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Fable 2 – Kompletteinführung (mit vielen bunten Bildern)

Seit anfang letzter Woche durchgespielt. Fable ist ein ziemlich gutes Spiel, vor allem aber ist es schwer zu sagen, wo man mit Erzählen anfangen soll. Ich versuche es einfach mal. Das hier ist das Ergebnis von drei Stunden Arbeit.

Kernfeatures

Beeinflusse dich selbst…
Was macht dieses Spiel zu etwas besonderem? Die Lionhead Studios haben ihr schönstes Feature mitgebracht: Die Heldin (man kann auch einen Helden wählen, ich nehme aber weiblich weil das Wort länger ist) verändert Ihr Aussehen anhand ihrer Handlungen. Ausser „Gut“ und Böse“ entscheiden noch „Reinheit“ oder „Verdorbenheit“ über das Aussehen der Heldin.
Eine Gute und Reine Heldin erhält einen Heiligenschein und eine freundliche Ausstrahlung, während einer bösen Heldin Hörner wachsen. Ist sie dann noch Rein oder Verdorben, wird ihre Haut blau oder rot (wie die böse Seite auf dem Cover),


Bei den Schönsten Kämpfen im Spiel geht es gegen Trolle. Diese schmeissen Felsen und bewirken erdwirbel – Die Rumble-Funktion im Xbox 360 Controller kommt ziemlich ausser Atem.

Ausserdem hat man einen Hund. Der kleine folgt einem durch das gesamte spiel und hat eine AI. Er zeigt stellen, an denen Schätze vergraben sind, und wenn man einen Gegner zu boden wirft, kann man dem Hund sogar befehlen, ihn fertig zu machen. Auch der Hund ist von der eigenen Moral betroffen, so stark ist die Bindung zwischen Charaktre und Begleiter. Sein Fell wird hell und Perwoll-Werbungsmäßig oder dunkel und höllenhundmäßig. Im gegensatz zu Black & White muss man seinen Hund allerdings nicht wie die Kreatur erziehen. Er weiß, was er zu tun hat.


Über die Grafik gibts nichts zu streiten. Wenn ich die Wahl hätte, ob die Realität aussehen soll wie Fable 2 würde ich „Ja“ wählen.

…Und beeinflusse die Welt in der du lebst.

Man hat große Freiheiten im Spiel. Beinahe jedes Haus im Spiel kann man kaufen – und dann darin einziehen oder es vermieten. Da diese Miete in echtzeit angesammelt wird, sogar wenn man nicht spielt, sind Immobilien in Fable 2 eine sichere Anlage.

Alle Menschen, die man trifft – und es gibt eine ganze Menge Zivilisten – kann man anfreunden, belustigen, erschrecken, unterdrücken oder auch einfach abschlachten. Abhängig von ihrer Sexualität (meiner Meinung nach sind Homo- und Bisexuelle im Spiel ziemlich unterrepräsentiert) kann man sie aber auch Heiraten. Und: Verhüten oder nicht. Die Heldin (oder die Partnerin des Helden) kann davon auch schwanger werden und ein Kind gebären.

Oftmals verändert man auch die gesamte Welt durch seine Entscheidungen. Entsprechend der Eintscheidungen, die man im Spiel-Intro trifft, wird die Altstadt der Hauptstadt zu einem blühenden distrikt oder einem finsteren Loch. Später kann man einem Freund helfen, eine Stadt, die ein ziemlich dreckiges Loch war, zu einem – Naja, prosperierenden weniger dreckigen Loch zu machen.


Knusperhäuschen, süüß. Mit den wenigsten Ausnahmen kann man alle Häuser im Spiel kaufen.

Ausserdem ist das gesamte Spiel vertont. Ausnahmslos alle Gespräche sind etwas zum Zuhören, man erhält nirgendwo Text zum durchklicken. Sogar Dorfbewohner reden mit einem. Und in der deutschen Version habe ich keine schlechten Synchronisationen erlebt.

EDIT, April ’09: Beim zweiten durchspielen schon. Man kann aber die okaye englische sprachausgabe kostenlos runterladen, was ich sehr empfehle. Bei der deutschen dub hab ich nun oft das gefühl, die sprecher wüssten gar nicht, was sie da vorlesen, weil sie nie das spiel zu gesicht bekommen hätten. in schlimmen Phasen nimmt das The Witcher-Qualitäten an.


…Und das sieht im Spiel dann tatsächlich so aus! Ja, nochmal Trollfight.

Kampf

Fable 2 ist kein Hack and Slay, es ist deutlich ein Rollenspiel. Wenn man freundlich mit den Leuten umgeht, hat man in den ersten 2 Spielstunden potenziell 15 Minuten Kampf hinter sich gebracht (andererseits, wenn man einfach alles und jeden angreift, hat man vielleicht 15 Minuten friedlich zugebracht. Dann ist man aber selber schuld).


