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Warum eigentlich immernoch SPIEGEL

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Es ist gerade halb 5 Uhr Morgens, als ich zu schreiben beginne. Ich habe bis 22 Uhr geschlafen, drei oder vier Stunden, seitdem bin ich wach. Ungefähr eine Stunde habe ich mit dem Versuch, zu schlafen, verbracht.

Meine Augen sagen „mann, geh doch mal schlafen“, und ich fühle diesen speziellen Mangel an Körperwärme von mir kommen, als würde der Körper sagen „ja mensch, ich müsste jetzt eigentlich mal n paar Stunden Pause machen.

Aber schlafen kann ich dennoch nicht, die tatsächlich Anlassgebende Müdigkeit kommt eben nicht. Deshalb nutze ich jetzt mal die Zeit, um über mein Verhältnis zum SPIEGEL zu schreiben.

Angefangen habe ich ihn zu lesen, als er über Second Life schrieb – also gleichzeitig mit dem Beginn meiner Karriere in jenem Spiel.

Mitlerweile bin ich zumindest schon erfahren mit diesem Magazin. Immernoch dabei bin ich wegen der Wissenschafts-Beiträge. Und dem internationalen Sozialen Kram (berichte über das Leben von Leuten in völlig anderen Lebenssituationen z.B.).

Max Goldt hat einmal vom Halb-Bildungsbürgertum geschrieben, also jenen Leuten, die zwar den Spiegel lesen, sich darauf aber ausruhen und denken, jetzt wüssten sie alles wichtige.
Er ist nicht – wie der STERN- so eine Art BILD für Realschüler, aber viel weiter als „besser als der Stern“ kommt er dann auch wieder nicht.

Während ich mich tatsächlich nicht weiter traue – also zum Beispiel DIE ZEIT zu lesen, und zwar tatsächlichlich, weil mir da verglichen mit dem Spiegel zu wenig Bilder und zu viel Tiefe drin ist, behaupte ich auch gar nicht, den Spiegel zur Information zu lesen.

Ein Magazin, dessen Beiträge immer mit irgendeinem Menschen beginnen, der irgendwo ist und irgendwas macht („Ash Akhitar, der Jobvermittler aus einem Vorort von Birmingham, sagt, er wolle dass jemand für all die Rezession bezahle.“), kann man auch eigentlich gar nicht mit wirklicher Ernsthaftigkeit lesen. Allerdings auch nicht mit der Art von Ironie, mit der Steffen sie wahrscheinlich liest (dazu ein anderes mal).

Aber es gibt noch andere Dinge, die gegen das Magazin sprechen. Der Spiegel macht sich das Ausmaß seiner Nachrichten gerne selbst. Zum Beispiel hat der Spiegel angefangen mit der Telekom-Überwachungsaffäre. Die haben’s rausgefunden.

Und hat dann, mindestens drei Monate lang, in jeder einzelnen Ausgabe einen neuen mindestens vierseitigen Bericht über irgendwelche neuen Entwicklungen gebracht („Jetzt kommt heraus: Es wurden auch Vorstandsmitglieder überwacht!“ „Ermittlungen ergeben: Es wurden auch die Aufenthaltsorte der Vorstandsmitglieder überwacht!“ „Die Affäre reicht noch weiter als bisher angenommen: Sogar BILD-Mitarbeiter wurden überwacht!“).

Dazu, weil diese Artikel ja schlecht mit Fotos von „Überwachung“ bebildert werden können, dann immer Bilder von Telekom-Führungsangestellten, die auf irgendwelchen Veranstaltungen stehen, mit dem unausweichlichen Telekom-T im Hintergrund.

Es mag sein, dass die ganze Angelegenheit ein Schock und total böse ist. Aber nach vielen vielen Monaten – und letzte Woche war schon wieder so ein Artikel dabei – könnte man doch mal irgendwann zugeben, dass der Nachrichtenwert irgendwann auch mal wieder schrumpft.

