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Jungfrau durch Poposex

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Eine gar nicht so theoretische Frage ist die, was man Kindern eigentlich von Bienchen und Blümchen erzählen sollte. Ich glaube, die aktuelle Lösung ist falsch – allerdings nicht sehr. (Achtung, Beitrag enthält expliziten Inhalt)

Tatsächlich frage ich mich das schon seit der dritten Klasse. Damals erhielt unsere Sachkunde-Lehrerin Verstärkung von einem Sachkunde-Lehrer, um mit uns ein in meiner Erinnerung etwa einwöchiges Projekt zu starten (also ca. 2 Schulstunden). Die Jungs kamen mit dem Lehrer, die Mädchen mit der Lehrerrin, und dann wurden wir aufgeklärt.

Es fing an mit „Wenn sich zwei Menschen ganz lieb haben“, dann erhielten wir schematische Zeichnungen, die nicht zu sehr ins Detail gingen – genau genommen zeigten sie nie etwas davon, was tatsächlich vor sich ging, aber kleine weisse Kaulquappen und Amöbenförmige Ringe die zueinander fanden und aus denen dann ein kleines Baby wurde, welches sich zuletzt in den Armen von Mama wiederfand.

In der Vierten Klasse wurden wir von einem Mann und einer Frau besucht, die mir schon damals vorkamen, als wären sie aus der „generic sex example factory“ gekommen – Sie nannten sich sogar Anna und Peter, und genau wie eine Anna und ein Peter sahen sie auch aus.
Nach ein wenig Aufwärmen („Nennt doch mal alle Worte die ihr für ‚Penis‘ kennt“ – „Schniedel“  „Pillemann“ „Glied“ „Auto“ (Wieso Auto? Wegen Garage) etc.) spielten sie uns kleine Szenen vor, in denen zum Beispiel ein Mädchen von einem Mann in einem Auto seinen Piephahn gezeigt bekam – woraufhin sie zum nahen Freund Hausmeister rannte, der sie dann beschützte und den Mann wegjagte.

Das ist alles akzeptabel, wenn auch eher so mittelgut. Mir kam es auch damals schon albern und kindisch vor, aber ich bin da echt kein Richtwert. Überhaupt gehöre ich eigentlich zu jenen Menschen, der in der Statistik als Minderheit auftauchen und daher egal sind.

Aber ich hörte immerzu, man müsste die Kinder schützen. Sie bewahren. Indem man ihnen nicht zu viel, nicht noch mehr erzählt. Was mir damals und heute nicht einleuchtet. Dadurch, dass man nichts davon weiss, macht man’s auch nicht?
Zum Beispiel wurden wir glücklicherweise davor bewahrt, Selbstbefriedigung im Unterricht zu lernen. So ein Glück! Denn wenn es einem nicht der Lehrer beibringt, muss es einem ja idealerweise von den richtigen Leuten erzählt werden. Die Umstände, unter denen man von sowas erfährt, sind praktisch immerzu ideal! Und ich kann auch völlig nachvollziehen, welche grässlichen Gefahren für mich bestanden hätten, hätte ich schon mit 9 gewusst, wie sowas geht!

In der 5. Klasse kam das Thema wieder dran, diesmal wurden wir noch theoretischer und realitätsferner. Die Geschlechtsteile wurden uns nurnoch im Querschnitt gezeigt, der geradezu grausig anmutet und vorallem jeglichen Gefahr, sich an so einem Anblick zu erfreuen, im Keim erstickt.

Als, in der offenen Fragestunde am Ende der Reihe, Tim belustigt sagte, er habe gehört, einigen Leuten würde es auch gefallen, den Penis in den Hintern einzuführen, wich die Lehrerrin mit einem Kommentar aus, der Inhaltlich reduzierbar ist auf „Jaja“.

Ich bin mir ebenso nicht sicher, was man erzählen sollte, und wann. Aber es kann irgendwie nicht richtig sein, dass mir in der dritten Klasse mitgeteilt wird, oftmals ende Geschlechtsverkehr mit einem angeblich großartigen und total tollen Orgasmus, gleichzeitig aber suggeriert wird, für den müsse man alt genug sein. Eine nicht unerhebliche Zeit habe ich damit verbracht, darauf zu warten, dass ich alt genug wäre, damit eines Tages irgendwie die Zeit eingeläutet würde, in der ich jetzt endlich auch mal sowas machen und haben zu dürfen.

Hier folgt nun noch ein Auszug aus einem Text, den ich der Einfachheit halber übersetzt habe. Auch die Amerikaner haben solche probleme, und die wohl sogar noch etwas mehr.

