Hu

Animation = -Rollenspiel.

with 2 comments

Ein Klassiker: „In WoW ist das Rollenspiel schlecht“. Aber warum? Warum findet man allgemein bessere Rollenspieler bei Neverwinter Nights? Und warum tötet Teamspeak das Rollenspiel? Es ist eigentlich ganz einfach, und mit dem Thema befassen wir uns heute mal.

Meine eigene Theorie zu dem Thema geht so: Je mehr andere Möglichkeiten die Spieler erhalten, sich auszudrücken oder zu beschäftigen, desto weniger greifen sie darauf zurück, einfach etwas hinzuschreiben. Animationen und dergleichen verhalten sich also negativ proportional zum Rollenspiel. Anders ausgedrückt:

Animation = – Rollenspiel

Natürlich funktioniert das nur potenziell und allgemein gesehen, einzelne Spieler sind immer anders. Wir scheren uns heute aber auch nur um das Gesamtbild. Gehen wir also mal vier Beispiel-Spiele durch:

Second Life bietet mehr Ausdrucksmöglichkeiten als irgend ein anderes Onlinespiel

Second Life
(Siehe auch meine Einführung in Second Life)

In SL kann man für Alles Animationen finden und benutzen. Und wenn es sie noch nicht gibt, erstellt man sie eben selber (sofern man es gelernt hat – ist wie programmieren). Von Umarmen über Armdrücken bis hin zu Sextechniken aus dem Kama Sutra ist alles drin. Dieser Tanz hier zum Beispiel ist komplett von einem Spieler erstellt worden.

Ebenso kann man unbegrenzt beliebige Sounds benutzen oder sich per Mikrofon über Voicechat unterhalten (ein bisschen wie auf CS-Privatservern, wo es für alles irgendwelche sound-kommentare gibt…)

Und genau das sehe ich als den Grund, weshalb man in SL auch ohne viel Suchen Leute findet, die sich folgendermaßen unterhalten, während sie pimpern:

A: „give it to me“
Zwei minuten Stille
B: „hm what“
A: „OHhhhhhhhhhhhh you are so god“
B: „yes take it“
Zwei minuten Stille
A: „Ahhhh ohhh ohhh yes harder“
B: „I cum“
A: „yes god“

Und so weiter. Wir definieren das jetzt einfach mal als die Untergrenze für Rollenspielqualität. Schlechter geht praktisch nicht mehr

Natürlich gibt es eine Menge Leute, die wirklich gut rollenspielen, SL ist immernoch meine zweite Anlaufstelle für Rollenspieler, und gerade bei den dortigen Furries gehts ziemlich ab. Wenn ich jemandem empfehlen wollte, wo man Rollenspiel suchen sollte, wäre das geeigneter Anlaufpunkt.

Doch dennoch: SL ist voll mit Leuten, die sich kein bisschen darum scheren, ganze Sätze zu schreiben oder den Leuten per Tastatur was mitzuteilen – weil sie ja die viel coolere Option haben, alles über lustige Sounddateien auszudrücken oder per Mikrofon zu reden.

Hinzu kommt, dass SL auch einfach genug zu bedienen ist, dass genügend ambitionierte Vollidioten kein Problem haben sollten, es zu benutzen, man muss nicht Rocket Science studiert haben, um es zu benutzen (Wer also schonmal an SL gescheitert ist: Keine Sorge, du hattest nur nicht den Nerv, es dir entsprechend lange anzutun).


World of Warcraft

(Die Geschichte zum Screenshot rechts gibt’s hier)

WoW hat emotes. Der Klassiker ist natürlich Goldhain, wo gerne Gespräche geführt werden, in denen jede zweite Zeile aus einem Emote wie /winken, /tanzen oder /lachen besteht.  Und natürlich lesbische Nachtelfen, die per schlafen-Emote so tun als würden sie die 69 machen.