Fable 2 sieht auf eine angenehme Weise gezeichnet-realistisch aus.

Es gibt kein Klassensystem. Stattdessen kann die Heldin im Nah- und Fernkampf angreifen oder zaubern. Für jede dieser Aktionen gibt es Erfahrungspunkte in der entsprechenden Kategorie, hinzu kommt noch normale Gegner-Kill-Erfahrungspunkte, die als Joker für alle drei kategorien verwendet werden können. Auf diese Weise kann man sich auch in mehreren Bereichen ausbilden, oder man lässt es halt. Alle drei Wege fühlen sich angemessen overpowered an, sind es aber nicht.


Das muss auch mal gesagt werden: Nur wenige der Frauen im Spiel sind wirklich hübsch, diese sind dann aber wirklich akzeptabel. Und keiner der Männer die ich getroffen habe, ist hübsch. Kein einziger. Bierbauch und Deppenlook sind weitverbreitet und typisch. Kein wunder, wenn die Heldin da lesbisch wird.

Die Magie-Lösung ist besonders schön. Endlich nämlich gibt es kein Mana mehr – nur noch Castzeit, je stärker der Zauber werden soll. Das ist nicht mit WoW-Verhältnissen vergleichbar: Man wird von schlägen nicht unterbrochen (ausser solchen, die einen zu boden werfen), und wenn man sich mit einem der Zauber Geister beschwört, greifen die Gegner tatsächlich zuerst jene an.

Glücklicherweise sind Geister unbesiegbar und verschwinden erst nach einer angemessenen Zeit. Diese beschwörbaren Kreaturen sind, im gegensatz zu Diable 2 oder Titan Quest, endlich einmal sinnvoll und angemessen stark. Einfach so gewirkt erhält man einfach ein paar leere Hüllen, die einem helfen. Sind jedoch leichen von Feinden verfügbar, entsteigen diesen Geister, die den Gegnern angemessene Fende sind.


Zu beginn des Spiels ist man selber noch ein Kind. Zusammen mit der Großen Schwester kauft man sich eine kleine Spieluhr von hart erarbeitetem Geld und wünscht sich, dem Leben auf der Straße zu entkommen und in den Palast des Lords einzuziehen.

Handlung

Für ein Spiel, in dem die Heldin selber nicht spricht – ja, sie hat nicht einmal einen Namen, statt dessen wird man bei einem Spitznamen oder Titel gerufen, den man sich erarbeiten oder kaufen kann – gibt es ziemlich viel Handlung zum Angebot.

Spoilerwarnung für jene, die das Spiel noch spielen wollen. Ab hier kommt nur noch Handlung und ein Weiterlesen-Link. Im Handlungsteil sind keine Bilder mehr, damit man nichts verpasst, wenn man es nicht lesen möchte.

Der Aufhänger der Handlung ist eigentlich ziemlich schnell erklärt: Lord Lucien ruft zwei kleine Straßenmädchen in sein Schloss. Er hat vor, den großen Turm wieder aufzubauen, der alle Magie der Welt ansammeln soll, um Wünsche zu gewähren. Und er stellt fest, dass diese Mädchen möglicherweise die Helden sind, die ihn davon abhalten können. Ohne zu zögern erschiesst er zuerst die ältere schwester und dann die Heldin selbst, die durch ein großes Fenster und herab auf die Stadt stürzt. Mit den Worten „Heute wirst du nicht sterben, kleiner Spatz“ tritt die blinde Theresa auf.

Mehr als zehn Jahre später beginnt das eigentliche Spiel. Theresa hat einen ausgebildet und aufgezogen. Sie ist es auch, die den Plan gegen Lucien erklärt: Die Helden müssen versammelt werden, um ihn zu besiegen. Das Ziel ist es also, diese Drei Leute zu sammeln.

Während die Heldin der Kraft noch relativ mühelos zu kriegen ist, wird es bereits danach sehr kritisch: Der Held der Willenskraft (Magie) ist von Lucien gefangen worden und im bereits gebauten Fuß des Turmes untergebracht. Mühevoll gelangt man als Rekrut hinein: Hier herrscht unterdrückung und misshandelung, und zwar sowohl für die Wachen als auch für die Gefangenen und Arbeiter. Ein Halsband entzieht jegliche Willenskraft und Erinnerungen, sich diesem zu widersetzen bewirkt nur starke Schmerzen. Ganze zehn Jahre ist man gefangen.
Mithilfe des Helden der Willenskraft jedoch schafft man es zu fliehen – zehn Jahre hat er gebraucht, um die Kraft zu sammeln, das Halsband der Heldin zu zerstören.

