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Genetik und Medien vertragen sich nicht

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Seit Jahren nervt mich das Fernsehen mit Berichten über Genetik. Nicht, weil das Thema blöd ist, sondern weil praktisch jeder populäre Sender hauptsächlich Dinge bringt, für die „Falschmeldung“ eine untertriebene Beschreibung ist. Zum Glück seh ich kein Fernsehen mehr.

Hautnah erinnere ich mich an einen Bericht von Galileo (als es anfing, sich zu einer BILD-Zeitung im Fernsehen zu entwickeln) der per computeranimation zeigte wie sich die Menschen in der Zukunft entwickeln würden. Man sah eine disco, in der ein Mann und eine Frau, beide mit naturglatze, rumtanzten. Beide waren dünn und etwas größer, und das wären, nach Ansicht der Berichterstatter, so die zu erwartenden Entwicklungen in der Zukunft. Keine Haare, größere Menschen. Weil der Mensch die ja schliesslich nicht mehr bräuchte weil er selber genug Wärme erzeugen würde. Und weil das Essen immer besser würde.

Etwa ein halbes Jahr später kam bei Taff die Behauptung, der Blinddarm-Wurmfortsatz, der ja keinen Nutzen mehr hat (ausser sich zu entzünden und operativ entfernt werden zu müssen), würde sich in Zukunft weg-entwickeln.

Und dann die ganzen Diskussionen, sogar in Zeitungen, über die ethischen Pflichten von Genetikern die sich ans Klon-Thema heranwagen würden. Ob es überhaupt rechtens wäre, Menschen nachzumachen. Und was passieren würde, wenn jemand sein Klon treffen würde, wegen Verwechslungsgefahr. Stellen sie sich nur vor man würde seine Katze oder sein Kind im Glas neu-züchten, weil das original in einem Unfall umgekommen ist.


Dolly, das erste geklonte Schaf. Leider übersehen die Leute immer, dass 277 Versuche für ein Schaf nötig waren.

Das sind Behauptungen, die ein Laie wie ich umstoßen kann. Wie kommen die auf soetwas? Schreiben deren Praktikanten die Texte? Oder lassen die das von „Wissenschaftlern“ belegen, die Dermatologie oder Jura studiert haben, glücklicherweise aber so ein tolles „Dr.“ vor ihrem Namen haben, damit man ihnen vertrauen kann?

Evolution funktioniert, in Grundzügen, folgendermaßen: Tiere kriegen Kinder die ihren Eltern mehr oder weniger ähneln. Und irgendwann kommt es mal vor, dass irgend eines mit ’ner unerwarteten Eigenschaft geboren wird. Zum Beispiel könnte ein Kind zufällig größere Ohren haben. Oder längere Beine. Im Grunde sind viele Behinderungen ganz ähnliche Zufälle.

Wenn es sich jetzt aber erweist das das Kind mit den großen Ohren oder den längeren Beinen besser zurecht kommt, weil es Feinde früher hört oder besser vor ihnen fliehen kann, dann  überlebt es auch besser. Und hat bessere chancen, alt genug zu werden, um Kinder zu kriegen. Seine Kinder wiederum werden wieder ganz, mehr oder weniger, ähnlich wie Papa und Mama. Und haben wahrscheinlich große Ohren oder lange Beine.

Das Problem dabei, das jetzt 1:1 auf normale Menschen zu übertragen ist jetzt folgende: Es ist einfach total blöd.

Wir Menschen haben keine natürlichen Feinde mehr. In der Stadt müssen wir weder Raubtiere hören noch vor ihnen fliehen. Ja, hier bei uns müssen wir nicht einmal einen der besseren Jobs haben um zu überleben und Kinder zu kriegen, weil wir in einem sozalien System leben: Auch Arbeitslose kriegen genug Geld zum Leben.

Wieviele Kinder ein Mensch in seinem Leben zeugt hängt also am allerwenigsten daran, wie sehr er biologisch überlebensfähig ist. Bei uns Menschen sind die Regeln der Evolution ausser Kraft gesetzt.

Ganz allgemein gesagt liegt es also völlig am Zufall, wie wir in Zukunft aussehen werden (es gibt da ein paar Ausnahmen, wie Haarfarben, das ist aber was anderes). Ganz besonders wird sich nicht irgendwas wie unser Blinddarm-Wurmfortsatz rückentwickeln „weil wir es nicht mehr brauchen“.

Die Evolution hat keine Meinung oder Gedanken, sie ist nichtmal eine ewig vorhandene Kraft wie die Schwerkraft. Sie ist einfach nur ein Wort für einen Vorgang der manchmal passiert. Wie „Furzen“.  Nur neigen Menschen dazu, zu glauben, es müsse Dinge geben, weil sie ein Wort dafür haben.
Oh, und dann ist da noch diese Sache mit dem Klonen. Die sind alle, von Grund auf, Falsch. Erst einmal deshalb, weil geklonte Tiere nicht im Glas aufgezogen werden. Die Zellen werden dennoch einem Muttertier eingepflanzt, welches diese dann austrägt. Aber dann kommt der wichtige Teil:
Wesen sind hauptsächlich durch ihre Erfahrungen definiert. Man kann nicht sein Kind oder sein Tier nachklonen (selbst wenn man es technisch könnte). Es würde dennoch eine völlig eigene Person.  Aktuell können wir noch nichtmal Lebewesen nach Blaupause erschaffen: Der Zufall nimmt immernoch einfluss wie er will auf das entstehende Kind.

Fernsehen macht dumm.
(Siehe auch)

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Written by vetaro

10. Januar 2009 um 7:13 pm

2 Antworten

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  1. schön hast dus hier

    der stievo

    10. Januar 2009 at 8:41 pm

  2. Toller Blog 😀 Ich bin ja passionierte Biologin, und mag es wenn mal jemand nicht auf diesen Panik-Zug aufspringt 😀

    Miu

    12. Januar 2009 at 10:38 am


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