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Mirror’s Edge: Eine Kompletteinführung mit tatsächlich bunten Bildern

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Eigentlich ist Mirror’s Edge ideal, um darüber zu schreiben. Ein besseres Spiel konnte mir für eine Kompletteinführung nicht in die Hände fallen. Aber wenn ich nur daran denke, tut mein Bauch weh. Vielleicht liegt das aber auch an meiner Erkältung.

Also: Mirror’s Edge spielt man in der 1st Person-Perspektive. Es ist ein Jump-and-Run, man bewegt sich wie ein leicht übermenschlicher Free-Runner. Die Hälfte der Zeit im Spiel verbringt man auf der Flucht. Obwohl man Gegnern – der Polizei – Waffen abnehmen und damit schiessen kann, macht man das eigentlich nie.

ME ist ein typisches, von den Entwicklern zu Tode beworbenes Produkt, das im Bereich Grafik eindeutig 10/10 Punkten erhält. All das, was in den Trailern vom Spiel versprochen und gezeigt wurde, ist tatsächlich im Spiel drin. Man hat nicht das Gefühl, dass Gebiete endlos neu verwendet werden, oder dass irgendetwas an dem Spiel wirklich schlecht ist.

Die Handlung hatte ich zwar an einem Nachmittag durchgespielt. Das Spiel gibt einem aber einerseits die freiwillige Aufgabe, 30 im Spiel versteckte Koffer zu finden, als auch kann man alle Level auf Zeit noch einmal spielen, sowie bestimmte andere Strecken in den Leveln auf zeit ablaufen – so eine Art Autorennen ohne Auto. Äh, also ein Rennen.

Und obwohl man die zehn Level im Zeitmodus fast alle in unter zehn Minuten bestehen muss, heisst das nicht, dass das Spiel unter 100 Minuten Spielzeit hat. Tatsächlich habe ich knapp 2 Stunden gebraucht, um auch nur den ersten Level in unter sechs Minuten abzuschließen.

Wir kommen nun in den Bereich Kritik. Hierzu empfehle ich, das Video hier drüber gesehen zu haben.

Die Handlung. Die meiste Zeit über hat man das Gefühl, man hätte in der 28. Folge der 7. Episode „Lost“ eingeschaltet, um mal rauszufinden, was so toll daran sein soll. Man fühlt sich ungefähr so:

„Faith, du bist auf dem Weg zu Pope, oder?“ „Ja, meine Schwester Kate ist darin verwickelt, er hat wohl rausgefunden, dass sein Sicherheitschef Ropeburn ein Projekt namens Ikarus gestartet hat, ich hab‘ die Info von Jacknife, einem früheren verbündeten Runner und geb sie jetzt weiter an Lieutenant Miller, der wird mir helfen.“

Während des gesamten ersten Spieldurchlaufes muss man also entweder Notizen führen, oder man sitzt vor dem Spiel und ruft endlos „Was, wer jetzt schon wieder? Und was hat der hiermit zu tun? Wieso weiß eigentlich jeder besser als ich bescheid, was hier abgeht?!“

Der Grund dafür ist, dass man nur in den Videosequenzen, die im Spiel die Ladepausen gut überbrücken, richtige soziale Interaktion vorfindet. Die Szene in den grünen Räumen im Video hier drüber ist beinahe einzigartig. Den entscheidenden Spielfiguren schaut man fast nie in’s Gesicht, und somit bleiben sie oft ziemlich abstrakt.

Ausserdem ist die Handlung auch… nun, unnötig. Ähnlich wie beim Transformers-Film hätte man einfach alle Handlung weglassen können und wäre, hätte man nur die Action gehabt, mit einem besseren Spiel rausgekommen.

Sie endet nicht einmal richtig – wenn ich nicht anhand der Achievements gewusst hätte, dass nach Level neun kein weiteres kommt, hätte ich mich ziemlich um einen ernstnehmbaren Höhepunkt betrogen gefühlt. Nach in Kapitel 9 getaner Arbeit blickt man einfach nur vom höchsten Haus der Stadt herunter, die Kamera macht einen Hubschrauber-turn um einen herum, und das war’s. Vielen Dank auch, Spiel.

Worüber man überhaupt nichts rausfindet, ist das totalitäre, sicherheitsstaatliche Regime, das die Welt im Spiel beherrscht. Es wird in einem der ersten Sätze im Spiel eingeführt, dass sich einige Leute gegen die Polizeimacht, die diese Welt beherrscht, wehren, und dass man diese Leute unterstützt.

Wie es dazu kam, was da sonst noch hinter steckt und vorallem wer dahinter steckt, wird kein einziges mal erwähnt. Dabei wäre das der für mich interessanteste Teil gewesen.

Es wird auch von Minute 1 an kein zweifel daran gelassen, dass die Polizei die böse Partei darstellt – unterdrückung und so. Wenn ich nicht wüsste, dass EA ein seelenloser Spielehersteller ist, würde ich behaupten, dass das Spiel linksradikale Propaganda darstellt – was man als Spielfigur macht, könnte man als das Ideal eines Kämpfers gegen die Regierung ansehen. Polizisten die Waffe abnehmen, Waffe unschädlich machen und wegwerfen – wegrennen und weiter die Wahrheit ans Licht bringen.

Und der Flow. Seit dem letzten Prince of Persia, Half Life 2 und Bioshock dachte ich, gute Spiele würden ab jetzt praktisch für immer das Hängenbleiben an frustrierenden Stellen verhindern. Während der Handlung gibt es aber in jedem Level ein bis zwei Stellen, an denen man endlos stirbt oder keine Ahnung hat, wie es weitergehen soll, und die Sonic-Artige Spielgeschwindigkeit kommt zu einem grässlichen, quietschenden Halt. Zehn minuten Lang rennt man hin und her, nach möglichkeit unter schwerem Beschuss, sodass man andauernd von vorne beginnen muss.

