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Zum Thema Mehrwert von Schund

with one comment

Ein sehr beliebter Kritikpunkt an Sachen, die sich „Teenager“ „reinziehen“ lautet, dass es sich dabei um Schund handele. Sachen von niedriger Qualität, ohne Tiefgang oder sonstwas. Und dass die ganzen Themen solcher Filme und Serien ohnehin unnötig sind und man das auch in alltäglichen Umgebungen hätte platzieren können, dass nur die Jungen Leute nicht mehr wissen was gut ist und deshalb Explosionen, Fantasymist und Innereien brauchen.

Find ich irgendwie nicht.

Nicht *der* erhobene Zeigefinger.

Nicht *der* erhobene Zeigefinger.

Im Rahmen des neuen Star Trek-Filmes hab ich mich mal aufgemacht, die ganzen älteren Filme anzusehen. Mir ist dabei erstmal wieder aufgefallen, wie viel moralische Tiefe diese Filme haben. ST besteht ja im Gegensatz zu SW nicht nur aus lasern und explosionen (und Kuss-szenen). Und sehr viele dieser Situationen gewinnen dadurch an Bedeutung, dass sie von Raumschiff-Kapitänen die Jahrhunderte in der Zukunft leben durchlebt werden.

Ich meine nichtmal diese Erhobener-Finger-Sachen wie bei „Zurück in die Gegenwart“, wo die Crew nach San Francisco „unserer Zeit“ zurückkehrt, um Buckelwale zu finden, denn die sind in der Zukunft ausgestorben. Das erinnert schon beinahe an He-Man. der am Ende jeder Folge zu den Kindern spricht und ihnen von der Wichtigkeit von Ehrgefühl und so ’nem Mist erzählt*. Das ist nämlich total blöd.

Es geht um die Entscheidungen „das wohl eines oder das vieler“ (ST-Trilogie), oder „Wie weit soll man für Rache gehen“ (Der erste Kontakt) und andere Sachen, die man auch im Philosophie-Unterricht antreffen könnte**.

In „Der Aufstand“ streiten sich Picard und ein Vorgesetzter darum, ob man 600 Leute von einem Planeten umsiedeln sollte (was sie töten würde), damit dieser von der Allianz ausgebeutet werden kann. Zitat: „Jean-Luc. Wir wollen gerade mal 600 Menschen umsiedeln.“ Jean-Luc: „Wie viele Menschen sind nötig, Admiral, bevor aus Recht Unrecht wird?“ Ist das Deep? Ja, das ist deep.

Das Youtube-Massaker

Das Youtube-Massaker

South Park. South Park ist ja wohl ohne Frage eine wirklich „sicke“ Serie. Meiner Meinung nach ist sie das Beispiel für Groteskes. Wenn die Deutschlehrerrin mal wieder sagt „Wisst ihr, was Grotesk ist?“ dann kann man sagen: Ja, South Park. (Die wollen natürlich eigentlich hören „Ja, ‚Der Besuch der alten Dame‘ von Dürrenmatt“, aber wer will das schon sagen.)

Aber South Park geht sehr oft auf aktuelle Probleme ein und kommentiert sie – nur dass niemand der Betroffenen das merkt, weil es sich um eine „Kinderserie“ handelt (um die Sorte, die die Betroffenen ihren Kindern verbieten, mit dem Vorwandt, dass es sich nicht um eine Kinderserie handele).

In 11.1 geht es um das verbieten von Worten. In dieser Folge wird derjenige, der „Nigger“ sagt, verfolgt, und zwar von denjenigen, eigentlich was gegen schwarze haben. Das gesamte Verhältnis wird umgedreht, und letztendlich wird das Schimpfwort für Leute, die „Nigger“ sagen, „Nigger-Guy„, verboten.

Die folgen von WoW

Die Folgen von WoW-Konsum

In den Folgen 10.12 und 10.13, „Go God Go„, landet Cartman in der Zukunft. Einer Zukunft, in der Richard Dawkins, der Papst der Atheisten, gesiegt hat, und es nur noch Atheisten gibt. Entgegen Dawkins Behauptung, dass dann die größte Quelle von Kriegen und Unrecht zerstört seie, bekriegen sich die Atheisten aber nur noch mehr, und zwar über absolute Trivialitäten.
Die Lehre, die man daraus ziehen kann (Achtung, Zeigefinger), die aber in der Folge nicht ausgesprochen wird, ist, dass Leute sich nicht bekriegen weil sie Religiös sind, sondern weil sie nicht weit genug denken und entwickelt sind um zu kapieren dass man sowas nicht macht. Dass man, wenn man Religion entfernt, das Problem immernoch existiert.

Bei 9.10 wird um die Frage von Gay Marriage gestritten. Wie in der Realität wird am Ende vorgeschlagen, dass homosexuelle auch heiraten dürfen, das aber anders nennen. Es wird „Butt-Budies“ genannt.

In Folge 9.4 geht es darum, wer entscheiden darf, ob jemand aktive Sterbehilfe erhält. Hierbei geht jedoch die findbare Antwort in der ganzen Groteskerie unter.

Überhaupt geht der ganze moralische Mehrwert von Southpark in dem wilden Chaos das dabei immerzu erzeugt wird andauernd unter. Ich habe noch nie jemanden ausser mir gehört, dem das überhaupt aufgefallen ist. Die Leute johlen einfach zu sehr, wenn Kennys Gedärme herumfliegen oder jemandem ein Hamster in den Hintern kriecht. Eigentlich schade.

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*Das Video war auf Spanisch, aber man kann sogar sehen, wie er den metaphorischen Zeigefinger hebt!

** Richtige Philosophen haben meistens seit der Antike besseres zu tun.

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Written by vetaro

11. Mai 2009 um 10:19 pm

Eine Antwort

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  1. […] In Wahrheit steckt in vielen der beteiligten noch eine große Menge allgemeiner Unwille, streitlustigkeit, Rassismus oder sonstige Interessen. Würden sich alle Religionen gut verstehen, würden die Leute einen anderen Grund finden, sich zu streiten. (Das hat man bei South Park ja auch schon bemerkt.) […]


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