Noch schlimmer ist der Held des Könnens: Ein auf sich selbst konzentrierter und abartiger Geck, der einen unter einem Vorwand in eine Höhle schickt. Hier trifft man auf ein Schattentribunal. Der Held des Könnens hat sich seit mehreren Jahrhunderten die Jugend bewahrt, indem er die anderer Menschen geopfert hat – die Stadt, in der die Höhle liegt, wird nur noch von Zombies und Angstgeistern bevölkert – und man selbst kehrt aus der Höhle faltig und mit vor alter starrendem Gesicht hervor, wenn man nicht eine ungewollt hereingekommene Zivilistin opfert.

Bei der Rückkehr zu ihm stellt man fest, dass er einen verraten hat. Luciens Männer sind auf dem Weg. Entgegen der Erwartungen schnappen sie sich jedoch nicht nur die Heldin – sie vernichten direkt die gesamte Stadt, und auch den Helden des Könnens haben sie auf der Liste. Gemeinsam flieht man und trifft auf einen Splitter des Turmes – fliegende, rautenförmige Objekte, die Zaubern können und Truppen herbeirufen. Dies ist der letzte Kampf im Spiel, aber zu jenem Zeitpunkt ist es einem noch nicht einmal richtig bewusst.

Gemeinsam kehren die drei Helden und die Heldin zurück zur Basis, wo Theresa wartet – der Held des Könnens ist jedoch immernoch unwillig. Ein kurzes Ritual genügt – die drei Helden geben der Heldin ihre Kraft: Sie selbst ist die Waffe gegen Lucien wie es scheint.

Doch Lucien ist da: Seine Truppen haben den Ort umstellt und alle anderen werden gefangen. Lucien stellt sich und teilt einem mit, dass er die Familie der Heldin persönlich umgebracht hat (wenn vorhanden natürlich). Dann legt er auch auf einen selbst an – doch der Hund springt in den Schuss und fängt ihn ab. Zwecklos, Lucien drückt erneut ab, diesmal trifft er.

Nach einer Vision erwacht man, erneut dem Tode entkommen – und erneut im Fuß von Luciens mitlerweile fertigem Turm. Man erreicht den Zentralen Raum, wo man Lucien davon abhält, die Kraft der anderen Helden auf sich zu übertragen. Abhängig davon wie viel Zeit man sich lässt erschlägt man ihn selber, oder der Held des Könnens tut es – Ich hätte gerne die Möglichkeit gehabt, auch ihn zu töten. All das benötigt keinen Kampf mehr, es sind pure Storyszenen.

Theresa erscheint. Sie gewährt der Heldin einen Wunsch. Entweder,sie belebt alle beim Bau des Turmes umgekommenen Menschen wieder, ausser der eigenen Familie. Oder nur diese, inklusive der großen Schwester Rose und dem Hund. Oder sie gewährt endlosen Reichtum – und alle anderen werden Verloren sein, so wie das Volk einen Hassen wird.

Die Entscheidung meiner guten und reinen Heldin war, das Volk zu retten. Theresa gewährt den Wunsch und schickt sie aus dem Turm: Man kommt am Hafen einer der Städte wieder an. An dieser Stelle erschien sie auch nach dem ersten Aufenthalt im Turm – Doch diesmal wird sie nicht von seinem Hund begrüßt. Eine unglaubliche Leere erfasst die Heldin. Sie hat sehr viel durchgemacht. Sie ist vom Alter gezeichnet, ihre Frau ist tot, ihre Schwester und ihr Hund ebenso. Das Volk feiert sie, doch auch die in der Hauptstadt für sie aufgestellte Statue bereitet nicht viel Freude.

Die Heldin entscheidet, dass es genug ist. Sie verlässt die Welt der Menschen, denen sie geholfen hat, um alleine zu sein.

Das ist nicht die Wahrheit in Spielbegriffen – Doch so fühle ich mich. Die Handlung geht einem ziemlich nahe, und was im Turm noch eine gute Idee war, zeigt das gesamte Ausmaß erst bei der Rückkehr. So endet die Geschichte – das Wohl für die Gesellschaft hat oft einen faden Beigeschmack.

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Written by vetaro

8. Januar 2009 um 6:14 pm

Veröffentlicht in Spiele

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2 Antworten

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  1. […] Blue Dragon ist linear. Ich habe mal jemanden schreien hören, Fable 2 wäre schrecklicherweise Linear. Dort merkte man es aber nicht so sehr. Dort ging die Handlung auf […]

  2. […] ist auch bewusst, dass z.B. die Fable 2-Grafik nicht alle Verstrickungen zeigt: Die Handlung geht auf Hund und Familie ein. Aber an sich […]


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