DTMFA-a-Thon
December 23, 2008
By Dan Savage

Eine Neue Studie vom Bradley Hasbro Children’s Research Center hat rausgefunden, dass Analsex unter heterosexuellen Teenagern und jungen Erwachsenen aktuell sehr beliebt ist. Einem schwer atmenden Bericht von ABC news zufolge haben die Kinder Poposex „um ihren Partner genuß zu bereiten, um Sex ohne Schwangerschaftsgefahr zu haben, oder um ihre Jungfräulichkeit zu schützen.“

Ich bin alt genug um mich an die Zeiten zu erinnern, in denen in den Arsch gefickt zu werden als sexuelle Handlung angesehen wurde, etwas, wovor Jungfrauen praktisch per definition zurückscheuten. Aber das war, bevor Kinder von religiöser Indoktrination verkleidet als Aufklärungs-Unterricht erfasst wurden. Abstinenz-„Lehrer“ betonen die Bedeutung von Jungfräulichkeit – aber sie reden nur über Vaginalen Verkehr weil sie annehmen, dass die Kinder nie rausfinden werden, was man Hintenrum für ’nen Spaß haben kann, wenn man ihnen nicht davon erzählt.

Aber sie finden es raus. Und, in Ermangelung von Informationen, gehen sie davon aus, dass Analsex nicht wirklich Sex ist. („Andernfalls hätte man das doch im Aufklärungs-Unterricht erwähnt, stimmt’s?“) Kinder erzählen also Forschern, dass Analverkehr, im Gegensatz zu vorehelichem Vaginalverkehr, vor dem sie ja gewarnt wurden (Geschlechtskrankheiten! Schwangerschaft! Ewige Verdammnis!), keine Krankheitsrisiken birgt. (Ich kann’s gar nicht erwarten, das meinen ganzen toten Freunden zu erzählen!)

Ich wollte kreischen und schreien – Und hier habe ich ja auch gerade genügend Platz dafür – aber dann dachte ich mir, weisst du… scheiss drauf. Ich habe mich zehn Jahre lang über die Idiotie von Abstinenz-Erziehung aufgeregt und erbost. Offensichtlich kann ich sie nicht besiegen, also kann ich sie ja wohl genausogut unterstützen.

Mein ganzes Leben lang musste ich fundamentalistischen christlichen Fanatikern wie Pat Robertson und Rick Warren – Rick Warren, Obama? – zuhören, wie sie vor der grässlichen, bösartigen, wirklich bubu-mäßigen Sodomie warnten, die Schwule da betreiben. Aber in Wahrheit hab ich meinen Freund die ganzen Jahre über gar nicht in den Hintern rein missbraucht! Ich habe seine Jungfräulichkeit geschützt.

Ich hab‘ endlos die Jungfräulichkeit meines Freundes bewahrt, 14 Jahre lang. Sollte er sich eines Tages entscheiden, eine Frau zu heiraten – Wunder soll es ja geben! – wird er in der Lage sein, in Weiß zur Hochzeit zu kommen! Verdammt, er ist so scheissrein dass er Frischhalteefolie tragen könnte.
Und seine Frau müsste mir
danken, dass ich mich so aufopfernd um seine Jungfräulichkeit gekümmert hab. (Leider kann mein Freund nicht meine Jungfräulichkeit schützen. Als Teenager hatte ich echten Vaginalverkehr, unter Nötigung, mit der echten Scheide eines echten Mädchens.) Aber bis er das richtige Mädchen trifft werde ich ihn weiter zur Jungfräulichkeit bumsen bis er heilig gesprochen wird. Seine Unschuld geht nirgendwohin – nicht solange ich drauf aufpasse!

Unter’m Strich lernen wir eine ganze Menge, und auch all die wichtigen Dinge. Aber wenn man bedenkt, dass nicht nur Bonobos, sondern auch gewisse Vertreter unserer eigenen Art einen Tagesablauf schätzen, der mit drei Verben aufgelistet werden kann, könnte man vielleicht doch ein paar mehr Schulstunden mit dem Thema verbringen.
Das Thema „Die Amsel“ haben wir im Sachkundeunterricht etwa fünf mal so lange durchgenommen wie die Sexualität. Dabei verbringen die wenigsten Leute so viel Zeit mit Vögeln wie mit vögeln.

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Written by vetaro

16. Januar 2009 um 7:27 pm

3 Antworten

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  1. Da das hier auch Minderjährige lesen, hast du denen jetzt was erzählt, was sie vorher bestimmt nicht wussten!
    Du Sau!

    -bloodberry-

    17. Januar 2009 at 4:17 pm

  2. […] Wer schon länger mitliest, weiß, dass ich auch sachen über Penisse zu sagen habe. Ich kann bei von euch geäussertem Bedarf sogar noch mehr dazu sagen. (ohne […]

  3. ich glaub du hast sand in deiner vagina

    gnafna

    3. Oktober 2011 at 8:59 pm


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