich auf Götter bezieht, ein wenig Pratchett-ig klingt und sich über Verschwörungstheorien lustig macht) und genug Handlung, um ein wirklich dickes Buch daraus zu machen. Mit 8 hatte ich die Orte mit Lego gebaut, dann drehten sich fast alle meine Zeichnungen um das Thema, und wenn meine Gedanken abschweiften, schweiften sie normalerweise dort hin.

Viele der Charaktere waren wirklich originell und ich habe bis heute keine gesehen, die  ihnen irgendwie nahe kämen – wie der Feuer-Magier, der an einer Zwangshandlung leidet, dass möglichst alles in seinem Leben cinematisch ablaufen muss – seine Auftritte und was er sagt, aber auch wie sich Leute verhalten. Wenn das nicht der Fall ist, kriegt er wirklich schlimme Kopfschmerzen.

Beinahe jeder Aspekt war irgendwo geborgt – jemand benutzte die Klingen-Kreise, die in Soul Calibur auftauchten, die Chef-Figur war ein klein geratener Junge, der das Verhandlungsgeschick von Vetinari besaß usw., aber es war insgesamt eine wirklich coole Idee. Ich hatte mich lange davon zurück gehalten, irgend etwas davon tatsächlich zu Papier zu bringen – weil ich wusste, dass meine writing skills einfach nicht gut genug wären und das Produkt meiner Vorstellung nicht entsprechen würde.

Und dann kam die Sache mit den Monstern.

Und ich stellte fest, dass die Handlung, wie cool auch immer sie war, letztendlich ein Stapel von ungefähr 537 Monstern war.

Und dann schämte ich mich. Und verwarf die Idee. Und bald fand ich nicht mehr viel Gefallen an Comics. Und Mangas. Und den meisten Fernsehserien. Weil ich sah, wie wenig Qualität, und wie viele Monster dahinter steckten.

… Ich bin schon mit achtzig auf die Welt gekommen, aber da war ich schon wieder schnell ziemlich gealtert. Aber wirklich bereuen tue ich’s nicht.

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* Ein anderer Randkommentar, der mich bis heute beeinflusst ist die Behauptung „Humor ist der Abfall der Intelligenz“. Ich schaffe es einfach nicht, zu beweisen, dass das nicht stimmt!

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Written by vetaro

25. Juni 2009 um 8:13 pm

Veröffentlicht in Filme, Realität

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Eine Antwort

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  1. BRAINNNNS!

    Und das am Ende vom Video. 😀 😀

    -bloodberry-

    26. Juni 2009 at 10:45 am


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