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Ignoranz und Apathie

with 3 comments

Second Life ist immernoch deutlich besser als die Öffentlichkeit es gerne hätte. Der Spiegel – über dessen Titelstory  ich erst auf dieses Amerika des Internets gestoßen bin – hatte das Thema „SL“ schon ein halbes Jahr danach abgeschlossen, indem er einen Redakteur irgendwo in einem leeren, schlecht gebauten Bereich aussetzte, dieser 20 Screenshots machte auf denen keine anderen Spielercharaktere zu sehen waren – und er dann behauptete, das Spiel wäre praktisch am Ende: Schliesslich seie ja kein Schwein mehr da!


Anders ausgedrückt: Wenn ich am Montag Morgen um 8 Uhr im Duisburger Forum aufkreuze und Fotos davon mache, wie da niemand ist, weil die Geschäfte erst um 9 Uhr aufmachen (faktisch ca. viertel vor 10, ansonsten wird man erbost angeschaut dass man es sich wagt, etwas kaufen zu wollen), und mit diesen Fotos dann behaupte, bewiesen zu haben, dass dieses 2 Monate alte Einkaufszentrum absolut ausgestorben und unpopulär wäre.
Würde man mir dann nicht vorwerfen, dass das unjournalistische Moppelkacke seie? Ich denke schon.

Oder 1 Live, der beliebte Kölner Radiosender.  Von ihm gibt es einen Bericht namens Tod der Second Blase!, dessen Kritik an Second Life ungefähr folgendermaßen logisch funktioniert (am besten vorher den Artikel lesen): Hilfe, ich hab technische Probleme und bin zu blöde mich mit dem Programm zurecht zu finden. Ausserdem haben aktuelle Ego-Shooter eine bessere Grafik. Bitte, Second Life, verschwinde.

Gerade der letzte Beitrag ist exemplarisch für etwas, das ich also seit 2 Jahren in den Medien beobachte – und nun völlig verstehe.

Man kann diesen ungefragten Besucher – Der Muffin-Mann da ist tatsächlich ein Spieler-Avatar – gerne symbolisch für die blöden Redakteuere in SL sehen. Aber man kann es auch lassen.

Das gesamte Problem bei dieser Berichterstattung ist, dass es sich um etwas absolut neues handelt(e). Dass also alle Medien Redakteuere ansetzten, die an allgemein und besonders speziell keine Ahnung von der Materie hatten – und wahrscheinlich auch nicht besonders viel Lust.

Man kann, gerade im Nachhinein und als jemand der es besser weiss, richtig sehen, wie diese Leute daran scheiterten, wie sie an SL heran gingen. Es ist – für die HdROler unter den Lesern – wie mit WoW-Spielern die sich Herr der Ringe Online anschauen und dann ärgern, dass sie nicht das kriegen, was sie aus ihrem lieblingsspiel gewohnt sind – in besser.


Das Problem ist nicht, dass SL scheisse ist – Das Problem ist, dass ahnungslose Journalisten erwarteten, es wäre das Ding.**
Was ja auch an sich zu den besten technischen Errungenschaften der letzten Jahre gehört aber von Leuten die sich keine 2 Stunden damit befasst haben offiziel für satansscheisse bezeichnet wird, ist ja Guitar Hero.*

Mein Direktes Umfeld ist voll von Leuten, die Guitar Hero ungefähr so gegenüberstehen wie die meisten Leute zu Homosexualität stehen: Ich kenne es nicht, und ich will es auch nicht ausprobieren. Hierzu meine Meinung: Wer mir noch einmal bezüglich etwas was ich supertoll finde mit „Ich kenne es nicht und will es auch nicht ausprobieren“ kommt, der bekommt -75 Punkte!

Und eigentlich erübrigt sich auch jegliche Argumentation die sich nochmal auf Second-Life-Berichterstattung beziehen würde, an dieser Stelle, weil alles gesagt wurde.

_______________________________________________________

*Jawoll, Roche-Wendung erfolgreich!

**Oh, übrigens lässt sich dieser gesamte Erkenntnisschwall von eben auch auf Zeitungs-Berichterstattung über Web 2.0 und Blogs übertragen.Mit jedem Spiegel-Artikel mit Inhalt „In Amerika werden Leute mit Blogs zu Präsidenten, warum macht das hier keiner“ überlege ich wieder, warum ich dieses mistblatt eigentlich jede Woche kaufe.

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Written by vetaro

19. Januar 2009 um 2:21 am

3 Antworten

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  1. im nahen osten ist übrigens krieg…

    der stievo

    19. Januar 2009 at 4:23 pm

  2. […] einen Kommentar » (2:21:17)  Vetaro: Blog: Ignoranz und Apathie (4:23:19) Stevie:Kommentar:  im nahen Osten ist übrigens Krieg…. (17:01:15) Vetaro: Fuck […]

  3. […] habe ich ihn zu lesen, als er über Second Life schrieb – also gleichzeitig mit dem Beginn der Karriere […]


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