Oder die Finanzkrise. Nun gut, die hat der Spiegel nicht gerade als erster entdeckt. Aber ich möchte etwas zweifelnd fragen:

Ist es sinnvoll, Artikel zu schreiben, deren Inhalt in grotesker Form ausgedrückt ungefähr folgender ist: „OH MEIN GOTT REGT EUCH NICHT AUF WENN DAS PASSIERT WIRD ALLES NUR NOCH SCHLIMMER ALSO RUHE BEWAHREN WIR SCHREIEN AUCH NUR DAMIT WIR UNS SELBST NOCH VERSTEHEN KÖNNEN!!!!!“ – während noch gar nichts passiert ist?

Wir sind aktuell in der Spiegel-Finanzkrise-Phase. Vier mal war die Finanzkrise in den letzten sieben Ausgaben vorne auf dem Titel. In jeder Ausgabe nimmt sie mindestens 15 Seiten ein, immerzu mit Bildern von Leuten irgendwo und abwärts zeigenden Grafiken. Und wann immer möglich wird das T-com-Prinzip (siehe oben) abgewandelt mit „Jetzt hat die Finanzkrise auch ______“ erreicht. Zum Beispiel aserbaidschanische Teppichknüpferinnen, brasilianische Transvestiten und schwedische Putzdienstvermittler.

Ja, es gibt bestimmt eine Menge Leute, für die sowas wichtig ist. Aber ich schreibe hier einen Blog, und da interessiert mich die Meinung von einer Menge Leute kein bisschen. Für mich persönlich hat der ganze Kram überhaupt keine Bedeutung – Unterhaltungsgeräte und -Datenträger bleiben beim gleichen Preis, Nahrungspreise ändern sich auch nicht spürbar. Gut, die Wohnung die wir zu kaufen vorhaben, ist billiger als sie wäre. Aber das ist kein Grund, deshalb über Taxifahrer in Paris zu lesen, die jetzt auch von der Finanzkrise erreicht werden, weil die Leute sich keine Flüge + Taxis mehr leisten können.

Ich glaube, der Spiegel ist nur so eine art MyBuffed für mich – ich hab einfach noch nicht rausgefunden, mit welchen Medien ich besser zurecht käme. Science wahrscheinlich nicht, aber ’nen versuch wäre es wert.

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Written by vetaro

26. Februar 2009 um 5:36 am

2 Antworten

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  1. Hey, bin jetzt in den letzten ~2-3 Tagen grob geschätzte 10 Mal von buffed.de auf deinen Blog gekommen, du machst ja echt gut Werbung 😉

    Beim rumstöbern bin ich dann auf diesen Beitrag gestoßen. Nachdem ich ihn früher nur sporadisch ab und zu gekauft habe, hab ich den SPIEGEL jetzt seit November im Abo und die haben auch jede Woche echt interessante Artikel, aber diese aufgeblähten Themen sind mir auch schon öfters (unangenehm) ins Auge gefallen.
    Den ersten Artikel von 20 Seiten über die Finanzkrise hab ich ja noch ganz gelesen, alle weiteren aber höchstens noch überflogen, da der Gehalt an neuen Informationen doch meistens relativ stark gegen 0 strebt.

    Dafür finde ich die Wissenschafts Artikel auch immer ziemlich interessant, die mir in letzter Zeit am besten gefallen haben waren z.B. der über Lichtsmog oder die Darwin-Reihe.

    Ich selektiere meistens nach Interesse oder nach (vermutetem) Informationsgehalt, da ich alle Artikel im SPIEGEL in einer Woche eh kaum schaffe; dafür kauf ich mir zu gerne noch Games- und Musikmagazine 😉

    Naja, bisschen was geschrieben, muss reichen.

    P.S.: Was ich bis jetzt vom Blog gesehen hab gefällt mir ganz gut, werde wohl mal öfters reinschauen.

    Térakôr

    10. März 2009 at 9:51 pm

  2. […] ist da etwas in der gleichen Spiegel-Ausgabe, das mich sehr stark an einen Eintrag erinnert, den ich im Februar mal geschrieben habe. Hier ein Zitat: Aber es gibt noch andere Dinge, die gegen [den Spiegel] sprechen. Der Spiegel […]


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