Half Life 2 führte einen durch ideales Leveldesign und Beleuchtung auf den richtigen Pfad. Man musste nur seinem Instinkt folgen, um voran zu kommen. Mirror’s Edge hat die Runner’s Vision, was übersetzt heisst, dass zum vorwärtskommen wichtige Objekte rot markiert werden. Die helfen auch die meiste Zeit – nur nicht dann wenn es nötig wäre, an diesen Spiel-Sackgassen.

Das ist Concept-Art. Sieht man ihr aber nicht an.

Ausserdem ist das Spiel ähnlich wie Skate: Man muss es können, damit es spaß macht. Spieleanfänger stürzen, werden erschossen, bleiben an Kanten hängen – und treffen das Rohr im Video hierdrüber bei 1:10 nicht.

Und: Es tut im Bauch weh. Hat man das Spiel durchgespielt, bleiben wie gesagt die Zeit-Aufgaben übrig. Und die sind Sport. E-Sport, aber wirklich anstrengender. Die Anforderungen, um ein Level in der richtigen Zeit zu schaffen, sind unheimlich hart. Und man kann seine Zeiten veröffentlichen und sogar Weltrekorde aufstellen.

Während daran an sich nichts auszusetzen ist, tut mir persönlich alleine deren Existenz weh. Ich fühle mich an Guitar Hero erinnert, im vergleich zu Rock Band (den Artikel hab ich extra heute mal für euch überarbeitet).  Bei Guitar Hero ist das interesse daran, wer der beste ist, sehr groß. Die schwersten Lieder spielen bitte. Kannst du Through the Fire and Flames? Hast du das Spiel auf „Profi“ durch?
Rock Band ist einfach nur… ein Musikspiel. Ohne dass es entscheidende unterschiede in der Spielmechanik gäbe: Dadurch, wie sich das Spiel präsentiert, hat man einfach nicht das Gefühl, endlos in Konkurrenz nicht nur mit seinen anwesenden Mitspielern, sondern direkt der ganzen Welt zu sein. Man spielt es zusammen um spaß daran zu haben, nicht um besser als jemand anderes zu sein.

Mirror’s Edge vergleicht die eigene Leistung immerzu mit dieser wirklich harten Zeitgrenze – und sogar mit der eigenen vorherigen Leistung
. Bei jedem Abschnitt im Time Trial Modus wird einem gesagt, wie viel schneller oder langsamer man beim letzten mal war, und das oftmals völlige Ausbleiben zumindest eines freundlichen Schulterklopfens für eine Leistung, die zwei Sekunden zu langsam war, tut echt weh.

Und entsprechend ist es auch mit den Achievements: Zwar gibt es für jeden bestandenen Level einen, und für eine Reihe Move-Kombinationen einige kleinere, aber ein drittel wird nur von diesen Zeit-Aufgaben eingenommen. Wer das Spiel nur wegen der Achievement-Punkte haben will, wird mit Ausleihen wohl nicht weit kommen.

Was soll ich also letztendlich dazu sagen?

Das hier ist tatsächlich ein Level. Kann als Download-Content erhalten werden. Es sieht aus wie der grandioseste Bildschirmschoner aller Zeiten.

Das hier ist tatsächlich ein Level. Kann als Download-Content erhalten werden. Es sieht aus wie der grandioseste Bildschirmschoner aller Zeiten.

Mirror’s Edge ist ein wirklich gutes Spiel, dessen Schwächen in den Bereichen liegen, die einen Parkour-Fan ohnehin nicht interessieren werden. Unter Umständen ist es den vollen Spielpreis Wert, wer jedoch mit Rennen auf Zeit und E-Sports nichts anfangen kann, sollte das Spiel nicht für über 30 € erstehen.

Übrigens, ich finde das Spiel passt sehr gut zu Portal und der Neuzeit von Assassin’s Creed. Die Atmosphäre ist ähnlich steril mit grandiosen Farb-Akzenten. Man hätte die drei Spiele meiner Meinung nach gut in Verbindung bringen können, selbst mit nur kleinen Hinweisen darauf. Tatsächlich würden die drei Spiele großartig in das selbe Universum passen – die Runner könnten sogar genau jene Nachfahren der Assassinen sein, die bei AC in den Neuzeit-Phasen erwähnt werden. Ich werde nun ein wenig davon träumen, dass der Professor in dem Video (Bei 2:20)  irgendwie diesen Polizeistaat aufgebaut hat. Das wäre wirklich wirklich cool gewesen.

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Written by vetaro

24. Mai 2009 um 4:43 am

4 Antworten

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  1. Jau, vielen Dank für diesen Ausführlichen Bericht!

    spanksen

    25. Mai 2009 at 3:54 pm

  2. […] man immernoch kritisieren kann: Das Spiel ist immernoch so drängend. Ich hab das mal in meiner Einführung zu Mirror’s Edge erwähnt: Guitar Hero fühlt sich so gegeneinander an. Nach Konkurrenz. Nach “Den anderen […]

  3. […] – Ich finde immernoch, dass die Hintergründe von Assassin’s Creed und Mirror’s Edge sich sehr gut überschneiden könnten. […]

  4. yea hab das spiel auch und es is soo geil auf pc!!

    GAMESTA3000

    6. Februar 2011 at 10:23 pm


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