In der hier drüber verlinkten Szene kommen diese emotes natürlich nicht vor, aber die dort gezeigten Leute werden eben von genau dem, was das Spiel bietet, angezogen.

Ausserdem gibt es natürlich eine ganze Menge Leute, die trotz RP-Server kein Rollenspiel betreiben. Sie haben zu viel zu tun mit den anderen gebotenen Möglichkeiten (also dem Content). Das ist eine andere Form von nicht-Rollenspiel, aber um die geht es diesmal gar nicht.

Furcadia hat ein ziemlich hohes Rollenspiel-Potenzial und eine großartige Rollenspiel-Community.

Furcadia

(Eine Einleitung zu Furcadia gibt’s hier)

Furcadia kennt folgende Animationen: Eine simple Laufanimation, ausserdem „Stehen“, „Sitzen“ und „Liegen“. Mehr gibt es einfach nicht. Alles andere muss beschrieben werden.

Ich habe noch nie, also, nie in zwei Jahren Furcadia jemanden getroffen, der nur dort war, um zu stören. Und etwa fünf Leute, die nicht in der Lage waren, sich wie normale Menschen auszudrücken. Das ist so viel: *Hält Daumen und Zeigefinge 2 Millimeter auseinander*

Man findet an jeder Ecke Leute, die freudig und gerne bereit sind, sehr lange und gute Rollenspiel-Beiträge zu schreiben. Wenn jemand so viel schreibt, dass ungefähr das gesamte Textfeld (siehe Bild oben) damit gefüllt wird, heisst das „paragraph“, und davon gibt es eine ganze Menge Leute. Das ist quasi der Standart.

MUCKs, hier Tapestries MUCK, sind pur Text-basierte spielergeschaffene Onlinewelten.

Text-Dungeons

MUCKs sind wohl eine der ältesten Formen von komplexen Chatsystemen (seit 1990 gibt’s die). Und sie sind immernoch die komplexesten Chatsysteme, mit komplett handgeschriebenen Orten und Programmen.

Während in Furcadia ein Paragraf die durchschnittliche Länge eines einzelnen Posts darstellt, haben die mir bekannten MUCKs eine durchschnittliche Länge von 3 Paragrafen.

Die Ortsbeschreibung aus dem Screenshot hier rechts geht nochmal doppelt so lang weiter. Entsprechend kreativ und unterschiedlich sind auch die dort zu findenden Leute und Charaktere.

In ein MUCK verirren sich wirklich keine Leute mehr, die nur da sind, um zu nerven. bei MUCKs beschwert sich auch heute noch keiner, dass überall kiddies sind und rumnerven, und dass früher alles besser war.

Fazit

Ich hoffe, damit habe ich genug Beweise angesammelt. Je mehr Visuelle Hilfe und Animationen ein System bietet, desto geringer ist die allgemeine Tendenz zum Rollenspielen. Nochmal: Ich will damit nicht alle Spieler verallgemeinern, sondern eine Art Durchschnitt, die Neigung der Community als Ganzes. Die vorgestellten Spiele nutze ich natürlich alle selber und würde sie als einzelne möglichkeiten für Rollenspiel nicht missen wollen, auch wenn einige besser oder schlechter in bestimmten bereichen sind.

Advertisements

Written by vetaro

8. Januar 2009 um 8:47 pm

Veröffentlicht in Internet, Spiele

Tagged with , , , , ,

2 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Ich behaupte sogar noch dreister: Wer nicht mal DnD (oder irgend ein anderes Offline-Rollenspiel) gespielt hat, weiß gar nicht, was Rollenspiel ist.

    Im Internetz ist man immer beschränkt und will alles schnell schnell schnell… Geschichten sind sekundär. Was zählt: lvl und buffst…

    lbadder

    27. Oktober 2009 at 10:42 am

  2. you didn’t get it

    vetaro

    27. Oktober 2009 at 1:15 pm


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: